Review: Star Wars: Die Hohe Republik – Das Licht der Jedi | Charles Soule (Buch)

Das Star Wars Universum

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Ganz und gar nicht gruselig hingegen – ich führe hier quasi die Einleitung vom gestrigen Abend fort – habe ich nachfolgendes Buch empfunden, das ich – zeitverzögert – nun auch endlich zu lesen geschafft habe.

Star Wars
Die Hohe Republik
Das Licht der Jedi

Star Wars: The High Republic – Light of the Jedi, USA 2020, 496 Seiten

Star Wars: Die Hohe Republik - Das Licht der Jedi von Charles Soule | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Charles Soule
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16289-3

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Die Anomalien rasten der Sonne entgegen, und einige von ihnen befanden sich auf direktem Kollisionskurs mit den bewohnten Planeten und ihren Orbitalstationen. Außerdem wurden sie nicht langsamer. Bei diesem Tempo, nur knapp unter Lichtgeschwindigkeit, war es egal, ob es Asteroiden oder Schiffe oder Schokoriegel waren. Was immer sie trafen, würde in seine kleinsten Bestandteile zerfetzt werden.

Während sich die Legacy Run mit mehreren tausend Kolonisten an Bord im Hyperraum und auf dem Weg zu den Outer-Rim-Territorien befindet, ereignet sich ein beispielloses Desaster, bei dem es den betagten Frachter in Stücke reißt. Bald schon stürzen die ersten Bruchstücke mit annähernder Lichtgeschwindigkeit aus dem Hyperraum und erscheinen im Orbit rund um den landwirtschaftlich geprägten Planeten Hetzal Prime, dessen Bewohner kaum wissen wie ihnen geschieht, so sie denn die Gefahr überhaupt ernst nehmen. Nach den ersten Einschlägen allerdings werden der Ernst der Lage und das immense Zerstörungspotential der Raumschiff-Fragmente deutlich und eilends wird die Republik und mit ihr die Jedi um Hilfe gerufen. Doch selbst für die versierten Machtnutzer unter Führung von Avar Kriss ist es eine Ausnahmesituation sondergleichen und nur mit vereinten Kräften und der Hilfe von Zivilschiffen und Militär-Vertretern wie Admiral Kronara wird es gelingen, der Lage Herr zu werden, die alsbald aufgrund der Erkenntnisse eines Jedi-Padawan noch ungleich mehr schockierende Ausmaße annehmen wird. Und über all dem prangt die bange Frage, ob es sich um einen verheerenden Unfall oder womöglich einen terroristischen Akt gehandelt haben mag, was Kanzlerin Lina Soh dazu veranlasst, die Hyperraumrouten ins Outer Rim einstweilen zu sperren. Für die von Frieden und Expansionswille geprägte Republik ein herber Schlag…

Rezension:

Lange hat man – nicht nur hierzulande – warten müssen, denn nachdem der im Original als Light of the Jedi bei Del Rey bereits Mitte 2020 erscheinen sollte, wurde er – wie so vieles – aufgrund der Corona-Pandemie verschoben, was dann im gleichen Maße natürlich auch die deutsche Ausgabe betraf, die es nun aber immerhin seit Ende August als Das Licht der Jedi zu bestaunen und zu kaufen gibt. Zu bestaunen deshalb, weil es sich hier eben nicht einfach "nur" um einen weiteren Star-Wars-Roman handelt, sondern eben gleichsam um den Auftakt einer gänzlich neuen Ära, genannt Die Hohe Republik, die sich grob 200 Jahre vor der Schlacht von Yavin verorten lässt. Ein durch und durch vielversprechender und erfrischender Ansatz, denn dank der zeitlichen Entfernung muss man nun wirklich auf kaum etwas aus dem existierenden und etablierten Kanon Rücksicht nehmen, wenn wir mal von Yoda absehen, der selbst damals schon weithin bekannter Jedi-Meister gewesen ist und hier des Öfteren kurz Erwähnung findet. Damit obliegt dem Roman die seltene und schwere Aufgabe, die sonst einem der Franchise-Filme zugefallen ist, nämlich, eine gänzlich neue Timeline zu eröffnen, vorzustellen und für eine standesgemäße Exposition von Figuren und Setting zu sorgen.

Viele Leute ignorierten die Warnung. Es hatte schon früher falsche Alarme gegeben, und manchmal klinkten sich Hacker in die Notfall-Computersysteme ein, um der Regierung einen Streich zu spielen oder anzugeben. Zwar hatte es noch nie einen Streich in dieser Größenordnung gegeben, aber in gewisser Weise machte es das nur einfacher, den Alarm abzutun. Ein ganzes System in Gefahr? Nein, das konnte nicht sein.

Und Charles Soule liefert auf ganzer Linie und zieht vom ersten Moment an in seinen Bann, was dahingehend gleich doppelt bewundernswert ist, weil ich ja aufgrund der kruden deutschen Veröffentlichungspolitik bereits durch den eigentlich nachfolgenden, respektive parallel verlaufenden In die Dunkelheit geringfügig gespoilert worden bin, was die Legacy-Run-Katastrophe angeht, die den großen Aufhänger für die Eröffnung der Ära liefert. Soule, bei Fans nun längst kein unbeschriebenes Blatt mehr und unter anderem federführend verantwortlich für die zunehmend großartige werdende Poe-Dameron-Serie, ist natürlich nicht im Alleingang an die Sache herangegangen und unter Federführung von Michael Siglain haben sich neben Charles Soule noch die Autor*innen Cavan Scott, Claudia Gray, Justina Ireland und Daniel José Older zusammengefunden, die ihrerseits ebenfalls Beiträge zur High Republic liefern werden, die sich mal mehr, mal weniger bedingen und beeinflussen.

Zunächst einmal gilt es aber natürlich, sich mit Das Licht der Jedi in diese neue Epoche entführen zu lassen und da gelingen dem Autor gleich im ersten großen Akt – schlicht als Die große Katastrophe betitelt – einige epische Schilderungen und Begebenheiten, die sich mühelos auch auf die Kinoleinwand übertragen ließen und ungemein effektiv das Kopfkino anspringen lassen, während wechselnde Perspektiven und Eindrücke dafür sorgen, dass weder Langeweile aufkommt, noch Tempo oder Dringlichkeit zum Erliegen kommen, denn es geht vom ersten Moment an um nichts weniger als die Rettung von Millionen und Milliarden Wesen. Und während ich sonst oft und gern kritisiere, wenn sich zu sehr auf Action und Bombast konzentriert wird, ist dies hier absolut gelungen, denn wie nebenbei etabliert Soule noch ein ganzes Ensemble an Jedi-Rittern und Zivilisten, die im weiteren Verlauf mehr oder minder tragende Rollen spielen werden, so sie denn nicht im ersten Akt das Zeitliche segnen. Mit kleinsten Eigenheiten und Manierismen gelingt es dabei in den meisten Fällen, dass man sich auch an die Figuren zu erinnern imstande ist und so ist es insbesondere möglich, die Vielzahl an Jedi auseinanderzuhalten, die natürlich auch in der weiteren Story eine tragende Rolle spielen.

Auf der Brücke der Third Horizon stand eine Menschenfrau allein vor den Aussichtsfenstern. Hinter ihr herrschte hektische Aktivität, als Offiziere, Navigatoren und Spezialisten von den Konsolen in ihren Alkoven aus die Rettungsmission im Hetzal-System koordinierten. Der Name der Frau war Avar Kriss, und seit fast drei Jahrzehnten war sie nun schon Mitglied des Jedi-Ordens, seit man sie als kleines Kind in den großen Tempel auf Coruscant gebracht hatte. Der Tempel war gleichzeitig Schule, Botschaft, Kloster und ein Schrein der Macht – dieser Energie, die jedes lebende Wesen durchströmte.

Ein oder mehrere Protagonist*innen lassen sich allerdings gar nicht mal so klar ausmachen, wenn auch Jedi-Meisterin Avar Kriss ebenso eine tragende Rolle spielt wie das Lehrer-Schüler-Gespann Loden Greatstorm und Bell Zettifar, doch insbesondere im zweiten Akt Die Pfade ist auffällig, dass sich Soule auch gezielt den Nihil widmet, die als große – und ungewöhnliche – Antagonisten-Schar dieser Ära inszeniert werden sollen. Da mag man anfänglich noch skeptisch sein, doch legt der Autor bereits in Das Licht der Jedi einen derart ausgefeilten und vielschichtigen Grundstein, insbesondere was den undurchsichtigen Marchion Ro betrifft, dass man spätestens nach dem dritten Akt Der Sturm überzeugt sein dürfte, dass die Hohe Republik sich einer Gefahr gegenübersieht, die den Sith in nichts nachsteht. So gehen hier Worldbuilding und Exposition Hand in Hand mit überzeugender, wenn auch längst nicht abschließender Charakterisierung und einem durchweg spannenden, vor allem aber auch vielschichtigen Plot, der einerseits die Story als solche voranzutreiben vermag, andererseits am Rande aber genügend Raum lässt, um die vielen Geschichten und Figuren anzudeuten, die sich andernorts und zu gegebener Zeit in einem anderen Roman in den Vordergrund drängen werden, was das Gefühl einer lebendigen, vor allem aber aufregenden, weil unvorhersehbaren Welt unterstreicht, deren Startschuss nun auch hierzulande offiziell gefallen ist.

Fazit & Wertung:

Mit Star Wars: Die Hohe Republik – Das Licht der Jedi eröffnet Charles Soule die neue Ära des Franchise mit einem regelrechten Paukenschlag und zieht vom ersten Moment an in eine atemlose, actionreiche und dramatische Geschichte, die an allen Fronten zu überzeugen vermag und es insbesondere versteht, eine ganze Schar an Charakteren stilecht in Szene zu setzen und darüber hinaus mit den Nihil die neue große Bedrohung überzeugend in Stellung zu bringen. Eines der überzeugendsten – und wohl auch wichtigsten – Werke im neuen Kanon bislang.

9,5 von 10 Gefahren und Geheimnisse im Grenzgebiet der Hohen Republik

Star Wars: Die Hohe Republik - Das Licht der Jedi

  • Gefahren und Geheimnisse im Grenzgebiet der Hohen Republik - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Star Wars: Die Hohe Republik – Das Licht der Jedi eröffnet Charles Soule die neue Ära des Franchise mit einem regelrechten Paukenschlag und zieht vom ersten Moment an in eine atemlose, actionreiche und dramatische Geschichte, die an allen Fronten zu überzeugen vermag und es insbesondere versteht, eine ganze Schar an Charakteren stilecht in Szene zu setzen und darüber hinaus mit den Nihil die neue große Bedrohung überzeugend in Stellung zu bringen. Eines der überzeugendsten – und wohl auch wichtigsten – Werke im neuen Kanon bislang.

9.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Die Hohe Republik – Das Licht der Jedi ist am 16.08.21 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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