Review: Einsamkeit und Sex und Mitleid | Helmut Krausser (Buch)

Heute Abend melde ich mich mal wieder mit der für einige Tage vernachlässigten Kategorie der Bücher zurück, wobei der Vernachlässigung schlicht daraus resultiert, dass Filme viel schneller gesehen werden können, als Bücher gelesen werden können. Aber gut, was rechtfertige ich mich, am besten ich wünsche euch einfach viel Spaß bei meiner neuesten Buchbesprechung…

Viel Spaß!

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Einsamkeit und Sex und Mitleid, DE 2009, 223 Seiten

Einsamkeit und Sex und Mitleid von Helmut Krausser

Autor:
Helmut Krausser


Verlag (D):
DuMont Buchverlag
ISBN:
978-3-832-16143-9

Genre:
Drama | Komödie

Inhalt:

Einsamkeit und Sex und Mitleid handelt von Dr. Robert Stern, dem auf einer Zugfahrt nach Berlin seine Schuhe von einem Punk namens Holger geklaut werden. Dies tangiert ihn jedoch nur peripher, denn seine Sekretärin und Geliebte Carla versorgt ihn schnell mit neuen Tretern, während Holger in Berlin Sybille kennenlernt. Dr. Sterns Frau Sarah weiß um dessen Affäre und hat sich damit abgefunden, während ihre Freundin Julia König sich vor einem guten Jahr von ihrem Mann Uwe getrennt hat und ihr dazu rät, sich einen Jungen vom Escort-Service kommen zu lassen für die „gewissen Stunden“. Dieser Junge ist Vincent, der voriges Jahr Weihnachten mit seiner Freundin zusammen gekommen ist. Julias Exmann Uwe wiederum ist Leiter eines Edeka-Marktes und lernt dort den ehemaligen Lateinlehrer Ekkehard Nölte kennen, der es nicht verwinden kann nicht mehr zu unterrichten und deshalb Zuflucht sucht im Nachtmahr, einer Berliner Kneipe, wo er die Kellnerin Minnie kennenlernt. In dieser Kneipe gerät auch der Punk Holger mit Mahmud aneinander, einem Araber, der dort mit Johnny nur ein Bier trinken möchte, obwohl beide um die Gunst der fünfzehnjährigen Swentja buhlen, deren Eltern Maschjonka und Robert Pfennig für die Teilnahme an einem Tanzwettbewerb die Hilfe der professionellen Tänzerin Janine suchen, welche den Edeka-Filialleiter Uwe über eine Online-Dating-Börse kennengelernt hat

Rezension:

So verworren sich die Inhaltsbeschreibung auch anhören mag, so gekonnt schafft es Helmut Krausser, niemals den Überblick zu verlieren und diesen Durchblick auch an seine Leser weiterzugeben. Die Figuren werden so behutsam und auf ihre ihnen eigene Art eingeführt, dass nur selten Verwirrung aufzukommen droht. Zudem schafft es Krausser durch seine Erzählweise, dass keine der Verflechtungen und Begegnungen aufgesetzt, erzwungen oder gekünstelt wirkt.

Einsamkeit und Sex und Mitleid ist so vielfältig wie die vorkommenden Figuren und weiß deshalb zu jedem Zeitpunkt wunderbar zu unterhalten, zumal sich der Autor zwar einerseits nicht zu ernst nimmt und die Geschichte mit einem Augenzwinkern in neue Richtungen zu lenken weiß, dabei das Ganze aber auch nie ins Lächerliche abdriften lässt.

Das einzige was man Herrn Krausser vorwerfen könnte ist, dass er doch extrem die gängigen Klischees bedient, sei es der saufende und stehlende Punk, der kaum des Deutschen mächtige und überaus aggressive Türke, der fanatische Araber, der gutsituierte Mann mit Geld und einer jungen Geliebten und so weiter und so fort. Zwar nimmt er diese Klischees auch wunderbar selbstironisch aufs Korn, jedoch funktioniert dies eben nicht immer oder nur bedingt.

Nichtsdestotrotz ist Einsamkeit und Sex und Mitleid ein guter Roman, zwar ohne hehre Ansprüche an die werte Leserschaft, aber doch herrlich unterhaltsam. Hier ist tatsächlich der Titel Programm, der mich natürlich als allererstes auf das Buch hat aufmerksam werden lassen, auch wenn ich gestehen muss, dass mir erst einige Zeit später aufgefallen ist, dass es sich um eine phonetisch naheliegende Umdichtung der Titelzeile der deutschen Nationalhymne handelt.

Fazit & Wertung:

Helmut Kraussers Roman ist kein großer Wurf und kämpft mit seinen vielen Klischees, aber seine Geschichten wissen zu unterhalten und zu begeistern und sorgen so für einige Kurzweil.

7,5 von 10 verwobenen Geschichten

Einsamkeit und Sex und Mitleid

  • Verwobene Geschichten - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Helmut Kraussers Roman ist kein großer Wurf und kämpft mit seinen vielen Klischees, aber seine Geschichten wissen zu unterhalten und zu begeistern und sorgen so für einige Kurzweil.

7.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Weitere Details zum Autor und dem Buch findet ihr auf der Seite des DuMont Buchverlages. Dort gibt es übrigens auch eine Leseprobe!

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