Review: The Road (Film)

Und schon wieder ist Sonntagabend und schon wieder liegt eine anstrengende, endlos scheinende Woche ohne freie Tage hinter mir. Trotzdem lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, euch auch heute wieder aus dem reichen Fundus der Filme, die mir letzthin zu sehen vergönnt waren, eine Rezension zu kredenzen.

The Road

The Road, USA 2009, 111 Min.

The Road
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
John Hillcoat
Autor:
Joe Penhall

Main-Cast:
Viggo Mortensen (Mann)
Kodi Smit-McPhee (Junge)
in weiteren Rollen:
Robert Duvall (alter Mann)
Guy Pearce (Veteran)
Charlize Theron (Frau)

Genre:
Drama | Endzeit | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Die Welt ist untergegangen. Über die Gründe wird sich ausgeschwiegen, vielleicht sind sie auch nicht bekannt. Doch Fakt ist, dass es keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Heizungen, keine Zivilisation mehr gibt. Ein Großteil der Menschheit ist verschwunden oder tot und die wenigen Überlebenden teilen sich auf in Jäger und Beute. In der verwüsteten Einöde der Postapokalypse reisen ein Mann und sein Sohn gemeinsam gen Süden, dorthin, wo es angeblich noch so etwas wie Hoffnung geben soll.

Um dem Leben und der Reise einen Sinn zu verleihen, predigt der Vater seinem Jungen Werte wie Menschlichkeit und Güte und ermahnt ihn, das Feuer im Herzen zu bewahren. Doch in Konfrontation mit der bitteren Realität werden die moralischen Grundsätze des Vaters mehr und mehr in Zweifel gezogen und korrumpiert. Bald schon liegt es an dem Sohn, das Handeln seines Vaters zu hinterfragen.

Rezension:

The Road basiert – wie sollte es auch anders sein – einmal mehr auf einer höchst erfolgreichen, gleichnamigen Buchvorlage von Cormac McCarthy, der unter anderem auch für No Country for Old Men verantwortlich zeichnete, was gleichsam erfolgreich von den Coen-Brüdern verfilmt worden ist (Film-Rezension zu No Country for Old Men). Diese Verfilmung nun stammt von John Hillcoat und trifft ebenso wie vorgenanntes Werk den Geist der Vorlage ziemlich gut. Naturgemäß kommt es auch hier zu Abweichungen, insbesondere bei den Rückblenden in eine heilere Welt, die letztlich nur dazu dienen, den Kontrast zu verdeutlichen und ansonsten kaum substanzielles zur Geschichte beitragen.

Die Geschichte allerdings hat es in sich, läuft sie doch so ziemlich jeder erzählerischen Konvention zuwider. Dramaturgische Spitzen, ausgefeilte Handlungsverläufe oder auch einen lupenreinen Antagonisten sucht man hier vergebens. The Road hingegen besticht dadurch, dass es ein extrem trostloses, beklemmendes, düsteres und hoffnungsloses Bild der zukünftigen Welt zeichnet, in der es schon lange nicht mehr darum geht, was die Katastrophe herbeigeführt hat, sondern nur noch darum, wie man sich sein Überleben sichert oder – im Fall des Vater-Sohn-Gespanns – sich seien Menschlichkeit bewahrt. Dass das gar nicht mal so einfach ist und die Welt, durch die sie irren, eine zutiefst grausame ist, offenbart sich in schlichten Aussagen, wie beiläufig stattfindenden, schockierenden Ereignissen und der wachsenden Paranoia des Vaters.

Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee stemmen hierbei den Film quasi im Alleingang und die Auftritte der anderen genannten Schauspieler wie Charlize Theron, Robert Duvall oder Guy Pearce beschränken sich auf wenige Minuten. So verkommt The Road auch weder zum Action-Reißer noch Endzeit-Spektakel, sondern schildert beinahe episodenhaft die Odyssee eines Vaters, der so verzweifelt darum bemüht ist, seinen Sohn zu beschützen, dass er darüber seine eigenen und letzten Prinzipien vergisst. Der Film spricht dabei existenzielle Fragen an, ohne diese beantworten zu können oder zu wollen, aber auch ohne auf religiöse Allgemeinplätze zu verweisen. Während einem als Zuschauer selbst die Kälte der Ödnis durch Mark und Bein zu kriechen beginnt, fängt man unweigerlich an sich zu fragen, wie man selbst sich in der jeweiligen Situation verhalten würde und welchen Sinn und Zweck ein solches Leben noch hätte.

Zu den überragenden und für sich sprechenden Schauspielleistungen gesellen sich eine ausgezeichnete Inszenierung und tadellose Kameraarbeit, die beide immer so viel Schrecken darzustellen vermögen wie nötig und dabei mehr Beklemmung hervorzurufen imstande sind, als es auf Schock-Momente getrimmte Horrorfilme jemals schaffen würden. Der gleichwohl hoffnungslose wie poetische Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis tut hierzu sein Übriges. Die beinahe literarische Herangehensweise rundet das Setting formvollendet ab und kann als zusätzliche Reminiszenz an das gleichsam herausragende und berührende Buch verstanden werden. The Road ist alles andere als leichte Kost und vielen sicherlich zu heftig, berührt allerdings ungemein und entfaltet gerade durch seine ruhige Erzählung eine ungeheure Kraft, die sich unter der Haut einnistet und einen so schnell nicht mehr loslässt.

Fazit & Wertung:

The Road ist wahrscheinlich der Endzeitfilm schlechthin, weil sich hier einmal keine Banden herumlungernder Gangster bekriegen und alles in der postapokalyptischen Welt auf Besitz, Gewalt, Nutten und Alkohol abgestellt wird. Stattdessen beschäftigt einen hier das nackte Überleben und selbst das Interesse an den Hintergründen des Weltuntergangs verblasst im Angesicht des vorherrschenden Fatalismus.

9,5 von 10 hoffnungs- wie ausweglosen Situationen

The Road

  • Hoffnungs- wie ausweglose Situationen - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

The Road ist wahrscheinlich der Endzeitfilm schlechthin, weil sich hier einmal keine Banden herumlungernder Gangster bekriegen und alles in der postapokalyptischen Welt auf Besitz, Gewalt, Nutten und Alkohol abgestellt wird. Stattdessen beschäftigt einen hier das nackte Überleben und selbst das Interesse an den Hintergründen des Weltuntergangs verblasst im Angesicht des vorherrschenden Fatalismus.

9.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
CineKie: 3/10 Punkte
Tofu Nerdpunk (Dr. Faust): 9/10 Punkte
Tofu Nerdpunk (El tofu): 2/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 10/10 Punkte

Als besonderer Service hier noch der Link zur DVD/Blu-ray von The Road bei Amazon:

DVD:

Blu-ray:

  • bullion

    Da hat uns der Film ja auf ähnliche Weise gepackt. Danke wieder einmal fürs verlinken. Generell scheint sich unser Filmgeschmack sogar ziemlich zu ähneln.

  • Oh wow, dieser Film ist mal vollkommen an mir vorbeigegangen. Da muss ich offensichtlich noch was nachholen…

  • @bullion: Stimmt, unser Filmgeschmack weist frappierende Ähnlichkeiten auf, habe ich jüngst bei "Tucker & Dale vs. Evil" gesehen 😉

    @Ilsa: Ja, unbedingt anschauen, allerdings nur, wenn du mit einer durchgängig trost- und hoffnungslosen Atmosphäre zurechtkommst; der Film verlangt einem tatsächlich einiges ab…

  • The Road hat damals, als er ins Kino kam, leider auch nicht wirklich für Aufsehen gesorgt. Was wohl auch an dem auf den ersten Blick recht ähnlichen "The Book of Eli" zurückzuführen ist, der fast zeitgleich angelaufen ist. Und wohl wegen dem Hauptdarsteller die Leute mehr ins Kino gezogen hat. Letztendlich muss man aber festhalten, dass The Road der um Welten bessere Film ist.

    Würde zwar nur eine 8 – 8,5 Wertung geben, aber den Film kann man letztendlich ohne schlechtes Gewissen jedem empfehlen, der mit der Thematik etwas anfangen kann.

    Und böse Banden, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen, gibt es doch. 😉 Jedoch sind die mehr Nebenerscheinungen, aber wohl der Grund für die von dir angesprochene wachsende Paranoia des Vaters

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