Review: Billionaire Boys Club (Film)

Zum Wochenende mal wieder eine aktuelle Film-Kritik zu einem Film, der theoretisch schon viel früher hätte erscheinen sollen, allerdings mit einigen Problemen zu kämpfen hatte, was seine Besetzung anging. Entsprechend dürfte er von vielen verschmäht oder abgestraft worden sein, doch ganz auslassen wollte ich ihn dann für meinen Teil auch nicht.

Billionaire Boys Club

Billionaire Boys Club, USA 2018, 108 Min.

Billionaire Boys Club | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
James Cox
Autoren:
James Cox
Captain Mauzner

Main-Cast:
Ansel Elgort (Joe Hunt)
Kevin Spacey (Ron Levin)
Taron Egerton (Dean Karny)
Emma Roberts (Sydney Evans)
in weiteren Rollen:
Ryan Rottman (Scott Biltmore)
Thomas Cocquerel (Charlie Bottoms)
Billie Lourd (Rosanna Ricci)
Barney Harris (Izzy Samedi)
Bokeem Woodbine (Tim Pitt)
Waleed Zuaiter (The Persian / Izzy’s Dad)
Rosanna Arquette (Mom Evans)
Cary Elwes (Andy Warhol)
Judd Nelson (Ryan)

Genre:
Biografie | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Billionaire Boys Club | © Universum Film
© Universum Film

Es sind die 1980er im sonnigen Beverly Hills und Dean Karny wünscht sich nichts sehnlicher, als bei der Elite mitzumischen und in den erlauchten Kreis der mehr als gut betuchten Unternehmer-Sprösslinge aufzusteigen. Da kommt es ihm gerade recht, als ihm der mit analytischem Gespür ausgestattete und ungemein intelligente Joe Hunt begegnet, den er noch aus College-Tagen kennt. Ausgestattet mit Deans Kontakten und Joes Cleverness starten die beiden voller Ambitionen ihr Business, doch bereits das erste Investment zieht Verluste nach sich. Um ihnen den Weg nach oben nicht zu verbauen, entschließt Joe sich zu einer faustdicken Lüge und suggeriert einen Reingewinn von sagenhaften fünfzig Prozent in gerade mal drei Wochen. Plötzlich sind die reichen Jungs Feuer und Flamme für das kryptisch als BBC bezeichnete Unternehmen und Joe und Dean ziehen ein klassisches Schneeballsystem hoch und fahren immer neue Investitionen ein, ohne dabei wirklich etwas zu erwirtschaften. Selbst der Geschäftsmann und Investor Ron Levin erklärt sich schlussendlich bereit, eine üppige Summe in die BBC zu investieren, doch über kurz oder lang wird die Seifenblase beinahe unweigerlich platzen müssen…

Rezension:

Regisseur und Co-Drehbuchautor James Cox kann einem leidtun, denn unabhängig von den Qualitäten oder Schwächen seines Billionaire Boys Club waren es die Vorwürfe gegen Kevin Spacey, die einer zeitnahen Veröffentlichung des 2015/2016 gedrehten und im Jahr darauf beendeten Films im Wege standen, weshalb sein auf wahren Ereignissen beruhendes Drama letztlich erst im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde und gnadenlos floppte. Nun hatte ich für meinen Teil auch daran gedacht, den Film eventuell auszulassen, sprich, zu boykottieren, doch täte ich damit den weiteren Beteiligten Unrecht und auch wenn ich es sicherlich nicht gezielt darauf anlege, noch Filme mit Herrn Spacey zu sichten, will ich auch nicht grundsätzlich davon Abstand nehmen, zumal er hier trotz prominenter Nennung nicht unbedingt die größte Rolle innehat und sich das Geschehen weit mehr auf die Emporkömmlinge Joe Hunt und Dean Karny fokussiert, die mit einer beispiellosen Scharade zunächst den reichen Jungs und später auch gestandenen Investoren und etablierten Firmen das Geld aus der Tasche ziehen.

Szenenbild aus Billionaire Boys Club | © Universum Film
© Universum Film

Nicht von ungefähr erinnert Billionaire Boys Club in seinen Grundzügen dann auch an Martin Scorseses Meisterwerk The Wolf of Wall Street, zieht bei einem direkten Vergleich aber natürlich merklich den Kürzeren, was aber nicht heißt, dass sich die Story nicht trotzdem lohnen würde. Einerseits nämlich ist es trotz ähnlich gearteter Ausgangslage dennoch faszinierend, was Hunt und Karny hier für eine Art Unternehmen aufgezogen haben, andererseits bekommt die Story nach einer guten Hälfte der Spielzeit von nicht ganz zwei Stunden einen gänzlich unerwarteten Dreh, der nicht mehr viel mit dem Balztanz in der Finanzwelt gemein hat, sondern einen konsequenten Niedergang der aufgestapelten Lügengespinste skizziert. Als Erzähler fungiert hierbei Shooting-Star Taron Egerton (Eddie the Eagle) als Dean Karny, der zunächst auch ein wenig mehr im Vordergrund der Ereignisse steht, doch mit Erscheinen des von Ansel Elgort (Baby Driver) verkörperten Joe Hunt verschiebt sich die Perspektive zunehmend zu seiner Person, ohne dass die erläuternden Off-Kommentare seitens Dean deswegen aufgegeben würden.

Natürlich ist James Cox‘ Film in vielen Belangen auch klassisches Biopic und nicht eben überraschend inszeniert, denn von nostalgischem Eighties-Flair über Schnittmontagen und Archivaufnahmen ist hier all das Teil des Repertoires, was wohl unausgesprochenen Gesetzen folgend Teil einer – zumindest in ihren Grundzügen – wahren Geschichte aus einem vergangenen Jahrzehnt sein muss, doch will ich das Billionaire Boys Club gar nicht ankreiden. Immerhin wird diese Art der Inszenierung ja eben deshalb immer wieder gern bemüht, weil sie sich als passend und effektiv erwiesen hat und so ist es auch hier der Fall, zumal die Achtziger ausnahmsweise nicht ganz so klischeebehaftet überfrachtet daherkommen, ohne dass man den Exzess aussparen würde, dem sich Hunt und seine BBC-Mitglieder so hingeben. Ergänzt wird der vorrangig männliche Cast derweil von Emma Roberts (Nerve), die hier die angehende Künstlerin Sydney darstellt, mit der Joe eine Beziehung beginnt, doch so richtig aus dem Schatten der restlichen Belegschaft kommt sie aufgrund des Drehbuchs nicht, auch wenn ihr durchaus einige wenige überzeugende Szenen zugeschanzt werden, während sie durchaus das Alphatier der weiblichen Party-Hopper gehört, zu denen beispielsweise auch ihre Scream Queens-Kollegin Billie Lourd gehört.

Szenenbild aus Billionaire Boys Club | © Universum Film
© Universum Film

Stattdessen obliegt es einzig Elgort und Egerton, das Geschehen voranzutreiben und auch wenn ihre beiden Charaktere durchaus mehr Tiefe und Exposition hätten vertragen können, machen sie das mit Charme und Charisma zumindest teilweise wett. Dennoch begrenzt dieser Umstand die Fallhöhe, denn abgesehen von anfänglich kurzen Skrupeln scheint es so, als hätten die beiden sich früh entschlossen, alles und jeden nach Strich und Faden über den Tisch zu ziehen, auch wenn Joe Hunt zuweilen Bedenken und Bedauern angedichtet werden. Nichtsdestotrotz mag man nicht so richtig mit den beiden mitfühlen, wenn das Kartenhaus zum unweigerlichen Einsturz kommt und fühlt sich weiterhin mehr wie ein Beobachter, ja Zuschauer, statt dass einem das Schicksal der beiden wirklich nahegeht. Vielleicht muss es das ja aber auch gar nicht und gerade die Unzuverlässigkeit des Erzählers gibt einen schönen, fast schon pseudo-dokumentarischen Ansatz, der durchaus zu gefallen weiß. So bleibt Billionaire Boys Club in seiner geradlinigen, oberflächlichen und selten wirklich überraschenden Inszenierung die meiste Zeit zwar hinter seinen Möglichkeiten zurück, macht als stimmig inszeniertes Biopic auch dank seiner beiden Jung-Stars eine doch durchaus sehenswerte Figur, so dass man bei einer Affinität für diese Art Film recht bedenkenlos einen Blick riskieren kann.

Fazit & Wertung:

Der von James Cox inszenierte Billionaire Boys Club kann sich zwar nicht unbedingt mit vergleichbaren Größen des Biopic-Sujets messen, macht aber als Story über Aufstieg und Fall zweier Blender eine weitaus bessere Figur, als der Schatten, den Kevin Spaceys Beteiligung auf den Film geworfen hat, vermuten ließe. So glänzen hier Ansel Elgort und Taron Egerton gleichermaßen als charmante Aufschneider, die sehenden Auges in Richtung Katastrophe trudeln, während sich das Ergebnis in Anbetracht der holprigen Entstehung durchaus sehen lassen kann.

7 von 10 mit haltlosen Versprechungen geköderte Investoren

Billionaire Boys Club

  • Mit haltlosen Versprechungen geköderte Investoren - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Der von James Cox inszenierte Billionaire Boys Club kann sich zwar nicht unbedingt mit vergleichbaren Größen des Biopic-Sujets messen, macht aber als Story über Aufstieg und Fall zweier Blender eine weitaus bessere Figur, als der Schatten, den Kevin Spaceys Beteiligung auf den Film geworfen hat, vermuten ließe. So glänzen hier Ansel Elgort und Taron Egerton gleichermaßen als charmante Aufschneider, die sehenden Auges in Richtung Katastrophe trudeln, während sich das Ergebnis in Anbetracht der holprigen Entstehung durchaus sehen lassen kann.

7.0/10
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Billionaire Boys Club ist am 13.09.19 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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