Review: The Silence (Film)

Kommen wir heute zu einem Film, den ich mir schon seit geraumer Zeit ansehen wollte und jetzt endlich nachgeholt habe. Mangels Erwartung war ich dann sogar positiv überrascht, denn eigentlich hatte ich schon mit einer ziemlichen Gurke gerechnet.

The Silence

The Silence, CA/DE 2019, 90 Min.

The Silence | © Constantin
© Constantin

Regisseur:
John R. Leonetti
Autoren:
Carey Van Dyke (Drehbuch)
Shane Van Dyke (Drehbuch)
Tim Lebbon (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Stanley Tucci (Hugh Andrews)
Kiernan Shipka (Ally Andrews)
in weiteren Rollen:
Miranda Otto (Kelly Andrews)
John Corbett (Glenn)

Genre:
Horror | Drama | Endzeit | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Silence | © Constantin
© Constantin

Bei einer Forschungsmission wird ein altes Höhlensystem freigelegt und eine merkwürdig mutierte – und ungemein blutrünstige – Art Fledermäuse gelangt an die Oberfläche. Schnell verbreiten sich die Tiere in immensen Scharen und töten und zerfetzen alles, was ihnen in den Weg kommt. Die Zivilisation sieht sich dem hilflos ausgesetzt und bald sind ganze Städte regelrecht entvölkert und lediglich die grausam zugerichteten Leichen künden von dem, was sich zugetragen hat. Die Familie Andrews sieht dem Treiben fassungslos zu und beschließt, sich ins ländliche Hinterland zu flüchten, wo die Verbreitung der "Vesps" getauften Tiere nicht so groß ist. Dabei hat die Familie einen unerwarteten Vorteil, denn die Vesps sind blind und richten sich lediglich nach ihrem Gehör und da Teenagerin Ally taub ist, vermögen die Familienmitglieder mittels Gebärdensprache zu kommunizieren. Nichtsdestotrotz wird es ein harter Kampf ums Überleben, zumal die gefräßigen Tiere längst nicht die einzige Bedrohung in diesen apokalyptischen Zeiten sind…

Rezension:

Auf den ersten Blick weist The Silence so einige Gemeinsamkeiten zu A Quiet Place auf und man wäre geneigt, dem von John R. Leonetti inszenierten Film vorzuwerfen, relativ dreist abzukupfern, wenn man nicht weiß, dass der Film auf dem gleichnamigen Buch von Tim Lebbon basiert, das seinerseits lange vor der Veröffentlichung des Horror-Erfolgs mit Emily Blunt erschienen ist. Das ändert aber freilich nichts daran, dass beide Filme sich so einiges in Sachen Prämisse teilen, auch wenn Aufbau und Ablauf freilich differieren. Tatsächlich bin ich auch mit geringen Erwartungen an den Film herangegangen, weil auch ich im Vorfeld an eine gewisse Ausprägung von Trittbrettfahrerei gedacht habe, wurde dafür dann aber tatsächlich positiv überrascht, obwohl der Horror-Thriller sicherlich so manchen Mangel vorzuweisen hat, der sich schlecht wegdiskutieren lässt. Das beginnt schon mit der tierischen Bedrohung durch die Vesps an sich, denn während man kaum eine Minute darauf verschwendet, die Bedrohung mit der obligatorischen Oh-mein-Gott,-was-kommt-da-aus-dieser-dunklen-Höhle-Szene zu etablieren, entbehrt ihre gesamte Existenz jeglicher Logik. So entvölkern die Biester in Windeseile ganze Landstriche und sind mit nicht zu stillendem Hunger gesegnet, was sich schon dadurch erklärt, dass diese immensen Massen sich zuvor Jahrtausende (?) im Untergrund lediglich von Luft und Liebe ernährt haben dürften. Aber hey, hat man bei dieser Art Film natürlich schlicht zu schlucken, aber glaubhaft ist das eben in keiner Weise.

Szenenbild aus The Silence | © Constantin
© Constantin

Gemessen an der Ausgangssituation präsentiert sich The Silence damit als Edel-Trash mit Ambitionen, der aber eben auch in weiten Teilen den Regeln des Genres folgt und ein in vielen Punkten generisch wirkendes Survival-Drama vor endzeitlicher Kulisse inszeniert. So gibt es die weithin beliebten Nachrichtenschnipsel ebenso wie die Hürden auf dem Road-Trip, die zuweilen Opfer und bittere Entscheidungen erfordern. Es hat ein ominöses, Sicherheit versprechendes Ziel ebenso wie wehrhafte Einsiedler und natürlich die omnipräsenten Vesps, die sich in den ersten Nahaufnahmen als groteske Terror-Fledermäuse outen, im Kontext des allgemeinen Looks aber tatsächlich vorzüglich funktionieren. Nichtsdestotrotz sind die Einstellungen, in denen sie scharenweise auf Strommasten hocken – wo auch sonst? – und auf ihre Opfer lauern, weit eindrucksvoller und einprägsamer geraten. Doch wie so oft – und auch hier bei einschlägiger Genre-Expertise längst bekannt – sind es mitnichten die Monster, welche hier die größte Bedrohung darstellen, denn der Mensch war und ist sich seit jeher selbst der ärgste Feind, wobei ich hier gar nicht viel vorwegnehmen möchte, weil mich diese Wendung doch recht unvorbereitet und überrascht erwischt hat.

Das mag jetzt alles gar nicht mal so positiv klingen, wenn ich attestiere, alles an und in The Silence in ähnlicher Form bereits zu kennen, doch tatsächlich sind die Begriffe Formelhaftigkeit und Erfolgsformel zumindest artverwandt und Leonetti gelingt es, das alles so zu arrangieren, dass es ein ansprechendes Gesamtbild ergibt. Vor allem anderen aber berührt das Schicksal der Familie Andrews, die hier im Zentrum der Ereignisse steht und insbesondere Stanley Tucci (Patient Zero) überzeugt als fürsorgender Familienvater Hugh, derweil ihm Miranda Otto (Zoe) als Ehefrau und Mutter Kelly in nichts nachsteht. Aus der von Kiernan Shipka (Chilling Adventures of Sabrina) verkörperten Tochter Ally, dank derer die Andrews allesamt die Gebärdensprache beherrschen, hätte man allerdings speziell hinsichtlich ihres Handicaps mehr machen können, denn einerseits gewinnt dieser Umstand kaum an Gewicht, andererseits ist Ally die meiste Zeit damit beschäftigt, in stetem Wechsel schockiert, verstört, verängstigt dreinzuschauen. So dient ihre Taubheit vor allem anderen dazu, zu konstruieren, dass die Andrews im Vorteil gegenüber anderen sind, was ein bisschen wenig ist und mehr Potential geboten hätte.

Szenenbild aus The Silence | © Constantin
© Constantin

So gewinnt der Film zwar sicherlich keine Innovationspreise, doch bietet die Familie genügend Identifikationspotential, um mit ihnen fiebern, bangen und leiden zu können, was im Kontext dessen, was erzählt wird, schon die halbe Miete darstellt. Veredelt wird das Geschehen dann durch einen unerwarteten dritten Akt und manch kleineren Ausflug in trashige Gefilde, der mit schwarzem Humor und leichtem Splatter-Einschlag nicht minder überrascht, auch wenn zugegebenermaßen die Mischung, die The Silence hier kredenzt, ein wenig eigenwillig geraten ist. Fakt ist aber auch, dass mir der Film überraschend gut gefallen hat, obwohl er bereits in den ersten Minuten nachdrücklich die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit einfordert, um überhaupt funktionieren zu können. Erklären lässt sich das im Grunde nur durch eine gelungene Mischung aus charismatischer Besetzung, düster-fatalistischem Look und Storytelling sowie einigen überraschenden Gewaltspitzen und Twists, die in der Kombination durchaus zu überzeugen wissen. Einzig beim Ende hätten ein paar wenige Minuten mehr gutgetan, denn das wirkt dann schon reichlich überhastet und ebenfalls ein wenig plakativ, ändert aber nichts am stimmigen Gesamteindruck.

Fazit & Wertung:

John R. Leonetti offeriert mit The Silence die Adaption des gleichnamigen Buches und inszeniert ein Survival-Drama mit Horror-Einschlag, dessen Prämisse allein schon einer näheren Betrachtung kaum standhält, dramaturgisch aber dennoch eine runde Sache ergibt. Mag hier erzählerisch vieles formelhaft und generisch sein, gleichen das eine überzeugende Besetzung und gelungene Inszenierung weitestgehend aus.

6,5 von 10 lauernden Vesps

The Silence

  • Lauernde Vesps - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

John R. Leonetti offeriert mit The Silence die Adaption des gleichnamigen Buches und inszeniert ein Survival-Drama mit Horror-Einschlag, dessen Prämisse allein schon einer näheren Betrachtung kaum standhält, dramaturgisch aber dennoch eine runde Sache ergibt. Mag hier erzählerisch vieles formelhaft und generisch sein, gleichen das eine überzeugende Besetzung und gelungene Inszenierung weitestgehend aus.

6.5/10
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The Silence ist am 07.09.19 auf DVD und Blu-ray bei Constantin erschienen, nachdem er ursprünglich am 10.04.19 bei Netflix veröffentlicht worden ist (dort aber nicht mehr verfügbar ist). Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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