Review: Boardwalk Empire | Staffel 1 (Serie)

Theoretisch hätte ich heute gerne die zweite Staffel 30 Rock an dieser Stelle rezensiert, aber frei nach dem Motto „Öfter mal was neues“ habe ich einer anderen, unlängst gesichteten Serie den Vorzug gegeben und präsentiere heute also stattdessen – wie der Titel euch ja bereits verraten hat – die erste Staffel von Boardwalk Empire. Los geht’s!

Boardwalk Empire
Staffel 1

Boardwalk Empire, USA 2010- , ca. 55 Min. je Folge

Boardwalk Empire
Quelle: IMPawards.com

Serienschöpfer:
Terence Winter
Showrunner:
Terence Winter

Main-Cast:
Steve Buscemi (Enoch ‚Nucky‘ Thompson)
Michael Pitt (James ‚Jimmy‘ Darmody)
Kelly Macdonald (Margaret Schroeder)
Michael Shannon (Agent Nelson Van Alden)
Shea Whigham (Elias ‚Eli‘ Thompson)
Aleksa Palladino (Angela Darmody)
Michael Stuhlbarg (Arnold Rothstein)
Stephen Graham (Al Capone)
Vincent Piazza (Lucky Luciano)
in weiteren Rollen:
Paz de la Huerta (Lucy Danziger)
Michael Kenneth Williams (Chalky White)
Anthony Laciura (Eddie Kessler)
Paul Sparks (Mickey Doyle)
Dabney Coleman (Commodore Louis Kaestner)
Gretchen Mol (Gillian Darmody)
Jack Huston (Richard Harrow)

Genre:
Krimi | Drama | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Es ist das Jahr 1920. In Amerika wird die Prohibition eingeläutet. Gerade in den großen Städten – so auch in Atlantic City – ist man in hellem Aufruhr. Die betuchten, illustren gestalten der Gesellschaft sehen hierin jedoch höchstens einen Umstand, denn ein Hindernis, was ihren Konsum alkoholischer Getränke angeht. Und auch der korrupte und gewiefte Stadtkämmerer Enoch Thompson sieht eine große Chance, denn wer wäre besser geeignet, einen weitverzweigten und gut funktionierenden Alkoholschmuggel aufzubauen. In einer Stadt der Umwälzungen, kurz bevor die Frauen das Wahlrecht erlangen, baut Enoch sich ein Imperium auf.

Doch auch Gangster und Kleinkriminelle wittern ihre Chance, ein aufstrebender und ehrgeiziger Handlanger mit Namen Al Capone wittert ebenso seine Chance, ihm tut es der gewiefte Lucky Luciano gleich. Und auch die Metropolen des Verbrechens, Chicago und New York, werfen ihre Blicke an die Küste und nach Atlantic City, während sich dort Bundesagenten der Prohibition herumzutreiben beginnen.

Rezension:

Boardwalk Empire ist eine weitere der von mir heiß und innig geliebten HBO-Premium-Serien, die sich spätestens seit Six Feet Under in mein Herz gespielt haben. So verwundert es kaum, dass ich auch von dieser Serie begeistert bin, von der ich im Vorfeld doch so herzlich wenig wusste. Im Grunde fielen nur die Namen Steve Buscemi, Martin Scorsese und Mark Wahlberg und die Sache war für mich geritzt. Letztere beiden produzieren diese Ausnahmeserie übrigens, wobei man insbesondere Scorseses Handschrift in manchen Folgen deutlich spürt, insbesondere aber im überlangen Pilotfilm, bei dem er zudem Regie geführt hat. Allein diese Folge, die sich letztlich nur mit der Exposition der einzelnen Figuren sowie mit der Einführung der Prohibition befasst, wirkt und überzeugt wie ein eigenständiger Film.

Dies ist auch mit eine der größten Stärken sowohl von Boardwalk Empire als auch anderen HBO-Serienproduktionen und zwar, dass es sich im Grunde um endlos scheinende Filme handelt, so hochwertig sind die einzelnen Ideen und Konzepte umgesetzt worden. So finden sich also auch hier dermaßen beeindruckende Kulissen und Kostüme, die ein derart stimmiges Bild des damaligen Atlantic City zeichnen und die von Höhen und Tiefen geprägte Geschichte der kriminellen Fraktionen in ein weiches Bett aus realistisch scheinender Nostalgie zu betten imstande sind. Dabei werden seitens der Macher sowohl liebgewonnene Klischee-Gebaren der ach so skrupellosen Gangster aufgegriffen, als auch gänzlich neue Wege beschritten, wenn es um ungewöhnliche und überraschende Wendungen geht.

Was mir besonders gefallen hat ist, dass die Welt von Boardwalk Empire auch eine ist, die gänzlich ohne Licht und Schatten auszukommen versteht und sich durchgängig in der Zwischenwelt des farblichen Spektrums zu bewegen weiß. Diese Aussage betrifft einerseits tatsächlich die Optik, andererseits und zuvorderst aber das Innenleben der Figuren, denn neben Gangster und korrupten Politikern haben im Grunde auch ehrbar scheinende Ehefrauen und ebenso die Bundesagenten der Prohibition mehr oder minder Dreck am Stecken, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht.

Hauptaugenmerk in der Serie liegt – wie sich eingangs erahnen ließ – auf dem irisch-stämmigen Stadtkämmerer Enoch Thompson, dem Steve Buscemi Körper und Stimme leiht. Selten fiel eine Darstellerwahl besser aus und noch nie hat Buscemi mich so überzeugt wie er es hier tat und noch tuen wird, obwohl ich ihn schon seit jeher für einen äußerst fähigen und ernstzunehmenden Schauspieler gehalten habe. Die Art aber, wie er die glaubhaft vielschichtige, undurchschaubare und ambivalente Person Enochs mimt, dessen Geheimnisse sicherlich noch nicht einmal annähernd vollständig an die Oberfläche gezerrt worden sind und der immer wieder mit seinem Verhalten überrascht, ohne dass es der Glaubwürdigkeit der Rolle abträglich wäre, ist in meinen Augen jedwede Honorierung schauspielerischer Leistungen wert!

Doch auch der Rest des extrem breit angelegten Ensembles weiß zu gefallen und es finden sich – ohne erneutes Name-Dropping betreiben zu wollen – einige bekannte Namen darunter. Die Figuren, so viele es auch anfangs zu sein scheinen, sind größtenteils liebevoll ausgearbeitet und das Geflecht der einzelnen Charaktere untereinander ist gleichermaßen diffizil wie glaubwürdig. Bei all dem Lob, was die Ausgestaltung sowohl der Geschichte und Akteure als auch des damaligen Amerika angeht, verwundert es am Ende kaum, dass auch Boardwalk Empire seine Wurzeln in der Literatur hat und auf dem namensgebenden Buch Boardwalk Empire: The Birth, High Times, and Corruption of Atlantic City von Nelson Johnson fußt.

Fazit & Wertung:

Mit Boardwalk Empire liefert HBO nebst dem extrem namhaften Team um Terence Winter und Martin Scorsese eine weitere, durch und durch überzeugende Ausnahmeserie ab, die einmal mehr mit sämtlichen Konventionen bricht, mit denen man sich früher im Serienformat konfrontiert sah.

9 von 10 Flaschen gepanschter Schnaps

Boardwalk Empire | Staffel 1

  • Flaschen gepanschter Schnaps - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit Boardwalk Empire liefert HBO nebst dem extrem namhaften Team um Terence Winter und Martin Scorsese eine weitere, durch und durch überzeugende Ausnahmeserie ab, die einmal mehr mit sämtlichen Konventionen bricht, mit denen man sich früher im Serienformat konfrontiert sah.

9.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 9/10 Punkte

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Boardwalk Empire
02. Elfenbeinturm
03. Endstation Chicago
04. Anastasia
05. Irische Nächte
06. Familienplanung
07. Vergangenheit und Zukunft
08. Vertreibung aus dem Paradies
09. Belle Femme
10. Die Smaragdstadt
11. Dem Ende nah
12. Rückkehr zur Normalität

 

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