Review: The Hunter (Film)

Und auch heute, an diesem beschaulichen Sonntag mit Rekordtemperaturen, werde ich natürlich nicht müde, euch eine weitere Film-Rezension abzuliefern, die – anders noch als Freitag – immerhin zum Wetter passt und viele weite Landschaften bei strahlendem Sonnenschein im Gepäck hat, dazu aber auch – und das könnte sich bei diesem Wetter als tröstlich erweisen – einige Szenen mit Schneefall und gefühlter eisiger Kälte. Ach ja, Willem Dafoe ist übrigens auch noch mit an Bord!

The Hunter

The Hunter, AU 2011, 102 Min.

The Hunter | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Daniel Nettheim
Autoren:
Alice Addison (Drehbuch)
Julia Leigh (Buch)

Main-Cast:
Willem Dafoe (Martin David)
Frances O’Connor (Lucy Armstrong)
Sam Neill (Jack Mindy)

Genre:
Abenteuer | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Martin David verdingt sich als Söldner und als dieser wird er von dem Biotech-Konzern Red Leaf angeheuert, nach Tasmanien zu reisen und den mutmaßlich letzten tasmanischen Tiger zu erlegen, da davon berichtet wird, dass dieser gesichtet worden sei und dem Konzern sehr daran gelegen ist, dessen genetisches Material für sich allein beanspruchen zu können. David reist also nach Tasmanien und quartiert sich bei der Familie Armstrong ein, die mit einigen Problemen zu kämpfen hat, seit das Familienoberhaupt Jarrah bei einer ähnlichen Expedition in die Wildnis verschollen ist. Schnell gerät Martin David mit der hiesigen Landbevölkerung aneinander, da diese ihn für einen Umweltschützer und Aktivisten halten und ein Großteil des Ortes sich auf das Holzfällergewerbe gründet.

Einziger ihm wohlgesonnener Mensch – neben der Familie Armstrong – scheint Jack Mindy zu sein, der sich bereit erklärt, ihn in die Wildnis zu führen. David beginnt seine regelmäßigen Expeditionen hinein und die hiesigen Wälder, doch stößt er nicht nur auf erste Spuren des sagenumwobenen tasmanischen Tigers, sondern auch auf die des Konzerns Red Leaf.

Rezension:

Bei Daniel Nettheims The Hunter, der Literaturverfilmung des im Deutschen unter dem Titel Der Jäger vermarkteten Buches von Julia Leigh, hatte ich im Vorfeld einen in der kargen Wildnis angesiedelten, voll und ganz auf den Hauptdarsteller Willem Dafoe fokussierten Thriller erwartet, der ein wenig auf die Themen Genforschung und Korruptheit abstellt und wurde alsbald eines Besseren belehrt. In Unkenntnis des Buches blieb keine andere Schlussfolgerung und immerhin mit der Präsenz Dafoes sollte ich Recht behalten, doch ansonsten würde jeder Zuschauer enttäuscht werden, der einen packenden Thriller Mann-gegen-Natur erwartet, weil hier die Akzente an ganz anderer Stelle gesetzt werden und den Film womöglich gerade dadurch so sehenswert machen, wenn man denn weiß, worauf man sich einlässt.

Szenenbild aus The Hunter | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur Nettheim und Drehbuchautorin Alice Addison lassen keine Zeit verstreichen und schicken Dafoes Figur, den Söldner Martin David nach einer kurzen, prägnanten Exposition umgehend nach Tasmanien. Auch wenn er den klaren Auftrag hat, den berühmten, als ausgestorbenen geltenden Tasmanischen Tiger zu finden, bezieht The Hunter seine Spannung von ganz anderer Stelle und stellt vielmehr Davids Beziehung zu der Familie Armstrong in den Vordergrund, wodurch sich viele, wunderschöne, anrührende Szenen ergeben, insbesondere als Lucy, die Mutter der beiden Kinder Sass und Bike aus ihrer selbstgewählten Lethargie erwacht. Hinzu kommt das interessante Spannungsverhältnis der Dorfbewohner zu dem Neuankömmling sowie dessen Beziehung zu dem sinistren Jack Mindy, die aber leider nie die erhoffte Aufmerksamkeit bekommt, so dass man sich hier noch ein wenig mehr Screentime für das Thema gewünscht hätte.

Unterbrochen werden die Vorgänge im Dorf von Davids regelmäßigen Ausflügen in die tasmanische Wildnis, bei denen Dafoe ganz klar seine Stärken ausspielen kann, wenn er als versierter und umsichtiger Jäger die Wildnis durchstreift, Fallen stellt und verschiedene Methoden ausprobiert, den Tiger anzulocken, während er nebenbei – im Auftrag der Armstrongs – nach Spuren des als verschollen geltenden Vaters sucht. Erstaunlich hierbei indes, wie gut sich die beiden Handlungsstränge zu ergänzen wissen und nach und nach durch Hinweise auf die Firma Red Leaf verzahnt werden. Ein enormer Zugewinn für den Film sind aber unbestreitbar die durchweg guten Leistungen von Willem Dafoe, Frances O’Connor und Sam Neill, wobei Ersterer den Film ganz klar dominiert und keine Zweifel aufkommen lässt, dass The Hunter ohne Dafoe womöglich nur halb so gut geworden wäre. Die heimlichen Stars des Films sind aber tatsächlich die beiden Armostrong-Kinder, dargestellt von Morgana Davies und Finn Woodlock, auch wenn man ihnen anfänglich beileibe nicht die Bedeutung beimisst, die sie im Laufe des Films noch erhalten werden.

Szenenbild aus The Hunter | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Als Wehrmutstropfen könnte man höchstens anführen, dass dem Film manchmal deutlich anzumerken ist, dass er auf einem Buch basiert, denn zahlreiche Nebenschauplätze werden nur angerissen und manche Geschichte verpufft im Nichts, doch gibt es hier auch wie gesagt einen ganz klaren Fokus auf das Verhältnis David und Armstrong sowie Davids Jagd nach dem Tiger, so dass es nicht weiter ins Gewicht fällt, dass nicht das gesamte Drumherum in aller Ausführlichkeit thematisiert werden, auch wenn man sich – wie erwähnt – von Sam Neills Figur doch mehr erwünscht hätte. Ärgerlicher hingegen – doch leider unvermeidbar – ist die Darstellung des Tasmanischen Tigers beim letztendlichen Treffen von Jäger und Gejagtem, denn hier sieht man dem Tier seine CGI-Herkunft nur allzu deutlich an, was dem Moment doch einen Teil seiner Emotionalität raubt. Nichtsdestotrotz ist The Hunter ein überzeugendes Drama in der tasmanischen Einsamkeit, das viele Anleihen nimmt bei Abenteuerfilmen und Wirtschaftsthrillern, aber zu jedem Zeitpunkt weiß wo seine Wurzeln liegen. Wer sich also von der Erwartung lossagen kann, einen Thriller zu sehen zu bekommen, der wird mit einem wahnsinnig schönen, ruhigen, aber dennoch packenden Film belohnt über eine Mann, der seine Moral und seine Interessen infrage gestellt sieht und sich mit den gegeben Mitteln der Gefahr erwehren muss, die ihm beileibe nicht nur in der Wildnis droht.

Fazit & Wertung:

The Hunter ist ein packend und dicht inszeniertes Drama mit einem bestens aufgelegten Willem Dafoe, der einen facettenreichen Söldner gibt, der sich in der tasmanischen Wildnis mit Problemen konfrontiert sieht, die seine selbstgewählte Moral und Ethik nachhaltig infrage stellen werden.

8 von 10 mutmaßlichen Sichtungen des tasmanischen Tigers

The Hunter

  • Mutmaßliche Sichtungen des tasmanischen Tigers - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

The Hunter ist ein packend und dicht inszeniertes Drama mit einem bestens aufgelegten Willem Dafoe, der einen facettenreichen Söldner gibt, der sich in der tasmanischen Wildnis mit Problemen konfrontiert sieht, die seine selbstgewählte Moral und Ethik nachhaltig infrage stellen werden.

8.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte

The Hunter ist am 24.07.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • we eat movies

    Bereits gesehen, sonst wäre The Hunter nach dieser Rezension sicherlich fällig gewesen. 

    • Hui, das ist ja mal ein hohes Lob! Danke!

      Eine Rezension habe ich auf deinem Blog aber leider noch nicht entdecken können – hätte mich sehr interessiert.

  • Ich fand den Film auch ziemlich gut. Kann deine Meinung teilen. :)

  • Pingback: The Hunter (2011) | Film-Blogosphäre()

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