Review: Dracula Untold (Film)

Kommen wir auch heute zu einem nachgeholten Film, der mich tatsächlich auch mehr und besser zu unterhalten wusste, als ich mir das erwartet hätte, dennoch weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Dracula Untold

Dracula Untold, USA/JP 2014, 92 Min.

Dracula Untold | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Gary Shore
Autoren:
Matt Sazama
Burk Sharpless

Main-Cast:
Luke Evans (Vlad)
Dominic Cooper (Mehmed)
Sarah Gadon (Mirena)
Charles Dance (Master Vampire)

Genre:
Action | Fantasy | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Dracula Untold | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Nachdem der transsilvanische Prinz Vlad Tepes III in türkischer Gefangenschaft aufwuchs und sich als unerbittlicher Krieger seinen Ruf als "Pfähler" verdiente, hat er diesen Teil seines Lebens längst ad acta gelegt und als gütiger Herrscher dem transsilvanischen Volk anhaltenden Frieden beschert. Dann allerdings macht ein Gesandter des Sultans Mehmed II Vlad seine Aufwartung und lässt ausrichten, dass dieser 1000 Jünglinge fordert, um seine Truppen zu verstärken; ein Schicksal, das Vlad einst selbst erdulden musste, weshalb er sich vehement weigert, den Forderungen nachzukommen. Die Verhandlungen scheitern ebenso und Vlad sieht sich gezwungen, Hilfe an ungewöhnlichen Orten zu suchen, denn kurz zuvor entdeckten er und einige seiner Gefolgsleute eine abgeschieden lebende, anscheinend ungemein mächtige Kreatur, die der aufopferungsvolle Herrscher nun ungeachtet der Gefahren nun erneut aufzusuchen gedenkt. Die Kreatur lässt sich schließlich auf einen Handel ein und bietet Vlad ihr Blut an, warnt ihn jedoch, dass er drei Tage der Versuchung widerstehen muss, menschliches Blut zu trinken, denn ansonsten würde er für immer seine Menschlichkeit einbüßen. Mit der neu gewonnenen Macht stellt sich Vlad den türkischen Truppen entgegen und lässt Mehmed II eine schmachvolle Niederlage zuteilwerden, der daraufhin seine Anstrengungen allerdings nur intensiviert…

Rezension:

Ganz ähnlich wie schon vor einiger Zeit bei I, Frankenstein hatte ich eigentlich nicht vor, Dracula Untold eine Chance zu geben und war schon im Vorfeld quasi überzeugt, es mit einem Rohrkrepierer zu tun zu bekommen, doch letztlich obsiegte (mal wieder) die Neugierde. Vielleicht liegt da schon der Hund begraben, weshalb mir dieser Vampir-Actioner dann doch überraschend gut gefallen hat, doch täuscht das eben leider auch nicht über die befürchteten dramaturgischen wie auch inszenatorischen Schwächen hinweg, die ich mir zwar bereits erwartet hatte, dummerweise aber auch geliefert bekam. So muten Ansatz und Intention des Films durchaus vielversprechend an, auch wenn es ein wenig hochtrabend wirken mag, den Namen des berühmtesten Vampirfürsten ausgerechnet um das Wörtchen "Untold" [Story] zu ergänzen. Sei es wie es will, empfand ich die Idee, Vlad als gütigen Herrscher und treusorgenden Familienvater zu inszenieren, der sich aus der Not heraus mit finsteren Mächten verbündet und darüber seiner Menschlichkeit beraubt zu werden droht als beinahe schon originell, zumal es der Figur noch einige weitere dramatische Nuancen verleiht.

Szenenbild aus Dracula Untold | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Diesbezüglich hat man auch mit Hauptdarsteller Luke Evans (Krieg der Götter) tatsächlich ein glückliches Händchen bewiesen, denn einerseits vermag seine markante Präsenz, ihn als Anführer und Herrscher, aber auch erbarmungsloser Krieger glaubwürdig erscheinen zu lassen, während er auch die innere Zerrissenheit und den Schmerz seiner Figur zu verkörpern versteht, wobei es diesbezüglich dem Skript geschuldet ist, dass man hier nur an der Oberfläche dessen kratzt, was möglich – und mancherorts auch nötig – gewesen wäre. Denn Dracula Untold wirkt leider in seiner Kürze von kaum 90 Minuten Spielzeit doch sehr gehetzt und überladen, als dass sich die – sicherlich beabsichtigte – "Epicness" mal so richtig entfalten könnte. So gelungen aber auch die Prämisse der Story sein mag, ist der weitere Verlauf doch eher generisch und in vielen Punkten wenig überraschend geraten, so dass sich dieser "Monsterfilm" quasi zunehmend selbst dekonstruiert. Eines der großen Ärgernisse ist hierbei tatsächlich auch ein nur rudimentär ausgearbeiteter Antagonist, der einzig im Endkampf zu überzeugen versteht. Verkörpert wird der von einem sonst ja wirklich überzeugenden Dominic Cooper (Preacher), der hier aber insbesondere dank gar grausigem Akzent gänzlich fehlbesetzt wirkt.

Apropos "Monsterfilm", sollte Dracula Untold zwischenzeitlich den Auftakt für das Reboot des Universal Monsters Cinematic Universe bilden, das wiederum später ins Dark Universe umbenannt und letztlich mit dem 2017er-Die Mumie gestartet worden ist. Aus diesem Grund findet sich hier auch ein nachträglich hinzugefügter Gegenwarts-Epilog, der Anknüpfungspunkte für besagtes Universum oder ein mögliches Sequel geboten hätte, doch leider merkt man der Szene deutlich an, dass sie nicht Teil des ursprünglichen Konzepts gewesen ist, weshalb sie sich nicht gerade homogen einfügt und noch mehr der wertvollen, weil wenigen Leinwandminuten beansprucht. Nichtsdestotrotz funktioniert der Film als solches tatsächlich durchaus gut und neben Evans zeichnen dafür insbesondere Sarah Gadon (Alias Grace) als Tepes‘ Ehefrau Mirena und Charles Dance verantwortlich, der hier nach Underworld mal wieder einen Vampir verkörpern darf und dies auch in all seiner Bedrohlichkeit und Fremdartigkeit tut, was das Aufeinandertreffen zwischen ihm und Vlad zu einer der stärksten Szenen des Films macht (von der Schicksalsträchtigkeit dieser Begegnung mal ganz abgesehen).

Szenenbild aus Dracula Untold | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Einer der (wenigen) Vorteile, den die knappe Laufzeit mit sich bringt, ist es freilich auch, dass das Geschehen angenehm kompakt daherkommt und man größere Längen vergeblich sucht, bevor es zur nächste Auseinandersetzung, zur nächsten spektakulären Darbietung von Vlads Kräften kommt, die ebenfalls durchaus ansehnlich in Szene gesetzt worden sind. Leider liegt aber genau bei diesen Szenen auch der Hund begraben, der zu weiteren Abzügen in der B-Note führt, denn auch wenn man hier geteilter Meinung sein kann, bin ich schon der Meinung, dass ein Vampirfilm jedweder Art ohne Blut schlichtweg kaum funktionieren kann und die familienfreundliche Ausrichtung des Streifens sorgt dann zu der absurden Situation, dass Vlad zwar erbarmungslos tausende Soldaten metzeln darf (Body Count laut IMDb: 5419), dabei aber quasi kein einziger Tropfen Blut vergossen wird. Diesbezüglich jetzt die Formulierung "blutleere Inszenierung" zu gebrauchen spare ich mir an dieser Stelle, doch nimmt es dem Geschehen eben viel von seiner nur behaupteten Brutalität und Kompromisslosigkeit, zumal auch Vlads Ringen mit sich selbst meist pure Behauptung bleibt und er kaum je in Versuchung kommt, Menschenblut zu kosten, obwohl er doch nach seinen Schnetzel-Orgien über und über damit bedeckt sein müsste. So weit hätte man freilich nicht gehen müssen in der Darstellung, aber so bleibt ein vielversprechender Film eben in sämtlichen Aspekten weit hinter dem zurück, was er hätte sein oder werden können, wenn man ihm eine höhere Altersfreigabe, ein paar mehr Charaktermomente und damit mehr Tiefe zugestanden hätte, die dann vielleicht sogar über den – ausnahmsweise und nur hier – unsäglichen Dominic Cooper hinweggetröstet hätten.

Fazit & Wertung:

Regisseur Gary Shore liefert mit Dracula Untold ein schon beinahe innovativ zu nennendes Spielfilm-Debüt ab und überzeugt mit einer einfallsreichen Variation des kultigen Vampir-Stoffs, die allerdings sehr daran krankt, in knapp anderthalb Stunden Laufzeit gepresst worden zu sein, was die Geschichte nie wirklich zur Entfaltung kommen lässt, derweil die inszenatorische Familientauglichkeit mit ihrer wortwörtlichen Blutarmut so gar nicht zum Thema passen mag, wodurch selbst in den actionreicheren Passagen gehörig Potential verschenkt wird.

6,5 von 10 mit einem Handstreich hinweggefegten Soldaten

Dracula Untold

  • Mit einem Handstreich hinweggefegte Soldaten - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Gary Shore liefert mit Dracula Untold ein schon beinahe innovativ zu nennendes Spielfilm-Debüt ab und überzeugt mit einer einfallsreichen Variation des kultigen Vampir-Stoffs, die allerdings sehr daran krankt, in knapp anderthalb Stunden Laufzeit gepresst worden zu sein, was die Geschichte nie wirklich zur Entfaltung kommen lässt, derweil die inszenatorische Familientauglichkeit mit ihrer wortwörtlichen Blutarmut so gar nicht zum Thema passen mag, wodurch selbst in den actionreicheren Passagen gehörig Potential verschenkt wird.

6.5/10
Leser-Wertung 5.5/10 (2 Stimmen)
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Dracula Untold ist am 12.02.15 auf DVD und Blu-ray sowie am 17.10.17 auf 4K UHD Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 25. September 2018

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