Review: Juan of the Dead (Film)

Keine fünf Monate nach dem Kinostart, gute drei Wochen vor der Heimkinoveröffentlichung und genau eine Woche, nachdem ich den Film selbst gesehen habe kommt hier und heute nun meine Review zu Juan of the Dead, dessen Titel nicht ganz unzutreffend Assoziationen zu einem anderen bekannten Zombiefilm weckt, der wiederum ebenfalls seinen Namen einem noch berühmteren Zombiefilm entliehen hat.

Juan of the Dead

Juan de los Muertos, ES/CU 2011, 100 Min.

Juan of the Dead | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Alejandro Brugués
Autor:
Alejandro Brugués

Main-Cast:
Alexis Díaz de Villegas (Juan)
Jorge Molina (Lazaro)
Andrea Duro (Camila)

Genre:
Horror | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Juan und Lazaro würden von vielen als Verlierer bezeichnet werden, doch gefallen sie sich in ihrer Rolle als Müßiggänger und genießen das Leben im Rahmen ihrer Möglichkeiten in vollen Zügen, lassen sich beispielsweise auf einem behelfsmäßig zusammengebastelten Floß über das Wasser treiben, angeln, trinken und quatschen. So in sich ruhend ist es kaum ein Wunder, dass die anpassungsfähigen Taugenichtse kaum erstaunt sind, als ihnen ein beißwütiger Untoter an den Haken gerät und nur ein Harpunenschuss in den Kopf ihm Einhalt gebietet. Verwirrt kehren die beiden zum Festland zurück und bald schon, anfangs schleichend, alsbald schon offensichtlich rafft es große Teile der Bevölkerung dahin und allerorten erheben sich die kürzlich Verstorbenen, um ihrerseits auf die Jagd nach Frischfleisch zu gehen.

Wie unbeteiligte Dritte beobachten Juan und Lazaro den Niedergang der Zivilisation und grübeln ihrerseits, wie sich aus dieser ungewohnten Situation Kapital schlagen ließe. Gemeinsam mit Lazaros Sohn und Juans Tochter Camila sowie zwei weiteren Freunden richten sich Juan und Lazaro auf dem Dach eines Hauses ein und eröffnen ihr Unternehmen Juan of the Dead. Gegen entsprechende Bezahlung lässt sich Juans Menagerie fortan buchen, um lästige Untote zu beseitigen und der Laden floriert. Doch dass es nicht ewig so weiter gehen kann und sie jederzeit Gefahr laufen, ebenfalls als Zombie zu enden, wird der ungleichen Truppe bald schon klar.

Rezension:

Szenenbild aus Juan of the Dead | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Das Genre des Zombiefilms wurde im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr ausgeschlachtet und ebenso wie in jedem anderen Genre blieben irgendwann einmal die Ideen aus und man verlegte sich auf nach Schema F produzierte Streifen. Doch Gott sei Dank gibt es auch immer wieder lohnenswerte Ausnahmen, insbesondere was Zombie-Komödien angeht. Der neueste Aufguss des altbekannten Themas in neuer Variation heißt nun also Juan of the Dead und ist erstaunlich einfallsreich geraten. Nicht nur, dass Kuba ein durchaus ungewöhnliches Setting abgibt und wunderschöne Landschaften und Kulissen bereithält, begnügt sich auch der Regisseur Alejandro Brugués nicht damit, einen typischen Genre-Film abzuliefern, sondern schafft ein bisweilen anarchisch anmutendes Werk mit einer beinahe durchweg hohen Gag-Dichte, wenngleich diese auch zuweilen allzu zotig ausgefallen sind und ein wenig zum Fremdschämen verleitet haben. Nichtsdestotrotz macht es aber eine Menge Spaß, den beiden Taugenichtsen Juan und Lazaro durch das mehr und mehr dahinsiechende Kuba zu folgen, allein aufgrund der Tatsache, dass ihnen der Niedergang der Zivilisation am Arsch vorbeizugehen scheint und sie nicht müde werden zu betonen, dass sie schon viel schlimmeres überstanden hätten.

Doch auch der Rest der Truppe nimmt die Zombie-Apokalypse auf ungewohnt leichte Schultern, doch macht diese Teilnahmslosigkeit wie gesagt eine Menge Spaß und zaubert einige herrlich schräge Filmmomente auf die Leinwand, etwa bei der ersten direkten Konfrontation mit einem Untoten, der – mal eben an die „Leine“ gelegt verärgert nach den Jungs schnappt, während diese in aller Seelenruhe zu diskutieren beginnen, was man nun zu tun gedenke. Der Humor des Films ist der Natur der Sache nach ziemlich bitter und schwarz und driftet nur manchmal – ungelogen – in Teenie-Schmonzetten-Niveau ab, was dann besagte Fremdschäm-Momente erzeugt, die aber Gott sei Dank rar gesät sind. Mit dem Splatter-Anteil hält sich Juan of the Dead ebenfalls die meiste Zeit zurück und überlässt vieles der Fantasie des Zuschauers, was den Gore-Fan zwar nicht freuen wird, dafür den Film auch zartbesaiteten Gemütern zugänglich macht. Trotzdem gibt es natürlich immer mal wieder umherfliegende Gliedmaßen, abgetrennte oder durchbohrte Köpfe und dergleichen mehr, doch fällt trotzdem auf, dass hier das nicht Gezeigte überwiegt. An dieser Stelle übrigens der kurze Hinweis, dass der Film ab sechszehn Jahren in ungeschnittener Fassung erscheint, da ich mir diese Frage im Vorfeld selbst gestellt habe.

Die Schauspieler und hier insbesondere Alexis Díaz de Villegas als Juan tragen den Film spielend und überzeugen in ihren durch die Bank exzentrischen Rollen, man muss dem aber relativierend entgegenhalten, dass ihnen auch nicht allzu viel abverlangt worden ist, außer vielleicht, keine spontanen Lachanfälle ob der Absurdität der Situationen zu bekommen, in die ihre Figuren immer wieder geraten. Des Weiteren ist Juan of the Dead auch noch gespickt mit zahlreichen Seitenhieben auf die kubanische Regierung und liebevollen Reminiszenzen an das Wesen der kubanischen Bevölkerung – etwa wenn es diese auf die Straße treibt um zu demonstrieren, gegen die Zombie-Apokalypse nämlich, ohne zu wissen wer dafür verantwortlich ist oder wem man die Schuld dafür geben könne. Da passt es gut, dass die Regierung auch niemals in Erscheinung tritt, abgesehen von einem schlecht animierten Hubschrauber, der noch dazu im Grunde überflüssig war, weil nur für einen simplen und noch dazu schlechten Gag taugend. Auf Rettung und Hilfe wartet die Bevölkerung Kubas also vergeblich und genauso vergeblich wartet der Zuschauer darauf, dass auch nur mit einer Silbe erklärt wird, wie es zu all dem gekommen ist und was die Ursache war.

Szenenbild aus Juan of the Dead | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Juan und Konsorten halten sich mit solchen Fragen erst gar nicht auf und gehen stattdessen direkt in die Vollen, sprich gründen eine Firma. Absurd, witzig, anarchisch – Juan of the Dead scheint ein grandios unterhaltsamer Film zu sein! Doch leider gibt es auch einen Wermutstropfen, denn statt zielstrebig auf den Pfaden einer durchgeknallten Horror-Komödie zu wandeln, versucht er auch noch so etwas wie ein Familiendrama in die Geschichte einzufassen und bremst sich in diesen ruhigen, emotionalen Momenten selbst aus, weil sich diese Szenen einfach nicht glaubhaft in das Geschehen einfügen. Stattdessen – und das ist das zweite kleine Manko – hätte der Film noch eine Spur Anarchismus mehr vertragen, um vollends punkten zu können, denn oftmals hat man das Gefühl, es hätte noch mehr herausgeholt werden können aus dem aberwitzigen Treiben und den irrwitzigen Plänen von Juan. Alles in allem hätte Juan of the Dead noch ein guter Schuss Verrücktheit zwar gut getan, doch trotzdem bleibt er ein rundheraus unterhaltsamer, überzeugender Vertreter der Zombie-Komödien, wenn er sich auch nicht mit den ganz Großen des Genres messen kann.

Fazit & Wertung:

Juan of the Dead liefert eine einfallsreiche Variation des Zombie-Themas in ungewohntem Setting und versprüht anarchischen Humor, von dem es aber gerne hätte mehr sein dürfen, um vollends zu begeistern!

7 von 10 mit dem Paddel erledigten Zombies

Juan of the Dead

  • Mit dem Paddel erledigte Zombies - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Juan of the Dead liefert eine einfallsreiche Variation des Zombie-Themas in ungewohntem Setting und versprüht anarchischen Humor, von dem es aber gerne hätte mehr sein dürfen, um vollends zu begeistern!

7.0/10
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Juan of the Dead erscheint am 25.09.12 auf DVD, Blu-ray sowie als Collectors Edition Mediabook mit DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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