Review: Odd Thomas (Film)

Kommen wir heute zu einem Film, den ich bis vor kurzem überhaupt nicht auf dem Radar hatte und der mir überraschend gut gefallen hat, weil er mit einer ziemlich abgefahrenen Mischung an Genre-Versatzstücken daherkommt, aber das erzähle ich ja im Folgenden noch ganz ausführlich.

Odd Thomas

Odd Thomas, USA/UK 2013, 97 Min.

Odd Thomas | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Regisseur:
Stephen Sommers
Autoren:
Stephen Sommers (Drehbuch)
Dean Koontz (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Anton Yelchin (Odd Thomas)
Addison Timlin (Stormy Llewellyn)
Gugu Mbatha-Raw (Viola Peabody)
Nico Tortorella (Officer Simon Varner)
Patton Oswalt (Ozzie Boone)
Willem Dafoe (Chief Wyatt Porter)

Genre:
Fantasy | Horror | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Odd Thomas | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Odd Thomas führt in einem kalifonischen Städtchen ein ruhiges und genügsames Leben ohne größere Ambitionen, ist aber mitnichten so durchschnittlich, wie das von außen vielleicht wirken mag, denn Oddy kann Geister sehen und verbringt seine Zeit immer mal wieder mehr unfreiwillig damit, Mörder und andere Kriminelle zur Strecke zu springen, auf deren Spur ihn die Geister der Verstorbenen führen. Einzige Mitwisser bezüglich Odds ungewöhnlicher "Gabe" sind Chief Porter und Odds Freundin Stormy. Und Stormy ist es auch, die Odd davon abzuhalten versucht, dem vermehrten Auftreten von Schattenkreaturen – "Bodachs" genannt – auf den Grund zu gehen, doch tauchen die eigentlich immer nur auf, wenn mit ungewöhnlichem Schmerz und Leid zu rechnen ist, was bei der schieren Masse an Bodachs nur bedeuten kann, dass die ganze Stadt geradewegs in eine waschechte Katastrophe schlittert…

Rezension:

Für mich persönlich war Odd Thomas eine einzige Überraschung, denn weder hatte ich den Film bis vor kurzem überhaupt auf dem Schirm, noch kannte ich eines der zugrundeliegenden Bücher von Dean Koontz, so dass ich gänzlich unvorbelastet, aber mehr als gespannt an die Sache herangehen konnte, wobei ich zugegebenermaßen skeptisch war, ob ausgerechnet eine Buch-Verfilmung, die ja ohnehin meist gehörig zusammengestaucht werden muss, als doch recht knapp bemessener, kaum neunzig Minuten dauernder Streifen würde überzeugen können, doch tatsächlich funktioniert das bei dem von Stephen Sommers inszenierten Film ausnehmend gut, was einerseits am enormen Tempo und der Schlagzahl liegt, aber auch daran, dass der Plot des Films kein überflüssiges Gramm Fett auf den Rippen zu haben scheint. Das begünstigt mitunter eine überaus gelungenen Exposition der Figur Odd Thomas (der wirklich so heißt), in der er in knappen, lakonischen Sätzen seine Fähigkeit umreißt, tote Menschen sehen zu können und damit – wenn auch unfreiwillig – zur Aufklärung zahlloser Verbrechen beiträgt, wie sehr schön am Beispiel veranschaulicht wird.

Szenenbild aus Odd Thomas | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Dabei legt Odd Thomas wie gesagt ein gehöriges Tempo an den Tag, jedoch ohne gehetzt zu wirken und umschifft nebenbei die gängigen Klischees, die man sonst solchen Figuren angedeihen lässt, denn solche "Fähigkeiten" verdammen einen ja zwangsläufig zum unverstandenen, eigenbrötlerischen Außenseiter, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, doch hier bekommen wir prompt in Gestalt von Willem Dafoe (Bad Country) Chief Wyatt Porter präsentiert, der nicht nur um Odds Fähigkeiten weiß, sondern ihn auch bereitwillig deckt, derweil Odd auch ansonsten überaus beliebt ist und mit der zauberhaften Stormy – einer grandios charmant aufspielenden Addison Timblin (Californication) – auch in Sachen Freundin einen echten Hauptgewinn gezogen zu haben scheint. Überhaupt ist es gerade zu Beginn – bevor die sprichwörtliche Hölle losbricht – die Beziehung der beiden, der man auch noch stundenlang hätte beiwohnen können, so dass hier die Chemie unbestreitbar überzeugt, während die gegenseitige Neckerei und Koketterie selten natürlicher und sympathischer gewirkt hat.

Aber natürlich ist Odd Thomas vorrangig Horrorfilm, wenn auch ein sich selbst nicht ganz ernst nehmender, der durchaus gern mit augenzwinkerndem Witz und schwarzem Humor die eine oder andere Situation aufzulockern versteht und entsprechend steht und fällt der eigentliche Plot natürlich mit der sich entwickelnden Bedrohung, die hier von geisterhaften Wesen ausgeht, die Odd als "Bodachs" bezeichnet und die ihrer Natur nach von niemandem außer ihm gesehen werden können, sich nun aber – völlig untypisch – in großen Massen in Oddys verschlafenem, kalifornischen Heimatort manifestieren, was nur bedeuten kann, dass sich dort alsbald schreckliches Leid ereignen wird. Und weil Odd zwar tote Menschen sieht und sein Leben alles andere als gewöhnlich ist, er sich dadurch aber nicht zur Untätigkeit verdammt sieht, nimmt er unversehens Ermittlungen auf, um der Sache auf den Grund zu gehen. In diesem Zusammenhang ist dann natürlich auch – und zuvorderst – Anton Yelchin (Green Room) zu loben, der Odd mit genau der richtigen Mischung aus schüchterner Zurückhaltung, stoischem Tatendrang, Mut, Verzweiflung, Hingabe und Empathie verkörpert, dass man gar nicht anders kann, als die Figur binnen weniger Minuten ins Herz zu schließen.

Szenenbild aus Odd Thomas | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Das eigentliche Geschehen, nicht nur um die Bodachs, sondern auch die Frage betreffend, warum sie in dieser geballten Form in Erscheinung treten und was der Auslöser dafür sein könnte, spitzt sich dabei insbesondere in der zweiten Hälfte zusehends zu und entsprechend mündet Odd Thomas beinahe unerwartet noch in ein regelrechtes Action-Feuerwerk, derweil sich der Film bis dahin mehr als übersinnliches Coming-of-Age-Drama präsentiert, doch als wäre es der Genre-Versatzstücke bis dahin nicht genug, ist natürlich die eigentliche Sinnsuche hinter dem Ganzen wie eine klassische Kriminal-Story aufgebaut und in einzelnen, rasant geschnittenen Rückblenden, erörtert Oddy immer mal wieder seine Erkenntnisse, um auch den Zuschauer ins Bild zu setzen, denn im letzten Drittel verbergen sich durchaus einige unerwartete – und freilich auch weniger unerwartete – Twists. Würde Sommers‘ Film allerdings mit genanntem Action-Spektakel zum Ende hin den Schlussakkord setzen, er hätte mich wahrscheinlich nicht annähernd so begeistert, wie es hier der Fall war, doch schließt sich dem noch ein regelrecht die Tränendrüsen strapazierender Schluss an, womit es dann amtlich wäre, binnen neunzig Minuten eine Achterbahn der Gefühle erleben zu können, die noch dazu quer durch allerhand Genres mäandert und dabei dennoch stets wie aus einem Guss wirkt.

Fazit & Wertung:

Stephen Sommers‘ geht mit Odd Thomas durchaus ein Wagnis ein, handelt es sich schließlich im Kern um eine klassische Coming-of-Age-Story, die allerdings im Gewand einer Horror-Komödie mit Action- und Krimi-Versatzstücken daherkommt und in Kombination mit der überaus präsenten Liebesgeschichte auch locker im romantischen Sektor Platz finden würde, wären da nicht die geisterhaften Bodachs, die den Film fest im Fantasy-Genre verorten. Umso erstaunlicher, dass die auf der gleichnamigen Buch-Reihe von Dean Koontz basierende Geschichte dennoch zur Gänze funktioniert und sich als vom ersten bis zum letzten Moment mitreißendes Abenteuer voller Witz, Thrill und Herz präsentiert.

8 von 10 schattenhaften Kreaturen aus der Zwischenwelt

Odd Thomas

  • Schattenhafte Kreaturen aus der Zwischenwelt - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Stephen Sommers‘ geht mit Odd Thomas durchaus ein Wagnis ein, handelt es sich schließlich im Kern um eine klassische Coming-of-Age-Story, die allerdings im Gewand einer Horror-Komödie mit Action- und Krimi-Versatzstücken daherkommt und in Kombination mit der überaus präsenten Liebesgeschichte auch locker im romantischen Sektor Platz finden würde, wären da nicht die geisterhaften Bodachs, die den Film fest im Fantasy-Genre verorten. Umso erstaunlicher, dass die auf der gleichnamigen Buch-Reihe von Dean Koontz basierende Geschichte dennoch zur Gänze funktioniert und sich als vom ersten bis zum letzten Moment mitreißendes Abenteuer voller Witz, Thrill und Herz präsentiert.

8.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

Odd Thomas ist am 10.12.13 auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Der Kinogänger 27. Februar 2018

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