Review: Killer Joe (Film)

Es ist zwar Montag, aber dennoch habe ich mir überlegt, euch heute noch eine Review zu kredenzen, zumal dieser Film endlich einmal wieder eine echte Empfehlung wert ist und hierzulande leider viel zu wenig Beachtung gefunden hat.

Killer Joe

Killer Joe, USA 2011, 102 Min.

Killer Joe | © WVG Medien
© WVG Medien

Regisseur:
William Friedkin
Autor:
Tracy Letts (Drehbuch & Theaterstück)

Main-Cast:

Matthew McConaughey (Killer Joe Cooper)
Emile Hirsch (Chris Smith)
Juno Temple (Dottie Smith)
Gina Gershon (Sharla Smith)
Thomas Haden Church (Ansel Smith)

Genre:
Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Texas: Völlig durchnässt taucht Chris mitten in der Nacht und im strömenden Regen bei seinem Vater Ansel auf und kocht vor Wut. Seine eigene Mutter – und Ansels Ex-Frau hat ihm seine Drogen geklaut und davon ihr Auto reparieren lassen. Jetzt schuldet Chris seinem Zulieferer Digger Soames einen Haufen Geld und weiß nicht, wie er dieses auftreiben soll, wo seine Mutter ihn schließlich seiner Einnahmequelle beraubt hat. Allerdings hat Chris gehört, dass seine Mutter eine Lebensversicherung über 50.000 Dollar abgeschlossen hat, deren Begünstigte seine Schwester Dottie ist. Würde man – so schlägt er Ansel vor – nun also seine Mutter umbringen lassen, fiele das Geld an Dottie und sie könnten es untereinander aufteilen. Ansel willigt ein, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass seine neue Frau Sharla ebenfalls bedacht wird.

Szenenbild aus Killer Joe | © WVG Medien
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Chris willigt ein und nimmt Kontakt auf zu Killer Joe, der – eigentlich Police Detective – im Nebenerwerb Auftragsmorde erledigt. Dumm nur, dass Killer Joe nur gegen Vorkasse abreiten will und Ansel und Chris fest damit gerechnet haben, ihn mit dem in Aussicht gestellten Anteil an der Versicherungssumme überzeugen zu können. Der Deal droht zu platzen, bis Joe auf dem Parkplatz Dottie erblickt und den Vorschlag macht, diese als Pfand anzunehmen. Vater und Sohn stimmen wiederwillig zu, während Dottie noch nichts von ihrem Glück ahnt, bis sie sich alleine bei einem romantischen Candlelight Dinner mit Killer Joe wiederfindet. Doch während die beiden sich langsam näher kommen und Joe den Mord zu planen beginnt, regen sich bei Chris erste Zweifel an seinem Vorhaben und das, obwohl Soames ihm gehörig zuzusetzen beginnt ob seiner Schulden.

Rezension:

Ich muss ja zugeben, dass mir Regisseur William Friedkin im Vorfeld überhaupt kein Begriff war, wenngleich ich natürlich manche seiner Werke wie eben Der Exzorzist oder French Connection kenne. Was er mit Killer Joe aber abgeliefert hat, lässt sich kaum mit diesen Filmen vergleichen, zumal dieser hier wirkt wie aus der Feder eines jungen Autors entsprungen, umgesetzt von einem kompromisslosen Regisseur. Mittlerweile ist Friedkin aber 77 Jahre alt und daher ist es umso erstaunlicher, mit welch brachialer Gewalt er dieses düstere Märchen inszeniert hat, dass vor fatalistischen Entscheidungen trotzt und sämtliche Charaktere mehr und mehr in den Abgrund reißt, denn selten hat mich ein Film in seiner atmosphärischen Ausgestaltung so gefangen nehmen können. Da kommt es ihm sogar zupass, dass er auf einem Theaterstück basiert, in diesem Falle von Pulitzer-Preisträger Tracy Letts, der auch direkt das Drehbuch zum Film verfasst hat.

Möglicherweise ist es auch diesem Umstand geschuldet, dass Killer Joe trotz Action-Einlagen und wechselnder Schauplätze in weiten Teilen wie ein dreckiges und düsteres Kammerspiel wirkt und ungewohnte Aussparungen in der Geschichte lässt, wo man bei anderen Filmen bluttriefende und voyeuristische Bilder voller Selbstzweckhaftigkeit erwarten würde. Stattdessen konzentrieren sich Friedkin und Letts voll und ganz auf ihre ambivalenten Charaktere und fahren damit außerordentlich gut, zumal jede Rolle, angefangen von dem verzweifelten Chris, über den eiskalten und doch charmanten Killer und Chris‘ verwirrter und entrückter Schwester Dottie bis zum Familienoberhaupt Ansel sowie dessen neuer Angetrauten Sharla exquisit besetzt ist und jeder Darsteller auf Hochtouren läuft, um seine Figur gekonnt zu akzentuieren.

Szenenbild aus Killer Joe | © WVG Medien
© WVG Medien

Allen voran sind hier aber natürlich Juno Temple als Dottie zu nennen sowie Matthew McConaughey, welcher mit sichtbarer Spielfreude den absoluten Bad Boy gibt, der aber trotz all seiner Taten nicht wie der Bösewicht der Geschichte wirkt, vielmehr vielleicht wie ein schleichender Advocatus Diaboli, der gegen Ende des Films den Protagonisten ihre gesammelten Verfehlungen um die Ohren haut. Da fällt es dann auch nicht ins Gewicht, dass man die Charaktere in ähnlicher Form schon in zigfacher Ausfertigung in anderen Filmen gesehen hat, denn hier wirken sie nicht bloß wie pure Abziehbilder eines Klischees, sondern offenbaren im weiteren Verlauf des Films beinahe sämtlich neue Facetten und verborgene Abgründe.

Warum ich den Film eingangs als Märchen bezeichnet habe, begründet sich übrigens darin, dass Killer Joe die Lesart nahelegt, dass namensgebender Killer Joe so etwas wie den weißen Ritter in verdreckter Rüstung und mit psychopathischem Einschlag darstellt, der hier die holde Prinzessin – die verwirrt naive und verhaltensgestörte Dottie – aus dem Elfenbeinturm – Ansels heruntergekommener Bruchbude zu befreien sucht. Das Geschehen ist dabei deutlich im Film Noir zu verorten und jede Kulisse unterstützt durch ihre äußerliche Erscheinung den inneren Zerfall der Figuren. Fahles Neonlicht, heruntergekommene Siedlungen, verarmte und verdreckte Vororte und eine Atmosphäre der ständigen Bedrohung zeichnen Friedkins Film aus.

Szenenbild aus Killer Joe | © WVG Medien
© WVG Medien

Für Zartbesaitete ist dieser Film demnach nichts, wenngleich die Gewaltspitzen rar gesät sind, dadurch aber freilich auch überraschender und wuchtiger wirken, ähnlich wie es sich schon bei Drive verhielt. Es gibt durchaus mehrere Szenen, die die verhängte SPIO-Freigabe verständlich machen, jedoch tut man gut daran, sich hier keinen bluttriefenden Action-Reißer zu erwarten, denn Killer Joe lebt eindeutig von seinen Figuren und den Dialogen, nicht aber von sinnfreier roher Gewalt, die wie gesagt auch selten genug zum Einsatz kommt. Was bleibt ist eine zynische, extrem hoffnungslose und düstere Mär von einer kleinen Personenschar, die durch die denkbar ungünstigsten Umstände zusammengeführt wird und bei der jede für sich von ihrem ureigenen Opportunismus angetrieben ins Verderben schlittert.

Fazit & Wertung:

Killer Joe präsentiert sich als unglaublich dicht inszenierter und bitterböser Film Noir und offeriert dem geneigten Zuschauer ein schwarzhumoriges Drama um Fatalismus, Verrat, verlorene Hoffnung und Verzweiflung.

9 von 10 schlechten Entscheidungen

Killer Joe

  • Schlechte Entscheidungen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Killer Joe präsentiert sich als unglaublich dicht inszenierter und bitterböser Film Noir und offeriert dem geneigten Zuschauer ein schwarzhumoriges Drama um Fatalismus, Verrat, verlorene Hoffnung und Verzweiflung.

9.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
CineKie: 7/10 Punkte
Filmherum: 3/5 Punkte

Killer Joe ist am 02.11.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von WVG Medien erschienen.

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