Review: X-Men: Erste Entscheidung (Film)

Erneut ein Film aus meinem reichen Fundus ungesehener Blu-rays, den ich nun, viele Monate später, endlich habe sichten können. Ansonsten bleibt mir nicht viel mehr, als euch zunächst allen ein schönes und erholsames Wochenende zu wünschen!

X-Men: Erste Entscheidung

X-Men: First Class, USA 2011, 132 Min.

X-Men: Erste Entscheidung | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Matthew Vaughn
Autoren:
Ashley Miller
Zack Stentz
Jane Goldman
Matthew Vaughn

Main-Cast:
James McAvoy (Charles Xavier)
Michael Fassbender (Erik Lehnsherr/Magneto)
Rose Byrne (Moira MacTaggert)
January Jones (Emma Frost)
Oliver Platt (Man in Black Suit)
Kevin Bacon (Sebastian Shaw)
in weiteren Rollen:
Jennifer Lawrence (Raven/Mystique)
Nicholas Hoult (Hank McCoy/Beast)

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

1944, Nazideutschland: Der junge Erik gerät unter die Fittiche des skrupellosen Wissenschaftlers Sebastian Shaw, der sogar nicht davor zurückschreckt, Eriks Mutter vor dessen Augen zu erschießen, um die verborgenen Talente des kleinen Jungen zum Ausbruch zu bringen. Derweil in Amerika macht der junge Telepath Charles Xavier die Bekanntschaft mit einem gestaltwandelnden Mädchen namens Raven. Fast zwanzig Jahre später befindet sich der entflohenen Erik voll Rachsucht und Wut auf der Suche nach Shaw, während Xavier sich der Wissenschaft verschrieben hat, um die Gründe für seine Mutation in der Evolution zu begründen und lebt noch immer mit Raven zusammen, die zu einer Art Schwester für ihn geworden ist und noch immer mit ihrem Schicksal hadert, in ihrer urtümlichen Gestalt ein blaues, kaum menschlich zu nennendes Wesen zu sein.

Szenenbild aus X-Men: Erste Entscheidung | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Durch Moira MacTaggert von der CIA, die sich ebenfalls auf der Suche nach Shaw befindet und bald erkennen muss, dass dieser wie auch seine Begleiter über unfassbare Kräfte verfügt, erfährt Xavier, dass es zahlreiche weitere Mutanten geben muss und trifft im weiteren Verlauf auf den von Hass beseelten Erik Lehnsherr. Wenn auch zunächst widerstrebend stellt Erik, ebenso wie Charles seine Fähigkeiten in den Dienst der CIA und gemeinsam durchstreifen die beiden alsbald die Welt, um weitere Mutanten zu finden und zu rekrutieren. Doch obschon die beiden bald eine innige Freundschaft verbindet, haben sie doch grundsätzlich differierende Ansichten, was den Platz der Mutanten in der Gesellschaft anbelangt. Unterdessen plant Shaw, einen dritten Weltkrieg einzuläuten und es liegt an der frisch ausgehobenen Mutantengruppe um Charles und Erik, eine Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abzuwenden.

Rezension:

Matthew Vaughn hat ja bereits mit Kick-Ass bewiesen, Comic-Adaptionen stilvoll und adäquat auf die große Leinwand bringen zu können und da verwundert es kaum, dass er sich 2011 auch an X-Men: Erste Entscheidung versuchen durfte. In dem Zusammenhang war es natürlich großartig, zahlreiche bekannte Jungschauspieler verpflichten zu können, die in den darauffolgenden Jahren auch noch an Popularität zulegen konnten, doch dazu später mehr. Der Film fungiert ja einerseits als Prequel, andererseits als Quasi-Reboot der gleichsam erfolgreichen Trilogie von Bryan Singer, der sich hier immerhin als Produzent wiederfindet und hat im Grunde einen schweren Start, wenn man berücksichtigt, dass er einerseits den Grundstein für in vielen Jahren folgende Ereignisse legen muss, andererseits aber auch in seinen Erzählungen scheinbar ziemlich reglementiert ist, weil etwa das Zerwürfnis zwischen Xavier und Erik Lehnsherr bereits in Stein gemeißelt ist und somit keinesfalls überrascht.

Szenenbild aus X-Men: Erste Entscheidung | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Umso erfreulicher zu sehen, dass es Regisseur Vaughn scheinbar mühelos gelingt, X-Men: Erste Entscheidung originär erscheinen zu lassen, während es gleichzeitig auch als Reminiszenz an künftige Geschehnisse ebenso trefflich funktioniert. Typische Merkmale einer im X-Men-Kosmos angesiedelten Geschichte sind Fragestellungen zu Normalität und Akzeptanz, der Evolution und einige weitere mehr und allesamt finden sie sich auch hier wieder, wenngleich man einräumen muss, dass entsprechende Dialoge oder Denkanstöße kaum in die Tiefe gehen sondern die Themen doch sehr oberflächlich anreißen und sich dazu der mutierten Helden gewohnt plakativ bedienen. Dies muss aber meines Erachtens auch nicht oberstes Ziel eines Superhelden-Blockbusters sein, so dass hier eine gute Mischung erreicht wird: Weder verkommt der Film zu einem stumpfsinnigen Action-Feuerwerk, noch verliert er sich in allzu pathetischen Dialogen und Gesten.

Größter Trumpf von X-Men: Erste Entscheidung ist aber – wie eingangs erwähnt – dessen Darstellerriege. Von Michael Fassbender habe ich ja schon lange vor Filmen wie Prometheus geschwärmt und erneut stellt er sein Können unter Beweis, wenn er einen herrlich ambivalenten, stets mehr oder minder unterschwellig wütenden Erik Lehnsherr gibt und damit alle Mitstreiter spielend überragt. Dennoch tut James McAvoy es ihm beinahe gleich und zeigt eine gänzlich andere Seite des nur als alten, glatzköpfigen, an den Rollstuhl gefesselten Mannes bekannten Professor X, der hier natürlich deutlich agiler und ungestümer zu Werke geht, als man es von dessen älteren Alter Ego erwarten würde. Dennoch vergisst er weder seine Rolle noch das Wesen des Professors und schafft einen stimmigen und glaubhaften Charakter. Daneben wirkt Jennifer Lawrence als Raven aka Mystique schon beinahe blass, hat mir hier zumindest aber deutlich besser gefallen als zum Beispiel in Die Tribute von Panem. Kevin Bacon gefällt als Antagonist Sebastian Shaw, hat hier aber vom Anspruch her deutlich weniger zu leisten und erinnerte mich zuweilen frappierend an den Fiesling aus Super, den er ebenfalls verkörpern durfte. Auch Rose Byrne, January Jones oder etwa Nicholas Hoult gefallen in ihren Rollen, wahrlich außergewöhnliche Leistungen braucht man hier aber – der Ausgestaltung ihrer Figuren geschuldet – wirklich nicht erwarten.

Szenenbild aus X-Men: Erste Entscheidung | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Der Fokus liegt als ganz klar auf der Freundschaft zwischen Xavier und Lehnsherr, wobei es gut vierzig Minuten braucht, bis beide das erste Mal aufeinandertreffen. Bei einer Laufzeit von gut 130 Minuten ist dies aber auch nicht weiter tragisch. Weiterhin fällt auf, dass X-Men: Erste Entscheidung mit verhältnismäßig wenig Action auszukommen weiß, beziehungsweise diese nicht künstlich in die Länge zieht, wie es ansonsten gerne üblich ist. Da freut es umso mehr, dass dialoglastige Sequenzen und andere Zusammenschnitte trotz fehlendem Tiefgang nicht langatmig geraten sind und durchaus zu unterhalten wissen, wobei die großartigste Szene zweifelsohne ein nicht ganz so überraschendes Cameo eines gewissen Herrn darstellt. Am Ende natürlich kocht die Action hoch und gipfelt in einer fulminanten Schlacht, an deren Ende mehrere einschneidende Ereignisse stehen, die – obschon bereits im Vorfeld bekannt – ihre Wirkung nicht verfehlen und diesen ersten Teil der neuen Saga zu einem würdigen Abschluss bringen.

Fazit & Wertung:

X-Men: Erste Entscheidung ist ein solides Prequel Schrägstrich Reboot, in dem vor allem McAvoy und Fassbender zu brillieren wissen und das dadurch ausgezeichnete Unterhaltung verspricht. Frischer Wind für ein Franchise, dem im Finale seines ersten Aufgusses merklich die Luft ausgegangen war. Gerne mehr davon!

8 von 10 wegweisenden Entscheidungen

X-Men: Erste Entscheidung

  • Wegweisende Entscheidungen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

X-Men: Erste Entscheidung ist ein solides Prequel Schrägstrich Reboot, in dem vor allem McAvoy und Fassbender zu brillieren wissen und das dadurch ausgezeichnete Unterhaltung verspricht. Frischer Wind für ein Franchise, dem im Finale seines ersten Aufgusses merklich die Luft ausgegangen war. Gerne mehr davon!

8.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 4,5/10 Punkte
Filmherum: 7/10 Punkte
Jason Auric
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte

X-Men: Erste Entscheidung ist am 14.10.11 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Ich fand den auch klasse. Meiner Meinung nach endlich mal ein gelungener Reboot, der neue Aspekte dazu brachte. Zudem mochte ich die 60er Jahre Atmosphäre. Freue mich schon auf die Fortsetzung!

    • Auf die Fortsetzung bin ich auch sehr gespannt, deshalb wollte ich mir ja nun auch endlich einmal den ersten Teil ansehen. Die 60er Jahre Atmosphäre fand ich auch gut, an manchen Stellen hätte die aber gerne noch etwas ausgeprägter sein dürfen.

      Ich find das ja toll, dass wir sogar wieder dieselbe Wertung vergeben haben, obwohl mir deine Kritik damals tatsächlich durchgegangen ist – ist jetzt aber selbstverständlich nachgepflegt!

  • Togo

    Deinem Review kann ich nur zustimmen. Aber das ganze sollte weniger als Reboot, denn als Prequel gesehen werden. Man hört zumindest aus Interviews das der nächste teil „Days of future past“ beide timelines verschmelzen soll. Wobei dann als bitterer Nachgeschmack bleibt, dass einige Szenen dieses Films nicht so ganz mit der alten Trilogie vereinbar sind.

    • Ja, als wirkliches Reboot habe ich es auch nicht gesehen, bin aber auch gespannt, wie sie die beiden Timelines im Nachfolger zusammenführen wollen/werden, denn wie du schon sagst, wird das sicherlich einige Ungereimtheiten nach sich ziehen, über die man dann wohlwollend hinwegsehen muss.

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