Review: Hannibal | Staffel 1 (Serie)

Ungewohnt schnell – und das trotz des Umstandes, dass ich das Medienjournal in der vergangenen Woche so schmählich vernachlässigt habe – kommt hier schon die nächste Serien-Kritik und ich freue mich, euch heute ausführlich von einer Serie berichten zu können, die mir bereits nach der ersten Staffel enorm ans Herz gewachsen ist.

Hannibal
Staffel 1

Hannibal, USA 2013- , ca. 43 Min. je Folge

Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Serienschöpfer:
Bryan Fuller
Showrunner:
Bryan Fuller

Main-Cast:
Mads Mikkelsen (Dr. Hannibal Lecter)
Hugh Dancy (Will Graham)
Laurence Fishburne (Jack Crawford)
in weiteren Rollen:
Caroline Dhavernas (Dr. Alana Bloom)
Hettienne Park (Beverly Katz)
Scott Thompson (Jimmy Price)
Aaron Abrams (Brian Zeller)
Kacey Rohl (Abigail Hobbs)
Vladimir Jon Cubrt (Garret Jacob Hobbs)
Lara Jean Chorostecki (Freddie Lounds)
Gillian Anderson (Dr. Bedelia Du Maurier)
Gina Torres (Bella Crawford)

Genre:
Krimi | Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Jack Crawford, Leiter der Behavioral Analysis Unit (BAU), einer Unterabteilung des FBI wendet sich anlässlich des Verschwindens mehrerer junger Mädchen an den Profiler Will Graham, der dank seiner schier endlos scheinenden Empathie in der Lage ist, Mordfälle gedanklich bis ins Detail zu rekonstruieren und sich in die Lage der Killer zu versetzen. Aufgrund der brüchigen Psyche Grahams und auf Drängen von Dr. Bloom, die Grahams spezielle Denkweise untersucht hat, zieht Crawford den Psychiater Dr. Hannibal Lecter hinzu, um Will Graham zu betreuen und dessen Geisteszustand zu überwachen. Gemeinsam gelingt es Graham und Lecter bald, dem Killer Garrett Jacob Hobbs auf die Spur zu kommen, jedoch wird dieser von Will in Notwehr erschossen. Durch den vermeintlichen Mord beginnt Grahams Psyche mehr und mehr zu leiden und er ertappt sich immer wieder dabei, nicht mehr mit letzter Gewissheit sagen zu können, ob er sich in Hobbs Gedankenwelt oder seiner eigenen befindet.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Was für Will immer schrecklichere Ausmaße annimmt ist für den Psychiater Lecter ein gefundenes Fressen, denn der distinguierte Mann ist in Wirklichkeit der gefürchtete Chesapeake Ripper, der die Organe seiner Opfer entfernt und entgegen der Vermutungen des FBI nicht als Trophäen behält sondern zubereitet und verspeist. Lecter, der nach und nach durchaus freundschaftliche Gefühle für Will zu entwickeln beginnt, führt ihn dennoch immer wieder auf falsche Fährten und findet Gefallen an dem gefährlichen Spiel, vor dem Empathen sein eigentliches Wesen zu verbergen. Von der Freundschaft und seiner schwindenden Zurechnungsfähigkeit geblendet erkennt Will das wahre Wesen Hannibals zunächst nicht und gerät immer tiefer in den Strudel des Verderbens, den der doppelgesichtige Psychiater zu verantworten hat. Weder Crawford noch sonst jemand ahnt zunächst, welchem Monster sie Will Graham unwissentlich ausgeliefert haben.

Rezension:

Serienschöpfer und Showrunner Bryan Fuller war mir bereits durch einige großartige Serien wie Dead Like Me, Heroes und nicht zuletzt Pushing Daisies nicht nur ein Begriff, sondern geradezu ein Garant für hochwertige, lohnenswerte und einfallsreiche Serienunterhaltung, so dass ich folglich mehr als gespannt war auf Hannibal und Fullers Neuinterpretation des weltbekannten Stoffes aus der Feder von Thomas Harris. Die Filme mit Anthony Hopkins will ich hier aber nicht als Vergleich anführen, da die Ansätze allein die Figur des Hannibal Lecter betreffend so andersartig sind, dass man nicht das Gefühl haben sollte, hier die Vorgeschichte der Filme beziehungsweise zu Roter Drache präsentiert zu bekommen, zumal den Machern der Serie längst klar ist, dass der Handlungsbogen aus ebenjenem Film beziehungsweise Buch rein chronologisch betrachtet in der noch in ferner Zukunft liegenden vierten Staffel thematisiert werden würde und die Serie folglich bei entsprechendem Erfolg die bekannten Geschehnisse ebenfalls reinterpretieren wird.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Wenn die Serie aber auch Hannibal betitelt ist und der großartige Mads Mikkelsen einen hervorragend kultivierten, verschlagenen und doppelzüngigen Hannibal Lecter als praktizierenden Psychiater spielt, ist Hugh Dancy als vom FBI hinzugezogener Profiler Will Graham, der mit totaler Empathie geschlagen in der Lage ist, sich völlig in die Gehirne von Mördern und Psychopathen hineinzuversetzen und anhand eines Tatortes fähig ist, die Geschehnisse minutiös zu rekonstruieren der heimliche Hauptdarsteller der Serie, zumal besagte empathische Traumreisen stimmungsvoll in das Seriengeschehen integriert worden sind und mit wiederkehrenden Elementen wie einem rückwärts schwingenden Pendel stilvoll angekündigt werden. Komplettiert wird das Trio der wichtigsten Protagonisten von Laurence Fishburne als Jack Crawford, dem Leiter der BAU, der es auch ist, der einerseits Graham in den aktiven Dienst zwingt, wohlwissend, dass er damit Wills geistige Gesundheit aufs Spiel setzt, weshalb er auch den renommierten Psychiater Lecter als freien, externen Berater hinzuzieht.

In dieser Beziehung ist die Figurenkonstellation schon mehr als spannend und öffnet in jeder Folge aufs Neue Tür und Tor für verschiedene psychologische Ansatzpunkte, zumal es stets auch einen Case-of-the-Week zu lösen gilt, während wiederum der staffelübergreifende Spannungsbogen, die Jagd nach dem Chesapeake Ripper (bei dem es sich natürlich um niemand anderes als Hannibal handelt) kaum jemals vernachlässigt wird. Dieser Case-of-the-Week ist dann aber auch die einzige Anbiederung, der sich die Serie bedient, um an klassische Kriminalserien zu gemahnen, denn ansonsten konzentriert sich das Geschehen in Hannibal ganz auf das seelische Innenleben der Figuren und Hannibals morbide Vorlieben sein Essen betreffend. Das Essen übrigens, so man denn dessen Herkunft auszublenden imstande ist, wird stets liebevoll arrangiert und mehrere Food-Spezialisten zeichneten dafür verantwortlich, Hannibals Gerichte ansprechend in Szene zu setzen – und diese Detailverliebtheit merkt man der Serie in jeder Folge nicht nur in dieser Beziehung an.

Szenenbild aus Hannibal | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Auch die Tableaus der Tatorte sind an Einfallsreichtum kaum zu überbieten, zumal die Serie mit einem unnachahmlichen, düsteren Look zu glänzen versteht, der gemeinsam mit der fähigen Effekte-Abteilung, den Food-Stylisten und den für eine TV-Serie unglaublich namhaften Cast den Eindruck verstärkt, es handele sich um eine Produktion eines der einschlägigen Kabelsender aus dem Premium-Segment wie etwa HBO, amc oder Showtime. Umso überraschender ist es indes, dass Hannibal von NBC ins Fernsehen gebracht worden ist, einfach weil zumindest ich es bis dato nicht für möglich gehalten hätte, dass ein Network eine dermaßen gut aussehende, hochspannende, bis ins letzte Detail hervorragend konzipierte und inszenierte Serie zu produzieren imstande sei. Diese Meinung werde ich nun nach der ersten Staffel Hannibal korrigieren müssen, zumal das Staffelende an Spannung kaum zu überbieten ist und mit zahlreichen Entwicklungen deutlich macht, dass die nächste Staffel unter deutlich anderen Vorzeichen stehen wird und die Figuren mehr denn je darunter zu leiden haben werden, dermaßen tief in den Sumpf aus Tod und Schrecken gezogen worden zu sein, der Hannibals Wirkungskreis zu dominieren scheint.

Fazit & Wertung:

Bryan Fullers Interpretation des berühmten Kannibalen Hannibal konnte mich von der ersten Folge an in ihren Bann ziehen, auch wenn Hugh Dancy als empathischer Profiler Will Graham zuweilen Mads Mikkelsen ein wenig den Rang abläuft. Gerade aber in der Interaktion laufen beide Darsteller/Figuren zu Höchstform auf und bieten hochspannende, um psychologische Nuancen angereicherte Serienunterhaltung in Bestform.

9 von 10 aufwendig durchkomponierten Menüabfolgen

Hannibal | Staffel 1

  • Aufwendig durchkomponierte Menüabfolgen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Bryan Fullers Interpretation des berühmten Kannibalen Hannibal konnte mich von der ersten Folge an in ihren Bann ziehen, auch wenn Hugh Dancy als empathischer Profiler Will Graham zuweilen Mads Mikkelsen ein wenig den Rang abläuft. Gerade aber in der Interaktion laufen beide Darsteller/Figuren zu Höchstform auf und bieten hochspannende, um psychologische Nuancen angereicherte Serienunterhaltung in Bestform.

9.0/10
Leser-Wertung 8.5/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte
Zeilenkino

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Apéritif (Töchter) (9/10)
02. Amuse-Bouche (Pilze) (8,5/10)
03. Potage (Hirschgeweih) (8,5/10)
04. Œuf (Verlorene Jungs) (8,5/10)
05. Coquilles (Engel) (9/10)
06. Entrée (Hoffnung) (9/10)
07. Sorbet (Alles Fleisch) (9/10)
08. Fromage (Dunkler Klang) (8,5/10)
09. Trou Normand (Vermächtnis) (9/10)
10. Buffet Froid (Gesichter) (10/10)
11. Rôti (Fieber) (9/10)
12. Relevés (Köder) (9,5/10)
13. Savoureux (Minnesota) (10/10)

 
 
– – –

Hannibal | Staffel 1 ist am 20.12.13 auf DVD im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Xander81

    Das hört sich sehr gut an. Das die Serie von Bryan Fuller ist wusste ich gar nicht – „Dead like me“ mag ich ja auch sehr.

    • War mir ganz am Anfang auch nicht klar, aber als ich mich das erste Mal näher über „Hannibal“ informiert habe dachte ich mir schon „Moment mal, den kennst du doch!“.

      Fand auch die anderen beiden Genannten toll, aber hier vor allem, dass der Serie so viele Freiheiten gelassen wurden und die wirklich ungewöhnlich düster und morbide daherkommt.

  • Gloria H. Manderfeld

    Okay … ich muss keinen Artikel mehr darüber schreiben, Du hast meine Meinung hier eben veröffentlicht ^^

  • Huch, wo ist denn Disqus hin verschwunden?

    Die Serie habe ich auch schon auf dem Plan, wenngleich es wohl schwer sein wird die bessere Hälfte davon zu überzeugen. Klingt auf jeden Fall sehr interessant, da ich die Filme (zumindest „Das Schweigen der Lämmer“) auch interessant finde. So richtig düster/morbide fand ich ansonsten auch die Buchvorlage zu „Roter Drache“.

    • Ja, Disqus habe ich mal testweise deaktiviert, weil sich ja doch immer mal wieder Leute beschwert haben, dass das nicht so richtig gut funktioniert und jüngst wollte es wieder nicht richtig laden, was ein Kommentieren unmöglich gemacht hat. Außerdem hatte ich es damals nur installiert, weil die Kommentarfelder meines alten Themes mir so überhaupt nicht gefallen haben, aber hier sieht es ja doch ganz ansprechend aus und ermöglicht so ein „barrierefreieres“ Kommentieren. Mal schauen ob ich es so lasse.

      Aber zur Serie: Meine bessere Hälfte habe ich auch nicht überzeugen können, aber als Vegetarierin ist das vielleicht auch noch einmal was anderes mit Hannibals speziellen Gerichten. Doch auch ansonsten wird es eklig und von daher passte das schon, dass ich mir die Staffel allein angesehen habe. Die Filme sind gut, keine Frage, aber mit einem Vergleich täte man der Serie unrecht, denn Mads Mikkelsen wählt durchaus einen anderen Ansatz, schafft aber auf seine Art einen nicht minder überzeugenden Hannibal Lecter, der eben auch noch in einer ganz anderen Phase seines Lebens steht.

      Ich war wirklich positiv überrascht, aber ich habe auch ein Faible für derlei psychologische Themen, wie sie bei „Hannibal“ aufs Trapez gebracht werden, vielleicht hat das meine Euphorie auch noch verstärkt. Von mir auf alle Fälle eine unbedingte Empfehlung, wenn bei dir wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt ist 😉

  • „9 von 10 aufwendig durchkomponierten Menüabfolgen“

    Kann ich so nur unterschreiben! Wirklich tolle Serie. Bin sehr gespannt, welchen Weg sie in der zweiten Staffel einschlagen wird!

    • Ja, da bin ich in der Tat auch sehr gespannt. Es wird wohl auf alle Fälle ein deutlich anderer als in der ersten Staffel sein, schließlich lässt sich das erworbene Wissen, insbesondere von Will Graham, nicht so einfach negieren. Wollen wir hoffen, dass dieser Bryan Fuller-Serie ein besseres Schicksal beschieden sein wird als „Pushing Daisies“ und Konsorten, damit er seine Ideen für die kommenden Staffeln auch noch umsetzen kann.

  • Alles korrekt. Allerdings bleibt Mikkelsen mit seiner charismatisch-abartigen Performance ungeschlagen, auch wenn der restliche Cast ebenfalls großartig aufspielt.

    • Ach, ich fand schon, dass Dancy ihm in kaum etwas nachgestanden hat. Aber wenn wir uns ansonsten ja einig sind, ist alles gut.

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