Review: Stoker – Die Unschuld endet (Film)

Und weiter geht es heute zum Einstand ins Wochenende mit einem Film, der meinen lieben MitbloggerInnen (siehe unten) auch schon sehr gefallen hat und mir nun vor geraumer Zeit ebenso, wie ihr jetzt hier nachlesen könnt. Bedeutet für mich zwar auch, dass die Anzahl fertiger Film-Rezensionen, die hier zur Veröffentlichung bereitstehen, aus dem zweistelligen in den einstelligen Bereich zusammenschrumpft, aber ein bisschen Schwund ist ja immer und es ist schließlich jetzt Wochenende und ich habe Zeit, diesen Missstand zu beheben 😉 Macht es euch schön, genießt die Sonne und die freie Zeit!

Stoker
Die Unschuld endet

Stoker, UK/USA 2013, 99 Min.

Stoker - Die Unschuld endet | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Park Chan-wook
Autor:
Wentworth Miller

Main-Cast:
Mia Wasikowska (India Stoker)
Matthew Goode (Charles Stoker)
Nicole Kidman (Evelyn Stoker)
in weiteren Rollen:
Dermot Mulroney (Richard Stoker)
Jacki Weaver (Gwendolyn Stoker)

Genre:
Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Stoker - Die Unschuld endet | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Just an ihrem achtzehnten Geburtstag verstirbt India Stokers Vater Richard bei einem Autounfall und lässt die introvertierte Einzelgängerin mit dem verschlossenen Wesen allein mit ihrer Mutter Evelyn, zu der sie beinahe keinerlei Bindung hat, auf dem Familienanwesen zurück, doch während das junge Mädchen sich mehr denn je in sich selbst zurückzuziehen beginnt, taucht bei der Beerdigung unvermittelt ihr Onkel Charlie – Richards Bruder – auf und nistet sich bei den Stokers ein, während bis zu diesem Zeitpunkt beinahe niemand etwas von dessen Existenz geahnt hat.

Mit seiner charmanten und aufmerksamen Art beginnt Charlie, Evelyn für sich einzunehmen und versucht gleichsam, die wortkarge India aus der Reserve zu locken, die sich jedoch zunächst seinen Annäherungsversuchen strikt verweigert. Mit jedem Tag, den Charlie auf dem Anwesen der Stokers verbringt, deckt India allerdings weitere Facetten seiner Persönlichkeit auf und beginnt in ihm etwas zu erkennen, weshalb sie, selbst als sie beginnt, die Finsternis hinter seiner Fassade zu begreifen, nicht etwa in Panik verfällt, sondern auszuloten versucht, was sich noch hinter dem charismatischen Lächeln verbirgt.

Rezension:

Es fällt gelinde gesagt schwer, etwas über Park Chan-wooks Hollywood-Debüt Stoker – Die Unschuld endet zu schreiben, ohne dabei auf wichtige Plot-Details einzugehen und manchen Twist zu verraten oder verstörende Szenen vorwegzunehmen, zumal ich für meinen Teil wirklich froh bin, so gut wie nichts über den Film gewusst zu haben, außer, dass India Stokers Vater an ihrem achtzehnten Geburtstag verstirbt und daraufhin der bis dahin unbekannte Onkel Charlie bei der Mutter und Tochter einzieht und sich dadurch eine bis dahin nicht greifbare oder näher definierte Bedrohung zu manifestieren beginnt. Jeder Filmfreund wird sich nun so seine Gedanken machen, was sich hinter dieser diffus-schwammigen Aussage verbirgt und so erging es mir auch bei Sichtung des Films, dass er mehr und mehr in gänzlich unerwartete Bahnen abdriftete und mich so ein ums andere Mal zu überraschen wusste und das, obwohl das Drehbuch im Grunde so verworren oder überraschend gar nicht ist, die Inszenierung allerdings ihresgleichen sucht.

Szenenbild aus Stoker - Die Unschuld endet | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So versteht es Park Chan-wook, jede Szene, jede Kamerafahrt, jeden Schwenk, jeden Blick, jede Geste punktgenau zu inszenieren und webt schon auf den ersten Metern ein surreal-gespenstisches Flair, eine unterschwellige Bedrohlichkeit hinter der Fassade eines überaus charmanten Matthew Goode, der den Film spielend dominieren würde, stände ihm nicht Mia Wasikowskas noch intensivere Darstellung dergestalt im Weg, dass der Film überwiegend aus ihrer Perspektive geschildert wird, sie aber als verschlossenes, manchmal beinahe lethargisch wirkendes Mädchen kaum dazu einlädt, ihre Gedanken und Beweggründe erfahrbar zu machen. Kommt man erst einmal dahinter, was es mit Charlie auf sich hat und welche Geheimnisse die Familie Stoker noch birgt, ist alles, was folgt, auch längst nicht mehr so überraschend wie man meint, zumal der Beginn des Films quasi dessen Ende vorwegnimmt, wobei ich hiermit aber nichts verrate, denn natürlich sieht und versteht man in keiner Weise, was man da beobachtet, bis zum Schluss natürlich, an dem sich alles zu einem stimmigen Ganzen fügt.

Überhaupt ist Stoker aber wahrhaft kein Film der großen Worte und Dialoge sucht man in manchen Szenen vergeblich, während sie sich andernorts in nur wenigen Sätzen erschöpfen, doch lebt der Film eben vielmehr von seiner Atmosphäre und den sich aus Blicken und Taten ergebenen Spannungsmomenten sowie natürlich den unweigerlich im letzten Drittel vermehrt auftauchenden Erklärungen und Rückblenden, die vieles in ein neues Licht rücken und das überschaubare Figurengeflecht noch einmal gründlich durcheinanderwürfelt. Bis dahin ergeht sich Chan-wook in vielen Merkwürdigkeiten und Andeutungen, schafft ein morbides Szenario und packt den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute, während man sich an allerlei Querverweisen speziell auf das Werk von Hitchcock erfreuen darf, der hier ganz offensiv als Pate herhalten darf, während auch der Familienname Stoker dem einen oder anderen geläufig sein sollte, was natürlich ebenso wenig Zufall ist, wie man den ganzen Film über das Gefühl hat, jede Einstellung, jede Szene, jede Regung sei genau geplant und ganz bewusst in dieser Form präsent.

Szenenbild aus Stoker - Die Unschuld endet | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Insofern ist es schon durchaus erstaunlich, dass das Skript zu Stoker aus der Feder des Prison Break-Darstellers Wentworth Miller stammt, dem man eine derartige Story auf den ersten Blick nicht unbedingt zutrauen würde, doch scheint mir auch hier der Fall vorzulegen, dass erst Chan-wooks inszenatorische Exzellenz aus einem guten Skript einen ausgezeichneten Film macht, denn vieles hätte man hier falsch machen können, was aber gleichermaßen für die Besetzung gilt, die stimmiger kaum hätte sein können, weshalb man froh sein darf, dass nun exakt dieses Dreiergespann aus Mia Wasikowska, Matthew Goode und Nicole Kidman die Hauptrollen bekleidet, wobei letztere durchaus schon einmal mehr zu überzeugen wusste, ihre Rolle in der Fokussierung auf den mysteriösen Charlie und die introvertierte India aber schlichtweg auch nicht mehr hergibt. Diese eine vergleichsweise blasse Figurenzeichnung, gepaart mit einem schlussendlich gar nicht einmal so überraschenden, geschweige denn neuartigen Twist sind es auch, die Stoker davon abhalten, in die Riege absoluter Top- oder Kultfilme aufzusteigen, denn in atmosphärischer Hinsicht hätte dieser nahezu perfekt inszenierte Mystery-Thriller es durchaus verdient, sich dort einzureihen. So bleibt es immerhin ein rundherum ausgezeichneter Film, der nicht nur als Hommage an Hitchcock, sondern auch für sich genommen vortrefflich funktioniert.

Fazit & Wertung:

Park Chan-wooks Hollywood-Debüt Stoker – Die Unschuld endet ist ein audiovisuell über die Maßen beeindruckendes Gesamtwerk geworden, das gerade in inszenatorischer Hinsicht eine nahezu perfekte Erzählung bildet, in die sich ein punktgenau besetzter Cast umso mehr fügt, als dass jede der Figuren ihre Geheimnisse birgt und die eigentliche Marschrichtung des Films lange im Verborgenen bleibt. Das Drehbuch dahinter, obschon durchdacht und mit Anspielungen gespickt, steht allerdings hinter der formidablen Regiearbeit merklich zurück, doch nahezu perfekte Bildkompositionen lassen selbst darüber zuweilen hinwegsehen.

8,5 von 10 verstörend-morbiden Inszenierungen

Stoker - Die Unschuld endet

  • Verstörend morbide Inszenierungen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Park Chan-wooks Hollywood-Debüt Stoker - Die Unschuld endet ist ein audiovisuell über die Maßen beeindruckendes Gesamtwerk geworden, das gerade in inszenatorischer Hinsicht eine nahezu perfekte Erzählung bildet, in die sich ein punktgenau besetzter Cast umso mehr fügt, als dass jede der Figuren ihre Geheimnisse birgt und die eigentliche Marschrichtung des Films lange im Verborgenen bleibt. Das Drehbuch dahinter, obschon durchdacht und mit Anspielungen gespickt, steht allerdings hinter der formidablen Regiearbeit merklich zurück, doch nahezu perfekte Bildkompositionen lassen selbst darüber zuweilen hinwegsehen.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
ERGOThek: 4,5/5 DeLoreans
Der Kinogänger: 8/10 Punkte

Stoker – Die Unschuld endet ist am 20.09.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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