Review: Cocktail für einen Vampir | Charlaine Harris (Buch)

So, liebe Leute, gleich erwartet mich zwar noch Besuch, doch das soll mich natürlich nicht davon abhalten, euch eben noch eine neue Buch-Kritik zu kredenzen, zumal die fragliche Reihe hier auf dem Blog ja auch schon wieder fast neun Monate auf Eis lag und selbst die daraus entstandene Serie mittlerweile nach sieben Jahren ihr Ende gefunden hat; ich weiß, muss ich mir auch noch angucken – Probleme eines Nerds…

Cocktail für einen Vampir

Deadlocked, USA 2012, 432 Seiten

Cocktail für einen Vampir von Charlaine Harris | © dtv
© dtv

Autorin:
Charlaine Harris
Übersetzerin:
Britta Mümmler

Verlag (D):
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN:
978-3-423-21428-5

Genre:
Drama | Horror | Fantasy

 

Inhalt:

Und als wir den Club betraten, wurden wir gleich von einem Kobold namens Bellenos in Empfang genommen und an unseren Tisch geführt. Den hatte ich zuletzt gesehen, als er mir den Kopf eines Feindes auf dem Tablett servierte. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Gerade als Sookie – wieder einmal – der Meinung ist, ihr Leben könne langsam aber sicher wieder in ruhigeren Bahnen verlaufen, stattet ihr ihr Großvater Niall einen Besuch ab und begibt sich gemeinsam mit Claude, der noch immer zusammen mit Dermot in Sookies Haus weilt, in die Elfenwelt, um einem Geheimnis auf die Spur zu kommen. So weit, so gut, bräuchte sie das kaum tangieren, doch Geschehnisse weit größeren Kalibers beginnen ihr bald weitaus größere Sorgen zu machen, denn nicht genug damit, dass der Vampirkönig von Louisiana, Arkansas und Nevada Shreveport und insbesondere Eric seine Aufwartung macht, um den endgültigen Tod von Victor zu untersuchen, an dem sowohl Sookie als auch Eric nicht gerade unschuldig sind, erwischt sie ihren Freund auch noch bei einer Party mit einer anderen Frau, von deren Blut er kostet.

Das allein schmerzt, doch wäre es das Drama nicht wert, das daraus erwächst, dass nur kurze Zeit später die Leiche der jungen Frau auf Erics Grundstück gefunden und die Polizei gerufen wird. Am meisten schmerzt Sookie allerdings, dass sie ncht einmal ausschließen kann, dass Eric der Schuldige ist, doch es wird Sache der Polizei sein, dies herauszufinden, wenngleich die untote Gemeinde nicht gerade gewillt ist, ihnen tatkräftig zur Seite zu stehen…

Rezension:

Bereits beim vorangegangenen Band der Reihe – Vampir mit Vergangenheit – hatte ich durchklingen lassen, dass der Sookie-Stackhouse-Reihe meines Erachtens nach ein wenig der leichtfüßige Charme, der Verve abhanden gekommen zu sein schien und es sich um einen der schwächeren Vertreter der Reihe handeln würde, doch hatte ich das in der Vergangenheit – bei Cocktail für einen Vampir handelt es sich nun schließlich schon um den zwölften (und vorletzten) Band – schon öfter behauptet und prompt folgte wieder ein actiongeladenes, adrenalingeschwängertes, tempovolles Abenteuer. Hier nun ist dem leider nicht so und ich bin beinahe ein Stück weit froh, dass nun nur noch ein einziges Buch vor mir liegt, denn die Art und Weise, in der sich Charlaine Harris allerlei Trivialitäten hingibt und die vergleichsweise magere Story damit künstlich in die Länge zieht, legt nahe, dass ihr langsam aber sicher die Ideen auszugehen scheinen.

Sie hatte hellblondes Haar und war sehr hübsch. Aber da ich selbst zum Teil Elfe war (dank eines unglaublichen Leichtsinns meiner Großmutter), konnte ich hinter die schöne Fassade dieser Blondine blicken. Ihre Haut war gar nicht so honigbraun, wie sie jedem erschien, sondern blass, blassgrün. Ihre Augen hatten keine Pupillen… oder waren ihre Pupillen und ihre Iris vielleicht nur von dem gleichen Schwarz? Als von den anderen gerade keine hinsah, warf sie mir mit klimpernden Augenlidern einen Blick zu. Sie schien zwei zu haben. Augenlider, meine ich. An jedem Auge. Es fiel mir auf, weil sie sich so weit zu mir herunterbeugte.

Dabei wirkt der eigentliche Plot – der dann nach einem auf rund dreißig Seiten abgehandelten Besuch im Strip-Club auch tatsächlich seinen Anfang nimmt – zunächst vielversprechend, sowohl was die Rückkehr von Niall, Sookies Elfischem Großvater anbelangt, als auch den Mord auf Erics Anwesen, doch Niall verschwindet prompt wieder gänzlich von der Bilsfläche und den Mordermittlungen gelingt es kaum, der Geschichte Spannung zu verleihen. Immerhin, so würde man meinen, dienen die Verdächtigungen Erics sicherlich dazu, seine und Sookies Beziehung in Frage zu stellen oder auch zu festigen, doch auch hier weit gefehlt, denn Eric – ebenso wie Bill, von dem man dies aber schon einige Bücher lang gewohnt ist – glänzt die meiste Zeit mit Abwesenheit, womit sich Harris sicherlich keinen Gefallen getan hat, denn die beiden charismatischen Vampire sind neben Sookie selbst sicherlich die zuverlässigsten Zugpferde der Reihe.

Immerhin versucht sie noch, den vorangegangenen Geschehnissen Rechnung zu tragen und lässt den gemeinschaftlich geplanten Mord an Victor nicht einfach unter den Tisch fallen, doch auch dieser Plot scheint die meiste Zeit gehörig auf der Stelle zu treten, wenn er denn gerade überhaupt zur Sprache gebracht wird. Ich kann auch jetzt zwar nicht behaupten, dass Cocktail für einen Vampir regelrecht langweilig gewesen wäre – dafür hat man die Ich-Erzählerin und telepathische Kellnerin auch mittlerweile viel zu lieb gewonnen – , aber hier hätte einige Kürzungen und Straffungen sicherlich gut getan, wofür der Strip-Club-Besuch nur ein Beispiel bleiben soll.

Mein Cousin Claude hatte alle möglichen heimatlosen Elfen im Hooligans aufgenommen, seit die Portale zur Elfenwelt von meinem Urgroßvater Niall geschlossen worden waren. Er hatte sie aus einem Impuls heraus plötzlich versiegelt, in völliger Umkehr seiner bisherigen Politik, dass Menschen und Elfen sich ungehindert miteinander vermischen sollten. Nicht alle Elfen und andere Geschöpfe des Elfenvolks hatten Zeit gehabt, in die Elfenwelt zurückzukehren, bevor diese Portale sich schlossen. Nur ein sehr kleines, das im Wald hinter meinem Haus lag, stand noch einen winzigen Spalt offen. Und von Zeit zu Zeit drangen Neuigkeiten daraus hervor.

Allerdings – und auch das muss man unumwunden zugeben – dreht die Geschichte zum Ende hin plötzlich noch einmal gehörig auf, lässt vieles in einem anderen Licht erscheinen, offenbart Geheimnisse und Intrigen, ist schockierend und dramatisch geraten und findet gar endlich Verwendung für das seit geraumer Zeit durch den Roman-Kosmos trudelnde Cluviel Dor, was Sookies Großmutter ihr vermacht hat. Die letzten Kapitel sind demnach im Grunde so geworden, wie ich mir das gesamte Buch gewünscht hätte und machen auch noch ein letztes Mal Lust auf mehr, doch schade bleibt es trotzdem, dass Harris für ihr dem Finale vorangehendes Buch nicht einen stringenteren, meinetwegen auch einfach nur interessanteren Plot hat ersinnen können, als dieses in seinen schlechtesten Momenten wild zerfasert wirkende Konstrukt aus allerlei nicht ganz zu Ende gedachten Handlungsbögen.

Fazit & Wertung:

Charlaine Harris‘ Cocktail für einen Vampir, der mittlerweile zwölfte und vorletzte Band der Sookie-Stackhouse-Reihe, glänzt leider nicht gerade sehr mit Innovationen und bedient sich eines recht ausgelutschten Krimi-Plots, während sie zwar nebenher noch einige Handlungsstränge fortführt, die allerdings nicht in letzter Konsequenz ausgeführt worden sind, was gerade in Anbetracht der Tatsache, dass alles dem Ende entgegensteuert, durchaus sauer aufstößt, denn statt dass die Figuren sich weiterentwickeln, treten sie die meiste Zeit doch merklich auf der Stelle. Immerhin das packende Finale und unvorhergesehene Wendungen reißen es ein Stück weit raus, doch es scheint langsam bergab zu gehen mit der Vampir-Saga.

6,5 von 10 Vampiren, Werwölfen, Elfen etc. pp.

Cocktail für einen Vampir

  • Vampire, Werwölfe, Elfen etc. pp. - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Charlaine Harris‘ Cocktail für einen Vampir, der mittlerweile zwölfte und vorletzte Band der Sookie-Stackhouse-Reihe, glänzt leider nicht gerade sehr mit Innovationen und bedient sich eines recht ausgelutschten Krimi-Plots, während sie zwar nebenher noch einige Handlungsstränge fortführt, die allerdings nicht in letzter Konsequenz ausgeführt worden sind, was gerade in Anbetracht der Tatsache, dass alles dem Ende entgegensteuert, durchaus sauer aufstößt, denn statt dass die Figuren sich weiterentwickeln, treten sie die meiste Zeit doch merklich auf der Stelle. Immerhin das packende Finale und unvorhergesehene Wendungen reißen es ein Stück weit raus, doch es scheint langsam bergab zu gehen mit der Vampir-Saga.

6.5/10
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Weitere Details zur Autorin und dem Buch findet ihr auf der Seite des Deutschen Taschenbuch Verlages. Dort gibt es übrigens auch ein groß angelegtes Special zur Sookie-Stackhouse-Reihe.

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Die Sookie-Stackhouse-Reihe:

01. Vorübergehend tot
02. Untot in Dallas
03. Club Dead
04. Der Vampir, der mich liebte
05. Vampire bevorzugt
06. Ball der Vampire
07. Vampire schlafen fest
08. Ein Vampir für alle Fälle
09. Vampirgeflüster
10. Vor Vampiren wird gewarnt
11. Vampir mit Vergangenheit
12. Cocktail für einen Vampir
13. Vampirmelodie

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