Da wäre ich auch schon wieder und arbeite weiter fleißig Altlasten ab hinsichtlich Filmen, die außer mir schon längst jeder gesehen hat. Trotzdem wünsche ich euch natürlich ganz viel Spaß und Freude bei meinem Artikel und würde mich freuen, wenn er von dem einen oder andere gelesen wird 😉

Interstellar

Interstellar, USA/UK/CA 2014, 169 Min.

Interstellar | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Christopher Nolan
Autoren:
Jonathan Nolan
Christopher Nolan

Main-Cast:
Matthew McConaughey (Cooper)
Anne Hathaway (Brand)
Jessica Chastain (Murph)
Michael Caine (Professor Brand)
in weiteren Rollen:
Bill Irwin (TARS [Stimme])
Ellen Burstyn (Murph (older))
John Lithgow (Donald)
Wes Bentley (Doyle)
Casey Affleck (Tom)
Topher Grace (Getty)
Matt Damon (Mann)
Mackenzie Foy (Murph (10 Yrs.))
Timothée Chalamet (Tom (15 Yrs.))

Genre:
Science-Fiction | Abenteuer | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Interstellar | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Die nahe Zukunft: Brach liegende Felder, karges Land, Dürre. Das Klima hat sich verändert und die Menschheit geht zu Grunde, langsam, aber unausweichlich. In dieser Zeit lebt der Farmer Cooper mit seinen Kindern Murph und Tom sowie seinem Schwiegervater Donald irgendwo im amerikanischen Nirgendwo. Cooper, der früher Ingenieur war, kann sich mit seinem Schicksal und seiner Zukunft als Farmer zwar nicht recht anfreunden, doch bleibt ihm kaum eine andere Wahl, um seine Familie am Leben zu erhalten. Als seine Tochter in ihrem Zimmer von Geistern zu fabulieren beginnt, hat er dafür verständlicherweise kaum ein Ohr, doch führen ihn die seltsamen Phänomene schlussendlich zu einer geheimen Anlage, wo die Überreste der NASA noch immer nach einem Weg forschen, die Menschheit zu retten.

Und Rettung, so viel ist klar, kann es nur außerhalb der Erde, im All, geben, und schweren Herzens geht Cooper auf die Bitten von Professor Brand ein, der die Einrichtung leitet und Cooper eröffnet, dass sie wohl kaum einen fähigeren Piloten finden würden, als er es ist. Gemeinsam mit Brands Tochter Amelia und zwei weiteren Astronauten bricht Cooper alsbald Richtung Saturn auf und lässt seine Tochter und seinen Sohn auf der Erde zurück, wissend, dass er sie kaum je wiedersehen wird…

Szenenbild aus Interstellar | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Rezension:

Wenn mich Christopher Nolan zuletzt mit The Dark Knight Rises, dem Abschluss seiner vielgerühmten Batman-Trilogie, nicht vollends zu überzeugen wusste, bin ich doch ein ausgewiesener Fan und Bewunderer seiner Werke, die ich bis auf zwei Ausnahmen (Following und Insomnia – Schlaflos) allesamt gesichtet und ausnahmslos genossen habe, weshalb es außerfrage stand, auch Interstellar über kurz oder lang meiner Heimkinosammlung einzuverleiben, zumal Matthew McConaughey, der diesmal die Hauptrolle übernehmen durfte, bei mir nicht erst seit Mud – Kein Ausweg – der wohl ausschlaggebendes Projekt für Nolan gewesen sein mag, McConaughey für sein neuestes Werk zu besetzen – einen Stein im Brett hat und auch das Thema Science-Fiction für meinen Geschmack deutlich zu selten im Kino dieser Tage behandelt wird. Und in dieser Beziehung geht Interstellar einen beinahe schon mutig zu nennenden Weg, denn Raumschlachten oder dergleichen sucht man hier vergebens, bekommt dafür aber spannende Gedankenexperimente visualisiert, die auf den Arbeiten und Thesen von Astrophysiker Dr. Kip Thorne basieren, der wohl auch die Produktion des Films überwacht und Nolan von allzu exzentrischen Einfällen abgebracht hat.

Szenenbild aus Interstellar | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Natürlich lässt sich trotzdem das, was im Film passiert, so sicherlich nicht auf die Goldwaage legen, zumal hier nun einmal mit Theorien gearbeitet wird, hypothetischen Annahmen also, die sich zum derzeitigen Zeitpunkt weder verifizieren noch falsifizieren lassen, so dass es sowohl das Lager gibt, das behauptet, die Raumfahrt in Interstellar wäre absolut hanebüchen, als auch das Lager, das attestiert, der Film halte sich beeindruckend nah an physikalische Gesetzmäßigkeiten. Ich für meinen Teil will gar nicht erst versuchen zu behaupten, den nötigen Sachverstand zu besitzen, etwas derartiges sinnvoll beurteilen zu können, doch rufe ich mir in solchen Momenten eben auch immer das Fiction in Science-Fiction in Erinnerung und ob es sich nun um ausgemachten Unsinn oder intelligente Gedankenexperimente handelt, kann ich doch zumindest als Rezipient des Films für mich festhalten, dass die Fachsimpelei funktioniert und im filmischen Kosmos für sich genommen absolut stimmig wirkt, womit mein persönlicher Anspruch auch schon erfüllt wäre, wenngleich das natürlich nicht jeder so sehen wird.

Ganz besonders gefreut habe ich mich indes in diesem Zusammenhang über meinen persönlichen Event Horizon-Gedächtnismoment, denn das Prinzip der Raumzeitkrümmung wird hier wie dort mit exakt derselben Methode erklärt, was mich schon schmunzeln ließ, ebenso wie der Roboter TARS, der dem Treiben nicht nur eine humorige und archaische Würze verleiht, sondern auch als einer von vielen Querverweisen auf Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum verstanden werden darf, ebenso aber auch auf Douglas Adams, während der gesamte Film noch mit vielen weiteren Reminiszenzen an beispielsweise Robert A. Heinlein und sogar Stephen King gespickt ist, um nur einige weitere zu nennen. Wie auch immer aber auch die technische beziehungsweise eher wissenschaftliche Seite des Films zu beurteilen ist, legt Nolan aber auch bei Interstellar merklich Wert darauf, glaubhafte Figuren und Charaktere zu erschaffen, wobei es ihm in diesem Zusammenhang natürlich sehr zupass gekommen sein mag, gleich fünf Oscar-Gewinner und drei weitere Nominierte in seinem Cast versammelt zu haben, denn auch wenn ein Oscar daheim sicherlich längst kein Garant mehr für außergewöhnliche darstellerische Leistungen sein mag, lässt sich doch hier eine mehr als deutliche Korrelation feststellen, denn jeder der Beteiligten liefert eine mehr als überzeugende Leistung ab und trägt maßgeblich dazu bei, das fiktive Bild der Zukunft, das Nolan, inspiriert von den Dust Bowl Stürmen zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren, hier zeichnet, lebendig werden zu lassen. Die gleichnamige Dokumentation The Dust Bowl aus dem Jahre 2012 ist es dann auch, aus der die zu Beginn des Films eingefügten Interviewausschnitte zumindest zu Teilen stammen und die dem geneigten Zuschauer noch vor Beginn der eigentlichen Handlung die Welt und wie sie sich darstellt, näherbringen.

Szenenbild aus Interstellar | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Um aber noch einmal auf die beteiligten Darsteller zurückzukommen, muss ich sagen, dass mich selbst Anne Hathaway, die ja ebenfalls schon Teil des Casts von Nolans The Dark Knight Rises war, hier positiv überrascht hat, denn auch wenn sie sich in den letzten Jahren vermehrt um ernstere Rollen bemüht, war ich anfangs unsicher, ob ich ihr die abgeklärte Astronautin abnehmen würde. Michael Caine, der hier bereits zum sechsten Mal mit Christopher Nolan zusammenarbeitet, dürfte derweil über jeden Zweifel erhaben sein und liefert eine erwartungsgemäß stimmige und in manchen Szenen regelrecht packende Darbietung ab, der auch sein rund zwölf Jahre jüngerer aber ebenso als altgedienter Schauspieler zu bezeichnender Kollege Jon Lithgow (Dexter) in nichts nachsteht. Und ab der zweiten Hälfte des Films darf dann last but not least noch Jessica Chastain (Lawless – Die Gesetzlosen) als Coopers Tochter Murph begeistern, die aufgrund des Prinzips der Zeitdilatation bald schon ähnlich alt ist wie ihr von McConaughey gespielter Vater. Dabei bewegen sich die jeweiligen Plots gekonnt nebeneinander her und werden szenisch auch ab und an miteinander verwoben, was zu teils eindrucksvollen Szenenmontagen führt. Ein wenig enttäuschend wiederum fand ich an der Seite von Chastain einzig Casey Affleck als deren Bruder, was gar nicht mal unbedingt an ihm selbst sondern mehr der Größe seiner Rolle lag, die nicht allzu viel Raum für Entfaltung bot. Ähnlich erging es da sowohl Wes Bentley (Die Tribute von Panem) als auch Topher Grace (Take Me Home Tonight), die kaum über bloße Staffage hinauswachsen, wohingegen Matt Damon, dessen Mitwirken an Interstellar ja im Vorfeld tatsächlich in keiner Weise publik gemacht worden ist, wieder einmal zu gefallen weiß und dessen Rolle des Dr. Mann ihn ja möglicherweise mit für Der Marsianer – Rettet Mark Watney qualifiziert hat.

Szenenbild aus Interstellar | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Dennoch ist Interstellar weit mehr als nur ein Schaulaufen namhafter wie talentierter Darsteller und auch mitnichten ein trockenes Gedankenexperiment mit diskussionswürdigen physikalischen Grundlagen, sondern ebenso ein packendes Familiendrama, zumal es rund eine Dreiviertelstunde dauert, bis man überhaupt erst einmal zu den Sternen aufbricht, wenngleich bei einer Gesamtlaufzeit von fast 170 Minuten selbstverständlich noch immer mehr als genug Raum für die Erkundung des Weltalls bleibt, wobei mich hier speziell die Darstellung des schwarzen Lochs und oben erwähnte Ausführungen zur Zeitdilatation angesprochen haben, während das letzte Drittel des Films sicherlich Geschmackssache sein mag und möglicherweise dem einen oder anderen den Film auf den letzten Metern verleidet hat, doch wer beispielsweise mit den Geschichten von Robert A. Heinlein (den ich ebenfalls bereits eingangs erwähnt hatte) vertraut ist, kann sich sicherlich auch mit dem Gedanken des Tesseracts, wie er hier dargestellt wird, anfreunden, zumal er den Film in meinen Augen – ich gehe hier natürlich bewusst nicht ins Detail – zu einem wahnsinnig runden Abschluss bringt, der natürlich naturgemäß ein gewisses Potential für Paradoxa bereithält, doch passte das eben in meinen Augen alles so dermaßen gut zusammen, dass ich auch über kleinere Ungereimtheiten, die sich natürlich dennoch in ein dermaßen ambitioniert konzeptioniertes Projekt schleichen, hinwegsehen konnte und sei es nur, dass der Abflug von der Erde beispielsweise nach der anfänglichen, breiten Exposition der Figuren und der Zustände beinahe überstürzt und überhastet gewirkt hat und die Rechnung hinsichtlich Zeitdilatation nicht immer aufgeht. Dennoch ist Interstellar in meinen Augen ein rundum gelungenes, galaktisches Märchen mit überaus starken Charakteren und einer ungewohnten Erzählung, einem Hauchs poetischer Kraft und bahnbrechend schönen Bildern, die in dieser Form erst einmal ihresgleichen suchen müssen und denen der Soundtrack von Hans Zimmer noch das obligatorische Tüpfelchen aufsetzt, zumal man im Gegenzug auf Geräusche im Weltraum verzichtet hat, ganz so, wie es sich gehört.

Fazit & Wertung:

Mit Interstellar hat Christopher Nolan ein weiteres filmisches Kleinod erschaffen, das sich gleichermaßen erwartungsgemäß wuchtig und bildgewaltig als Blockbuster mit hochkarätiger Besetzung präsentiert, mit seinen zugrundeliegenden Prämissen, den Gedankenexperimenten und den zahlreichen Reminiszenzen an zahlreiche Science-Fiction-Werke filmischer wie literarischer Herkunft aber auch weitaus intelligenter daherkommt als einschlägige Mainstream-Vertreter. Ob man sich mit den Gesetzmäßigkeiten und der eingeschlagenen Richtung des Films wiederum anfreunden kann, bleibt wie so oft Geschmackssache.

9,5 von 10 Flügen in die unerforschten Weiten des Weltalls

 

Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 4/10 Punkte
ERGOThek: 4/5 DeLoreans
Filmherum: 4/5 Punkte
Filmosophie
Der Filmtipp: 5/5 Punkte
Der Kinogänger: 7,5/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte
Vieraugen Kino: 8/10 Punkte

Interstellar ist am 31.03.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

Mit Interstellar hat Christopher Nolan ein weiteres filmisches Kleinod erschaffen, das sich gleichermaßen erwartungsgemäß wuchtig und bildgewaltig als Blockbuster mit hochkarätiger Besetzung präsentiert, mit seinen zugrundeliegenden Prämissen, den Gedankenexperimenten und den zahlreichen Reminiszenzen an zahlreiche Science-Fiction-Werke filmischer wie literarischer Herkunft aber auch weitaus intelligenter daherkommt als einschlägige Mainstream-Vertreter. Ob man sich mit den Gesetzmäßigkeiten und der eingeschlagenen Richtung des Films wiederum anfreunden kann, bleibt wie so oft Geschmackssache.
Interstellar
Date Published: 01/12/2016
9.5 / 10 stars