Review: Liberal Arts (Film)

Und da wäre ich auch schon wieder mit einer weiteren Film-Kritik, die dem Umstand zu verdanken ist, dass ich mich jüngst kreuz und quer durch das Archiv meiner bis dato ungesichteten Filme gewühlt habe, weshalb die letzten Kritiken zwar vielleicht nicht ganz so aktuell und/oder mainstreamig ausfallen, wie das hier sonst manchmal der Fall war, mir dafür aber unabhängig von der Wertung durchaus am Herz liegen. Also viel Spaß bei der Lektüre!

Liberal Arts

Liberal Arts, USA 2012, 97 Min.

Liberal Arts | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Josh Radnor
Autor:
Josh Radnor

Main-Cast:
Josh Radnor (Jesse Fisher)
Elizabeth Olsen (Zibby)
Richard Jenkins (Professor Peter Hoberg)
Allison Janney (Professor Judith Fairfield)
in weiteren Rollen:
John Magaro (Dean)
Elizabeth Reaser (Ana)
Zac Efron (Nat)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Liberal Arts | © Koch Media
© Koch Media

Jesse ist Mitte 30 und heilfroh, dem Großstadttrubel in New York für eine Weile zu entkommen, als sein ehemaliger Professor Hoberg ihn einlädt, seiner Verabschiedung vom Kenyon College beizuwohnen. Kaum vor Ort, beschleichen Jesse nostalgische Gefühle hinsichtlich seiner Studienzeit, die bereits in weite Ferne gerückt zu sein scheint, doch weitaus interessanter für ihn ist die neunzehnjährige Zibby – eigentlich Elizabeth – , deren Bekanntschaft er bei einem gemeinsamen Abendessen macht. Auf Anhieb fasziniert von der jungen und wortgewandten Frau, verbringt er einige Zeit mit ihr und auch Zibby fühlt sich zu ihm hingezogen.

Selbst nach Jesses Rückreise bleiben die beiden in Kontakt und entdecken selbst dann noch immer weitere Gemeinsamkeiten. Wider besseren Wissens lässt er sich verleiten, sie erneut an seinem alten College zu besuchen, doch müssen die beiden sich langsam aber sicher mit der Frage auseinandersetzen, ob ihre Zweisamkeit eine Zukunft haben kann oder sie nur einer Schwärmerei erlegen sind und sich Illusionen hingeben, denn der Altersunterschied und ihre differierenden Lebenssituationen sind nun einmal nicht von der Hand zu weisen…

Rezension:

Nachdem mich ja schon Josh Radnors 2010er-Regie- und Drehbuch-Debüt happythankyoumoreplease – der übrigens vor nicht allzu langer Zeit unter dem selten dämlichen Titel Mein Leben in New York neu aufgelegt worden ist – rundweg superb zu unterhalten wusste und sich mir als wunderschönes wie einfallsreiches Feel-Good-Movie präsentierte, stand schon länger außerfrage, dass ich auch seinem zwei Jahre später entstandenen Liberal Arts auf lange Sicht eine Chance würde geben müssen und war insbesondere aufgrund der Beteiligung von Elizabeth Olsen (Oldboy) auch nicht gerade abgeneigt dies zu tun, doch obwohl der Film ähnlich schön geraten ist, kommt er doch an seinen Vorgänger nicht heran, denn während sich dieser noch als Ensemble-Stück präsentierte, fokussiert die Story hier nun in weiten Teilen völlig auf Josh Radnors Figur des Mittdreißigers Jesse Fisher, was zu verschmerzen wäre, wenn Radnor nicht erneut versucht hätte, sich eine Rolle auf den Leib zu schreiben, die sich merklich im Zentrum seiner Wohlfühlzone befindet und folglich wenig Überraschungen parat hält.

Szenenbild aus Liberal Arts | © Koch Media
© Koch Media

Die Geschichte indes ist ebenfalls recht überschaubar und ließe sich in wenigen Sätzen zusammenfassen, denn im Grunde geht es lediglich darum, wie dieser Jesse zu seiner alten Uni zurückkehrt, um seinem früheren Professor Peter Hoberg einen Besuch abzustatten, dabei die junge Zibby kennenlernt, sich in sie verguckt und fortan mit sich hadert, ob er wirklich etwas mit einer Neunzehnjährigen anfangen soll, war sie schließlich 3 Jahre alt, als er selbst 19 war. So weit so gut, lässt sich aus dieser einfachen Prämisse natürlich durchaus etwas machen und das tut Radnor auch, doch bleibt die Handlung eben weitestgehend überraschungsfrei, plätschert oftmals so dahin und auch die Dialoge – wenngleich manchmal tatsächlich sehr eloquent – kommen in ihrer Gänze nicht an die Qualität ähnlich gelagerter Filme heran. Glanzvolle Ausreißer nach oben sind da ausgerechnet die Auftritte des bei vielen verpönten Zac Efron (The Paperboy) in einer kleinen aber feinen Rolle als Neo-Hippie Nat, der mit seiner schrägen und gleichermaßen altklugen Art für einige Lacher taugt und gleichsam Denkanstöße für Jesse zu liefern imstande ist.

Darüber hinaus tut sich Radnor bei Liberal Arts den Gefallen, sich einerseits Elizabeth Olsen wie andererseits Richard Jenkins (Killing Them Softly) zur Seite zu stellen, die beide mehr als nur eine in Erinnerung bleibende Szene für sich verbuchen dürfen und weitaus interessanter wirken als der recht stereotyp angelegte Jesse. Kleine Kabbeleien zwischen Jesse und Zibby, wie sie denn nur diesen Schund von Vampir-Romanze lesen könne, bleiben dabei relativ zahm und uninspiriert, was man eben leider von doch so einigen über die Maßen trivial erscheinenden Szenen behaupten kann. Was dafür in Liberal Arts ungemein gut gelingt, sind die Passagen, in denen Zibby und Jesse – zu diesem Zeitpunkt wieder zurück in New York – per Briefwechsel in Kontakt stehen und über klassische Musik schwadronieren, denn was leicht pathetisch hätte wirken können, entpuppt sich doch hier als glaubhaftes Bindeglied zwischen den sonst doch so unterschiedlichen Gestalten.

Szenenbild aus Liberal Arts | © Koch Media
© Koch Media

Auch bemüht sich Radnor redlich, das Seelenleben seiner Figuren auszuloten und reißt in diesem Zusammenhang die einschlägigen Themen rund um Selbst- und Identitätsfindung, das Erwachsen- und Älterwerden an und schafft es zuweilen gar, das freigeistige Flair eines ideologisierten College-Campus zu generieren, doch bleibt am Ende von Liberal Arts eben leider doch ein Film, dem der rechte Biss fehlt, der nicht genau zu wissen scheint, was er eigentlich gewollt hat, dabei viele Themen anreißt, aber kaum eins ausformuliert. Schöne Unterhaltung, eine typische Dramedy mit sympathischen Darstellern, die aber in ihrer Gesamtheit doch recht generisch wirkt und gerade die Eigenständigkeit und den Einfallsreichtum von Josh Radnors Erstlingswerk vermissen lässt, die aus etwas Profanem etwas Besonderes gemacht hätten.

Fazit & Wertung:

Josh Radnors Liberal Arts präsentiert sich als solide wie unterhaltsame Dramedy, doch gelingt es ihm nicht, sämtliche Längen zu umschiffen und ebenso wenig, die aufgegriffenen Themen wirklich eingehend zu behandeln, weshalb man hier trotz vielversprechender Ansätze spürt, dass noch deutlich mehr Potential in dem Stoff gesteckt hätte, wenngleich auch dieser Film unbestreitbar charmant daherkommt.

6,5 von 10 nostalgischen Rückblicken auf die Studienzeit

Liberal Arts

  • Nostalgische Rückblicke auf die Studienzeit - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Josh Radnors Liberal Arts präsentiert sich als solide wie unterhaltsame Dramedy, doch gelingt es ihm nicht, sämtliche Längen zu umschiffen und ebenso wenig, die aufgegriffenen Themen wirklich eingehend zu behandeln, weshalb man hier trotz vielversprechender Ansätze spürt, dass noch deutlich mehr Potential in dem Stoff gesteckt hätte, wenngleich auch dieser Film unbestreitbar charmant daherkommt.

6.5/10
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Liberal Arts ist am 06.12.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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  • Einfach ein richtig netter Film, finde ich – nicht mehr und nicht weniger. Wobei ich ihm aber einen Punkt mehr zugestanden habe als du (ohne Rezension, da nicht im Kino gesehen). „happythankyourmoreplease“ muß ich derweil noch irgendwann nachholen …

    • Rein von den Sympathiewerten her wäre ich auch versucht gewesen, ihm einen Punkt mehr zu geben und er hat mir auch mehr Spaß gemacht, als es die reine Punktevergabe suggeriert, aber dramaturgisch war mir das alles zu wenig zielführend, irgendwie ist eigentlich nichts passiert und die angedeuteten Subplots haben auch nicht viel hergegeben… Ja, nett halt. „happythankyoumoreplease“ fand ich da deutlich einfallsreicher und überzeugender, kann ich nur empfehlen!

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