Review: WandaVision (Serie)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Während es die letzten zwei Tage nicht gepasst hat mit dem Bloggen, freue ich mich heute umso mehr, vergleichsweise wortreich meine Eindrücke zur jüngst vollendeten Miniserie zum Besten geben zu können, die einen mehr als vielversprechenden Startschuss für die nächste Phase des MCU bildet.

WandaVision

WandaVision, USA 2021, ca. 39 Min. je Folge

WandaVision | © Disney+
© Disney+

Serienschöpfer:
Jac Schaeffer
Regisseur:
Matt Shakman

Main-Cast:
Elizabeth Olsen (Wanda Maximoff / The Scarlet Witch)
Paul Bettany (Vision)
Teyonah Parris (Monica Rambeau)
Randall Park (Jimmy Woo)
Evan Peters (Pietro Maximoff)
Kat Dennings (Darcy Lewis)
Kathryn Hahn (Agnes)
in weiteren Rollen:
Julian Hilliard (Billy Maximoff)
Jett Klyne (Tommy Maximoff)
Josh Stamberg (Director Tyler Hayward)
Debra Jo Rupp (Mrs. Hart)
Asif Ali (Norm)
Emma Caulfield Ford (Dottie Jones)
Jolene Purdy (Beverly)
Amos Glick (Dennis the Mailman)
David Payton (Herb)
David Lengel (Phil Jones)
Alan Heckner (Agent Monti)
Selena Anduze (Agent Rodriguez)

Genre:
Drama | Komödie | Mystery | Science-Fiction | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus WandaVision | © Disney+
© Disney+

Als frisch verheiratetes Ehepaar ziehen Wanda und Vision in den bilderbuchartigen Vorort Westview, wo sie ihr gemeinsames Leben aufzubauen gedenken. Vision arbeitet als Angestellter einer Firma und Wanda schmeißt den Haushalt, wobei ihnen ihre jeweiligen Kräfte durchaus zupasskommen, den Arbeitsandrang zu bewältigen. Es ist ein ruhiges, idyllisches Leben und die größte Aufregung verspricht ein Besuch der neugierigen Nachbarin Agnes oder der Chef von Vision, der sich zum Abendessen ankündigt. Wie die Jahre vergehen, ändert sich auch das Interieur im gemeinsamen Hausstand und die Mode schreitet voran, während Wanda alsbald im siebten Himmel schwebt, als sie unverhofft schwanger wird und ihre gemeinsame Welt sich mit nie dagewesener Farbpracht präsentiert. Doch immer öfter geschehen auch merkwürdige Dinge, die Wanda zwingen, ihre Kräfte zur Korrektur der Realität einzusetzen, während Vision sich wundert, dass er sich an nichts aus seinem Leben vor der Zeit in Westview zu erinnern scheint…

Rezension:

Pandemiebedingt mussten Marvel-Fans so lange darben, was neues Material angeht, wie eigentlich seit Entstehung des MCU nicht mehr und tatsächlich ist es nun beinahe zwei Jahre her, dass mit Spider-Man: Far from Home die letzte große Veröffentlichung erfolgt ist, wenn man kurzlebige, sich auch nicht wirklich in den Film-Kanon einfügende Serien wie etwa Helstrom außeracht lässt. Die Zeit von Marvel Television oder den Hulu-Produktionen ist aber ohnehin besiegelt, zumal es nur konsequent und richtig ist, die eigenen Serien auch direkt beim eigenen Streaming-Dienst unterzubringen, wie nun eben erstmalig mit der reichlich verspäteten, nun endlich veröffentlichten Miniserie WandaVision geschehen. Da wurde ja im Vorfeld – und auch nach Veröffentlichung der ersten beiden Episoden – reichlich die Nase gerümpft ob des Sitcom-Charakters der Show, zumal erst einmal natürlich wirklich unklar war, wohin die Reise gehen und was dieses artifizielle Konzept bewirken soll (auch wenn in Grundzügen natürlich klar gewesen ist, wie diese verzehrte Alternativ-Realität entstanden sein mag). Nimmt dann die Story aber erst einmal an Fahrt auf, was namentlich konkret in Wir unterbrechen dieses Programm (1.04) der Fall ist, offenbart sich allerdings schnell, dass die Serie exakt das ist, was man sich nur je für eine serielle Ergänzung und Unterstützung des MCU hat wünschen können. So sehr ich beispielsweise Agents of S.H.I.E.L.D. mag (und mir fest vorgenommen habe, hier beizeiten die restlichen Staffeln nachzuholen), liegen schlichtweg Welten zwischen solchen Shows mit nur marginalen Anknüpfungspunkten und dem hier von Jac Schaeffer ersonnenen Konzept, das allein schon den nicht zu unterschätzenden Vorteil bietet, mit den bekannten Film-SchauspielerInnen aufzutrumpfen, aber auch Auszüge aus den Filmen – hier Avengers: Infinity War – zu nutzen vermag.

Natürlich wird die Serie dadurch vorrangig etwas für Kenner der Materie und kein Quereinsteiger sollte den Fehler begehen, ausgerechnet hier einsteigen zu wollen, doch schätze ich das auch immens, das man sich der reichhaltigen Mythologie bedient, zahlreiche Easter Eggs verbaut, falsche Fährten legt und Figuren aus der zweiten Reihe in den Fokus rücken lässt, was nicht nur für die namensgebenden zwei Helden gilt, sondern eben auch für Figuren wie Jimmy Woo (Randall Park, Ant-Man and the Wasp) oder Darcy Lewis (Kat Dennings, Thor). Vor allem anderen aber vermag WandaVision, den vor nunmehr sechs Jahren im MCU eingeführten Figuren Wanda und Vision – wer hätte es gedacht – mehr Profil und Tiefe angedeihen zu lassen, was speziell für Wanda Maximoff gilt, ohne dass es droht, zur One-Woman-Show zu verkommen. So kann man die Serie – insbesondere auch dank der Episode Was bisher geschah (1.08) – als Origin der Scarlet Witch betrachten, auch wenn die dank des so einmaligen Konzepts der Show eben etwas anders vonstattengeht, als man das noch vor einigen Jahren gedacht hätte.

Szenenbild aus WandaVision | © Disney+
© Disney+

Im Grunde lässt Marvel hier die kreativen Muskeln spielen und zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn einem gefühlt unbegrenzten Budget – hier wohl anscheinend rund 25 Million US-Dollar je Folge – zur Verfügung steht, man sich nicht an Serien-Konventionen oder eine festgelegte Laufzeit haben muss und ansonsten das wohl derzeit größte und erfolgreichste Film-Franchise im Rücken hat. Wer also meint, MCU-Produkte würden nach dem immer selben Schema aufgebaut werden, würde sich hier eines Besseren belehrt sehen, auch wenn es selbstredend auch hier letztlich zu einer finalen Konfrontation mit einem Antagonisten kommen wird, über dessen Identität und Beweggründe man lange hat rätseln dürfen, weshalb ich auch hier nichts vorwegnehmen will und werde. Überhaupt ist es der Reiz von WandaVision gewesen, jede Woche grübeln, rätseln und mutmaßen zu können, was dieses oder jenes zu bedeuten haben mag, wie es wohl weitergehen wird und ob der übergeordnete Masterplan am Ende wird überzeugen können. Allein für diese Art der Rückbesinnung auf serielles, häppchenweises Fernsehen bin ich der Show schon dankbar, ganz davon abgesehen, dass es eben auch trefflich zum Sitcom-Charakter des Ganzen passt. Dieser Ansatz entpuppt sich im Übrigen zum Glück nicht als profanes Mittel zum Zweck, sondern ist letztlich tief in der Ausrichtung und Botschaft des Ganzen verankert, auch wenn man natürlich mit jeder weiteren Episode auch immer mehr von diesem erzählerischen Korsett abrücken muss, um eben wieder mehr in Richtung Superhelden-Show zu gelangen, die es ja am Ende ist und weiterhin sein soll.

Szenenbild aus WandaVision | © Disney+
© Disney+

Konzeptionell ist es auf alle Fälle meisterlich, was Jac Schaeffer und Regisseur Matt Shakman (Cut Bank) hier abliefern, strafen vor allem jene Lügen, die meinen, bei der Kürze der Episoden hätte man auch gleich einen Spielfilm aus dem Gezeigten machen können, wobei ich zugeben muss, dass die Lauflänge allein schon eine ziemliche Mogelpackung ist und die Dauer des Abspanns jeweils in Richtung zehn Minuten tendiert. Dafür allerdings bekommt man auch ab der siebten Episode Durchbrechung der vierten Wand (1.07) wieder die allseits beliebten Mid-Credit-Scenes spendiert, weshalb es sich lohnt, nicht gleich abzuschalten, was gleichsam für das Serien-Finale (1.09) gilt, wo sich noch eine Post-Credits-Scene hinzugesellt, die als Überleitung zu Doctor Strange in the Multiverse of Madness gelesen werden kann. Mit dem Wissen, dass Wanda dort erneut in Erscheinung treten wird, wundert es mich aber auch, dass anscheinend viele mit einer zweiten Staffel WandaVision gerechnet haben, denn das Konzept der Show macht schon mehr als deutlich, dass es sich – zunächst einmal – um ein in sich abgeschlossenes Projekt handelt, das zudem nur verwässert würde, würde man auf Biegen und Brechen eine Fortsetzung zusammenzimmern wollen. Der Nautr der Sache nach bleibt dennoch einiges in der Schwebe und man wird sich auf zukünftige Projekte freuen dürfen, wo dann Figuren oder Erzählstränge, die hier etabliert worden sind, erneut aufgegriffen werden.

Dabei mag es zunächst unbefriedigend erscheinen, dass beispielsweise Rolle und Relevanz von Jimmy oder Darcy je nach Episode enormen Schwankungen unterworfen scheinen, was wiederum auch für Neuzugang Teyonah Parris gilt, die hier als Monica in Erscheinung tritt, ihres Zeichens Tochter der aus Captain Marvel bekannten Maria Rambeau. Wie der Name aber eben schon sagt, geht es hier um das wohl ungewöhnlichste Liebespaar des Marvel-Kosmos und entsprechen muss natürlich einiges hintenanstehen, wenn es vorrangig um Wanda und Bewältigung vergangener Traumata geht, denn bekanntermaßen haben wir Vision zuletzt leblos und ohne Infinity-Stein gesehen, weshalb es natürlich eines der zentralen Rätsel ist, was genau es nun mit seiner – zunächst unerklärten- Wiederkehr auf sich hat. An dieser Stelle darf natürlich ein Lob an die Besetzung nicht fehlen und während Paul Bettany (Uncle Frank) sich hier des Öfteren zurücknehmen muss, entpuppt er sich doch zuweilen als Szenendieb, wenn Vision philosophische Gedankengänge zum Besten gibt oder sich als Privatermittler versucht. Umso mehr vermag hingegen Elizabeth Olsen (Wind River) zu glänzen, die hier im Verlauf der Staffel die gesamte Bandbreite an Emotionen durchexerzieren darf und insbesondere zu Beginn eben auch reichlich komödiantisches Talent unter Beweis stellt.

Szenenbild aus WandaVision | © Disney+
© Disney+

So funktioniert die Serie auch gerade deshalb so gut, weil sie sich kaum einem spezifischen Genre zuordnen lässt und so weit entfernt ist von einer generischen Superhelden-Show, wie man es sich nur wünschen kann, ohne dabei Herkunft und Wurzeln zu verleugnen, denn wer sich nach wenigen Episoden den altbekannten Marvel-Bombast zurückwünscht, wird auf lange Sicht auch hier nicht enttäuscht werden, derweil anders als im Kino hier deutlich mehr Raum bleibt, auch den ruhigeren und emotionaleren Momenten Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen. Es ist dementsprechend schwer vorstellbar, dass der bereits in zwei Wochen startende nächste Wurf The Falcon and the Winter Soldier dieses erzählerische Niveau wird halten können, aber einerseits lasse ich mich gern eines Besseren belehren, andererseits bleibt unumstößlich, dass WandaVision mit Nachdruck eine neue Ära des seriellen Erzählens im MCU eingeläutet hat. Der Umstand, dass ich mir nach Beendigung der Staffel zudem gleich noch einmal Age of Ultron angesehen habe, wo sowohl Wanda als auch Vision ihre Leinwandpremiere gegeben haben, spricht dabei ebenso für die Qualität der Serie.

Fazit & Wertung:

Mit WandaVision meldet sich das MCU mit einem Paukenschlag zurück, auch wenn man das nach den ersten, Sitcom-lastigen Episoden noch nicht vermuten mag. Konzeptionell sicherlich ein Wagnis, das sich zudem merklich an Kenner des Marvel-Franchise wendet, sich aber auch mit jeder weiteren Episode zu steigern vermag und in ein mitreißendes Finale mündet, derweil es scheinbar spielend gelingt, das bekannte Kino-Flair nun auch auf die heimischen Bildschirme zu übertragen.

9 von 10 Störungen im Vorort-Idyll

WandaVision

  • Störungen im Vorort-Idyll - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit WandaVision meldet sich das MCU mit einem Paukenschlag zurück, auch wenn man das nach den ersten, Sitcom-lastigen Episoden noch nicht vermuten mag. Konzeptionell sicherlich ein Wagnis, das sich zudem merklich an Kenner des Marvel-Franchise wendet, sich aber auch mit jeder weiteren Episode zu steigern vermag und in ein mitreißendes Finale mündet, derweil es scheinbar spielend gelingt, das bekannte Kino-Flair nun auch auf die heimischen Bildschirme zu übertragen.

9.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Episodenübersicht:

01. Mit einem Live-Publikum gefilmt (7,5/10)
02. Nicht umschalten! (8/10)
03. Jetzt in Farbe (8,5/10)
04. Wir unterbrechen dieses Programm (9/10)
05. In dieser ganz besonderen Folge … (8,5/10)
06. Ein brandneues Halloween-Spuktakel (8,5/10)
07. Durchbrechung der vierten Wand (8,5/10)
08. Was bisher geschah (8/10)
09. Serien-Finale (9/10)

 
– – –

WandaVision ist (komplett) seit dem 05.03.21 exklusiv bei Disney+ verfügbar.

vgw

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Eine Reaktion

  1. Greifenklaue 9. März 2021

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