Review: Das Spiel der Götter 11: Die Knochenjäger | Steven Erikson (Buch)

Schwupps ist wieder Freitag und spätestens jetzt sollte euch auch klar werden, warum ich es letzte Woche nicht geschafft habe, von meiner jüngsten Lektüre zu berichten, umfasst das Buch schließlich gar nicht mal so läppische 750 Seiten und die brauchen nun einmal ihre Zeit, gerade wenn man Eriksons nicht ganz so legeren Schreibstil berücksichtigt.

Das Spiel der Götter 11
Die Knochenjäger

Bonehunters. A Tale of the Malazan Book of the Fallen 6, Part 2, USA 2006, 752 Seiten

Das Spiel der Götter 11: Die Knochenjäger von Steven Erikson | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Steven Erikson
Übersetzer:
Tim Straetmann

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-7341-6049-3

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

Einen Augenblick zuvor waren die Schatten zwischen den Bäumen noch leer gewesen – doch als Samar Dev das nächste Mal wieder aufblickte, stockte ihr der Atem, denn sie sah Gestalten. Auf allen Seiten, wo ein Dickicht aus Schwarzfichten, Farnen und Efeu auf die sonnenüberflutete Lichtung hinausdrängte, standen Wilde … »Karsa Orlong«, flüsterte sie, »wir haben Besuch …«

Das Reich der sieben Städte scheint zunächst befriedet, die Armee des Wirbelwinds besiegt und Leoman von den Dreschflegeln in die Flucht geschlagen, so dass die Vierzehnte sich unter Führung von Mandata Tavore auf den Weg gen Malaz begibt, auch wenn es kein ruhmreicher Sieg war, der sie nun heimwärts treibt. Bei ihr befinden sich die ehemaligen Brückenverbrenner Fiedler, der Schnelle Ben und Kalam Mekhar, die nach langer Odyssee und Zeit wieder vereint sind. Doch die Verräter Mallick Rell und Korbolo Dom erreichen Malaz weitaus früher als die Truppen der Vierzehnten und beginnen, Imperatrix Laseen Lügen und Gerüchte über die Wickaner einzuflüstern, die nicht nur bei der Imperatrix sondern auch bei der Bevölkerung von Malaz auf fruchtbaren Boden fallen. Derweil begibt sich der von seinem Freund getrennte Trell Mappo Runt auf die Suche nach Icarium, während Ganoes Paran noch immer mit seinem Schicksal als Herr der Drachenkarten hadert und seine ganz eigenen Ziele verfolgt. Und im Hintergrund spinnt nicht nur der Verkrüppelte Gott seine Fäden, sondern auch das Götter-Duo Schattenthron und Cotillion beginnt sich in Stellung zu bringen und hat weit mehr als nur ein Auge auf seine unterschiedlichen Schützlinge wie etwa Apsalar oder Kalam…

Rezension:

Es ist ein stetiges Auf und Ab mit Steven Eriksons Fantasy-Epos Das Spiel der Götter, wenngleich selbiger sich selbst in seinen schwächeren Büchern auf einem sprachlich immer noch ungewohnt hohen und eloquenten Niveau bewegt, doch so ist es kaum schon mehr verwunderlich, dass ich – hatte ich zuvor erst Die Feuer der Rebellion als einen der eingängigsten und schnittigsten Teil der Reihe gelobt – nun schon mit beinahe an Ermüdungserscheinungen grenzender Trägheit zu kämpfen hatte, obwohl es sich bei Die Knochenjäger de facto lediglich um den zweiten Teil des sechsten Originalbandes handelt, doch speziell durch das vorgelagerte Finale um die Belagerung von Y’Ghatan im vorangegangenen Buch wirkt das Geschehen – obwohl wir uns mitten in einer laufenden Geschichte befinden – zuweilen doch auffallend schwerfällig, bevor der Band in seiner zweiten Hälfte merklich an Fahrt aufnimmt und die bis dahin schier zahllosen Handlungsstränge sich zu verdichten beginnen. Derweil weiß man natürlich als langjähriger und begeisterter Leser, dass nicht wenige dieser Plots im vorliegenden Band keinen befriedigenden Abschluss finden werden, doch immerhin erbarmt sich der Autor, ein paar lose Fäden miteinander zu verknüpfen.

Barathol zuckte die Schultern. »Ich selbst habe den Überfall nicht gesehen. Die Imass sind vor einigen Monaten schon einmal hier aufgetaucht, aber dann sah es aus, als wären sie wieder verschwunden. Schließlich gibt es hier nichts, was sie wollen würden. Noch nicht einmal mich.«
»Diener des Verkrüppelten Gottes«, sagte L’oric. »Die Ungebundenen, vom Hohen Haus der Ketten.« Er ging zu der Frau, die er Scillara genannt hatte. »Die Götter führen in der Tat Krieg gegeneinander …«

Erfreulich in dem Zusammenhang auch, dass Erikson sich überwiegend bekannten Figuren widmet und kaum jemand neu in das Epos eingeführt wird, was für sich genommen schon beinahe ein Novum in der Reihe darstellt, doch selbst bei einer Fokussierung auf die bereits bekannten Protagonisten hat er gehörig zu tun, wie der mit seinen rund 750 Seiten nicht gerade als dünn zu bezeichnende Band unterstreicht, doch dafür weiß auch das Wiedersehen mit vielen bekannten, vor allem aber beliebten Figuren beinahe durchweg zu gefallen, wobei ich speziell bei den Geschicken vom Schnellen Ben und Kalam mitgefiebert habe, kennt man selbige aber auch schließlich bereits seit dem ersten Buch Die Gärten des Mondes. Auch Ganoes Paran, mittlerweile und immer noch Herr der Drachenkarten ist an anderer Stelle wieder mit von der Partie, spielt in Die Knochenjäger allgemein aber eine eher untergeordnete Rolle, ebenso wie der Toblakai, dessen Odyssee mich aber auch in weiten Teilen doch mehr ermüdet als wirklich gefesselt hat, weshalb es darum nicht allzu schade ist.

Im Mittelpunkt stehen aber ganz klar Die Knochenjäger (die dem Band auch seinen Namen verleihen) und damit zuvorderst die Vierzehnte unter dem Kommando von Mandata Tavore, ihres Zeichens eine der Schwestern von Ganoes Paran, die hier endlich ein wenig mehr Profil verliehen bekommt, ebenso wie Schattenthron und Cotillion – beide ebenfalls seit dem ersten Roman Teil der Erzählung – hier besondere Berücksichtigung finden und sich weit mehr in die Geschicke der Sterblichen mischen, als sich das für Götter geziemt, doch nimmt schließlich auch die Bedrohung durch das recht junge Hohe Haus der Ketten zu, wenngleich der Verkrüppelte Gott selbst und seine Anhänger in diesem Roman weitaus mehr als unterschwellige Bedrohung fungieren, als sich dem offenen Konflikt zu stellen, doch an Figuren wie beispielsweise Tene Baralta wird deutlich, inwieweit der gefallene Gott seinen Einfluss auszudehnen beginnt.

Stirnrunzelnd zog Taralack sich zu der von Felswänden umgebenen Stelle zurück, an der sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, kauerte sich in den gesegneten Windschatten und hielt seine roten, von der Kälte rissigen Hände über das Lagerfeuer aus Treibholz. Von dem legendären, beinahe schon mythischen Gleichmut des Jhag war kaum noch etwas zu merken. Nein, er war jetzt düster und mürrisch. Eine Umgestaltung Icariums durch Taralack Veeds eigene Hände, auch wenn er nur den Anweisungen folgte, die die Namenlosen ihm gegeben hatten. Die Klinge ist stumpf geworden. Du wirst der Wetzstein sein, Gral.

Ohne zu spoilern oder halbe Abhandlungen darüber zu verfassen, wer zu wem in welchem Verhältnis steht und warum, lässt sich aber über die Story des elften Bandes Das Spiel der Götter gar nicht allzu viel sagen, doch bei einer bereits elf Bände umfassenden Reihe steht wohl außerfrage, dass niemand sich als Quereinsteiger nach Malaz begeben wird – wo hier übrigens die Handlung im letzten Drittel spielt und damit auch die Imperatrix erneut in Erscheinung treten lässt – weshalb sich kurz und bündig festhalten lässt, dass auch Die Knochenjäger ein gleichermaßen lohnenswertes wie umfangreiches Epos geworden ist, dass mit seinen weit über 700 Seiten aber leider um einige Längen nicht herumkommt, von Seite zu Seite aber spannender und packender wird, bis man gegen Ende den nächsten, selbstredend jüngst bereits erschienenen Band mit Namen Der goldene Herrscher kaum noch erwarten kann, denn wie bisher ist auch der Abschluss dieses Buches kaum als Ende zu betrachten, sondern vielmehr als Überleitung und Vorbereitung auf den nächsten Teil der Reihe.

Fazit & Wertung:

Steven Eriksons Das Spiel der Götter 11: Die Knochenjäger führt die im vorangegangenen Buch begonnene Geschichte stimmig fort, weiß allerdings nicht jede Länge zu umschiffen und wirkt nicht ganz so leichtfüßig wie manch anderer Teil der Reihe, doch die besondere Berücksichtigung liebgewonnener Figuren wie der des Schnellen Ben oder Kalam Mekhar macht merklich Boden gut für das zunehmend komplexer werdende Epos, das mittlerweile von einem reichhaltigen Fundus an Figuren und Plots zu zehren versteht.

8 von 10 magischen Gewirren

Das Spiel der Götter 11: Die Knochenjäger

  • Magische Gewirre - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Steven Eriksons Das Spiel der Götter 11: Die Knochenjäger führt die im vorangegangenen Buch begonnene Geschichte stimmig fort, weiß allerdings nicht jede Länge zu umschiffen und wirkt nicht ganz so leichtfüßig wie manch anderer Teil der Reihe, doch die besondere Berücksichtigung liebgewonnener Figuren wie der des Schnellen Ben oder Kalam Mekhar macht merklich Boden gut für das zunehmend komplexer werdende Epos, das mittlerweile von einem reichhaltigen Fundus an Figuren und Plots zu zehren versteht.

8.0/10
Leser-Wertung 9.33/10 (3 Stimmen)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Das Spiel der Götter 11: Die Knochenjäger ist am 18.01.16 bei Blanvalet erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!



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