Review: Equals – Euch gehört die Zukunft (Film)

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und nachdem ich gestern den Monatsrückblick abgehandelt habe, starten wir gleich mit der ersten Film-Kritik in den neuen Monat und selbst hierbei bleibe ich – wenn das auch nicht geplant war – dem derzeit dominierenden Thema Science-Fiction treu, bevor es morgen mit einem Buh aus der Sparte weitergehen wird, wie ich ja bereits bei der letzten Montagsfrage – ebenfalls von gestern – angeteasert habe.

Equals
Euch gehört die Zukunft

Equals, USA 2015, 101 Min.

Equals - Euch gehört die Zukunft | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Drake Doremus
Autoren:
Drake Doremus (Story)
Nathan Parker (Drehbuch)

Main-Cast:
Nicholas Hoult (Silas)
Kristen Stewart (Nia)
in weiteren Rollen:
Jacki Weaver (Bess)
Guy Pearce (Jonas)

Genre:
Science-Fiction | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Equals - Euch gehört die Zukunft | © Koch Media
© Koch Media

Die Zukunft: Nach einem verheerenden Atomkrieg haben die herrschenden Mächte eine Möglichkeit gefunden, menschliche Emotionen zu unterdrücken und damit die Quelle für Streit, Hass und Kriege zu unterminieren und die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen. In dieser gleichgeschalteten und auf Konformität gepolten Gesellschaft lebt auch Silas und führt ein betäubtes, durchgetaktetes Leben, ebenso wie seine Arbeitskollegin Nia, die in derselben High-Tech-Firma arbeitet. Doch eine Seuche beginnt umzugehen, die vergessen geglaubte Gefühle weckt und nachdem Silas unter Alpträumen leidet, wird auch bei ihm die unheilvolle Diagnose gestellt. Silas beginnt, sich für Nia zu interessieren, doch die weist ihn zunächst von sich, auch wenn sie zu ahnen scheint, was in ihm vorgeht. Unter dem Deckmantel der Heimlichtuerei kommen die beiden sich langsam näher, wohlwissend, dass ihre Gefühle als Gefahr für die öffentliche Ordnung angesehen würden…

Rezension:

Mit der Sichtung von Equals – Euch gehört die Zukunft habe ich nun also Drake Doremus‘ inoffiziell als Liebesfilm-Trilogie geführte Filmreihe beendet, die sich nach dessen Aussage der Liebe der Vergangenheit (Like Crazy), der Gegenwart (Breathe In) und nun im vorliegenden Fall eben der Zukunft gewidmet hat, wobei Doremus diesmal tatsächlich auf seine Muse Felicity Jones verzichtet und Kristen Stewart (On the Road) deren Part zugeschustert hat, derweil es wohl auch des Regisseurs ausdrücklicher Wunsch war, dass sie und Nicholas Hoult (Kill Your Friends) die Hauptrollen in seinem Film übernehmen und nun, nachdem ich ihn gesehen habe, verstehe ich warum, denn tatsächlich entfaltet sich zwischen den beiden eine ungeheure Chemie, so dass sie nicht nur jeder für sich, sondern speziell auch gemeinsam zu überzeugen wissen. Vor allem aber handelt es sich zunächst um eine Chemie der besonderen Art, eine Anziehungskraft, die sich in kleinsten Gesten und zögerlichsten Blicken niederschlägt, denn in dieser Zukunft gilt Emotion mittlerweile als "Krankheit" und wurde dem Grunde nach erfolgreich ausgemerzt, wobei sich die Zahl der Rückfälligen, die Zahl der "Erkrankten" zu häufen beginnt.

Szenenbild aus Equals - Euch gehört die Zukunft | © Koch Media
© Koch Media

So nutzt Doremus zunächst die Zeit, eine ausgiebige Exposition der Figuren und des Settings vorzunehmen und vermag mit über die Maßen durchdachtem, extrem futuristischen Set-Design zu punkten, derweil es dramaturgisch zunächst ziemlich beschaulich zur Sache geht, zumal man als emotions- und damit gesichtslose Masse nebeneinander her existiert, was die Möglichkeit für eine adrenalingeschwängerte, emotionsgeladene Erzählung natürlich per se enorm einschränkt. So dürfte Equals sowohl für viele Science-Fiction-Fans eine Enttäuschung darstellen, die sich fernab der Liebesbeziehung zwischen den Hauptfiguren und der durchaus spannenden Grundidee ein wenig mehr Tiefgang hinsichtlich der ersonnenen Welt wünschen dürften, wohingegen die Romantiker unter den Zuschauern von der unterkühlten Beziehung und der sich nur extrem langsam entwickelnden Zuneigung zwischen den Hauptakteuren verprellt sein dürften, womit Doremus unbewusst eine nur extrem eingeschränkte Zielgruppe anzusprechen weiß, denn hier muss mehr denn je die Mischung aus beiden Genres überzeugen.

Auch für mein Empfinden hätte der Plot daher durchaus früher in Fahrt kommen dürfen, während das erste heimliche Treffen, das erste Lachen, die erste aufblitzende Emotion natürlich in diesem Kontext wie ein Befreiungsschlag wirkt und folglich seine Wirkung nicht verfehlt, derweil die Schnittmontagen der gemeinsam verbrachten Stunden von Sila und Nia in bester Manier an Like Crazy erinnern und kurioserweise in dieser intimen und privaten Atmosphäre auch längst nicht so futuristisch angehaucht wirken wie die gefühlskalte und in kühlen Weiß-Tönen gehaltene Außenwelt, die sich damit mehr und mehr zum gesichtslosen Feindbild mausert. Interessanter wird das Geschehen letztlich noch durch die Begegnung mit den von Guy Pearce (The Rover) und Jacki Weaver (The Voices) verkörperten Anhängern des "Widerstandes", auch wenn deren Figuren im Grunde reichlich konturlos bleiben und hauptsächlich vom Charisma und der Präsenz ihrer Darsteller zehren.

Szenenbild aus Equals - Euch gehört die Zukunft | © Koch Media
© Koch Media

Mich persönlich hat Equals damit durchaus gefesselt und fasziniert, zumal Regisseur Doremus nicht der Versuchung erliegt, das Geschehen in ein actionreiches Finale münden zu lassen, wie man es von einschlägigen Hollywood-Produktionen erwarten würde, womit er sich und dem Thema bis zuletzt treu bleibt, doch nichtsdestotrotz hätten eine straffere, zielgerichtetere Erzählweise, ein schneller in Gang kommender Plot, eine tiefgreifender skizzierte Gesellschaft der Geschichte mehr als gut getan, denn so hatte ich schon einige Male das Gefühl, der Abschluss der Trilogie bleibe oft weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, fühlt sich im Kern nämlich viel zu sehr seinem zugrundeliegenden Thema – der Liebe – verhaftet, während die Umstände es schlichtweg nicht erlauben, diese überhaupt zu zeigen, was einen merkwürdigen Widerspruch ergibt, der dem ansonsten durchaus spannenden konzipierten Film nicht immer zum Vorteil gereicht.

Fazit & Wertung:

Mit Equals – Euch gehört die Zukunft beschließt Drake Doremus seinen Ausflug in die Welt der Liebesfilme und liefert hier nun seinen wohl ungewöhnlichsten Beitrag zum Thema, wobei er sich leider nicht wirklich entscheiden kann, ob er nun einen Science-Fiction-Film oder ein Liebes-Drama inszenieren wollte, denn auch wenn sich beide Ansätze nicht gegenseitig ausschließen, ergeben sie hier leider nicht immer eine stimmige Einheit, derweil Hoult und Stewart die Gratwanderung zwischen offensiver Emotionslosigkeit und umso heftigeren Ausbrüchen von Menschlichkeit im Geheimen meist vorzüglich meistern.

6,5 von 10 unterdrückten Emotionen

Equals – Euch gehört die Zukunft

  • Unterdrückte Emotionen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Equals – Euch gehört die Zukunft beschließt Drake Doremus seinen Ausflug in die Welt der Liebesfilme und liefert hier nun seinen wohl ungewöhnlichsten Beitrag zum Thema, wobei er sich leider nicht wirklich entscheiden kann, ob er nun einen Science-Fiction-Film oder ein Liebes-Drama inszenieren wollte, denn auch wenn sich beide Ansätze nicht gegenseitig ausschließen, ergeben sie hier leider nicht immer eine stimmige Einheit, derweil Hoult und Stewart die Gratwanderung zwischen offensiver Emotionslosigkeit und umso heftigeren Ausbrüchen von Menschlichkeit im Geheimen meist vorzüglich meistern.

6.5/10
Leser-Wertung 7.67/10 (3 Stimmen)
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Equals – Euch gehört die Zukunft ist am 11.11.16 auf DVD und Blu-ray bei Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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