Review: Tolkien (Film)

Ich bin selbst baff, dass ich es anscheinend manchmal doch noch schaffe, meinen Blog-Artikel vor den späten Abendstunden auf den Weg zu bringen, aber so ist es heute und deshalb will ich mich – und euch – auch gar nicht weiter mit langer Vorrede aufhalten.

Tolkien

Tolkien, USA 2019, 112 Min.

Tolkien | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Dome Karukoski
Autoren:
David Gleeson
Stephen Beresford

Main-Cast:
Nicholas Hoult (J.R.R. Tolkien)
Lily Collins (Edith Bratt)
in weiteren Rollen:
Colm Meaney (Father Francis)
Derek Jacobi (Professor Wright)

Genre:
Biografie | Drama | Romantik | Krieg

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Tolkien | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Behütet und idyllisch wächst John Ronald Reuel Tolkien im ländlichen Sarehole Mill nahe Birmingham auf, bevor es ihn in die große Stadt und später ans College verschlägt. Dabei denkt er oft wehmütig an seine Kindheit zurück und lässt dies in seiner Kreativität in seine Geschichten einfließen, deren Ausgestaltung noch befeuert wird, als er die attraktive Edith kennenlernt, die sichtlich angetan ist von seinem Einfallsreichtum und seiner Hingabe für das Geschichtenerzählen. Derweil Tolkien für seine Ausbildung am Exeter College in Oxford seine geliebte Edith zurücklassen muss, geht sie ihm doch nicht aus dem Kopf und auch seine Leidenschaft für Sprachen schlägt sich nun weitergehend in dem wieder, was der junge Mann sich tagtäglich zusammenfabuliert, womit er auch seine neu gewonnenen Freunde am College für sich einnimmt. Die unbeschwerte Zeit der Jugend aber nähert sich dem Ende, als Tolkien schließlich 1916 eingezogen wird, denn in Europa tobt der Erste Weltkrieg und hält einiges an Gräueln bereit, die Tolkien aber nicht davon abhalten, sich weiterhin seinen Fantasiewelten zu widmen, aus denen dereinst "Der Herr der Ringe" entstehen wird…

Rezension:

Für diese Rezension muss ich dahingehend weiter ausholen, dass ich nicht erst – wie viele – seit der Verfilmung von Der Herr der Ringe ein großer Fan der Geschichten von J. R. R. Tolkien bin, sondern tatsächlich schon seit der wenig beachteten Zeichentrickversion, die ich seinerzeit als Kind bei meiner Oma gesehen habe, was mich im zarten Alter von etwa zwölf Jahren dazu gebracht hat, meinen Vater so lange zu beknien, bis er mir schlussendlich die dreibändige Buchreihe – ja richtig, der grüne Schuber – gekauft hat, was dann gleichsam mein Interesse für Literatur im Allgemeinen erst so richtig angefacht hat. Entsprechend ist das Franchise, wenn man es denn so nennen will, für mich Herzensangelegenheit und Passion zugleich, weshalb ich auch mehr als skeptisch an die Verfilmung der Lebensgeschichte des Autors gegangen bin – beziehungsweise mich lange davor gedrückt habe –, die da schlicht unter dem Namen Tolkien daherkommt. Längerfristig einen Bogen um das Werk zu machen, wäre natürlich auch keine Option gewesen, zumal ich die Besetzung sehr mag, aber leider ist das Endergebnis dann eher mittelmäßig und tendenziell enttäuschend geraten, weil man sich dann doch auch zu viele Freiheiten nimmt und einen merkwürdigen Fokus wählt.

Szenenbild aus Tolkien | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Nun muss man differenzieren, was Tolkien ist, hätte sein wollen und schlussendlich verfehlt hat zu sein. Als romantisches (und romantisiertes Drama) macht der Film gar keine so schlechte Figur und hätte mit entsprechendem Schwerpunkt sicherlich bestens funktioniert, doch kommt ihm da in die Quere, dass man sich natürlich eine Biografie des Schriftstellers erwartet und eben nicht (vorrangig) das Anbändeln von John und Edith. Regisseur Dome Karukoski findet zwar oft gelungene und ausdrucksstarke Bilder, sowohl was die pittoresken Landschaften als auch die Gräuel des Krieges betrifft, doch allein die häufigen Zeitsprünge zwischen dem im Krieg befindlichen Tolkien und seinem wohlbehüteten jüngeren ich am College funktionieren nicht annähernd reibungslos, zumal sich nicht wirklich ein roter Faden erkennen lässt, warum und wieso man zu welchem Zeitpunkt in der Chronologie vor- und zurückspringt. So gibt es haufenweise Einzelszenen, ob jetzt mit Tolkien und seinen College-Freunden oder auch Edith, die für sich genommen überzeugen und gefallen, doch ausgerechnet das große Ganze fällt demgegenüber merklich ab.

Diesem Duktus folgend, gibt es dann auch mehr oder minder offenkundige Verweise und Reminiszenzen an das spätere, schriftstellerische Schaffen des Protagonisten, doch auch hier haben die Drehbuchautoren David Gleeson und Stephen Beresford ihren Ideen wohl eher freien Lauf gelassen, anstatt sich dem zu widmen, was an Inspiration und Einfluss auf Tolkien "überliefert" ist. So verwundert es kaum, dass auch das Tolkien Estate bereits im Vorfeld unterstrichen hat, an Tolkien in keiner Weise beteiligt gewesen zu sein und folglich auch nicht den Segen für die Art der Darstellung erteilt zu haben. Immerhin keine Schuld an den filmischen Verfehlungen und dramaturgischen Patzern dürfte derweil Nicholas Hoult (Outlaws) haben, der als Verkörperung des jungen Tolkien eine gewohnt überzeugende Figur macht und vor allem dessen Begeisterung für Sprachen und Geheimnisse, Magisches und Bedrohliches vermittelt, regelrecht ein Glänzen in den Augen bekommt, wenn er sich in seinen Fantasiewelten verliert, von denen er voller Hingabe berichtet. Auch das Zusammenspiel mit der von Lily Collins (Mank) verkörperten Edith Bratt überzeugt, denn wie schon erwähnt, hätte die Geschichte als reiner Liebesfilm vor historischem Setting eine noch weitaus bessere Figur gemacht, auch wenn sich dies sicher nicht so prestigeträchtig hätte vermarkten lassen.

Szenenbild aus Tolkien | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So dürfte auch eines der Hauptprobleme sein, dass der Film dadurch womöglich einige verprellt, die eben nur die Jackson-Verfilmung kennen und eventuell mit der hier dargebotenen Art Film gar nichts anzufangen wissen, denn die wirklichen Verweise auf die spätere Buch-, beziehungsweise Film-Trilogie erschöpfen sich mit ein paar wenigen, von einem Hauch Fantasy angewehten Momenten. Die sind zwar ebenfalls gelungen, wenn Tolkien auf dem Schlachtfeld einen Dunklen Reiter zu sehen meint oder sich bei einem flammenden Inferno an das Feuer eines Drachen erinnert sieht, letztlich aber auch nur eine inszenatorische Spielerei, die es nicht gebraucht hätte, wenn man dafür mehr in das eigentliche Denken und Schaffen von Tolkien involviert gewesen wäre. In dieser Hinsicht bleibt Tolkien nämlich auffallend und merkwürdig unspezifisch, was aber auch damit zusammenhängen mag, dass man nicht nur durch die Jahre und damit Eckpunkte seiner Biografie eilt, sondern auch noch zwischen Schlachtfeld und College-Zeit hin und her hüpft. Durch diese unklare Ausrichtung überzeugt das Ergebnis letztlich weder als Liebesfilm noch Biografie, geschweige denn Entstehungsgeschichte des Weltbestsellers, gleichwohl allerorten vielversprechende Ansätze in jedwede Richtung vorhanden sind.

Fazit & Wertung:

Regisseur Dome Karukoski versucht sich in Tolkien an der Aufarbeitung der Lebensgeschichte und Inspiration des John Ronald Reuel Tolkien, die ihrerseits die Basis für das weltweite Phänomen Der Herr der Ringe bilden, findet aber selten einen klaren Fokus und scheitert an der Verquickung seiner vielen erzählerischen Ansätze, gleichwohl Nicholas Hoult als junger Tolkien eine überzeugende Figur macht und viele Einzelszenen für sich zu überzeugen wissen. Wer damit leben kann, dass sich der Film einige erzählerische Freiheiten nimmt, kann sicherlich einen Blick riskieren, sollte sich in jedwede Richtung aber (leider) auch nicht zu viel erwarten.

6,5 von 10 Inspirationen für ein Fantasy-Phänomen

Tolkien

  • Inspirationen für ein Fantasy-Phänomen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Dome Karukoski versucht sich in Tolkien an der Aufarbeitung der Lebensgeschichte und Inspiration des John Ronald Reuel Tolkien, die ihrerseits die Basis für das weltweite Phänomen Der Herr der Ringe bilden, findet aber selten einen klaren Fokus und scheitert an der Verquickung seiner vielen erzählerischen Ansätze, gleichwohl Nicholas Hoult als junger Tolkien eine überzeugende Figur macht und viele Einzelszenen für sich zu überzeugen wissen. Wer damit leben kann, dass sich der Film einige erzählerische Freiheiten nimmt, kann sicherlich einen Blick riskieren, sollte sich in jedwede Richtung aber (leider) auch nicht zu viel erwarten.

6.5/10
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vgw

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