Review: Kill Baxter – Showdown in Cape Town | Charlie Human (Buch)

Okay, heute gibt es – natürlich – wieder eine Buch-Kritik aber euch zuliebe habe ich mal die Werke vertauscht, um nicht die x-te Woche in Folge mit Science-Fiction zu nerven. Toll, oder!? (Dafür natürlich nächste Woche wieder, klar.) So, und jetzt ab in die Sonne und ein Bier getrunken (also nur wenn ihr mögt natürlich)!

Kill Baxter
Showdown in Cape Town

Kill Baxter, ZA 2014, 352 Seiten

Kill Baxter - Showdown in Cape Town von Charlie Human | ©  FISCHER Tor
© FISCHER Tor

Autor:
Charlie Human
Übersetzer:
Clara Drechsler
Harald Hellmann

Verlag (D):
FISCHER Tor
ISBN:
978-3-596-03500-7

Genre:
Fantasy | Mystery | Krimi

 

Inhalt:

Mein Held Niccolò Machiavelli würde mich auslachen, denn wie sagte er so richtig: »Jemand, der es dar auf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muss an einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zugrunde gehen.« Amen, Niccolò – allerdings nehme ich stark an, dass Machiavelli, anders als ich, auch keinen Buren-Mystiker auf der Schulter hocken hatte, der zu allem seinen Senf dazugibt.

Nachdem Baxter die Welt gerettet hat – wovon natürlich selbstredend kaum jemand etwas weiß – lässt er sich nur halb freiwillig darauf ein, eine Ausbildung in Hexpoort zu absolvieren, um seine Fähigkeiten als Traumwanderer zu schulen und zu meistern, doch wie das mit jedem Internat so ist – ob magisch oder nicht – macht Baxter sich nicht nur Freunde und speziell die Fernbeziehung mit seiner Freundin Esmé – der er übrigens auch das Leben gerettet hat – macht ihm zu schaffen, während sein bester Freund Kyle ihm berichtet, etwas merkwürdiges gehe in Kapstadt vor sich. Derweil Baxter ihn noch zu beschwichtigen sucht und alles daran setzt, ein besserer Mensch zu werden und gleichsam sein innerstes Selbst zu finden, erfolgt ein Angriff auf Hexpoort und alles deutet darauf hin, dass der legendenumwobene Muti-Mann seine Finger im Spiel hat. Ungeachtet ihrer mangelnden Ausbildung und Erfahrung sind die Schüler nunmehr Streitkräfte im Dienste des MK6…

Rezension:

Bereits von dem Vorgänger- und gleichermaßen Auftakt-Band Apocalypse Now Now war ich ja vor einiger Zeit ziemlich begeistert und entsprechend gespannt war ich nun auf Kill Baxter, den zweiten Teil der auf zwei Teile ausgelegten Reihe, wobei ich in diesem Zusammenhang gleich vorwegschicken möchte, dass das Ende und die Auflösung durchaus einen Nachfolger suggerieren, das Buch jedoch im (südafrikanischen) Original bereits 2014 veröffentlicht worden ist und sich entsprechend in dieser Hinsicht die Hoffnungen in Grenzen halten sollten, aber nur dass ihr es wisst. Davon abgesehen gelingt Charlie Human ein durchaus überzeugender Einstieg in die zweite Runde und ich fühlte mich direkt heimisch, was zuvorderst natürlich an Baxter selbst liegt, der auch hier wieder als Erzähler in Erscheinung tritt und um manch lakonisch-sarkastischen Kommentar nicht verlegen ist, wohingegen mir die inneren Auseinandersetzungen mit seinen zwei Wesenszügen – wir erinnern uns, Baxter ist ein Mischwesen aus Siener und Krähe – durchaus häufiger hätten vorkommen dürfen, aber das ist nur Jammern auf höherem Niveau und tut dem Spaß an der Sache kaum einen Abbruch.

Der Kopfgeldjäger ist zu einem engeren Freund geworden, als ich mir je vorgestellt hätte. Dass er mir geholfen hat, Esmé zu retten, spielt dabei natürlich eine große Rolle. Aber er ist auch der Einzige, mit dem ich über all die seltsamen kreuchenden, krabbelnden, kreischenden Wesen reden kann, die sich in den Bauch von Kapstadt krallen. Außerdem hat er immer Drogen und Alkohol dabei.

Womit ich hingegen weniger warmzuwerden wusste war die gesamte Chose um die Akademie Hexpoort für übernatürlich Begabte, sprich Anwärter auf einen Posten beim MK6, der die "Verborgenen" in Schach zu halten pflegt, denn auch wenn ich durchaus die Ansätze verstehe und mancherorts zu würdigen weiß, fügt sich dieser Aspekt der Erzählung nicht immer stimmig ins Gesamtbild und ist mancherorts gar grenzwertig langweilig geraten. Ohne es genau benennen zu können, wirkt hier bei Kill Baxter nicht alles wie aus einem Guss und trotz hehrer Vorsätze fügt sich die namensgebende Hauptfigur für meinen Geschmack zu schnell in ihr Schicksal, ganz davon abgesehen, dass man hier auch über weite Strecken auf Baxters liebgewonnenen Begleiter Ronin verzichten muss, der aber zum Glück in der zweiten Hälfte wieder mit von der Partie ist.

Was mir wiederum außerordentlich gut gefallen hat und nachdrücklich für den Einfallsreichtum von Human spricht – von dem man irritierenderweise in literarischer Hinsicht nach diesem Buch überhaupt nichts mehr gehört zu haben scheint – sind die Ausflüge von Baxter in seine eigene Psyche und auch hier hätte ich gerne noch mehr dieser Passagen gelesen, denn ohne spoilern zu wollen, ist es doch herrlich abstrus, aus welchen Aspekten und Wesenszügen seine Psyche besteht und wie diese sich ihm präsentieren, so dass dies nicht nur einer der interessanteren sondern auch innovativeren Parts des Buches darstellt. Der Tendenz nach aber wird es dem Autor auch dahingehend schwergefallen sein, dieselbe – oder eine vergleichbare – Atmosphäre wie beim Vorgänger-Band zu schaffen, da nun hinlänglich geklärt sein dürfte, dass Baxter mitnichten verrückt ist, sondern lediglich einen Blick auf eine für uns fremde, wortwörtlich "verborgene" Welt hat werfen können und dieses Ratespiel um Baxters Geisteszustand geht nun dem Nachfolger natürlich gänzlich ab, auch wenn zuweilen noch einmal kurz darauf Bezug genommen wird.

»Wie ist Hexpoort eigentlich so?«, frage ich während der Fahrt. Ich hab versucht, es zu googeln, bin aber bloß auf eine ominöse Website gestoßen, ehe mein Laptop vor lauter Malware-Meldungen austitschte und der Browser abstürzte.
»Oh«, sagt Ronin, und mir entgeht nicht, wie er unwillkürlich das Gesicht verzieht. »Absolut okay, wirklich.«

So ist Kill Baxter doch ein zweischneidiges Schwert und dürfte einerseits die Fans und Freunde des ersten Bandes kaum verärgern, doch ist der Fortgang der Geschichte nicht annähernd so faszinierend und wuchtig wie noch zu Beginn der Reise, markige Sprüche und Ausflüge in den eigenen Geist hin oder her, wobei Human immerhin dahingehend versöhnlich stimmt, dass auch Baxters bester Freund Kyle hier wieder in Erscheinung tritt, ebenso wie sein Bruder Rafe und natürlich Klippspringer, wenngleich dessen Auftritt eher kurz ausfällt. Immerhin, zum Ende hin dreht Human noch einmal gehörig auf und liefert auch noch ein paar charmante Seitenhiebe auf die Mode- und Mode-Blogger-Szene, derweil das Konzept des Egregor, der Kapstadt ins Chaos zu stürzen droht, versierten Medienfreunden jedweder Art nicht unbedingt neu sein dürfte, dafür aber ebenso stimmig in Szene gesetzt worden ist wie der Rest der Reise. So sind es wirklich Kleinigkeiten, die diesen Band gegenüber seinem Vorgänger ein wenig schwach auf der Brust wirken lassen, doch lohnt sich die Lektüre dennoch, sofern man den Vorgänger kennt natürlich, und sollte dem nicht so sein, kann man dies ja getrost nachholen, zumal der mich auch weitaus mehr mitzureißen wusste als sein zuweilen etwas schleppend daherkommender Kollege hier.

Fazit & Wertung:

Mit Kill Baxter – Showdown in Cape Town spinnt Charlie Human die Geschichte des sarkastisch-abgründigen Traumwanderers Baxter fort und liefert ein Füllhorn aberwitziger Einfälle, verpackt in eine wendungsreiche und zuweilen regelrecht phantasmagorische Urban-Fantasy-Story, wobei mich zugegebenermaßen nicht alle Versatzstücke der Erzählung rundweg zu überzeugen mussten. Nichtsdestotrotz für Fans des ersten Bandes beinahe ein Muss und umso ärgerlicher, dass aus der gegen Ende angedeuteten Fortsetzung nach derzeitigem Stand wohl eher wenig werden wird.

7,5 von 10 Alptraumhafte Visionen

Kill Baxter - Showdown in Cape Town

  • Alptraumhafte Visionen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Kill Baxter - Showdown in Cape Town spinnt Charlie Human die Geschichte des sarkastisch-abgründigen Traumwanderers Baxter fort und liefert ein Füllhorn aberwitziger Einfälle, verpackt in eine wendungsreiche und zuweilen regelrecht phantasmagorische Urban-Fantasy-Story, wobei mich zugegebenermaßen nicht alle Versatzstücke der Erzählung rundweg zu überzeugen mussten. Nichtsdestotrotz für Fans des ersten Bandes beinahe ein Muss und umso ärgerlicher, dass aus der gegen Ende angedeuteten Fortsetzung nach derzeitigem Stand wohl eher wenig werden wird.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von FISCHER Tor.

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Kill Baxter – Showdown in Cape Town ist am 24.05.17 bei FISCHER Tor erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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