Review: Sinclair – Dead Zone | Dennis Ehrhardt (Buch)

Pünktlich zum heutigen Verkaufsstart komme ich mit meiner Buch-Rezension zu genanntem Werk daher und obwohl grundsätzlich voll des Lobes, habe ich auch speziell einen Punkt zu bemängeln, der mich doch zuweilen daran hat zweifeln lassen, ob ich es hier wirklich mit einer John-Sinclair-Geschichte zu tun habe.

Sinclair – Dead Zone

Sinclair – Dead Zone, DE 2019, 464 Seiten

Sinclair - Dead Zone von Dennis Ehrhardt | © FISCHER Tor
© FISCHER Tor

Autor:
Dennis Ehrhardt
Übersetzer:
entfällt

Verlag (D):
FISCHER Tor
ISBN:
978-3-596-29994-2

Genre:
Fantasy | Mystery | Krimi | Horror

 

Inhalt:

Mein Name ist John Sinclair. Ich bin Detective Inspector des Metropolitan Police Service und Teil des Criminal Investigation Department auf dem Revier Forest Gate im Londoner Stadtteil Newham.

Kurz nachdem auf hoher See ein merkwürdiges Artefakt geborgen worden ist, regt sich im Londoner Untergrund eine bösartige Wesenheit, die lang im Schlummer lag und fordert erste Opfer. Weit größere Aufmerksamkeit allerdings erregt ein anderer Zwischenfall, in den unter anderem auch Detective Inspector John Sinclair verwickelt wird, denn an einem Londoner Kai explodiert eines Nachts ein Schiff und fordert auch Sinclairs Leben. Sein Partner Detective Sergeant Gan Zuko nimmt die Ermittlungen auf und schlägt sich mit der ihm frisch zugeteilten Shao Sandako rum, doch schnell häufen sich die Mysterien und Ungereimtheiten, während ein Reporter die Gunst der Stunde nutzt, einen reißerisch aufgezogenen Kanal namens Wild-Bill.com zu eröffnen und die wildesten Spekulationen über die fragliche Nacht anzustellen. Unterdessen häufen sich die unerklärlichen Todesfälle und das weihnachtliche London gerät in helle Aufregung, während Zuko seinen ganz eigenen Spuren folgt, nicht ahnend, dass selbst seine neue Partnerin Sandako ihm so einiges verheimlicht…

Rezension:

Lange habe ich auf Sinclair – Dead Zone sehnsüchtig gewartet, denn ursprünglich sollte das Buch bereits ein Jahr früher, also im Januar 2018, veröffentlicht werden. Als ich es dann schlussendlich kaum mehr auf dem Schirm hatte, trudelte der Band recht unverhofft bei mir ein und ich begab mich postwendend an die Lektüre, um nun heute – passend zum offiziellen Verkaufsstart des Buches – von meinen Eindrücken berichten zu können. Nun ging es mir im Vorfeld wie sicherlich nicht wenigen Leuten, dass mir "John Sinclair" als Name und Figur durchaus ein Begriff war, derweil ich die zahllosen Groschenromane um seine Figur immer mal wieder gesehen, aber nie gelesen habe. Ähnlich wie bei dem ähnlich kultigen John Constantine reizte es mich schon immer sehr, mehr über den Geisterjäger zu erfahren, doch schreckte mich gleichsam die schiere Flut an Veröffentlichungen, weshalb ich nun mehr als gespannt auf den angedachten Neustart der Reihe geschielt habe, für den Dennis Ehrhardt verantwortlich zeichnet, der sich wohl in der Vergangenheit schon als Skriptautor und Regisseur für die Hörspiele um John Sinclair verdient gemacht hat.

Es war ein Stein.
Ein nachtschwarzer und auf den ersten Blick fugenlos glatter Stein, der glänzte wie Obsidian. Er hatte die Form eines Würfels mit einer Kantenlänge von mindestens sieben Yards, und seine Oberfläche schien sich ständig zu verändern, zu bewegen und ineinanderzulaufen wie … Nebelschleier?

Passend dazu werden übrigens die sechs Teile des Romans im Verlauf der kommenden Monate auch als Hörspiel bei Lübbe Audio erscheinen, wobei ich persönlich ja a) nicht so der Hörspiel-Hörer bin und b) mich nicht noch länger hätte gedulden wollen können, aber der Hinweis sei an dieser Stelle gestattet. Um aber auf das Buch an sich zu sprechen zu kommen, war ich prompt sehr angetan von dem, was Ehrhardt sich hier hat einfallen lassen, zumal der Stil des Ganzen für sich spricht und schnell in seinen Bann zieht. So sind die Wurzeln der Story in Sinclair – Dead Zone zwar einerseits klar erkennbar und weisen zuweilen auch bewusst trashige Züge auf, punkten ansonsten aber mit einer durchaus geerdet zu nennenden Inszenierung, die sich mehr als übernatürlich angehauchter Kriminalfall präsentiert und einiges an Rätseln und Mysterien bereithält. Zwar mag es zuweilen auch etwas derber zugehen, doch nie so explizit, dass ich meinen würde, sanftere Gemüter wären hiervon abgeschreckt.

Die Figuren – allen voran Zuko und Sandako – sind ebenfalls vielschichtig gezeichnet, auch wenn hier der Fokus klar auf Sandako liegt, doch selbst anfänglich eher klischeebelastet wirkende Nebenfiguren erlangen zunehmend Profil. Leider gibt es aber auch ein für mich persönlich großes Manko an Sinclair – Dead Zone, das ich nicht unberücksichtigt oder unerwähnt lassen kann, weshalb ich sehr froh bin, dass schon der Klappentext den vermeintlichen Tod von Sinclair spoilert. Natürlich weiß man – auch dank eines dem Roman vorangestellten Auszuges aus einem Protokoll, dass Sinclair selbstredend nicht bei der Explosion ums Leben gekommen ist, doch ändert das leider nichts an der Tatsache, dass er im gesamten Roman quasi kaum eine Rolle spielt, auch wenn ich mich darüber in Schweigen hüllen werde, wann und wie er "von den Toten zurückkehrt" (und erhofft euch da bloß nichts Spektakuläres!). So war ich zwar einerseits wirklich gefesselt von den Schilderungen und fegte nur so über die Seiten, fragte mich andererseits aber immer wieder, was denn nun mit dem namensgebenden Geisterjäger sein mag, dessen Origin man dem Marketing nach hier präsentiert bekommen würde. Schlussendlich fühle ich mich nun nach der Lektüre des rund 460 Seiten starken Romans, der oben erwähnte sechs Teile umfasst, der Figur John Sinclair kaum näher als zuvor, was ich für den Auftakt einer Reihe doch als sehr unglücklich gewählt und konzipiert betrachte, gleichwohl ich sicher auch beim Nachfolgeband an Bord sein werde.

Etwas Feuchtes lief über sein Gesicht. Seine Oberlippe. Er wischte darüber und richtete den Lichtstrahl auf seine Fingerkuppen. Das war Blut.
Der Druck in seinem Kopf war jetzt so schlimm, dass er nicht mehr wusste, von welcher Seite des Bahnsteigs er gekommen war. Lief er etwa in die falsche Richtung?
Das Wispern kehrte zurück.
Über ihm.

Das liegt aber weit mehr daran, dass hier so einiges an Fragen offen bleibt und längst nicht alle Rätsel um den Londoner Untergrund und das merkwürdige Artefakt gelöst worden sind, denn Sinclair selbst wirkt hier eher wie eine Anekdote, ein Aufhänger mit prestigeträchtigem Namen, was ich mir doch anders vorgestellt habe, auch wenn meine deutlich Hörbuch-affinere Freundin mir bereits erzählt hat, dass er auch in den "alten" Geschichten nicht immer zugegen gewesen ist. Um aber auf einer positiven Note zu enden, da ich die Lektüre des Bandes grundsätzlich doch sehr genossen habe (und das Buch kaum aus der Hand legen wollte), muss ich noch einmal die Recherche loben, die es dem Autor ermöglicht hat, das gegenwärtige London so glaubhaft und detailliert auf den Seiten zum Leben zu erwecken. So vermischen sich hier im bestmöglichen Sinne Wahrheit und Fiktion, wenn die ermittelnden Detectives sich in den nächtlichen Straßenzügen der Metropole herumtreiben und sich in längst vergessene U-Bahn-Schächte und dergleichen wagen, während urtümliche wie übernatürliche Kräfte um sich zu greifen beginnen. Ein Auftakt also, den ich unumwunden als gelungen und lesenswert betiteln kann, der mir aber deutlich zu wenig von dem titelgebenden Helden vermittelt hat, auf den ich mich nun so lange gefreut habe. Nichtsdestotrotz hoffe ich auf Erfolg und Anklang für diesen vielversprechenden Neustart bei der sicherlich noch deutlich kritischeren "alten" Fangemeinde, damit der im Nachwort bereits angedeutete Nachfolger auch zeitnah realisiert wird und ich endlich mehr über John Sinclair erfahren kann, als dies hier der Fall gewesen ist.

Fazit & Wertung:

Mit Sinclair – Dead Zone versucht sich Dennis Ehrhardt an einer Wiederbelebung des kultigen Franchise um den namensgebenden Geisterjäger und liefert auch einen inszenatorisch wie dramaturgisch gelungenen Auftakt ab, der mit reichlich Mysterien und Rätseln lockt und eine glaubhafte, lebendige Parallelwelt erschafft. Einzig Sinclair selbst verkommt hier leider so dermaßen zur Randnotiz, dass man meinen könnte, er diene nur als prestigeträchtiges Zugpferd für eine von ihm losgelöste Reihe, denn hier zumindest stehen weit mehr dessen Partner Gan Zuko und die forsche Shao Sandako im Zentrum der Erzählung.

7,5 von 10 unerklärlichen Ereignissen und übernatürlichen Wesenheiten

Sinclair – Dead Zone

  • Unerklärliche Ereignisse und übernatürliche Wesenheiten - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Sinclair – Dead Zone versucht sich Dennis Ehrhardt an einer Wiederbelebung des kultigen Franchise um den namensgebenden Geisterjäger und liefert auch einen inszenatorisch wie dramaturgisch gelungenen Auftakt ab, der mit reichlich Mysterien und Rätseln lockt und eine glaubhafte, lebendige Parallelwelt erschafft. Einzig Sinclair selbst verkommt hier leider so dermaßen zur Randnotiz, dass man meinen könnte, er diene nur als prestigeträchtiges Zugpferd für eine von ihm losgelöste Reihe, denn hier zumindest stehen weit mehr dessen Partner Gan Zuko und die forsche Shao Sandako im Zentrum der Erzählung.

7.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von FISCHER Tor.

– – –

Sinclair – Dead Zone ist am 23.01.19 bei FISCHER Tor erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

Hinterlasse einen Kommentar