Review: Manhunt: Unabomber (Serie)

Und da wäre ich auch schon wieder an diesem Samstag, um euch mit der ersten Serien-Review für dieses Jahr zu versorgen, bei der ich mich dieses Mal einer achtteiligen Miniserie gewidmet habe, über die zu stolpern sich wirklich gelohnt hat!

Manhunt: Unabomber

Manhunt: Unabomber, USA 2017, ca. 45 Min. je Folge

Manhunt: Unabomber | © Discovery Channel
© Discovery Channel

Serienschöpfer:
Andrew Sodroski
Jim Clemente
Tony Gittelson
Ausführende Produzenten:
Dana Brunetti
John Goldwyn
Troy Searer
Andrew Sodroski
Kevin Spacey
Greg Yaitanes

Main-Cast:
Sam Worthington (Jim ‚Fitz‘ Fitzgerald)
Paul Bettany (Ted Kaczynski)
Jeremy Bobb (Stan Cole)
Keisha Castle-Hughes (Tabby)
Lynn Collins (Natalie)
Mark Duplass (David Kaczynski)
Brían F. O’Byrne (Frank McAlpine)
Elizabeth Reaser (Ellie Fitzgerald)
Ben Weber (Andy Genelli)
Chris Noth (Don Ackerman)
in weiteren Rollen:
Katja Herbers (Linda Patrik)
Trieste Kelly Dunn (Theresa Oakes)
Griff Furst (Burkhardt)
Rebecca Henderson (Judy Clarke)
Mike Pniewski (Dr. Charles Epstein)
Jane Lynch (Janet Reno)
Bonnie Johnson (Wanda Kaczynski)
Diesel Madkins (Ernie Esposito)
Steve Coulter (Anthony Bisceglie)

Genre:
Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Manhunt: Unabomber | © Discovery Channel
© Discovery Channel

Bereits seit 1978 terrorisiert der sogenannte Unabomber die amerikanische Gesellschaft und verschickt vorwiegend an mit Universitäten oder Fluggesellschaften assoziierte Personen seine Briefbomben, die bereits mehrere Todesopfer gefordert und zahlreiche Verletzte mit sich gebracht haben. Auch siebzehn Jahre später – 1995 – gibt der Täter dem FBI noch Rätsel auf, derweil der jüngst zum Fall hinzugezogene Profiler Jim Fitzgerald voller Tatendrang und Ambitionen zu Werke gehen gedenkt und alsbald mit einer Analyse der Schriftstücke des Unabombers beginnt, die gemeinsam mit dessen später veröffentlichtem, 56 Seiten umfassenden Manifest ein umfassendes, vor allem aber ungewohntes Täterprofil ergeben, das die Ermittlungen in neue Richtungen lenkt, die letztendlich zur Ergreifung des hochintelligenten Einsiedlers führen werden. Die augenscheinlich erdrückende Beweislast allerdings, die auf dem im Grunde eigens für den Fall des Unabombers ins Leben gerufenen Feld der "forensischen Linguistik" fußt, könnte sich vor Gericht womöglich noch als anfechtbar erweisen…

Rezension:

Obschon ich mir eigentlich fest vorgenommen hatte, mich nun endlich David Finchers Profiler-Serie Mindhunter zu widmen, besitze ich ja manchmal die Aufmerksamkeitsspanne einer Eintagsfliege und blieb so jüngst bei der frisch auf Netflix veröffentlichten, originär aber vom Discovery Channel produzierten Miniserie Manhunt: Unabomber hängen, die sich – der Name verrät es – der Jagd nach dem Unabomber widmet, dessen Name sich von seinen bevorzugten Anschlagszielen ("University & Airline Bomber") ableitet. Inszeniert wird das Ganze zunächst als Kampf Mann gegen Mann, wobei man sich wechselnder Zeitebenen bedient und einerseits der im Jahre 1995 angesiedelten Haupthandlung folgt, die sich den Ermittlungen und Analysen des ambitionierten Profilers Fitzgerald widmet, andererseits in der Zeit von Kaczynskis Untersuchungshaft 1997 zu verorten ist, wo nicht nur durch eine Befragung des Unabombers Ted Kaczynski durch Fitzgerald eine Verbindung beider Figuren suggeriert wird, die es so im wahren Leben zwar nie gegeben hat, aber gern als sinnvolle, eher freie Interpretation der Ereignisse betrachtet werden darf.

Szenenbild aus Manhunt: Unabomber | © Discovery Channel
© Discovery Channel

Überhaupt scheint sich das FBI über die Rolle mokiert zu haben, die Fitzgerald in den Ermittlungen zugestanden wird, zumal er hier mehr als einmal als einsamer Verfechter eines zwar vielversprechenden, aber eben auch ungewöhnlichen Ansatzes präsentiert, doch fußt die Serie eben auch auf Fitzgeralds Buch A Journey to the Center of the Mind, Book III: The “First Ten” FBI Years, 1987–1997 und insofern mag das kaum verwunderlich sein, dass er hier spürbar in den Fokus der Erzählung rückt, auch weil er als Konterpart zum Antagonisten Kaczynski ein weit besseres Bild abgibt als ein "gesichtsloser" Staatsapparat. Vor allem aber macht Manhunt: Unabomber einen dahingehend überzeugenden Job, die Auseinandersetzung mit dem Manifest des Unabombers aufzudröseln, ohne dabei trocken oder gar langweilig zu werden und so gesehen quasi nebenbei die Geburtsstunde der forensischen Linguistik skizziert, die schlussendlich zur Ergreifung des Unabombers führt. In dem Zusammenhang lohnt natürlich mehr denn je eine Sichtung im Original, statt auf die synchronisierte Fassung zurückzugreifen, wenngleich auch hier ein ordentlicher Job gemacht worden ist und abgesehen vom "Wudder" – Vergleich hierzu speziell die Folge Pures "Wudder" (1.02), logischerweise – werden viele der Textpassagen, an denen sich Fitzgerald in seinen Analysen aufhängt, gleich im Original belassen.

So spannend aber auch die Ermittlungsarbeit und Fitzgerald stetiges Aufbegehren gegen die Skepsis seiner Vorgesetzten und Kollegen inszeniert sein mag, bietet Manhunt: Unabomber schließlich mit dem (fiktiven) Zusammentreffen von Kaczynski und Fitzgerald in Frucht des verbotenen Baumes (1.03) eines der frühen Highlights der Staffel, wenngleich im beinahe direkten Anschluss hieran der Ansatz der zwei Erzählebenen beziehungsweise Zeitstränge ad acta gelegt wird, was ein wenig schade ist und auch inkonsistent wirkt, denn so scheint es, als hätte man sich dieses Kniffs nur bedient, um die Unterredung der beiden Widersacher "vorverlegen" zu können. Davon aber einmal abgesehen, liefert die Serie aber gleichsam einen lohnenswerten Abriss zum Wirken des Unabombers, den ich im Vorfeld beinahe nur dem Namen nach kannte (Kunststück, 1995 war ich gerade mal zehn Jahre alt), zumal auch dessen Ideen und Philosophie trefflich transportiert werden und tatsächlich eine irritierende Aktualität zu besitzen scheinen, derweil man zu keinem Zeitpunkt befürchten muss, die terroristischen Taten, die immerhin drei Todesopfer und 23 Verletzte nach sich gezogen haben, würden in irgendeiner Form relativiert oder verharmlost werden.

Szenenbild aus Manhunt: Unabomber | © Discovery Channel
© Discovery Channel

Stattdessen nutzt man aber dennoch die Möglichkeit, beide Seiten der Medaille zu beleuchten, denn während sich der Unabomber zunächst als kaum greifbare Bedrohung manifestiert und lediglich vermummt oder in schemenhaften Ausschnitten gezeigt wird, nutzen die Autoren und Macher beispielsweise die Folge Ted (1.06) samt und sonders, um dessen Herkunft und Werdegang zu umreißen, was zwar nichts beschönigt oder entschuldigt, sein Denken schlussendlich aber weitaus nachvollziehbarer erscheinen lässt, zumal auch Fitzgerald an mehr als einer Stelle mit den im "Manifest" dargelegten Gedanken sympathisiert. Entsprechend macht Sam Worthington (Hacksaw Ridge) als Hauptfigur "Fitz" einen grundsoliden Job und vermittelt vor allem dessen Hartnäckigkeit und Verbissenheit, derweil Paul Bettany (Transcendence) – ist er erst einmal entfesselt – mit seiner Verkörperung von Ted Kaczynski die weitaus bravourösere Vorstellung abliefert und in jeder Einstellung durchweg zu überzeugen weiß, zumal er der Figur in ihren unterschiedlichen Lebensstadien – auch hier wieder vornehmlich auf die sechste Episode bezogen – einen beeindruckenden Facettenreichtum verleiht.

Zwar mag Manhunt: Unabomber als historischer Tatsachenbericht nur bedingt funktionieren und nimmt sich insbesondere in der finalen Folge USA gegen Theodore J. Kaczynski (1.08) noch einmal zu viele dramaturgische Freiheiten heraus, doch als Abriss der zur Ergreifung führenden Geschehnisse, als Einführung in die Thematik, vor allem aber als spannende Kriminalserie in meistenteils bestechender Inszenierung macht die Discovery Channel-Serie eine mehr als gute Figur. Entsprechend bleibt zu hoffen, dass die Pläne, diesen überzeugenden Wurf als Auftakt einer Anthologie-Serie zu nutzen, deren verbindendes Element anscheinend die von Jane Lynch verkörperte Janet Reno sein soll, auch in die Tat umgesetzt werden.

Fazit & Wertung:

Die vom Discovery Channel produzierte und hierzulande von Netflix lizensierte Miniserie Manhunt: Unabomber ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut sich abgeschlossene Erzählungen als in sich (ab)geschlossene Serien transportieren lassen, denn während die linguistischen Analysen, die zur Ergreifung des Unabombers Ted Kaczynski geführt haben, überraschend stimmig und interessant in Szene gesetzt wurden, nimmt man sich doch gleichsam Zeit, die Philosophie und Historie des Verbrechers selbst auszuloten, woraus sich eine dicht und atmosphärisch inszenierte Story ergibt, die noch dazu mit insbesondere einem großartig aufspielenden Paul Bettany als Unabomber hochkarätig besetzt ist.

8,5 von 10 linguistischen Spuren

Manhunt: Unabomber

  • Linguistische Spuren - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die vom Discovery Channel produzierte und hierzulande von Netflix lizensierte Miniserie Manhunt: Unabomber ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut sich abgeschlossene Erzählungen als in sich (ab)geschlossene Serien transportieren lassen, denn während die linguistischen Analysen, die zur Ergreifung des Unabombers Ted Kaczynski geführt haben, überraschend stimmig und interessant in Szene gesetzt wurden, nimmt man sich doch gleichsam Zeit, die Philosophie und Historie des Verbrechers selbst auszuloten, woraus sich eine dicht und atmosphärisch inszenierte Story ergibt, die noch dazu mit insbesondere einem großartig aufspielenden Paul Bettany als Unabomber hochkarätig besetzt ist.

8.5/10
Leser-Wertung 6.14/10 (7 Stimmen)
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Episodenübersicht:

01. UNABOM (8/10)
02. Pures „Wudder“ (8/10)
03. Frucht des verbotenen Baumes (8,5/10)
04. Veröffentlichung oder Untergang (8,5/10)
05. Hütte (8/10)
06. Ted (8,5/10)
07. Lincoln (8/10)
08. USA gegen Theodore J. Kaczynski (8,5/10)

 
– – –

Manhunt: Unabomber ist seit dem 12.12.17 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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