Review: The Guard – Ein Ire sieht schwarz (Film)

Die neue Woche hat gestartet und damit wird es auch wieder Zeit für eine neue Film-Kritik, wobei ich mich auch diesmal wieder einige Jahre zurückbewegt und meine Schublade durchforstet habe, um weitergehend Altlasten abzutragen, die schon viel zu lange in der Schublade schlummern.

The Guard
Ein Ire sieht schwarz

The Guard, IE 2011, 96 Min.

The Guard - Ein Ire sieht schwarz | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
John Michael McDonagh
Autor:
John Michael McDonagh

Main-Cast:
Brendan Gleeson (Gerry Boyle)
Don Cheadle (FBI agent Wendell Everett)
in weiteren Rollen:
Mark Strong (Clive Cornell)
Liam Cunningham (Francis Sheehy-Skeffington)
Fionnula Flanagan (Eileen Boyle)

Genre:
Komödie | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Guard - Ein Ire sieht schwarz | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Im westirischen Galway ist schon seit Jahren nichts Nennenswertes passiert und entsprechend lax nimmt es auch der verantwortliche Sergeant Gerry Boyle mit seinen Pflichten als Gesetzeshüter. Blöd für ihn, als in seinem Zuständigkeitsbereich nun nicht nur eine Leiche gefunden wird, sondern ihm auch bereits nach dem ersten Tag sein überambitionierter Partner abhandenkommt, denn wie es scheint, stehen diese Vorkommnisse im Zusammenhang mit einem umtriebigen Verbrechertrio, wie ihm der eigens eingeflogene FBI-Mann Wendell Everett erörtert. Wohl oder übel hält Everett sich fortan an Boyle, zumal die hiesige Bevölkerung kaum des Englischen mächtig zu sein scheint, doch Boyle seinerseits hat selbstredend überhaupt keine Lust auf den Trubel und gefällt sich in der Rolle des trotteligen Dorfpolizisten, die Everett immer mehr zur Weißglut treibt…

Rezension:

Keine drei Jahre ist es her, dass ich mir John Michael McDonaghs Am Sonntag bist du tot zu Gemüte geführt habe und mir im Zuge dessen vorgenommen hatte, auch bei seinem vorangegangenen – ebenfalls mit Brendan Gleeson in der Hauptrolle besetzten – The Guard – Ein Ire sieht schwarz einen Blick zu riskieren und "schon" ist es soweit, dass ich nun auch bei diesem filmischen Kleinod mitreden kann, auch wenn ich zugeben muss, dass dieser schwarzhumorige Krimi tatsächlich ein wenig hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist, was aber mitnichten heißen soll, dass er nicht gut und sehenswert wäre, denn dafür spricht allein schon Gleesons überragende Präsenz, die aus dem Streifen vom ersten Moment an eine regelrechte One-Man-Show macht, auch wenn Don Cheadles prominenter Platz auf dem Cover anderes suggerieren möchte, denn auch wenn der durchaus seine Daseinsberechtigung hat, handelt es sich mitnichten um eine Buddy-Komödie, in der sich zwei ungleiche Gefährten trotz Querelen zusammenraufen, sondern wirklich um die Geschichte dieses einen irischen Polizisten, der auf den ersten Blick vielleicht ein wenig dümmlich oder zumindest engstirnig wirkt, im Kontext der Erzählung aber schlussendlich spielend über sich hinauswächst.

Szenenbild aus The Guard - Ein Ire sieht schwarz | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Vielleicht mag meine Enttäuschung (das Wort ist eigentlich wirklich zu hoch gegriffen) daher rühren, dass ich mir The Guard noch weitaus witziger vorgestellt habe, denn auch wenn der Film sicherlich vor skurrilen Momenten und Figuren strotzt, ein paar herrliche Dialoge bereithält und Gleeson ins beste Licht rückt, bleibt der Humor doch im weiteren Verlauf der Handlung immer öfter auf der Strecke, so dass mir weit seltener zum Schmunzeln war, als ich mir erhofft hatte. Dafür allerdings punktet der Film ohne Frage in besonderer Güte mit seinem Hauptdarsteller, dessen Figur des nicht unbedingt pflichtbesessenen Sergeant Gerry Boyle allem und jedem vor den Kopf zu stoßen versteht und was das Thema "Legalität" anbelangt auch mal das eine oder andere Auge zuzudrücken bereit ist, denn in dieser Hinsicht hat Brendan Gleeson (Kopfgeld – Perrier’s Bounty) ein echtes Original erschaffen und beeindruckt insbesondere in der zweiten Hälfte mit unerwarteter Tatkraft. Ihm zur Seite steht dabei wie gesagt Don Cheadle (House of Lies) als aus Amerika angereister FBI-Agent Wendell Everett, der sich von Boyle gehöriges an Sprüchen und (bewusst?) rassistischen Äußerungen anhören muss, sich wohl oder übel aber zur Zusammenarbeit genötigt sieht, um die im Umkreis von Galway agierenden Schurken dingfest zu machen.

Bei denen handelt es sich wiederum um ein ungemein dynamisches Trio, bestehend aus Mark Strong (Mindscape), Liam Cunningham (Hunger) und David Wilmot, dem allein ich schon über Stunden hätte zusehen können, denn spleenigere, wortreichere, an einem gewissen Überdruss ihre vergleichsweise profane Beschäftigung betreffend leidende Verbrecher habe ich lange nicht mehr gesehen, ganz davon abgesehen, dass die natürlich auch mit gehörig Charisma zu punkten wissen. Dessen aber ungeachtet, was hier darstellerisch an Größen aufgefahren wird, tut es dem Plot nicht immer gut, so behäbig inszeniert worden zu sein, denn auch wenn es natürlich dem Gusto des verschlafenen Galway entspricht, wie es hier gezeigt wird, dass alles langsam und bedächtig vonstatten geht, hätte ein wenig mehr Pfeffer dem Skript eventuell gutgetan, gerade wenn die humoristischen Einsprengsel seltener zu werden beginnen. So ist es beinahe schon absehbar, dass der eigentliche Kriminalfall im Mittelteil schnell zur Nebensache degradiert wird, doch so schön es sein mag, dass McDonagh sich genussvoll den Spleens und Manierismen von Boyle und der Galwayer Landbevölkerung widmet, bringt das die eigentliche, im Kern doch sehr stringente und wenig überraschende Geschichte kaum voran.

Szenenbild aus The Guard - Ein Ire sieht schwarz | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Natürlich zieht insbesondere ein Film wie The Guard seine Faszination und seine Stärken nicht unbedingt aus dem eigentlich zugrundeliegenden Plot sondern weit mehr seinen Figuren und deren Verhalten, doch wusste mich da der eingangs erwähnte, drei Jahre später entstandene Film um Vater James Lavelle weitaus mehr zu überzeugen. Der augenzwinkernde, oft beinahe parodistische Unterton allerdings macht auch hier zumindest einiges wett und der trockene Humor wusste insbesondere in der ersten Hälfte bei mir ins Schwarze zu treffen, während es in der zweiten Hälfte dann mehr die exzentrischen Figuren waren, die mich am Ball bleiben ließen, doch wurde ich eben auch das Gefühl nicht los, dass hier zuweilen noch Möglichkeiten verschenkt worden sind. Und ausgerechnet die großartigen Szenen zwischen Gleeson und Fionnula Flanagan, die hier dessen Mutter Eileen verkörpert, sind es, die am längsten im Gedächtnis bleiben, obschon sie zur eigentlichen Handlung rein gar nichts beizutragen haben, mit ihrer spürbaren Chemie zwischen den beiden aber die wohl emotionalste Komponente des Films bilden. Keine Frage, John Michael McDonagh zeigt auch hier schon, was er erzählerisch zu bieten hat, nur dass es hier zuweilen noch ein wenig (zu) roh und ungeschliffen wirkt.

Fazit & Wertung:

John Michael McDonagh erzählt in The Guard – Ein Ire sieht schwarz die Geschichte des Dorfpolizisten Sergeant Gerry Boyle, seinerseits verkörpert vom großartigen Brendan Gleeson, doch so sehr die Figur an sich zu überzeugen weiß und sich als "echtes Original" präsentiert, so sehr dümpelt leider der eigentliche Plot zuweilen vor sich hin, was dem ansonsten herrlich spleenig und unaufgeregt inszenierten Film leichte Abzüge in der B-Note beschert.

7,5 von 10 unkonventionellen Ermittlungen im ländlichen Galway

The Guard – Ein Ire sieht schwarz

  • Unkonventionelle Ermittlungen im ländlichen Galway - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

John Michael McDonagh erzählt in The Guard – Ein Ire sieht schwarz die Geschichte des Dorfpolizisten Sergeant Gerry Boyle, seinerseits verkörpert vom großartigen Brendan Gleeson, doch so sehr die Figur an sich zu überzeugen weiß und sich als "echtes Original" präsentiert, so sehr dümpelt leider der eigentliche Plot zuweilen vor sich hin, was dem ansonsten herrlich spleenig und unaufgeregt inszenierten Film leichte Abzüge in der B-Note beschert.

7.5/10
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The Guard – Ein Ire sieht schwarz ist am 21.03.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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