Review: Safe | Staffel 1 (Serie)

Hier kommt nun wie versprochen meine samstägige Serien-Kritik, die sich einmal mehr einer Netflix-Produktion widmet und die ich allein aufgrund von Michael C. Hall sehen musste. An dem hat es dann auch nicht gelegen, dass mich die achtteilige Mini-Serie nicht so richtig hat überzeugen können, denn eigentlich ist die sogar richtig gut, schwächelt gegen Ende aber leider enorm. Doch was greife ich schon wieder vor, lest ihr ja jetzt alles und ausführlich.

Harlan Coben’s
Safe
Staffel 1

Safe, UK/FR 2018-, ca. 43 Min. je Folge

Safe | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Harlan Coben
Ausführende Produzenten:
Michael C. Hall
Nicola Shindler
Harlan Coben
Danny Brocklehurst
Richard Fee

Main-Cast:
Michael C. Hall (Tom Delaney)
Amanda Abbington (Sophie Mason)
Marc Warren (Pete Mayfield)
Audrey Fleurot (Zoe Chahal)
Hannah Arterton (Emma Castle)
Nigel Lindsay (Jojo Marshall)
Laila Rouass (Lauren Marshall)
Joplin Sibtain (Neil Chahal)
Milo Twomey (Bobby)
in weiteren Rollen:
Emmett J Scanlan (Josh Mason)
Amy James-Kelly (Jenny Delaney)
Amy-Leigh Hickman (Sia Marshall)
Freddie Thorp (Chris Chahal)
Hero Fiennes Tiffin (Ioan Fuller)
Louis Greatorex (Henry Mason)
Isabelle Allen (Carrie Delaney)
Karen Bryson (Helen Crowthorne)

Genre:
Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Safe | © Netflix
© Netflix

Tom Delaney lebt als angesehener und gutsituierter Chirurg in einer der wenigen Gated Communities von England. Gleichwohl er und seine zwei Töchter ein sicheres und behütetes Leben führen, hängt ihnen der Tod von Toms Frau noch immer nach und insbesondere Jenny – die ältere der beiden Töchter – kann ihrem Vater nicht verzeihen, zum Todeszeitpunkt ihrer Mutter nicht zugegen gewesen zu sein. Als Jenny eines Abends zu einer Hausparty bei den Marshalls aufbricht, ahnt niemand etwas Böses, doch am Tag darauf ist sie spurlos verschwunden. Tom setzt alle Hebel in Bewegung und folgt jeder noch so kleinen Spur, um seine Tochter zu finden und dringt dabei immer tiefer in das Dickicht aus Lügen und Intrigen, die sich hinter der Fassade des Vorstadtlebens verbergen. Jennys Freund Chris Chahal wird ebenfalls vermisst, doch haben dessen Eltern ganz andere Sorgen, denn seine Mutter, die Lehrerin Zoe, wird etwa zeitgleich der Pädophilie verdächtigt. Zudem schwimmt Chris ohnehin längst tot im Pool der Marshalls, was allerdings niemand ahnt, da auf Initiative des Hausherrn die Leiche zunächst in die heimische Gefriertruhe verfrachtet wird…

Rezension:

Neulich sprang mich beim Öffnen von Netflix die Vorschau zu Harlan Coben’s Safe an und auch wenn mir dieser Coben nichts zu sagen wusste, war ich doch umso vertrauter mit dem Konterfei von Michael C. Hall, der mir großflächig entgegenblickte und folgerichtig die Hauptrolle in diesem Drama spielen sollte. Der wiederum ist mir nun natürlich auch nicht erst seit Dexter ein Begriff, dürfte sich aber ungeachtet des unsäglichen Staffelfinales mit dieser Rolle selbst zum Kultstatus verholfen haben. Diese Serie nun, die vom Look und Aufbau her an eine Mini-Serie erinnert, auch wenn man sich anscheinend die Möglichkeiten offen halten möchte, eine weitere Staffel zu produzieren (was tatsächlich im vorliegenden Fall eine noch dämlichere Idee wäre als schon bei Tote Mädchen lügen nicht), wirkt zunächst durchaus vielversprechend. Gleichwohl wird die erste Folge doch weitestgehend benutzt, um Figuren und Setting zu etablieren, was sie vom Tempo und Spannungsaufbau noch ein wenig sehr gemächlich erscheinen lässt. Immerhin, es reicht aus, sich angefixt zu fühlen und neugierig zu werden, was die Bewohner dieser Gated Community alle für Geheimnisse hüten mögen, vor allem, was es mit Jennys Verschwinden auf sich hat.

Szenenbild aus Safe | © Netflix
© Netflix

Von diesem Auftakt ausgehend nimmt die Serie zwar in den weiteren Episoden merklich an Fahrt auf, ist aber dennoch vergleichsweise behutsam und langsam erzählt, was nicht jedem munden dürfte, für mich aber mal eine angenehme Abwechslung gewesen ist. Während Halls Charakter Tom nun also weitere Anstrengungen unternimmt, seine Jenny irgendwie zu finden und zu retten, kommen weitere gesellschaftliche Untiefen und bedeutungsschwangere Blicke aufs Trapez und man wähnt sich schon der Gefahr, dass all das nicht unbedingt unter einen Hut zu bringen sein könnte, denn von einer der Pädophilie bezichtigten Lehrerin über einen dubiosen Bar-Besitzer, einer zu entsorgenden Leiche, einer frisch ins Örtchen gezogenen Polizistin mit gleich zwei prekären Geheimnissen, einer ganzen Schar Jugendlicher, die ebenfalls mehr wissen, als sie zugeben möchten bis hin zu einer merkwürdigen Verbindung zu einer fast schon obligatorischen, psychiatrischen Einrichtung, die bei dieser Art Geschichte wohl einfach nicht fehlen darf, ist hier wohl alles vertreten, was einem beim Brainstorming so in den Sinn kommen könnte. Mit dieser unvollständigen Aufzählung kratze ich aber tatsächlich nur an der Spitze des Eisberges und in der Gated Community liegt noch einiges mehr im Argen, so dass auch so ziemlich jede Figur im Laufe der Zeit ihre Verdachtsmomente spendiert bekommt.

Relativ früh – genauer in der vierten und fünften Episode – läuft Safe dann auch zu unerwarteter Höchstform auf und die Anzahl an Geheimnissen und Offenbarungen hält sich stimmig die Waage, während es hier gar ein wenig tempo- und actionreicher zur Sache geht, was der Angelegenheit ein wenig neuen Schwung verleiht, zumal man sich in den ersten Episoden ohnehin fragt, weshalb die Polizei nicht viel energischer zur Tat schreitet, was die Suche nach Jenny betrifft. Hier kann man nur mutmaßen, dass die üblichen 72 Stunden zunächst abgewartet werden und Polizistin Sophie – ihrerseits verkörpert von der aus Sherlock bekannten Amanda Abbington – nur deshalb überhaupt schon tätig geworden ist, da sie als Nachbarin der Delaneys gleichsam eine Affäre mit Tom hat oder hatte. So wird die Serie zumindest in ihrer ersten Staffelhälfte chronologisch von Tag zu Tag erzählt, so dass mit Beginn der vierten Folge logischerweise auch der vierte Tag seinen Anfang findet und plötzlich kommt eben erwähnter Schwung in die Sache, wobei man von diesem Konzept von einem Tag je Folge alsbald auch wieder Abstand nimmt, um die gezeigten Geschehnisse zu verdichten.

Szenenbild aus Safe | © Netflix
© Netflix

So ist Safe tatsächlich zu drei Vierteln spannend geraten, doch die schlussendliche Auflösung in den finalen zwei Episoden hält schlichtweg den Erwartungen nicht stand. So ist selbige einerseits im Grunde reichlich profan und nicht halb so überraschend wie sie es gern wäre (auch wenn ich das große Ganze durchaus nicht in Gänze habe erahnen können), sondern vor allem in vielen Teilaspekten nicht wirklich schlüssig, was der ansonsten doch sehr geerdeten Serie nicht wirklich guttut. Überhaupt ist das eines der größten Mankos der neuen Netflix-Produktion, dass man zwar einerseits darum bemüht ist, ein möglichst realitätsnahes Bild zu zeichnen, andererseits aber an jeder nächsten Ecke mit der nächsten absurden Wendung wartet, was selten überzeugend zusammenpasst. Großes Lob allerdings darf man nicht nur Hall, sondern dem breitgefächerten Ensemble an sich zukommen lassen, die meistenteils doch überraschend vielschichtige und glaubhafte Charaktere verkörpern, ob es sich um Toms besten Freund Pete (Marc Warren) handelt, die undurchsichtige Polizistin aus der Großstadt (Hannah Arterton) oder den von Nigel Lindsay (Victoria) verkörperten Jojo Marshall, der ungeheure Anstrengungen unternimmt, um seine Familie zu schützen. Entsprechend ließe sich die Serie zwar durchaus empfehlen – zumal atmosphärisch äußerst gelungen –, doch wird es jedem selbst überlassen bleiben, wie er die schlussendliche Auflösung für sich bewertet. Mich konnte sie leider eher nicht abholen.

Fazit & Wertung:

Die neue Netflix-Produktion Safe macht inszenatorisch und atmosphärisch einiges richtig und vermag eine auf den ersten Blick profane Prämisse spannend zu verpacken, doch mit jedem neuen Geheimnis und jeder neuen Wendung wächst logischerweise auch die Erwartungshaltung an die schlussendliche Auflösung des Ganzen und ausgerechnet hier verheddert sich Harlan Cobens Serie in Ungereimtheiten und Klischees, die man sicherlich auch hätte umschiffen können. Ob man sich mit den finalen Twists wird anfreunden können, hängt aber sicherlich auch zu großen Teilen vom persönlichen Empfinden und Geschmack ab, derweil die Serie bis dahin insbesondere durch das jederzeit präsente Gefühl der Bedrohung absolut stimmig geraten ist.

7 von 10 Nachbarn mit geheimnisvoller Vergangenheit

Safe | Staffel 1

  • Nachbarn mit geheimnisvoller Vergangenheit - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Die neue Netflix-Produktion Safe macht inszenatorisch und atmosphärisch einiges richtig und vermag eine auf den ersten Blick profane Prämisse spannend zu verpacken, doch mit jedem neuen Geheimnis und jeder neuen Wendung wächst logischerweise auch die Erwartungshaltung an die schlussendliche Auflösung des Ganzen und ausgerechnet hier verheddert sich Harlan Cobens Serie in Ungereimtheiten und Klischees, die man sicherlich auch hätte umschiffen können. Ob man sich mit den finalen Twists wird anfreunden können, hängt aber sicherlich auch zu großen Teilen vom persönlichen Empfinden und Geschmack ab, derweil die Serie bis dahin insbesondere durch das jederzeit präsente Gefühl der Bedrohung absolut stimmig geraten ist.

7.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Folge 1 (7/10)
02. Folge 2 (7,5/10)
03. Folge 3 (7,5/10)
04. Folge 4 (8/10)
05. Folge 5 (8/10)
06. Folge 6 (7,5/10)
07. Folge 7 (6,5/10)
08. Folge 8 (6/10)

 
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Safe | Staffel 1 ist seit dem 10.05.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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