Review: Buried – Lebend begraben (Film)

Wieder einmal eine "Altlast" abgearbeitet, die seit ewigen Zeiten in der Schublade vor sich hin gedämmert hat. Tatsächlich doch nicht ganz der große Wurf, den ich mir irgendwie erwartet hatte, aber doch ein schönes Beispiel dafür, was mit einfachsten Mitteln und bei selbst auferlegter Reduktion auf das Wesentliche alles möglich ist.

Buried
Lebend begraben

Buried, ES/USA/FR 2010, 95 Min.

Buried - Lebend begraben | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Regisseur:
Rodrigo Cortés
Autor:
Chris Sparling

Main-Cast:
Ryan Reynolds (Paul Conroy)

Genre:
Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Buried - Lebend begraben | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Es ist der 23. Oktober 2010 und Lastwagenfahrer Paul Conroy erwacht unvermittelt in völliger Dunkelheit, nur um festzustellen, dass er sich lebendig begraben in einem Sarg befindet, nachdem sein Konvoi im Irak angegriffen worden ist, auch wenn sich die Erinnerung hieran als reichlich verschwommen herausstellt. Immerhin befindet sich mit ihm ein Handy in dem "Gefängnis" auch wenn dessen Menüsprache auf arabisch eingestellt ist. Verzweifelt bemüht sich Paul, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen und seine Rettung zu organisieren, stößt dabei jedoch schnell auf Unverständnis und Überforderung, während sich der Akkustand des Geräts immer weiter verringert. Als sich die irakischen Entführer bei ihm melden und Lösegeld fordern, weiß Conroy zwar zumindest, woran er ist, doch hilft ihm das in seiner prekären Lage nicht wirklich weiter, während er unter größten Anstrengungen letztlich mit dem FBI verbunden wird, das zunächst allerdings auch nur Durchhalteparolen für ihn bereithält…

Rezension:

Bei Buried – Lebend begraben handelt es sich wohl um einen der Filme, dessen Blu-ray mitunter bereits am längsten in meiner Schublade ungesehener Filme ihrer Sichtung geharrt hat, doch gerade hier – wie so oft – war ich der Meinung, mich zwingend in der richtigen Stimmung befinden zu müssen, um dieses Paradebeispiel eines Kammerspiels auch wirklich genießen zu können. Einmal aber kommt für jeden Film der Tag und so habe ich nun auch diesen seinerzeit für seine konsequente wie ungewöhnliche Inszenierung reichlich gelobten Thriller gesehen, der tatsächlich all das Lob sicherlich verdient hat, in Teilen aber durchaus hinter meiner Erwartung zurückgeblieben ist. Das Konzept, einzig Ryan Reynolds (The Voices) in dessen Sarg in Szene zu setzen und diesen "Handlungsort" zu keiner Zeit zu verlassen, geht dabei durchaus auf und Regisseur Rodrigo Cortés lässt sich durchaus einiges einfallen, um den anderthalb Stunden währenden Alptraum abwechslungsreich und spannend zu gestalten, doch geraten manche der Einfälle eben dann doch sehr generisch, ebenso, wie es sich mit der Hauptfigur und den Begleitumständen verhält.

Szenenbild aus Buried - Lebend begraben | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

So wird das Kammerspiel von Buried in einem Setting rund um den Irak-Krieg gelagert, doch allein dem Umstand geschuldet, dass wir abgesehen von Reynolds‘ Figur Paul Conroy nie jemand Anderen zu Gesicht bekommen, bleiben die weiteren Akteure und Zusammenhänge doch ausnehmend blass. Der Umstand, dass der Protagonist dabei nicht zu jedem Zeitpunkt pragmatisch agiert, mag im Kontext der Story noch gut und glaubwürdig sein, das Verhalten mancher Personen am Telefon – die einzige Art der Kontaktaufnahme, die Paul noch bleibt – grenzt allerdings mancherorts schon beinahe an eine Karikatur, mag zwar auch deren Überforderung oder alternativ Zynismus widerspiegeln, wirkt aber eben oft überzogen und dadurch unglaubwürdig. Ebenso unglaubwürdig- und im Grunde reines Stilmittel, um den Film mit ein wenig optischem Abwechslungsreichtum zu versehen – sind die munter wechselnden Lichtquellen, die die Szenerie immer mal wieder in ein anderes Licht tauchen, um damit Stimmung und Atmosphäre zu unterstreichen. Klar, ein wenig Variation für die Augen mag schon und nett sein und viel mehr Möglichkeiten mag Cortés – abgesehen von wechselnden Kamerablickwinkeln – nicht gehabt haben, doch wie hier munter zwischen Feuerzeug, Knicklicht und Handybildschirm geswitcht wird, hätte auch ein wenig eleganter in die Handlung gebettet werden können.

Vor allem aber wirkt der eigentliche Plot um einen Trucker, der sich im Irak unvermittelt und ohne Erinnerung lebendig begraben in einem Sarg wiederfindet, im Kern auch reichlich profan und während ich mir anfänglich noch erhofft hatte, es käme in Buried zu einem überraschenden Twist – gerade anfängliche Ungereimtheiten legen diesen Schluss nahe – exerziert Cortés seine Geschichte unerbittlich und ohne größere Schlenker durch, was für sich genommen zwar auch eine schöne Sache ist, mich aber auch immer ein wenig von Hauptfigur Paul Conroy ferngehalten hat, denn als Sympathieträger und Identifikationsfigur taugt der nur bedingt und entsprechend hätte mich sein Schicksal eventuell mehr und anders zu packen gewusst, wenn dem nicht so gewesen wäre.

Szenenbild aus Buried - Lebend begraben | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Trotz dramaturgischer Schwächen muss man aber auch sagen, dass Buried für jeden Filminteressierten durchaus zum Pflichtprogramm gehört, denn eine dergestalt reduzierte Inszenierung inklusive des Beweises, was trotz dieser selbst auferlegten Beschränkungen alles möglich ist, um einen anderthalbstündigen Film nicht langweilig oder redundant werden zu lassen, ist sicherlich eine Sichtung wert. Nichtsdestotrotz ist dieser Clou natürlich auch nicht eben neu und in der Geschichte des Films hat es schon zahlreiche Variationen dieses Ansatzes gegeben, derweil der wenige Jahre hiernach entstandene No Turning Back mich beispielsweise weitaus mehr zu überzeugen wusste, auch wenn dessen Story sich zunächst ähnlich profan und rudimentär gibt, wie es hier der Fall gewesen ist. Insofern kann man Buried sowohl als Paradestück für die inszenatorischen Fähigkeiten des Regisseurs verstehen und ebenso Ryan Reynolds loben, der von Wut über schiere Verzweiflung, Hoffnung und letztes Aufbegehren bis hin zur schieren Resignation hier emotional alle Register zieht und dank der klaustrophobischen Enge des Settings den Zuschauer wortwörtlich hautnah miterleben lässt, wie es in Paul im jeweiligen Moment ausschaut.

Fazit & Wertung:

Rodrigo Cortés offeriert mit Buried – Lebend begraben einen zweifelsohne hochspannenden Thriller, der seine Einzigartigkeit aus dem reduzierten Setting eines Kammerspiels zieht, derweil diese Kammer in dem Fall aus einem Sarg mit einzig Ryan Reynolds darin besteht, der hier zu darstellerischer Höchstform aufläuft. Wäre die Geschichte selbst nicht so generisch geraten und blieben die weiteren, lediglich über Telefon agierenden Figuren nicht so ausnehmend blass, könnte man von einem inszenatorischen Meisterwerk sprechen. Lohnenswert bleibt dieser ungewöhnliche Film dank seiner Konsequenz aber allemal.

7 von 10 wenig zuverlässigen Lichtquellen

Buried – Lebend begraben

  • Wenig zuverlässige Lichtquellen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Rodrigo Cortés offeriert mit Buried – Lebend begraben einen zweifelsohne hochspannenden Thriller, der seine Einzigartigkeit aus dem reduzierten Setting eines Kammerspiels zieht, derweil diese Kammer in dem Fall aus einem Sarg mit einzig Ryan Reynolds darin besteht, der hier zu darstellerischer Höchstform aufläuft. Wäre die Geschichte selbst nicht so generisch geraten und blieben die weiteren, lediglich über Telefon agierenden Figuren nicht so ausnehmend blass, könnte man von einem inszenatorischen Meisterwerk sprechen. Lohnenswert bleibt dieser ungewöhnliche Film dank seiner Konsequenz aber allemal.

7.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Buried – Lebend begraben ist am 12.04.11 auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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