Review: Voice from the Stone: Ruf aus dem Jenseits (Film)

Als Kontrastprogramm zum Superhelden-Blockbuster von Dienstag gibt es diesmal wieder eine Kritik zu einem kleineren, unscheinbareren Film, von dem ich mir trotzdem irgendwie mehr erwartet hatte.

Voice from the Stone
Ruf aus dem Jenseits

Voice from the Stone, USA/IT 2017, 94 Min.

Voice from the Stone: Ruf aus dem Jenseits | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Regisseur:
Eric D. Howell
Autoren:
Andrew Shaw (Drehbuch)
Silvio Raffo (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Emilia Clarke (Verena)
Marton Csokas (Klaus)
in weiteren Rollen:
Caterina Murino (Malvina)
Remo Girone (Alessio)
Lisa Gastoni (Lilia)
Edward Dring (Jakob)

Genre:
Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Voice from the Stone: Ruf aus dem Jenseits | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Die junge wie gleichermaßen engagierte Krankenschwester Verena tritt 1950er-Jahren eine neue Stelle in der Abgeschiedenheit der Toskana an, wie sie sich auf einem alten Landgut um den kleinen Jakob kümmern soll, der seit dem tragischen Tod seiner Mutter verstummt ist. Jakobs Vater Klaus weiß zu berichten, dass sein Sohn anscheinend eine Stimme zu hören meint, die nach dessen Meinung von der Mutter stamme. Verena bemüht sich nach Kräften, zu dem Jungen durchzudringen und ihn davon zu überzeugen, dass da keine Stimme ist, die zu ihm spricht, doch statt Jakob aus der Reserve zu locken, ist es Verena, die immer öfter und spürbarer an ihre Grenzen stößt…

Rezension:

Zweifelsohne mag Voice from the Stone nicht die besten Kritiken bekommen haben, doch wie so oft war ich auch hier geneigt, mir vornehmlich ein eigenes Bild zu machen, statt mich auf die Meinungen anderer Rezensenten zu verlassen, wobei ich das in diesem Fall wohl tatsächlich hätte tun können, denn auch mich wusste der von Eric D. Howell inszenierte Film nicht wirklich abzuholen, obwohl er mit seinen schwelgerischen Landschaftsaufnahmen, einer urtümlichen Atmosphäre und teils ungewöhnlichen Kamera-Blickwinkeln durchaus vielversprechend begonnen hat. Mein größtes Problem bei dem Film ist wohl am ehesten, dass ich mehr als einmal das Gefühl hatte, dass hier Ideen und Konzepte angerissen worden sind, die weiterzuverfolgen dann aber Zeit, Kraft und möglicherweise Mut erfordert hätte, die man dann eben doch nicht so richtig aufzubringen bereit war. So krankt der Film schon ab dem Moment, wo die Stimmen erstmalig zur Sprache kommen, daran, dass er sich selbst nicht entscheiden kann, ob er nun Horrorfilm oder lieber Familiendrama sein möchte, was sich in zahlreichen halbgaren Szenen beider Ausrichtung widerspiegelt.

Szenenbild aus Voice from the Stone: Ruf aus dem Jenseits | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

Da wird dann einerseits die fürsorgliche und einfühlsame Art von Verena sowie die langsam aufkeimende Vertrauensbeziehung zu Jakob einem schnöden – und nicht einmal guten- Schockmoment geopfert, während andererseits kein wirklicher Grusel aufkommen möchte, weil entsprechende Einschläge dann ebenfalls im Keim erstickt werden. Hinzu kommen Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten wie allein die Frage, woher der Vater wissen will, was Jakob zu hören meint, wenn der doch nicht mehr mit ihm (und auch niemand sonst) spricht, sowie ganz allgemein der beinahe unvermeidliche, hier aber wie wild zusammengeschustert wirkende Twist, der sich im letzten Drittel von Voice from the Stone vollzieht und nicht nur jeglicher Logik oder zumindest Kohärenz entbehrt, sondern in seiner fast schon assoziativ wirkenden Aneinanderreihung sich widersprechender Szenen schlichtweg als misslungen betrachtet werden kann, zumal die Quintessenz des Ganzen so in etwa dem entspricht, was ich mir nach den ersten zehn Minuten als "Auflösung" des Ganzen zusammengereimt hatte.

Entsprechend handelt es sich bei Howells gespenstisch angehauchtem Familiendrama zwar um einen klassischen Vertreter der "Style-over-Substance"-Sparte, allerdings mit dem feinen Unterschied, dass hier der "Style" – in dem Fall die Idylle der Toskana und einige schwelgerische Landschaftsaufnahmen – nicht annähernd ausreicht, um über die narrativen Schwächen hinwegzutrösten, die sich auch auf die Figuren als solche erstrecken. So schätze ich sowohl Emilia Clarke (Terminator: Genisys) in der Rolle der Verena als auch Marton Csokas (Into the Badlands) als Jakobs Vater Klaus, doch ist beiden Figuren gemein, dass es schwerfällt, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, da kaum etwas über deren Hintergründe und Motivation bekannt wird, so dass auch zeitweise energisches Schauspiel im Nichts verpufft. Jakob (Edward Dring) ist ohnehin in der Beziehung eine Nummer für sich, denn insbesondere der Drehbuchautor hat schlichtweg keinen Weg gefunden, die Figur einem fernab der gesprochenen Sprache in irgendeiner Form näherbringen zu können.

Szenenbild aus Voice from the Stone: Ruf aus dem Jenseits | © Ascot Elite/Universum Film
© Ascot Elite/Universum Film

In einer unsäglichen Kombination aus oberflächlichen Figuren, einem ungemein vorhersehbaren, die meiste Zeit vor sich hin dümpelnden Plot und einer gänzlich unklaren Marschrichtung, was Thema und Kern des Films nun eigentlich sein soll, hat mich lange kein Film mehr so enttäuscht wie Voice from the Stone, denn normalerweise finde ich ja doch noch in den mäßigsten Produktionen auch positive Aspekte, was in diesem Fall dann die hübschen Landschaftsaufnahmen sein dürften, wobei selbst die besser hätten wirken können, da die gesamte Szenerie so gewollt entfärbt und verfremdet wirkt – wahrscheinlich um die morbide Atmosphäre zu stützen, dass man selbst den Blick aufs Land nicht vollends genießen kann. Folglich kann ich jedem nur mit bestem Gewissen raten, den vielen schlechten Kritiken Glauben zu schenken und die eigene kostbare Zeit für ein wenig mehr sinnstiftende Dinge zu nutzen.

Fazit & Wertung:

Schon die Macher scheinen nicht gewusst zu haben, welche Art Geschichte sie mit Voice from the Stone eigentlich erzählen möchten und entsprechend ratlos steht man auch als Zuschauer vor einem wild zusammengezimmerten Werk aus genreüblichen Versatzstücken und einem kruden, nur schwer in die Gänge kommenden Plot, der in den seltensten Fällen berührt oder bewegt, zu allem Überfluss aber spätestens im letzten Drittel auch noch gänzlich aus der Spur gerät.

3,5 von 10 nächtlichen Einflüsterungen

Voice from the Stone

  • Nächtliche Einflüsterungen - 3.5/10
    3.5/10

Fazit & Wertung:

Schon die Macher scheinen nicht gewusst zu haben, welche Art Geschichte sie mit Voice from the Stone eigentlich erzählen möchten und entsprechend ratlos steht man auch als Zuschauer vor einem wild zusammengezimmerten Werk aus genreüblichen Versatzstücken und einem kruden, nur schwer in die Gänge kommenden Plot, der in den seltensten Fällen berührt oder bewegt, zu allem Überfluss aber spätestens im letzten Drittel auch noch gänzlich aus der Spur gerät.

3.5/10
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Voice from the Stone: Ruf aus dem Jenseits ist am 30.06.17 auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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