Review: Doctor Who – Die weinenden Engel | Jonathan Morris (Buch)

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Doctor Who

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Heute – so habe ich mir überlegt – kommt dann auch mal wieder der Doctor an die Reihe, denn zwischen der Veröffentlichung der jeweiligen Bücher lag gar nicht einmal so viel Zeit, derweil sich die Geschichten in Buchform auch wunderbar in einem Rutsch – oder zumindest zügig – lesen lassen. Mir persönlich hat diese Geschichte sogar noch ein wenig besser gefallen als der letzte Ausflug mit dem Doctor.

Doctor Who
Die weinenden Engel

Touched by an Angel, UK 2011, 255 Seiten

Doctor Who - Die weinenden Engel von Jonathan Morris | © Bastei Lübbe
© Bastei Lübbe

Autor:
Jonathan Morris
Übersetzer:
Axel Franken

Verlag (D):
Bastei Lübbe
ISBN:
978-3-404-20893-7

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Fantasy

 

Inhalt:

Er drehte sich zurück und schaute hoch auf den Bildschirm. Die Statue war noch einen Schritt näher gekommen. Sie griff immer noch nach ihm. Auf dem Monitor konnte Mark die gemeißelten Locken des Engels sehen, die Federn in seinen Flügeln und blinde, leere Augen.Und er sah sich an der Theke, wie er zum Bildschirm hochsah. Die Finger der Statue berührten fast seinen Nacken.

Bereits vor Jahren hat Mark Whitaker seine Frau Rebecca bei einem Autounfall verloren, trauert jedoch noch immer um die Liebe seines Lebens. Eines Abends beginnt Mark, der zwar im Job erfolgreich ist, ansonsten aber ein einsames Leben führt, eine bedrohlich wirkende Engels-Statue an irritierenden Orten zu sehen – wie etwa den Bildschirmen von Überwachungskameras – die ihn zu verfolgen scheint. Während er es langsam mit der Angst zu tun bekommt und sich – zu Recht – verfolgt fühlt, erscheint ein Mann, der sich ihm als Doctor vorstellt und zwei Begleiter im Schlepptau hat. Gemeinsam wollen sie Mark helfen, doch schlussendlich sucht er sein Heil in der Flucht, wird von dem Engel erwischt und sieht sich Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt, eine Zeit jedoch, die sich noch innerhalb seiner eigenen Lebensspanne befindet. Und dank eines Briefes, den Mark sich selbst geschrieben hat, fasst er den Plan, Rebecca diesmal zu retten, ohne davon natürlich dem Doctor zu erzählen, der ihm durch die Zeit gefolgt zu sein scheint und darauf insistiert, jedwede Veränderung an der Vergangenheit zu unterlassen, da diese womöglich zu einem Zeitparadoxon mit unabsehbaren Folgen führen würde. Andererseits hat Mark sich den Brief mit Instruktionen ja schließlich selbst geschrieben und würde er selbige nicht befolgen, ergäbe sich ja ebenfalls ein Paradox, weil er dann den Brief nicht würde schreiben können werden…

Rezension:

Nach Doctor Who – Totenwinter ist nun Ende März – keine zwei Monate später – mit Doctor Who – Die weinenden Engel bereits der zweite Band der Buch-Abenteuer des elften Doctors bei Bastei Lübbe erschienen und wie sich das als Whovian so gehört, habe ich mich auch auf diesen Band baldmöglichst gestürzt, zumal erneut das prominente Trio aus Doctor, Amy und Rory im Zentrum der Erzählung steht. Wobei, so ganz stimmt das nicht, denn weit mehr noch als die bekannten Protagonisten aus der TV-Serie steht Mark Whitaker im Vordergrund, was sowohl für sein älteres Ich der Gegenwart als auch sein jüngeres Ich der Vergangenheit gilt. Und kaum wurde Mark von dem Weinenden Engel in seine eigene Vergangenheit befördert, kommen wir als Leser in die glückliche Lage, sowohl dem älteren, als auch dem jüngeren Mark auf ihrem Lebensweg zu folgen und die Liebesgeschichte zwischen ihm und Rebecca neu zu erleben.

»Quantengesperrt?«
»Sie wissen schon: Heisenbergsche Unschärferelation. Schon der Akt der Beobachtung beeinflusst die Natur des beobachteten Objekts. Amy, Rory! Behalten Sie die Bildschirme im Auge! Und wechseln Sie sich mit dem Blinzeln ab!«

Dabei ist das Konzept von Die weinenden Engel außerordentlich gelungen und funktioniert fernab der obligatorischen und unvermeidlichen Paradoxa, die sich aus dem Zeitreise-Thema ergeben, ausnehmend gut, zumal sich der verantwortliche Autor Jonathan Morris ein paar clever inszenierte Fixpunkte im Leben Mark Whitakers einfallen lässt, die auf ein spannendes und in vielerlei Hinsicht überraschendes Finale hinauslaufen, das mit den Erörterungen des Doctors die Geschehnisse einmal mehr in einem neuen Licht erscheinen lässt. Vor allem aber ist der Band in Bezug auf die Weinenden Engel selbst, die als Antagonisten ja noch vergleichsweise neu sind im Whoniverse, gespickt von Anspielungen, die natürlich in vielerlei Hinsicht auf die TV-Episode Nicht blinzeln (3.10) abstellen, die den Einstand der Engel markiert. Selbstredend sind für den geneigten Whovian aber auch zahlreiche weitere Anspielungen in die Handlung gewoben, ob es sich um einen Querverweis auf Die aufgelöste Braut (3.00) und Donna Noble handelt oder die Wiederkehr des kultigen Fez, dem der Doctor in Der große Knall (5.13) zu Ruhm und Ehre verholfen hat, um nur zwei augenfällige Beispiele zu nennen.

Davon aber einmal abgesehen erzählt Morris eine hochemotionale Geschichte, denn die meisten können sich wohl mehr als gut in Mark hineinversetzen und sich vorstellen, was in ihm vorgehen muss, als er scheinbar die Chance erhält, im Nachgang das Leben seiner Liebsten zu retten. Verständlich, dass er da Konsequenzen zu akzeptieren bereit ist, die nicht einmal der Doctor in vollem Umfang skizzieren kann. Hinzu kommt aber auch, dass sowohl "Elf" als auch Amy und Rory hier so ihre Momente spendiert bekommen und deutlich präsenter wirken, als es noch bei Totenwinter – speziell im ersten Drittel – der Fall gewesen ist, was ich persönlich sehr geschätzt habe, schließlich liest man ja genau aufgrund dieser Figuren einen Doctor Who-Roman. So mag sich zwar ein Großteil der Kapitel vorrangig um Mark drehen, doch sind ihm die drei stets auf den Fersen und mischen gehörig mit, um ihn einerseits davon abzuhalten, die Vergangenheit zu verändern, ihn andererseits dabei zu unterstützen, die Punkte seiner von ihm an sich geschriebenen Liste zu bearbeiten.

»Wer sind Sie?«, fragte Mark. »Und woher wissen Sie so viel über diese Dinge?«
»Ich bin der Mann, der Ihnen das Leben retten wird. Sie können mich den Doktor nennen.«
»Der Doktor?«
»Und um Ihre zweite Frage zu beantworten: Ich bin den Weinenden Engeln früher schon begegnet. Den im Fernseher habe ich entdeckt, indem ich das hier benutzt habe.« Der Doktor zeigte auf das altmodische Tonbandgerät. »Wann immer das Raum-Zeit-Kontinuum schwackelig wird, leuchtet es auf.« Der Doktor tippte das Gerät frustriert an. »Würde es jedenfalls, wenn die Glühbirne funktionierte. Es kann auch Eier kochen. Das ist kein Defekt, das ist ein Leistungsmerkmal!«

Besondere Erwähnung verdient allerdings auch, wie trefflich es Jonathan Morris gelingt, Sprachstil und Ausdruck des Doctors und seiner Begleiter zu adaptieren, die wirklich klingen wie in der Serie, weshalb in diesem Fall auch die Hörbuchfassung von Doctor Who – Die weinenden Engel ein echtes Schmankerl sein dürfte, wird die schließlich von Tobias Nath gelesen, der deutschen Synchronstimme von Matt Smith als elfter Doctor. Das Lob gebührt in dem Fall aber sicherlich im gleichen Maße Axel Franken, der für die Übersetzung des ursprünglich bereits 2011 erschienenen Buches verantwortlich zeichnet, das übrigens – um es nicht unerwähnt zu lassen – eigentlich bereits das zehnte Abenteuer des elften Doctors darstellt. Entsprechend bleibt natürlich abzuwarten und zu hoffen, dass sich Bastei Lübbe alsbald auch an die Veröffentlichung der anderen, schier zahllosen Bücher begeben wird. Mit Doctor Who – Die dunklen Gezeiten ist aber immerhin die Übersetzung des ersten Specials bereits für Ende Mai angekündigt und wie ihr euch denken könnt, werde ich zeitnah berichten.

Fazit & Wertung:

Jonathan Morris versteht es in Doctor Who – Die weinenden Engel vortrefflich, die von Steven Moffat erdachten Antagonisten als Aufhänger für ein spannendes, abwechslungsreiches und überraschendes Abenteuer zu nutzen, das einmal mehr das Trio aus elftem Doctor, Amy und Rory durch Raum und Zeit reisen lässt. Neben zahlreichen Anspielungen und Querverweisen gelingt es Morris und Übersetzer Axel Franken aber vor allem, exakt den Sprachduktus der Protagonisten zu adaptieren, was jeden Whovian sehr freuen dürfte.

8,5 von 10 Reisen mit der TARDIS

Doctor Who – Die weinenden Engel

  • Reisen mit der TARDIS - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Jonathan Morris versteht es in Doctor Who – Die weinenden Engel vortrefflich, die von Steven Moffat erdachten Antagonisten als Aufhänger für ein spannendes, abwechslungsreiches und überraschendes Abenteuer zu nutzen, das einmal mehr das Trio aus elftem Doctor, Amy und Rory durch Raum und Zeit reisen lässt. Neben zahlreichen Anspielungen und Querverweisen gelingt es Morris und Übersetzer Axel Franken aber vor allem, exakt den Sprachduktus der Protagonisten zu adaptieren, was jeden Whovian sehr freuen dürfte.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Bastei Lübbe. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Doctor Who – Die weinenden Engel ist am 29.03.18 als Taschenbuch bei Bastei Lübbe erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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