Review: Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber | Dan Abnett (Buch)

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Doctor Who

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Und wieder einmal widme ich mich – diesmal mit geringfügiger Verspätung – dem berühmten Time Lord und seinen Abenteuern, die diesmal passend zum nahenden ersten Advent im weihnachtlichen Gewand daherkommen und mich erneut enorm gut zu unterhalten wussten.

Doctor Who
Und stumme Sterne ziehn vorüber

The Silent Stars Go By, UK 2011, 304 Seiten

Doctor Who - Und stumme Sterne ziehn vorüber von Dan Abnett | © Bastei Lübbe
© Bastei Lübbe

Autor:
Dan Abnett
Übersetzer:
Axel Franken

Verlag (D):
Bastei Lübbe
ISBN:
978-3-404-20929-3

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Fantasy

 

Inhalt:

Es war eine beißende Kälte, eine schlimme Kälte. Es war eine Kälte, die etwas Bedrohliches an sich hatte, nichts Verheißungsvolles, ganz egal was Bill Groan und die anderen sagten. Der Winter sollte eigentlich langsam gehen, nicht schlimmer werden. Achtzehn Jahre war Vesta jetzt alt und nie hatte sie einen weißen Winter gesehen vor den letzten dreien, von denen jeder weißer gewesen war als der davor.

Rory wünscht sich nichts sehnlicher, als zu Weihnachten daheim in Leadworth zu sein, doch wie das mit der TARDIS eben manchmal so ist, landen sie an einem gänzlich anderen Ort, der sich als "Danach" entpuppt, dem ersten menschlichen Kolonisationsplaneten der irdischen Bevölkerung. Zumindest mutet es dort allerdings weihnachtlich an und allein der eisige Winter ist nicht zu verachten, wobei das Klima deutlich milder sein müsste und der Doctor schnell argwöhnt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Als Rory sich zurück zur TARDIS begibt, um eine wärmere Jacke zu holen, werden er und der Doctor nebst Amy getrennt und schlittern auf unterschiedlichen Wegen in ein Abenteuer, das eng mit der Herkunft der Siedler verknüpft ist und gleichsam außerirdische Invasoren beinhaltet, denen der Doctor bereits zu früheren Zeitpunkten begegnet ist…

Rezension:

Im Grunde ist Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber hierzulande viel zu früh erschienen, denn bei dem ursprünglich bereits 2011 veröffentlichten Band von Dan Abnett handelt es sich um ein reinrassiges, Buch gewordenes Weihnachts-Special, weshalb ich es unbewusst genau richtig gemacht habe, mir mit der Lektüre diesmal etwas mehr Zeit zu lassen, denn so wusste sich dieses spezifische Flair der Story, das sich insbesondere auf den ersten Seiten entfaltet, stimmig zu präsentieren. Und tatsächlich erschien der Band ursprünglich als eine Art Special außerhalb der regulären Reihe, ganz so, wie zuvor schon Die dunklen Gezeiten, derweil ich hoffe, dass Bastei Lübbe auch die Reihen der regulären Buch-Abenteuer des elften Doctor alsbald mit ein wenig mehr Leben füllen wird. Derweil lässt sich dem "Doctor Who Wiki" entnehmen, dass dieses Abenteuer zwischen den TV-Episoden Warten in der Ewigkeit (6.10) und Götterspeise (6.11) der sechsten Staffel zu verorten ist, auch wenn sich mir nicht ganz erschließt, woran man das festmachen mag.

»Ah!«, machte der Doktor. »Das ist … äh … schiefig«, räumte er ein. »Vielleicht nicht ganz so perfekt, wie ich es mir anfangs eingebildet habe«, fügte er hinzu.
»Schief-ig?«, fragte Amy.
»Na ja, allermindestens schieflich«, erwiderte der Doktor und rutschte übers Treppengeländer aufs Hauptdeck der TARDIS herunter.
»Wir dürfen jetzt also Wörter erfinden, ja?«, fragte Rory.
»Ich dachte, das sei allseits bekannt«, warf Amy ein.

Ansonsten startet die Geschichte freilich wie so viele andere, indem der Doctor nebst Amy und Rory an einem unbekannten Ort landet, an dem etwas Mysteriöses und Unerklärliches vor sich geht, dem der Time Lord freilich auf den Grund gehen möchte, derweil Rory ungehalten ist, weil er eigentlich für die Weihnachtsfeiertage heim nach Leadworth wollte. So generisch die Ausgangssituation aber auch sein und scheinen mag, so gelungen sind vom ersten Moment auch die Dialoge zwischen Doctor, Amy und Rory, so dass ich binnen weniger Sekunden die Stimmen von Matt Smith, Karen Gillan und Arthur Darvill (respektive deren Synchronsprechern) im Ohr zu haben meinte. Das Lob hierfür gebührt freilich zu gleichen Teilen dem Autor Dan Abnett wie auch dem Übersetzer Axel Franken, wobei der hier meines Erachtens eine besondere Huldigung erfahren darf, denn Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber ist wahrhaft gespickt mit Wortkreuzungen und –schöpfungen, die er so trefflich umzusetzen oder zuweilen auch beizubehalten wusste, dass es eine wahre Freude ist, denn hier hätte eine weniger sorgfältige Herangehensweise viel von der Atmosphäre zerstören können, da die Wortkreationen und –abwandlungen der Geschichte immanent sind.

Das weihnachtliche Flair derweil muss alsbald der für Doctor Who typischen Abenteuerstimmung weichen, wobei der winterliche Handlungsort hier sein Übriges tut und der Originaltitel The Silent Stars Go By ein direktes Zitat aus dem Weihnachtslied "O Little Town of Bethlehem" darstellt, ebenso wie die Überschriften der einzelnen Kapitel, wobei es hier natürlich in der deutschen Fassung zu geringfügigen Abweichungen kommt, die allerdings nicht störend ins Gewicht fallen. Dafür immerhin überrascht Abnett mit einer Geschichte, die nur anfänglich simpel wirkt und im weiteren Verlauf noch so manche Überraschung parat hält, die das Geschehen gleich mehrfach in ein neues und oftmals faszinierendes Licht rücken. Hinzu kommen natürlich auch hier wieder die zahllosen Querverweise und Reminiszenzen, die den geneigten Serien-Fans dargebracht werden und die in diesem Fall bis zum zweiten Doctor der ursprünglichen Serie zurückreichen, wie ich allerdings nur durch Recherchen erfahren habe, denn ich persönlich bin ja erst seit dem Neustart 2005 an Bord.

»Oh, wir sind definitiv am richtigen Ort!«, erklärte er. »Definitiv! Dies ist der richtige Ort! Wir sind genau in der Mitte von Weihnachten. Überall um uns herum ist Weihnachten! Weihnachten kennzeichnet diese Stelle sozusagen! Können Sie es nicht fühlen? Nicht spüren? Alles hier besteht aus Mince Pies und Weinbrandbutter und Orangeat und Zitronat und verängstigten Truthähnen! Es ist Lametta und Weihnachtslieder und Christbaumkugeln und Eierflip! Es ist …«
»Es ist Weihnachten in Leadworth, auf der Erde im Jahr 2011?«, fragte Rory.

Immerhin die Eiskrieger, denen der Doctor erstmalig 1967 und letztmalig 1974 begegnete und die hier auf "Danach" in Erscheinung treten, kannte ich ja bereits vor der Lektüre des Buches aus neueren TV-Episoden wie Kalter Krieg (7.09) oder Die Kaiserin vom Mars (10.09), wobei deren Erscheinen durch das ursprüngliche Cover ja bereits gespoilert wird, doch ist das eben wie so oft – verzeiht das schlechte Wortspiel – nur die Spitze des Eisbergs und es gehen noch weit merkwürdigere und erschreckendere Dinge auf dem Kolonialplaneten vor sich, denen der Doctor nach und nach auf die Schliche kommt, wobei er diesmal ausgiebig Gebrauch von seinem Schallschraubenzieher machen darf, wie ich der guten Ordnung halber gerne erwähnen möchte. So ist Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber deutlich überschaubarer und zugänglicher gestaltet als beispielsweise noch Michael Moorcocks Ausflug ins Whoniverse, punktet aber dafür mit einer enorm kurzweiligen und rasanten Geschichte, die man kaum noch aus der Hand legen will und im Zweifelsfall ja auch nicht muss, denn die knapp 300 Seiten Umfang laden förmlich dazu ein, dieses Weihnachtsabenteuer in einem Rutsch zu genießen.

Fazit & Wertung:

Auch Dan Abnett wusste mich mit Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber zu begeistern, wobei man dieses winterliche Abenteuer bestmöglich in der Vorweihnachtszeit genießen sollte, doch völlig unabhängig davon sind auch hier der elfte Doctor sowie Amy und Rory wieder trefflich in Szene gesetzt, wofür auch Übersetzer Axel Franken besonderes Lob gebührt, derweil das anfänglich recht überschaubar wirkende Abenteuer mit Tempo und Einfallsreichtum zu überzeugen weiß.

9 von 10 Reisen mit der TARDIS

Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber

  • Reisen mit der TARDIS - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Auch Dan Abnett wusste mich mit Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber zu begeistern, wobei man dieses winterliche Abenteuer bestmöglich in der Vorweihnachtszeit genießen sollte, doch völlig unabhängig davon sind auch hier der elfte Doctor sowie Amy und Rory wieder trefflich in Szene gesetzt, wofür auch Übersetzer Axel Franken besonderes Lob gebührt, derweil das anfänglich recht überschaubar wirkende Abenteuer mit Tempo und Einfallsreichtum zu überzeugen weiß.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Bastei Lübbe. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Doctor Who – Und stumme Sterne ziehn vorüber ist am 26.10.18 als Taschenbuch bei Bastei Lübbe erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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