Review: Das Glück des Augenblicks (Film)

Eigentlich ist es ja viel zu heiß für so ziemlich alles, aber eine Film-Kritik will ich euch natürlich trotzdem nicht schuldig bleiben, zumal ich den Film selbst gar nicht mal schlecht fand, derweil der bei vielen sicher nie auf dem Schirm erschienen ist. Nun gut, wir fangen einfach mal an, für lange Vorreden ist es nämlich auch zu warm.

Das Glück des Augenblicks

A Family Man, CA/USA 2016, 108 Min.

Das Glück des Augenblicks | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Mark Williams
Autor:
Bill Dubuque

Main-Cast:

Gerard Butler (Dane Jensen)
Gretchen Mol (Elise Jensen)
Alison Brie (Lynn Vogel)
Alfred Molina (Lou Wheeler)
Willem Dafoe (Ed Blackridge)
Maxwell Jenkins (Ryan Jensen)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Das Glück des Augenblicks | © Universum Film
© Universum Film

Dane Jensen arbeitet als Headhunter bei einer erfolgreichen Arbeitsvermittlungsfirma und geht bereitwillig über die Leichen der schwer Vermittelbaren, um seine Erfolgsquote in die Höhe zu treiben. Deshalb wird er nicht nur von seinen Kollegen bewundert, sondern ist auch in den Augen von Firmenchef Ed Blackridge ein möglicher Kandidat, die Firma nach dessen Ausscheiden zu übernehmen. Einzig Jensens nicht minder erfolgreiche Kollegin Lynn Vogel tritt in direkte Konkurrenz bei dem Kampf um den Chefposten, doch dieser Herausforderung stellt Jensen sich bereitwillig, auch wenn es bedeutet, seine Familie noch mehr zu vernachlässigen als ohnehin schon. Dann allerdings wird bei Danes und Elises Sohn Ryan Leukämie diagnostiziert und der ausgewiesene Workaholic sieht sich gezwungen auszuloten, wo genau seine Prioritäten im Leben liegen. Vor allem aber sieht sich der durchsetzungsfähige und erfolgreiche Dane plötzlich mit einem Problem konfrontiert, dass sich nicht allein durch seine Willensstärke und Gewitztheit aus der Welt schaffen lässt…

Rezension:

Beinahe wäre Das Glück des Augenblicks unter meinem Radar davongehuscht, was sicherlich auch an dem vergleichsweise schmalzigen Titel des originär als A Family Man betitelten Werkes gelegen haben mag, doch der Cast allein ließ mich dann doch einen genaueren Blick auf den Film von Mark Williams werfen und selbiges habe ich nicht bereut, denn ohne große Erwartungshaltung hat der Film mich im besten Sinne überrascht, auch wenn er zugegebenermaßen wirklich zuweilen ein wenig kitschig und schmalzig erscheint, dabei aber nie die kritische Grenze übertritt, die mir den Filmgenuss hätte nachhaltig verleiden können. Einräumen muss man aber auch, dass das von Bill Dubuque verfasste Drehbuch sich aus allerhand bekannten Versatzstücken und Stereotypen zusammensetzt, so dass insbesondere die umtriebigen Cineasten sich sicherlich mancherorts des Gefühls nicht erwehren können werden, die Handlung bereits zu kennen, denn vom zielstrebigen Workaholic über den grantigen Firmenchef, die besorgte und enttäuschte Mutter bis hin zum hoffnungsfrohen Langzeitarbeitslosen, der seiner früheren Stellung und Bedeutsamkeit hinterhertrauert ist hier alles vertreten, was man sich in einem dergestalt aufgezogenen Drama erwarten würde.

Szenenbild aus Das Glück des Augenblicks | © Universum Film
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Diesbezüglich kommt es Das Glück des Augenblicks sehr gelegen, in genau dieser Form besetzt worden zu sein, denn insbesondere Gerard Butler überzeugt mit jeder Faser und Nuance als Dane Jensen, zumal man ihn ja doch eher mit actionorientierten Rollen wie in London Has Fallen in Verbindung bringt, was dem Film hier aber durchaus zum Vorteil gereicht, denn in der Form, wie Jensen tagtäglich seinen Lebensunterhalt bestreitet, finden sich doch reichlich Parallelen, so dass man ihm die Rolle unbesehen abkauft. Vor allem aber überzeugt dadurch seine Wandlung hin zum aufopferungs- und liebevollen Vater umso mehr, dem erst langsam klar wird, wie er seine Familie eigentlich in den vergangenen Wochen und Monaten vernachlässigt hat. Ähnlich überzeugend sind freilich auch Jungschauspieler Maxwell Jenkins als krebskranker Ryan Jensen sowie Gretchen Mol (Manchester by the Sea) als besorgte wie fürsorgende Mutter Elise, die ihrem Mann mehr als einmal ins Gewissen zu reden bereit ist.

Ein wenig enttäuschend hingegen ist die Rolle von Alison Brie (GLOW) geraten, die man ja doch eher mit dem Comedy-Fach in Verbindung bringt, wobei das nicht daran liegt, dass sie ihre Rolle als aufstrebende Opportunistin nicht glaubhaft verkörpern würde, sondern mehr darin begründet, dass ihr Part im Film vergleichsweise klein und unbedeutend bleibt und folglich nur als Randnotiz in einem vornehmlich als Familien-Drama ausgerichteten Film taugt. Selbiges Schicksal ereilt Willem Dafoe (John Wick), der zwar sichtlich Freude an der Verkörperung des skrupellosen Firmenchefs Blackridge hat, die meiste Zeit aber durch Abwesenheit glänzt und folglich der Figur kaum Profil zu verleihen imstande ist, was auch hier aber weit eher am Drehbuch als an Dafoes Fähigkeiten liegt. Ganz anders sieht es da hingegen bei Alfred Molina (Message from the King) aus, der anfänglich kaum eine gewichtigere Rolle zu spielen scheint und einzig eine von Danes Schachfiguren ist, wenn es darum gilt, die Personalverantwortlichen in die gewünschte Richtung zu navigieren, im weiteren Verlauf allerdings zum Gradmesser von Dane Jensens moralischer Integrität avanciert.

Szenenbild aus Das Glück des Augenblicks | © Universum Film
© Universum Film

Ansonsten müht sich das Skript redlich, beim Zuschauer auf die Tränendrüse zu drücken und es wird jedem selbst überlassen sein, ob dies auch Wirkung zeigt, doch ich für meinen Teil war trotz des vorhersehbaren und im Grunde wenig überraschenden Fortgangs der Geschichte durchaus ergriffen, wobei ein krankes Kind natürlich auch beinahe Garant für tränenreiche Szenen sind, die – wie eingangs erwähnt – zum Glück überwiegend rührend, aber nicht rührselig daherkommen. So mag Williams‘ Film nicht zu den Überfliegern gehören und in seinem Schema selten aus dem ausbrechen, was man sich von dieser Art Film erwartet, doch handwerklich betrachtet ist alles souverän und routiniert inszeniert und regt zum Ende hin durchaus dazu an, zumindest ein Tränchen zu verdrücken. Wäre der Plot noch ein wenig einfallsreicher und unvorhersehbarer geraten, hätte es glatt zu einem durchweg empfehlenswerten Film gelangt, zumal man hier dramaturgische oder inszenatorische Patzer vergeblich sucht, womit Das Glück des Augenblicks als Drama um einen zwar treusorgenden, aber von seiner Arbeit gänzlich vereinnahmten Familienvater durchaus noch sehenswert bleibt.

Fazit & Wertung:

Mark Williams präsentiert mit Das Glück des Augenblicks ein durchaus sehenswertes und solides Familien-Drama, das einzig an einem doch sehr generischen Plot – und damit einhergehend auch Figuren – krankt, so dass es ihm enorm zum Vorteil gereicht, dass insbesondere die Chemie zwischen Gerard Butler und Maxwell Jenkins als Vater und Sohn so überzeugend geraten ist.

7 von 10 verbissen geführten Verhandlungen

Das Glück des Augenblicks

  • Verbissen geführte Verhandlungen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mark Williams präsentiert mit Das Glück des Augenblicks ein durchaus sehenswertes und solides Familien-Drama, das einzig an einem doch sehr generischen Plot – und damit einhergehend auch Figuren – krankt, so dass es ihm enorm zum Vorteil gereicht, dass insbesondere die Chemie zwischen Gerard Butler und Maxwell Jenkins als Vater und Sohn so überzeugend geraten ist.

7.0/10
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vgw

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