Review: Straw Dogs – Wer Gewalt sät (Film)

Auch diese Woche behellige ich euch selbstredend wieder mit neuen Film-Kritiken und den Anfang macht diesmal dieser 2011 entstandene Film, den ich ohnehin schon lange hatte sehen wollen und dessen Zeit nun jüngst endlich gekommen war, bevor es am Donnerstag und Freitag voraussichtlich ein Fassbender-Double-Feature geben wird, schließlich kann ich mir die Avengers ja erst am Sonntag ansehen, um darüber zu berichten.

Straw Dogs
Wer Gewalt sät

Straw Dogs, USA 2011, 110 Min.

Straw Dogs - Wer Gewalt sät | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Rod Lurie
Autoren:
Rod Lurie (Drehbuch)
Gordon Williams (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
James Marsden (David Sumner)
Kate Bosworth (Amy Sumner)
Alexander Skarsgård (Charlie)
in weiteren Rollen:
Dominic Purcell (Jeremy Niles)
Laz Alonso (John Burke)
Willa Holland (Janice Heddon)
James Woods (Tom Heddon)

Genre:
Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Straw Dogs - Wer Gewalt sät | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Als Amy Sumner ihrem Ehemann David vorschlägt, von Los Angeles aus in den tiefen Süden der USA zu ziehen, um in ihrer alten Heimat das Haus der verstorbenen Eltern instand zu setzen, ist David zunächst angetan, der als Drehbuchautor die Ruhe und Abgeschiedenheit schätzt, um an seinem Drehbuch zu einem Stalingrad-Film zu arbeiten. Anfänglich imponiert ihm auch die ländliche Idylle und insbesondere Amy wird mit offenen Armen empfangen, doch ihr Ex-Freund Charlie beäugt den ach so intellektuellen Drehbuchschreiber mit gehörigem Argwohn. Dennoch lässt es sich David nicht nehmen, Charlie und seinen Bautrupp für Arbeiten an Amys Elternhaus zu engagieren, was allerdings schnell zu ersten Reibereien führt, zumal sich auch Amy und David wegen ihrer Jugendfreunde in die Haare kriegen. Die fühlen sich derweil zunehmend provoziert und greifen zu immer drastischeren Mitteln, um klarzustellen, wer hier eigentlich das Sagen hat…

Rezension:

Wie man sicherlich wird ahnen können – wenn man meine Sehgewohnheiten ein wenig kennt –, habe ich den 1971 entstandenen Film mit gleichem Namen – Straw Dogs – nie gesehen, weshalb man sich einen Vergleich der beiden Fassungen hier nicht erwarten darf, wobei der Ordnung halber erwähnt werden sollte, dass es sich schon seinerzeit um eine Buch-Verfilmung gehandelt hat, womit wir es hier je nach Lesart auch mit einer weiteren Adaption des literarischen Stoffes von Gordon Williams‘ The Siege of Trencher’s Farm zu tun haben könnten. Nun verhält es sich auf alle Fälle so, dass ich auch in diesem Falle vorrangig von der Besetzung angesprochen war, weshalb der von Rod Lurie inszenierte Film recht schnell auf meiner persönlichen Wunschliste gelandet ist. Nun werden Remakes ja allgemein oft, gerne und schnell stigmatisiert, doch war ich in diesem Fall guter Dinge, doch einen zumindest sehenswerten Streifen serviert zu bekommen, ob der dem Original nun das Wasser reichen kann oder nicht und wurde in dieser Beziehung auch nicht enttäuscht, gelingt Lurie zumindest in dramaturgischer und atmosphärischer Hinsicht nämlich ein sehr überzeugendes Gesamtwerk, dessen Spannung sich gekonnt sukzessive nach oben schraubt und in einem doch ziemlich heftigen Gewalt-Exzess kulminiert.

Szenenbild aus Straw Dogs - Wer Gewalt sät | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Bis dahin dauert es aber natürlich eine ganze Weile und ein Großteil des Films handelt davon, wie der sich als "Intellektueller der Arbeiterklasse" verstehende David Sumner ein ums andere Mal versucht, die zunehmend erst dreister, dann gewalttätiger werdenden Übergriffe zu rechtfertigen und zu schlucken, bevor er sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr anders zu helfen weiß, als mit Gewalt zu reagieren. Diesbezüglich ist es nicht nur James Marsden (The Loft) zu verdanken, dass die Figur so überaus gelungen ist, habe ich ihm schließlich bereits vor Jahren eine großartige Karriere prognostiziert (womit ich aber leider falsch lag). Zweifellos aber vermag er die Figur mit all ihren Facetten mit Leben zu füllen und sowohl den duckmäuserischen Schreiberling als auch den eskalierenden Mann habe ich ihm spielend abgenommen, was für sich genommen nicht nur eine charakterliche hundertachtziggradwende beinhaltet, sondern eben als Rolle auch schwer zu meistern ist. Ihm zur Seite steht als Davids Ehefrau die ebenfalls oft unterschätzte Kate Bosworth (Homefront), die insbesondere in der zweiten Hälfte zu Hochform aufläuft, denn wo sie zu Beginn als liebenswertes, ein wenig naives Blondchen auftritt, wird sie in erschreckendem Ausmaß Opfer des zunehmenden Strudels aus Gewalt und Übergriffigkeit, womit ihre Figur ein enormes dramatisches Potential entfaltet und Teil einer regelrecht an die Nieren gehenden Szene ist, die der eruptiven Gewalt zum Ende hin in nichts nachsteht und hart an der Grenze des Erträglichen rangiert.

Last but not least wäre als Dritter im Bunde natürlich noch Alexander Skarsgård zu nennen, der als Amys Ex-Freund Charlie in Erscheinung tritt und eine nicht minder gute Figur abgibt, was natürlich auch seine Physis miteinschließt, die er schon in True Blood oft und gerne zur Schau gestellt hat. Dabei begnügt sich Skarsgård in Straw Dogs aber mitnichten damit, den charismatischen Fiesling zu geben, sondern lotet gekonnt die Untiefen seiner Figur aus, deren Handeln zwar zunehmend irrationaler und verurteilenswerter wird, die aber auch spürbar dem Einfluss anderer erliegt und damit zumindest eine gewisse Ambivalenz mit sich bringt, die den in seinen Grundfesten doch ziemlich simpel und stringent angelegten Film noch weiter aufwertet. So eignet sich Luries Adaption – fernab des Umstandes, dass es sich um einen wirklich perfiden Thriller handelt – insbesondere für Freunde bedrohlich-schwüler Südstaaten-Settings, wohin die Handlung des Films in dieser Fassung (von England aus) verlegt worden ist. Selbiges bietet nämlich eine mehr als dankbare Kulisse für die eingeschworenen Gemeinschaft, die Neuankömmling David zunächst misstrauisch beäugt und ihn schließlich offen verurteilt, nachdem er sich bewusst und unumkehrbar gegen sie stellt.

Szenenbild aus Straw Dogs - Wer Gewalt sät | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Viel mehr kann und mag ich allerdings gar nicht erzählen, würde das schließlich wichtige Plot-Details vorwegnehmen, derweil man den Fortgang der Geschichte am besten unvorbereitet erlebt, was natürlich mitunter ein Grund dafür wäre, warum der Film insbesondere bei Kennern des 1971-"Originals" weit eher durchfällt. So simpel nämlich die Prämisse von Straw Dogs auf den ersten Blick sein mag, so erstaunlich ist es doch, welche Wendungen die Geschichte parat hält, so dass auch anfänglich als Randerscheinung wahrgenommene Nebenfiguren – insbesondere ein überaus perfide aufspielender James Woods (Ray Donovan), auch wenn dessen Figur zugegebenermaßen weit einseitiger beleuchtet wird als die genannten drei Hauptfiguren – durchaus noch ihre Bewandtnis innerhalb der Erzählung bekommen, wenn sich die Ereignisse zuzuspitzen beginnen und die Unabwendbarkeit der drohenden Eskalation immer deutlicher wird. Die finale Auseinandersetzung hat dabei regelrecht kathartische Ausmaße für sowohl David als auch Amy, doch handelt es sich mitnichten um das einzige Highlight eines bewusst langsam in Fahrt kommenden Films, der durch seine behutsame Zuspitzung und die zumindest im Ansatz beleuchtete psychologische Komponente von mir guten Gewissens eine Empfehlung bekommt, ohne einschätzen zu können, inwieweit der vierzig Jahre zuvor entstandene Film "besser" gewesen sein mag.

Fazit & Wertung:

Rod Lurie gelingt mit Straw Dogs – Wer Gewalt sät ein insbesondere atmosphärisch überaus überzeugender Film, dessen perfide Prämisse gekonnt schleichend Einzug in der anfänglich so heilen und beschaulichen Welt hält, um schlussendlich in einen eruptiven Gewalt-Exzess zu münden, der gewollt als krasser Gegensatz und damit regelrecht kathartischer Moment inszeniert wird. Gleichwohl bietet die Geschichte in ihrer grundsätzlichen Ausrichtung wenige Überraschungen und bedient doch so manches Klischee, taugt aber allemal für einen gelungenen, ziemlich fiesen Thriller.

7 von 10 zunehmend bösartiger werdenden Provokationen

Straw Dogs – Wer Gewalt sät

  • Zunehmend bösartiger werdende Provokationen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Rod Lurie gelingt mit Straw Dogs – Wer Gewalt sät ein insbesondere atmosphärisch überaus überzeugender Film, dessen perfide Prämisse gekonnt schleichend Einzug in der anfänglich so heilen und beschaulichen Welt hält, um schlussendlich in einen eruptiven Gewalt-Exzess zu münden, der gewollt als krasser Gegensatz und damit regelrecht kathartischer Moment inszeniert wird. Gleichwohl bietet die Geschichte in ihrer grundsätzlichen Ausrichtung wenige Überraschungen und bedient doch so manches Klischee, taugt aber allemal für einen gelungenen, ziemlich fiesen Thriller.

7.0/10
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Straw Dogs – Wer Gewalt sät ist am 12.04.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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