Review: Inferno (Film)

Starten wir diese Woche mit einem vergleichsweisen Rohrkrepierer, der zwar leidlich zu unterhalten wusste, ab der hälfte aber zunehmend konfuser und absurder wurde.

Inferno

Inferno, USA/HU 2016, 121 Min.

Inferno | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Ron Howard
Autoren:
David Koepp (Drehbuch)
Dan Brown (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Tom Hanks (Robert Langdon)
Felicity Jones (Sienna Brooks)
Irrfan Khan (Harry Sims)
Omar Sy (Christoph Bouchard)
Ben Foster (Bertrand Zobrist)
Sidse Babett Knudsen (Elizabeth Sinskey)

Genre:
Krimi | Abenteuer | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Inferno | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Unvermittelt erwacht Professor Langdon im Krankenhaus und muss mit Staunen und Schrecken feststellen, dass er sich mitnichten noch in Boston befindet, sondern nunmehr in Florenz weilt. Die ihm gut zuredende Ärztin Dr. Sienna Brooks kann ihn zwar zumindest ein Stück weit beruhigen, doch da taucht bereits eine als Carabinieri verkleidete Attentäterin auf, die es anscheinend auf Langdon abgesehen hat. Gemeinsam gelingt Langdon und Brooks die Flucht und während der Professor sich in der Wohnung der Ärztin noch immer nicht erinnern kann, was eigentlich passiert sein mag, fördert er zumindest ein rätselhaftes Behältnis zutage, in dessen Innerem sich wiederum ein Rätsel verbirgt, das eine Verbindung andeutet zwischen ihm und dem nur wenige Tage zurückliegenden Selbstmord des Visionärs und Milliardärs Bertrand Zobrist, der vor einer drohenden Übervölkerung der Erde gewarnt und anscheinend Anstrengungen unternommen hat, die menschliche Rasse noch aus dem Tod heraus merklich auszudünnen…

Rezension:

Es ist jetzt schon einige Jahre her, dass ich eine der Dan-Brown-Verfilmungen gesehen habe – kein Wunder, liegen zwischen der Veröffentlichung von Illuminati und Inferno immerhin stolze sieben Jahre – und dennoch bin ich kürzlich schwach geworden, was den neuesten Vertreter der Reihe angeht, auch wenn das zugegebenermaßen mehr an Felicity Jones gelegen hat als daran, dass ich ein so großer Fan der Reihe wäre, zumal ich die Bücher seinerzeit schon nicht gelesen habe und nicht unbedingt denke, dass sich daran so bald etwas ändern wird. Nichtsdestotrotz, anschauen kann man sich sicherlich alle Vertreter der Reihe, nur wirklich bombastisch gut wird sie wohl auch nicht mehr werden, denn nach einem vielversprechenden Start versandet leider auch Inferno zunehmend in einem Mischmasch aus Hetzjagd, Rätselraten und einem wenig nachvollziehbaren Plot, bei dem ich schlussendlich kaum noch nachvollziehen konnte, wer hier eigentlich aus welchen Gründen welche Ziele verfolgt, was natürlich bei jedweder Art von Film ein absolutes No-Go ist, hier aber besonders störend ins Gewicht fällt.

Szenenbild aus Inferno | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Bezüglich der Ungereimtheiten im letzten Drittel kann ich natürlich kaum ins Detail gehen, ohne direkt wichtige Aspekte des Films zu spoilern, doch lässt sich zumindest festhalten, dass ich bei näherer Betrachtung für mich persönlich zu dem Schluss gekommen bin, dass eigentlich der gesamte Plot des Films so weder hätte stattfinden müssen, noch wirklich Sinn ergibt. Ansonsten war natürlich für viele Kenner der Vorlage hier Stein des Anstoßes, dass man sich erdreistet hat, den Schluss des Buches – und einige andere, signifikante Eckdaten – für die Filmfassung abzuändern, was ich durchaus nachvollziehen kann, auch wenn dieser Umstand jetzt für mich dank Unkenntnis der Buchfassung nicht annähernd so störend ins Gewicht fiel. Das ändert aber wiederum auch nichts daran, dass Inferno ungemein hektisch und gehetzt beginnt und wirklich kaum Zeit für eine dringend benötigte Verschnaufpause lässt, um den Plot in irgendeiner Form zu erklären, der nicht nur eine ominöse Geheimfirma involviert, sondern mich auch gelehrt hat, dass die WHO anscheinend mit schwer bewaffneten Einsatzkräften ausgestattet ist und sich ohne Berücksichtigung von Zuständigkeiten in rabiater Manier in jedwedem Land nach Gutdünken verhalten darf.

Keine Frage, Tom Hanks macht auch hier als Professor Langdon wieder eine überzeugende Figur und liefert im Alleingang einige der stärksten Momente im Film, während auch Felicity Jones (Sieben Minuten nach Mitternacht), die hier ihre Vorgängerinnen Audrey Tautou und Ayelet Zurer beerben darf, die meiste Zeit eine durchaus überzeugende Figur macht, doch tut sich Regisseur Ron Howard (Solo: A Star Wars Story) mit der gehetzten Inszenierung und dem Übermaß an Interessengruppen und involvierten Parteien nicht wirklich einen Gefallen, während man verzweifelt nach dem Sinn des Ganzen sucht und an jeder zweiten Ecke der nächste Fiesling zu warten scheint, wobei der Umstand, dass nicht unbedingt böse sein muss, wer böse wirkt – und andersherum – noch zu den wenigen Stärken des Films zählt. So weiß sich insbesondere Irrfan Khan (Jurassic World) in der zweiten Hälfte noch ein wenig zu profilieren, während Ben Foster (Hell or High Water) als ausgewiesener Antagonist der Handlung interessanterweise bereits tot ist und nicht bloß aus dem Hintergrund, sondern gar aus dem Jenseits heraus die Fäden zieht, was ein immerhin ganz interessanter Kniff war, zumal Ben Foster ihm durchaus charismatisch Aussehen und Stimme leiht.

Szenenbild aus Inferno | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Schade also, dass so viele der interessanten Ansätze weitestgehend ungenutzt verpuffen und man auf ein schlichtweg hanebüchenes finale zusteuert, bei dem man schon beide Augen fest zudrücken muss, um die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit mit Hängen und Würgen am Laufen zu halten, denn gerade zu Beginn punktet Inferno zudem noch mit einer überaus interessanten – und überraschend gruseligen – Bildsprache, was Professor Langdons Alpträume vom namensgebenden Inferno anbelangt, während natürlich die malerischen Kulissen in Florenz, Venedig und Istanbul auch hier wieder trefflich in Szene gesetzt worden sind, was quasi so etwas wie das Alleinstellungsmerkmal der Reihe darstellen dürfte, die sich abgesehen von ihren großzügigen Mystery-Happen und der historischen Fachsimpelei auffallend oft auf doch sehr generischen Pfaden bewegt. So werden dann auch sowohl Omar Sy (Im Rausch der Sterne) als auch Sidse Babett Knudsen (Westworld) weitestgehend verschenkt und können ebenfalls nicht dazu beitragen, dem wilden Treiben ein wenig Stringenz oder gar Tiefe zu verleihen, denn gerade die bleibt hier tatsächlich sehr auf der Strecke, denn durch den Umstand, dass Professor Langdon und Doktor Brooks hier in einer Tour gejagt werden und ohnehin unter Zeitdruck stehen, um das perfide Rätsel zu lösen, bleibt nicht einmal Zeit, um länger als unbedingt nötig auf die auch hier wieder prominent untergebrachten kunsthistorischen Hintergründe abzustellen, die sich diesmal um Dantes Inferno dreht, woraus man meines Erachtens noch viel mehr hätte machen können, als die Bilder für eine Handvoll Alptraumsequenzen zu nutzen und oberflächlich im Dialog zu zerrupfen. So mag die Optik des Films zwar überzeugen, doch dramaturgisch wie inhaltlich hält das Geschehen da nicht annähernd mit, was zu einem enttäuschend mittelmäßigen Gesamtergebnis führt.

Fazit & Wertung:

Mit Inferno inszeniert Ron Howard seine dritte und bislang schwächste Dan-Brown-Verfilmung, die sich durch ihre gehetzte Inszenierung eher bei einem Publikum anzubiedern versucht, das einen Actionfilm erwartet, darüber aber auch noch den inszenatorischen Feinschliff vergisst, denn davon abgesehen, dass die Handlung in letzter Instanz nur noch wenig Sinn ergibt, werden vielversprechende Ansätze weitestgehend verschenkt, während Professor Langdon erneut zu einer kulturhistorischen Schnitzeljagd aufbricht, die über ein paar hübsche Schauplätze und Kunstwerke hinaus leider wenig zu bieten hat.

5,5 von 10 Rätseln um Dantes Inferno

Inferno

  • Rätsel um Dantes Inferno - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Inferno inszeniert Ron Howard seine dritte und bislang schwächste Dan-Brown-Verfilmung, die sich durch ihre gehetzte Inszenierung eher bei einem Publikum anzubiedern versucht, das einen Actionfilm erwartet, darüber aber auch noch den inszenatorischen Feinschliff vergisst, denn davon abgesehen, dass die Handlung in letzter Instanz nur noch wenig Sinn ergibt, werden vielversprechende Ansätze weitestgehend verschenkt, während Professor Langdon erneut zu einer kulturhistorischen Schnitzeljagd aufbricht, die über ein paar hübsche Schauplätze und Kunstwerke hinaus leider wenig zu bieten hat.

5.5/10
Leser-Wertung 5/10 (1 Stimme)
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Inferno ist am 23.02.17 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 18. Januar 2019

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