Review: Evil Dead – Extended Cut (Film)

Reden wir heute mal über einen Horrorfilm von vor ein paar Jahren, den ich dann nun endlich auch nachgeholt hätte, wobei das Warten in dem Fall nicht ganz so verkehrt gewesen ist, denn sonst hätte ich seinerzeit sicherlich auf die Kinofassung und nicht etwa direkt auf den Extended Cut zurückgegriffen.

Evil Dead
Extended Cut

Evil Dead, USA 2013, 96 Min.

Evil Dead | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Fede Alvarez
Autoren:
Fede Alvarez
Rodo Sayagues

Main-Cast:

Jane Levy (Mia)
Shiloh Fernandez (David)
Lou Taylor Pucci (Eric)
Jessica Lucas (Olivia)
Elizabeth Blackmore (Natalie)

Genre:
Fantasy | Horror | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Evil Dead | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Um Mia nach einer gefährlichen Überdosis wieder auf Spur zu bekommen, fahren ihre Freunde Olivia und Eric mit ihr für einen kalten Entzug in eine abgelegene Waldhütte und bitten Mias Bruder David hinzu, auch wenn dessen Verhältnis zu seiner Schwester nicht gerade innig ist. Der hat zudem seine Freundin Natalie mitgebbracht, aber das soll dem geplanten "Entzugswochenende" natürlich nicht im Wege stehen. Kaum aber in der Hütte, meint Mia einen Verwesungsgeruch wahrzunehmen, was die anderen aber als Symptome abtun, zumindest bis sie im Keller des Hauses eine grausige Entdeckung machen, die auch prompt den Gestank erklärt. Ebenfalls in dem Keller finden sie ein altes Buch, das aus Menschenhaut gebunden zu sein scheint und insbesondere Eric sofort fasziniert. Als der aber damit beginnt, einzelne Texte aus dem Buch zu rezitieren, beschwört er eine finstere Macht herauf, die nach langem Schlaf nun erneut nach Blut dürstet…

Rezension:

Nachdem ich mir kürzlich erst Fede Alvarez‘ Don’t Breathe angesehen habe und dort schon angemerkt hatte, mich baldigst auch seinem Debüt, dem gleichnamigen Quasi-Remake von Evil Dead widmen zu wollen, was ich dann hiermit nachgeholt hätte, auch wenn es – wie bei Horrorfilmen einer gewissen Gangart längst schon üblich – einige Zeit gedauert hat, die unterschiedlichen Schnittfassungen zu identifizieren und letztlich beim Extended Cut zu landen, der noch einmal knapp fünf Minuten länger geraten ist als die Kinofassung, der im Heimkino die SPIO/JK-Variante entspricht. Nun ist meine Sichtung des ursprünglichen und originären, hierzulande als Tanz der Teufel vertriebenen Films von Sam Raimi schon einige Jahre her, weshalb ein direkter Vergleich schwergefallen wäre, aber auch bei diffuser Erinnerung fallen natürlich sowohl die Überschneidungen als auch Unterschiede durchaus auf, die ja im Grunde schon damit beginnen, dass man eben keinen neuen Ash inszeniert hat, was ich auch nur begrüßen kann, denn niemand hätte das Erbe von Bruce Campbell ähnlich stilsicher antreten können und ein wenig frischer Wind tut auch bei einem als Remake vermarkteten Film durchaus gut.

Szenenbild aus Evil Dead | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Aber auch ansonsten empfand ich diese Variation von Evil Dead als ungemein runde Sache, die beeindruckend effektiv inszeniert worden ist und tatsächlich enorm grimmig zu Werke geht, zumal das zunehmend blutiger werdende Treiben angenehm humorbefreit daherkommt in weiten Teilen und eine ironische Brechung sich nur aus den teils vollkommen überzogenen, regelrecht orgiastischen Blutfontänen und -exzessen herauslesen lässt, wohingegen das eigene Geschehen geneigt ist, nach einem ebenfalls angenehm kurzen und souverän abgehandelten Intro regelrechten Terror zu verbreiten. Nun ist Alvarez‘ Werk zwar trotzdem kein wirkliches Werk zum Gruseln in meinen Augen, sondern trotz seiner Ernsthaftigkeit auf pure Unterhaltung ausgelegt, was sich speziell im zunehmend trashiger werdenden letzten Drittel bemerkbar macht, findet darin aber auch genau seine Nische, um – in der Theorie – sowohl Fans der alten Filme zu gefallen als auch eine neue Schar Fans heranzuzüchten, auch wenn ich mich nicht zu prognostizieren wage, ob diese abgewandelte Neuauflage je an den Kultstatus des Originals wird heranreichen können.

Der Story-Happen allerdings, die sich um Mias Entzug kreisen, hätte es in meinen Augen nicht unbedingt bedurft, doch erklärt das zumindest zu Beginn des Films, wieso ihre Freunde beispielsweise den von ihr wahrgenommenen Verwesungsgeruch als Folge der Entzugserscheinungen abtun. Insofern stört das nur marginal, hat aber etwas von einem einmal zu oft bemühten Klischee, das man sich locker auch hätte sparen können. Ansonsten war und ist Evil Dead aber natürlich kein Film der ausgefeilten und klugen Handlungen, sondern lebt vorrangig von seinen Schauwerten und dem damit verbundenen Unterhaltungspotential und hier schöpft Alvarez wahrlich aus dem Vollen, was explizite Verstümmelungen und Tötungen anbelangt, zumal man davon im Extended Cut noch ein wenig mehr serviert bekommt, wobei es auffallend viele "Handlungs"-Szenen sind, die hier das Geschehen ergänzen und in meinen Augen auch vielerorts runder erscheinen lassen als die marginal gekürzte Kinofassung, wobei ich für Details einmal mehr auf den entsprechenden Schnittbericht verweisen möchte.

Szenenbild aus Evil Dead | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

So wenig Evil Dead aber von seiner Handlung lebt, so wenig Schauspieltalent bedarf es auch, um einen kreischenden, später sterbenden Teenie zu verkörpern, weshalb man sich hier zwar grundsolide Darstellungen, mehr aber auch nicht erwarten darf, wobei Jane Levy (Bang Bang Baby) hier freilich die rühmliche Ausnahme bildet und zumindest anfänglich wirkt, als würde man hier Perlen vor die Säue werfen, derweil sich ihr Talent später noch bezahlt machen wird. Ansonsten erübrigt sich, zu betonen, dass Zartbesaitete in diesem Streifen nichts zu suchen haben, doch wer sich von den teils wirklich überbordenden, angenehm CGI-befreiten, sprich handgemachten Gewaltexzessen angesprochen fühlt, der wird im Verlauf des knapp über 90 Minuten dauernden Reigens auf eine ganze Reihe denkwürdiger Motive und Einstellungen stoßen, denn auch in Sachen Atmosphäre und Kameraarbeit versichert sich Alvarez einer fähigen Crew, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass auch Evil Dead-Urgestein Bruce Campbell, der sich jüngst noch dank Ash vs Evil Dead in demselben Universum tummeln durfte, dem Film seinen höchsteigenen "Genehmigt"-Stempel verpasst (einfach bis zum Ende des Abspanns warten). Wäre diese Szene nach dem Abspann nicht, müsste ich auch an dieser Stelle noch erwähnen, dass im Extended Cut noch eine weitere Szene zu Beginn des Abspanns auf den Zuschauer wartet, doch tue ich das jetzt eben nur der Vollständigkeit halber. Insofern ein rundherum souverän inszenierter, beim Blutverbrauch über alle Stränge schlagender, einerseits dem Original huldigender und gleichzeitig ausreichend eigenständiger Film, der das altbekannte Franchise zwar nicht so bereichert wie die oben erwähnte (und leider mittlerweile abgesetzte) Serie, sich dem Thema aber von einer anderen, in seiner Gangart eher ernsthaften, grimmigeren Richtung nähert.

Fazit & Wertung:

Fede Alvarez‘ Neuauflage Evil Dead ist ein rundherum gelungenes, insbesondere im Extended Cut wirklich rund wirkendes Quasi-Remake, das nicht den Fehler begeht, als weichgespülter Hollywood-Abklatsch daherzukommen, sondern stattdessen mit Grimm und brachialem Terror zu punkten, der sich freilich auch in regelrechten Blutfontänen äußert, die den Film gerade im letzten Drittel auf beste Art eskalieren lassen.

8,5 von 10 auf blutigste Art zu Tode kommender Personen

Evil Dead - Extended Cut

  • Auf blutigste Art zu Tode kommende Personen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Fede Alvarez‘ Neuauflage Evil Dead ist ein rundherum gelungenes, insbesondere im Extended Cut wirklich rund wirkendes Quasi-Remake, das nicht den Fehler begeht, als weichgespülter Hollywood-Abklatsch daherzukommen, sondern stattdessen mit Grimm und brachialem Terror zu punkten, der sich freilich auch in regelrechten Blutfontänen äußert, die den Film gerade im letzten Drittel auf beste Art eskalieren lassen.

8.5/10
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Evil Dead ist am 02.10.13 auf DVD und Blu-ray bei Sony Pictures erschienen, allerdings lediglich in einer Cut-Variante mit 87 Minuten Laufzeit. Zudem sind aber auch SPIO/JK-Varianten des Films erschienen, die in der Unrated-Fassung eine Laufzeit von 91 Minuten, im Extended Cut eine Laufzeit von 96 Minuten aufweisen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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