Review: 10×10 (Film)

Und wir bleiben dem Credo der schlechten Filme auch am Freitag treu – weil durch die am Dienstag ausgelassene Filmkritik aus dem Tritt geraten – und widmen uns einer weiteren Neuerscheinung, auf die ich sehr gespannt war, die mich aber leider noch mehr enttäuscht hat als der gestern thematisierte Mystery-Thriller.

10×10

10×10, UK 2018, 88 Min.

10x10 | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseurin:
Suzi Ewing
Autor:
Noel Clarke

Main-Cast:
Luke Evans (Lewis)
Kelly Reilly (Cathy)
in weiteren Rollen:
Noel Clarke (Dennis)
Jason Maza (Officer Wayland)
Jill Winternitz (Jen)
Olivia Chenery (Alana)

Genre:
Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus 10x10 | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Unbemerkt belauert der stoische Lewis die ahnungslose Kathy auf Schritt und Tritt, bis er auf dem Parkplatz eines Fitness-Studios zur Tat schreitet und die sich verzweifelt wehrende junge Frau entführt, um sie in einen schallisolierten Raum inmitten seines abgelegenen Landhauses zu sperren. Warum Lewis Kathy allerdings entführt hat, ahnt diese nicht einmal und kann auch mit seinen immerwährenden Fragen zu ihrem Namen, ihrem Wohnort, ihrer Herkunft nichts anfangen. Zumindest lässt sie ihn das glauben, denn ganz so, wie Lewis ein konkretes Zeil verfolgt und einzig deshalb Kathy noch nicht längst getötet hat, ahnt diese auch zumindest, was sie in diese Lage gebracht hat. Fortan versucht sie, gegen ihren allein körperlich dominanten Entführer anzukommen und es entspinnt sich ein perfides Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden…

Rezension:

Wie gern hätte ich 10×10 gemocht und wie gespannt war ich auf diesen Thriller, der einmal mehr das Subgenre des Kammerspiels zu bedienen versprach, die ja oftmals tiefenpsychologische Perlen und perfides Kräftemessen zweier auf Augenhöhe agierenden Kontrahenten hervorgebracht haben, doch auch wenn die Ansätze hierfür freilich auch in Suzi Ewings Spielfilm-Debüt vorhanden gewesen sein mögen, läuft hier dramaturgisch betrachtet spätestens nach einem guten Drittel so ziemlich alles aus dem Ruder, was nicht heißt, dass dieser ach so clevere Entführungsfilm bis dahin zu überzeugen wüsste, denn die bis dahin verstrichene Zeit geht für die bewusst vage gehaltene Exposition der Figuren, des Settings und freilich die initiale Entführung drauf, so dass sich, wenn die eigentliche Spannung sich langsam einstellen sollte, der Film schon selbst zu dekonstruieren beginnt.

Szenenbild aus 10x10 | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Das beginnt damit, dass das Kräftemessen der beiden Figuren nicht nur unausgegoren und fadenscheinig wirkt, sondern auch keiner näheren Betrachtung standhält, denn ungeachtet dessen, dass der von Luke Evans (Girl on the Train) verkörperte Lewis der von Kelly Reilly (True Detective) gespielten Cathy rein körperlich ohne Frage überlegen sein mag, gewinnt die junge Frau doch recht früh und gleich mehrfach die Oberhand, so dass man nun annehmen würde, das verzweifelte Entführungsopfer würde die Flucht antreten, doch weit gefehlt, startet sie ein ums andere Mal wenig nachvollziehbare, quasi zum scheitern verurteilte Versuche, ihren Entführer unschädlich zu machen, derweil auch er wirklich nichts aus seinen Fehlern zu lernen scheint. Das mag zwar reichen, ein Art Katz-und-Maus-Spiel in Gang zu bringen, doch scheitert oder obsiegt die jeweilige Partei in 10×10 jedes Mal einzig aufgrund der Unzulänglichkeit ihres Kontrahenten, was in punkto Storytelling schon als arg billig bezeichnet werden kann und folglich auch die Spannungskurze nicht eben nach oben schnellen lässt.

Das hätte man natürlich mit einer spannenden psychologischen Konstellation zumindest ein Stück weit aufwiegen können, doch auch hier vermag 10×10 nicht zu brillieren und während für meinen Geschmack viel zu früh klar war, woher der Wind weht und was genau Lewis zu seiner Tat veranlasst hat, gerät die Dramaturgie dadurch im Grunde nur noch mehr in Schieflage, zumal es der eigentlich doch fähigen Kelly Reilly nicht gelingt, den Gesinnungswechsel ihrer Figur auch nur annähernd glaubhaft zu gestalten. Rein darstellerisch hat Luke Evans dadurch ein wenig die Nase vorn, hat mit Lewis aber auch den deutlich einfacheren und dankbareren Part erwischt, was allerdings nicht heißt, dass mich dessen Figur mehr überzeugen konnte, denn auch hier offenbaren sich gleich mehrere Lücken in seinem angeblich so durchdachten Plan, der nicht einmal ein echtes Ziel erkennen lässt, auf das er ursprünglich zuzusteuern gedachte.

Szenenbild aus 10x10 | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Und wie es dann immer so ist bei derlei Thrillern muss es natürlich auch ein spektakuläres und nervenzehrendes Finale geben und spätestens hier vergibt sich 10×10 die letzten Sympathien, denn was hier noch auf den letzten Metern vom Stapel gelassen wird lässt das Wörtchen "abstrus" noch viel zu zurückhaltend erscheinen, ganz davon abgesehen, dass man es hier mit der wohl schlechtesten Art eines offenen Endes zu tun bekommt, die man sich nur vorstellen kann. So merkt man nämlich zwar, dass es Ewing darum ging, die Grenzen zwischen gut und Böse verwischen zu lassen, doch macht sie selbst diesen vielversprechenden Ansatz im letzten Akt zunichte und lässt alles in eine derart absurd überzogen wirkende Auseinandersetzung münden, die teils wie einem anderen Film entsprungen scheint. So bleiben mir als positive Aspekte des Films ein anfänglich kurz interessant wirkendes Rätselraten um Lewis‘ Beweggründe, eine hübsche Kulisse in Gestalt eines topmodernen Landhauses sowie ein zumindest in etwa siebzig Prozent der Zeit überzeugender Evans in Erinnerung, was aber in der Summe freilich bei weitem nicht reicht, um auch nur hartgesottenen Genre-Fans diesen Film zur Sichtung zu empfehlen.

Fazit & Wertung:

Suzi Ewing vermag mit ihrem Spielfilm-Debüt 10×10 und der Prämisse eines klaustrophobischen Kammerspiels durchaus Interesse zu schüren, doch versanden schnell sämtliche vielversprechenden Ansätze in einem mehr als unausgegoren wirkenden Skript, das sich letztlich immer wieder in absurd-irrationales Handeln seitens der Hauptfiguren flüchtet, um den Plot nur irgendwie im Gang zu halten, was freilich alles andere als spannend oder gar packend wirkt.

3,5 von 10 vergeblichen Fluchtversuchen

10x10

  • Vergebliche Fluchtversuche - 3.5/10
    3.5/10

Fazit & Wertung:

Suzi Ewing vermag mit ihrem Spielfilm-Debüt 10x10 und der Prämisse eines klaustrophobischen Kammerspiels durchaus Interesse zu schüren, doch versanden schnell sämtliche vielversprechenden Ansätze in einem mehr als unausgegoren wirkenden Skript, das sich letztlich immer wieder in absurd-irrationales Handeln seitens der Hauptfiguren flüchtet, um den Plot nur irgendwie im Gang zu halten, was freilich alles andere als spannend oder gar packend wirkt.

3.5/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
Sende

10×10 erscheint am 16.11.18 auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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