Review: Beginners (Film)

Eigentlich ganz passend, was mir da in Sachen Film zum Valentinstag ins Visier geraten ist, denn heute hole ich endlich einen seit Jahren von mir nicht beachteten Film nach, in dem es in nicht unerheblichem Maße eben auch um die Liebe geht.

Beginners

Beginners, USA 2010, 105 Min.

Beginners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Mike Mills
Autor:
Mike Mills

Main-Cast:
Ewan McGregor (Oliver)
Christopher Plummer (Hal)
Mélanie Laurent (Anna)
in weiteren Rollen:
Goran Visnjic (Andy)
Kai Lennox (Elliot)
Mary Page Keller (Georgia)
Keegan Boos (Young Oliver)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Beginners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Oliver hat schwer damit zu kämpfen, dass jüngst sein Vater verstorben ist, nachdem er einige Zeit zuvor mit Anfang 70 sein verspätetes Coming-Out hatte und Oliver das erste Mal das Gefühl bekam, seinen Vater wirklich zu kennen. Während der Grafikdesigner noch Trübsal bläst, lernt er allerdings die aufgeweckte wie charmante Schauspielerin Anna kennen und durch sie, das Leben wieder zu genießen. Doch ähnlich wie Oliver hat auch Anna ihr Päckchen zu tragen und alsbald stellen sich erste Probleme in der noch jungen Beziehung ein. Ausgerechnet aber Hal – Olivers Vater – kommt posthum die Rolle zu, seinem Sohn als Vorbild zu dienen und ihm beizubringen, niemals die Hoffnung und den Optimismus zu verlieren, so dass er doch eher beziehungsscheue Oliver wagt, dem Glück noch eine Chance zu geben…

Rezension:

Nachdem die Blu-ray von Beginners nun nicht ganz sieben Jahre (!) in der Schublade ihrer Sichtung geharrt hat, ärgere ich mich schon wieder ein wenig, warum ich diesen großartig-gefühlvollen, ganz und gar kitschbefreiten, merklich autobiografisch angehauchten Film nicht viel früher "entdeckt", sprich gesehen zu haben, doch umso mehr hat er sich nun vom ersten Moment an in mein Herz gespielt, denn hier passt so ziemlich alles, was man sich von einer gleichermaßen beschwingten wie melancholischen Tragikomödie erwarten würde. Das beginnt mit der ungewöhnlichen Art der Erzählung, die gekonnt und souverän zwischen den Zeiten zu springen versteht und im Grunde zum Zeitpunkt des Todes von Olivers Vater einsetzt, der im hohen Alter noch sein verspätetes wie unerwartetes Coming-Out hatte, derweil der in der "Gegenwart" angesiedelte Plot sich der aufkeimenden Beziehung zwischen Oliver und der Französin widmet, was auf den ersten Blick kaum Berührungs- und Überschneidungspunkte bietet, in diesem Ausnahmefall aber hervorragend funktioniert und merklich zu Herzen geht.

Szenenbild aus Beginners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Ewan McGregor (Perfect Sense) als Protagonist Oliver ist dabei vom ersten Moment an der grundsympathische Eckpfeiler der Erzählung und fungiert sozusagen als Alter Ego von Regisseur Mike Mills, der sich vom Coming-Out seines eigenen Vaters zu Beginners hat inspirieren lassen und was leicht bemüht oder konstruiert hätte wirken können, entfaltet sich hier zu einer unsagbar schönen Lebensgeschichte, die ihresgleichen sucht, was sowohl auf den nach Zuneigung und Akzeptanz suchenden Vater Hal zutrifft, der im hohen Alter eine Art zweiten Frühling erlebt, als auch auf Oliver und Anna, die sich zunächst zaghaft annähern und immer öfter an ihrer mangelnden Bereitschaft scheitern, sich dem jeweils anderen wirklich zu öffnen und anzuvertrauen. So fungiert der Vater zunehmend als Vorbild für den verkopften Sohn, der erst durch dessen ungezwungene, hoffnungsfrohe Art in der Rückschau erkennen muss, dass er sich von seinem Vater eine gehörige Scheibe abschneiden könnte, um selbst in der Lage zu sein, sein Glück zu finden. Dabei lässt Mills aber auch den gesellschaftlichen Kontext nicht außer Acht und verdeutlicht aus der Sicht des erzählenden Oliver gekonnt, wie sehr sich die Zeiten doch gewandelt haben und weshalb sein Vater sich noch gezwungen sah, eine Art Scheinehe zu führen, um nur ja den Konventionen und Normen zu entsprechen, statt sich schon viel früher zu seiner Homosexualität zu bekennen.

So verkneift sich Beginners in seiner gefühlvollen Annäherung an das Thema auch jeglichen verurteilenden Kommentar und zeigt gleichsam auch Oliver nicht als durchweg verständnisvollen, über die Maßen toleranten Mann, denn auch wenn er mit keiner Silbe seinen Vater verurteilt, ist ihm doch immer mal wieder anzumerken, dass er noch so seine Probleme mit der Akzeptanz der für ihn neuen Situation hat. Ewan McGregor gelingt es als Oliver dabei, auf gleich zwei Zeitachsen zu überzeugen und brilliert entsprechend sowohl im Zusammenspiel mit Vater Hal als auch mit Freundin Anna. Deren Liebesgeschichte entspricht dabei natürlich weit eher den gängigen Mustern des Genres, wird aber so entwaffnenden ehrlich und natürlich zum Besten gegeben, dass sich das gesamte Genre hiervon eine Scheibe abschneiden könnte, zumal Mills es nicht versäumt, mit einer ganzen Handvoll inszenatorischer Einfälle und Kniffe das Geschehen noch einmal aufzuwerten, wenn Oliver in einer Art Retrospektive die sich wandelnden Zeiten thematisiert oder in stumme Zwiesprache mit seinem Hund Arthur tritt, der ihm – untertitelt – natürlich immer wieder Rede und Antwort steht. Mélanie Laurent (Enemy) derweil gibt als Anna eine nicht minder vielschichtige wie bezaubernde, ebenfalls problembeladene Figur, die auf treffliche Weise mit McGregor harmoniert.

Szenenbild aus Beginners | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Die beeindruckendste Darbietung in Beginners ist aber freilich Christopher Plummer (Verblendung) als sich outender Hal vorbehalten, der mit unbestechlichem Optimismus in die Welt zieht, um auf seine letzten Tage noch das glück und die Liebe zu finden und dabei zunehmend zum unumstößlichen Vorbild für Oliver avanciert, auch wenn der sich in seiner verkopften Art dieses Umstandes natürlich noch längst nicht bewusst ist. So gelingt es diesem Trio scheinbar spielend und mühelos, eine aus zwei Hälften bestehende Geschichte zu erzählen, die auf dem Papier zunächst herzlich wenig miteinander zu tun haben, sich aber zunehmend gegenseitig bedingen und beeinflussen, woraus ein zutiefst anrührendes Werk voller Wahrhaftigkeit und Emotion wird, dem trotz der alles überschattenden Melancholie – und dem Wissen um Hals baldigen Tod – auch immer eine Leichtigkeit innewohnt, die den leisen Witz des Gezeigten nur noch eindringlicher und überzeugender macht. Eine leichtfüßige Komödie mag freilich anders aussehen, doch dafür bekommt man hier gleich mehrere zu Herzen gehende Lebens- und Liebesgeschichten offeriert, die sich in ihrer unkonventionellen Art der Erzählung gar wundersam ergänzen und mit ihrer bittersüßen Note tief zu berühren wissen.

Fazit & Wertung:

Mike Mills gelingt mit dem autobiografisch geprägten Beginners ein kleines Kunstwerk, das mit jeder Einstellung und Szene, vor allem aber mit seinem über die Maßen großartig aufspielenden Darsteller-Trio überzeugt und eine Vielzahl emotionaler Themen bearbeitet, ohne dafür die inszenatorische Leichtigkeit aufzugeben, die selbst den traurigsten Szenen innewohnt. Mills liefert damit nicht weniger als das Paradebeispiel einer zu Herzen gehenden Tragikomödie ab und punktet mit entwaffnender Ehrlichkeit und betörender Melancholie.

9 von 10 Chancen für die Liebe

Beginners

  • Chancen für die Liebe - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mike Mills gelingt mit dem autobiografisch geprägten Beginners ein kleines Kunstwerk, das mit jeder Einstellung und Szene, vor allem aber mit seinem über die Maßen großartig aufspielenden Darsteller-Trio überzeugt und eine Vielzahl emotionaler Themen bearbeitet, ohne dafür die inszenatorische Leichtigkeit aufzugeben, die selbst den traurigsten Szenen innewohnt. Mills liefert damit nicht weniger als das Paradebeispiel einer zu Herzen gehenden Tragikomödie ab und punktet mit entwaffnender Ehrlichkeit und betörender Melancholie.

9.0/10
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Beginners ist am 03.11.11 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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