Review: Book Club – Das Beste kommt noch (Film)

Kommen wir heute zu einer Komödie, von der ich mir in Sachen Humor zwar noch ein wenig mehr erwartet hatte, die mit ihrer beschwingt-leichtfüßigen Art aber dennoch zu überzeugen wusste, zumal sich das Ensemble wirklich sehen lassen kann!

Book Club
Das Beste kommt noch

Book Club, USA 2018, 104 Min.

Book Club - Das Beste kommt noch | © EuroVideo
© EuroVideo

Regisseur:
Bill Holderman
Autoren:
Bill Holderman
Erin Simms

Main-Cast:
Diane Keaton (Diane)
Jane Fonda (Vivian)
Candice Bergen (Sharon)
Mary Steenburgen (Carol)
in weiteren Rollen:
Andy Garcia (Mitchell)
Don Johnson (Arthur)
Richard Dreyfuss (George)
Craig T. Nelson (Bruce)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Book Club - Das Beste kommt noch | © EuroVideo
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Die Freundinnen Diane, Vivian, Carol und Sharon sind bereits seit ihrer Schulzeit miteinander befreundet und treffen sich bereits seit Jahrzehnten in steter Regelmäßigkeit zu einem gemeinsamen Buchclub, wobei natürlich auch allerhand andere Themen aufs Trapez kommen. Nachdem es für einen Großteil der Gruppe in sexueller Hinsicht eher ruhig geworden ist – Diane trauert ihrem verstorbenen Mann hinterher, Carols Ehemann hatte seit sechs Monaten keinen Sex mehr mit ihr, während Sharon sich konsequent jeder Beziehung oder Begegnung verweigert – macht sich Vivian als einzig wirklich "Aktive" einen Spaß daraus, ihren Freundinnen den Erotikroman "Fifty Shades of Grey" als nächste Lektüre aufzutragen. Die anderen sind mitnichten begeistert, aber Regeln sind Regeln und tatsächlich gelingt es dem Buch, sie alle auf ihre Art zu inspirieren und während Carol bei ihrem Mann in die Offensive zu gehen versucht und Sharon sich bei einem Online-Dating-Portal anmeldet, bändelt Vivian mit einem ihrer früheren Liebhaber an und Diane macht die Bekanntschaft des charmanten Piloten Mitchell, wobei ihre überfürsorglichen Töchter ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen drohen…

Rezension:

Beinahe wäre die Heimkinoveröffentlichung von Book Club – Das Beste kommt noch an mir vorbeigerauscht, obwohl der Film sich seit seiner hymnischen Empfehlung im Frühstücksfernsehen bei mir im Hinterkopf befunden hat. So unglaublich toll mag er natürlich freilich nicht sein und kommt in seiner Art und Machart doch im Grunde ausnehmend seicht und vorhersehbar daher, macht aber dennoch eine Menge Spaß und bietet Wohlfühlkino in Reinkultur, denn allein wirkliche Konflikte oder Dramen sucht man hier vergeblich, was aber bei einer RomCom auch nicht zwingend vonnöten ist und manchmal mehr stört als nützt, wie Nicholas-Sparks-Verfilmungen wie The Choice unter Beweis stellen, die nach vielversprechendem Start erbarmungslos gegen die Wand rasen, wenn es denn dann nach der Hälfte "dramatisch" werden muss. Hier nun versucht man etwas vermeintlich Neues und inszeniert den Reigen für und mit einer Riege Generation 60+, wobei man ansonsten tatsächlich den üblichen Gesetzmäßigkeiten folgt und sich nicht von ungefähr bei der vier Frauen starken Truppe an Sex and the City erinnert fühlt, denn obwohl beste Freundinnen könnten die Damen natürlich unterschiedlicher nicht sein und haben entsprechend mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen, das Feuer entfacht zu halten.

Szenenbild aus Book Club - Das Beste kommt noch | © EuroVideo
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Als Aufhänger für den Anspruch, das eigene Liebesleben wieder in Schwung zu bringen, wird hier der weithin bekannte Bestseller von E.L. James genutzt, der seinerseits natürlich auch verfilmt worden ist, wobei "Aufhänger" hier genau das richtige Wort ist, denn auch wenn Book Club als Titel etwas anderes vermuten lassen würde, nehmen die Treffen der Freundinnen und die eigentliche Buchbesprechung überraschend wenig Raum ein. Stattdessen widmet sich Regisseur Bill Holderman – der gemeinsam mit Erin Simms auch das Skript zum Film verfasst hat – in einzelnen Episoden weit mehr den Abenteuern der einzelnen Damen, die nur ab und an mal aufeinandertreffen, um sich gegenseitig auf Stand zu bringen. So überwindet sich die Bundesrichterin Sharon (Candice Bergen), dem Thema Online-Dating eine Chance zu geben, während Carol (Mary Steenburgen) versucht, das eheliche Sexleben mit ihrem Mann Bruce (Craig T. Nelson) wieder anzufachen, derweil sich Diane (Diane Keaton) in eine Romanze mit dem Piloten Mitchell (Andy Garcia) stürzt. Last but not least wäre da noch die in amourösen Angelegenheiten grundsätzlich gut ausgelastete Vivian, verkörpert von der großartigen Jane Fonda (Hauptsache, die Chemie stimmt), die sich der Avancen des charmanten Arthur zu erwehren versucht, der von einem bestens aufgelegten Don Johnson (Cold in July) dargestellt wird.

Erwartungsgemäß wissen diese einzelnen Stories mal mehr, mal weniger zu überzeugen und zugunsten des Feel-Good-Faktors wird hier auch gerne mal ein aufkommender Konflikt im Keim erstickt, so dass sich ausschließlich im letzten Drittel so etwas wie ein obligatorischer, dramatischer Einschub findet, doch ist es im vorliegenden Fall tatsächlich erfrischend und abwechslungsreich, dass man nicht aus der bewusst beschworenen Wohlfühlatmosphäre gerissen wird, während die Freundinnen ihre Erfahrungen sammeln und teilen und sich jederzeit merklich gegenseitigen Rückhalt bieten, was dann auch den emotionalen Kern des Films ausmacht, weshalb ihre jeweiligen männlichen Konterparts auch auffallend blass bleiben. So ist es besonders bedauerlich, dass manche Entwicklungen und Entscheidungen nicht wirklich nachvollziehbar sind, wenn sich beispielsweise Diane schlussendlich dem Wunsch ihrer überfürsorglichen und ängstlichen Töchter beugt, in deren Keller zu ziehen, damit sie ein Auge auf die betagte frau haben können, denn dies passt nun absolut nicht zu ihrer Figur und wird auch nur halbherzig im Plot begründet.

Szenenbild aus Book Club - Das Beste kommt noch | © EuroVideo
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Ähnlich verhält es sich mit mancher allzu vorhersehbaren Entwicklung, was zum Beispiel auf das Ehepaar Carol und Bruce zutrifft, die sich (natürlich) schlussendlich prestigeträchtig und öffentlich wieder zusammenraufen, nachdem es zuvor in der Beziehung (und im Bett) seit längerem nicht mehr so richtig klappen wollte. Dennoch weiß Book Club insbesondere dank seines Ensembles zu gefallen und wartet auch mit einigen wirklich witzigen Szenen auf, wobei in diese Richtung durchaus noch mehr drin gewesen wäre, denn wie gesagt wird allein der Aufhänger rund um den weichgespülten Pseudo-SM-Bestseller in letzter Konsequenz kaum genutzt, während Holdermans Film dann auch nicht wirklich so mutig ist, wie er vorgibt zu sein, denn abgesehen von manch schlüpfrigem Dialog wird natürlich über das eigentliche Sexualleben dann doch lieber der Mantel des Schweigens gebreitet, um die Zuschauerschaft nicht mit "Alte-Leute-Sex" zu verprellen. So wirkt der gesamte Film trotz seines Themas auffallend handzahm und höchstens mal ein wenig schlüpfrig, weshalb man in Kombination mit der allgemein eher sichten Inszenierung nicht erwarten sollte, am nächsten Tag noch großartig etwas von dem Film in Erinnerung zu haben, doch als Feel-Good-Komödie der etwas anderen Art macht dieses formidabel besetzte Ensemble-Stück immerhin gehörige Freude und unterhält von der ersten bis zur letzten Minute, obwohl man Fort- und Ausgang der Geschichte in mehr als einer Hinsicht erahnen kann.

Fazit & Wertung:

Bill Holderman inszeniert mit Book Club – Das Beste kommt noch eine nur vorgeblich schlüpfrige Komödie, die in der Summe allerdings den üblichen Gesetzmäßigkeiten des Genres folgt und wenig Neues zu bieten hat, wenn man einmal vom Alter der im Zentrum des Geschehens stehenden Protagonistinnen absieht. Deren Charme und Charisma ist allerdings ungebrochen und so macht diese beschwingte Feel-Good-Komödie schlichtweg Spaß, auch wenn man echte Überraschungsmomente und großartige Lacher hier doch weitestgehend vergeblich sucht.

7 von 10 literarischen "Inspirationen"

Book Club – Das Beste kommt noch

  • Literarische "Inspirationen" - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Bill Holderman inszeniert mit Book Club – Das Beste kommt noch eine nur vorgeblich schlüpfrige Komödie, die in der Summe allerdings den üblichen Gesetzmäßigkeiten des Genres folgt und wenig Neues zu bieten hat, wenn man einmal vom Alter der im Zentrum des Geschehens stehenden Protagonistinnen absieht. Deren Charme und Charisma ist allerdings ungebrochen und so macht diese beschwingte Feel-Good-Komödie schlichtweg Spaß, auch wenn man echte Überraschungsmomente und großartige Lacher hier doch weitestgehend vergeblich sucht.

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vgw

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