Review: Das Gesetz der Familie (Film)

Auch heute kredenze ich gerne wieder eine Film-Kritik zur gefälligen Durchsicht, auch wenn mich der thematisierte Film nicht so richtig hat mitreißen können, doch schlecht ist er dadurch noch lange nicht, was allerdings vorrangig an der tollen Besetzung liegt.

Das Gesetz der Familie

Trespass Against Us, UK 2016, 99 Min.

Das Gesetz der Familie | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Adam Smith
Autor:
Alastair Siddons

Main-Cast:
Michael Fassbender (Chad Cutler)
Brendan Gleeson (Colby Cutler)
in weiteren Rollen:
Lyndsey Marshal (Kelly Cutler)
Killian Scott (Kenny)
Rory Kinnear (P.C. Lovage)
Sean Harris (Gordon Bennett)

Genre:
Drama | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Das Gesetz der Familie | © Koch Media
© Koch Media

Die Cutlers betrachten sich selbst regelrecht als eine Art Clan und leben fernab der Stadt in einer Wohnwagensiedlung, während sie sich dem vorherrschenden Konsum- und Gesellschaftswesen verweigern. Um trotzdem über die Runden zu kommen, initiiert Familienoberhaupt Colby Cutler mehr oder minder riskante Raubüberfälle und andere Beutezüge, sieht sich aber nicht zuletzt deswegen als eine Art Robin Hood der modernen Gesellschaft. Gleichsam ist er darum bemüht, den Rest der Familie auf Linie zu halten und ausgerechnet sein Sohn Chad scheint sich mit dem Lebenswandel der Familie nicht mehr so recht anfreunden zu können. Der fungierte bislang als Fluchtwagenfahrer und gedenkt nun, mit seiner Frau und seinen zwei Kindern eine feste Bleibe zu finden, was Colby allerdings mit allen Mitteln zu verhindern sucht…

Rezension:

Ich konnte im Vorfeld kaum glauben, wie mittelmäßig doch Das Gesetz der Familie im Schnitt bewertet worden ist, wurden hier schließlich für das Regie-Debüt seitens Adam Smith zwei darstellerische Schwergewichte verpflichtet, die einmal mehr als Vater und Sohn (zuletzt in dem ansonsten sehr müden Assassin’s Creed) in Erscheinung treten dürfen und folglich bestes Schauspieler-Kino versprechen. Genau da liegt auch der inszenatorische Schwerpunkt des im Original als Trespass Against Us betitelten Streifens, doch so sehr sich die beiden Hauptdarsteller auch reinhängen, so enttäuschend bleibt letztlich der familiäre Konflikt, da man doch immer nur an der Oberfläche zu kratzen scheint und eine echte Katharsis letztlich ebenfalls vergeblich auf sich warten lässt.

Szenenbild aus Das Gesetz der Familie | © Koch Media
© Koch Media

Vor allem scheint man sich beinahe ein wenig zu sehr auf die namhaften Zugpferde des Streifens zu verlassen, denn so logisch und konsequent es sein mag, den von Michael Fassbender (Liebe zwischen den Meeren) verkörperten Chad als emotionale Identifikationsfigur und dramaturgischen Kern des Films zu inszenieren, wirken die weiteren Bewohner der behelfsmäßig anmutenden Wagenburg doch ausnehmend blass. Das gilt selbst für die von Lyndsey Marshal dargestellte Frau von Chad, derweil auch sonst charismatische Darsteller wie Rory Kinnear (iBoy) oder Sean Harris (Mission: Impossible) hier keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen vermögen. Immerhin Brendan Gleeson (Am Sonntag bist du tot) ist da zumindest von der schieren Wucht seiner Präsenz her die ruhmreiche Ausnahme, doch hätte es auch dem Familienoberhaupt Colby gut getan, ein wenig mehrdimensionaler in Szene gesetzt zu werden, denn so sehr es Teil seiner Figur sein mag, sich engstirnig und borniert zu geben, reichen die pseudophilosophischen wie christlich angelehnten Lehrsätze und proklamierten Weltsichten nicht aus, der Figur wirklich Leben und Tiefe zu verleihen.

So versandtet ausgerechnet der zentrale Vater-Sohn-Konflikt von Das Gesetz der Familie in einer ärgerlichen Banalität, während sich zwei Sturköpfe begegnen, die aus ungeklärten Motiven gänzlich gegensätzliche Ansichten vertreten. Weitaus besser gefällt die schon die allgemeine Ausgestaltung des Geschehens, die wieder einmal reichlich Charme und Lokalkolorit verströmt und das ländliche England gar wunderbar in Szene setzt, während auch die Siedlung des Cutler-Clan wirklich zu leben scheint, was in Anbetracht der rudimentär angelegten Bewohner gleich doppelt überrascht. Ebenfalls gelungen sind die wenigen, aber umso wirkungsvolleren, actionreicheren Passagen, so dass beispielsweise die Autoverfolgungsjagd zwischen einer regelrechten Schrottkarre der Cutlers und der "Dorfpolizei" in ihrer eigenwilligen Art erst ihren persönlichen Reiz entfaltet. Aber auch dramaturgisch wissen die Möchtegern-Gangster der Familie Cutler zu gefallen und sorgen mit ihrer oft eigenwilligen, um nicht zu sagen stümperhaften Herangehensweise für einige Kurzweil.

Szenenbild aus Das Gesetz der Familie | © Koch Media
© Koch Media

Nichtsdestotrotz mag eines der größten Probleme von Das Gesetz der Familie mal wieder eine gänzlich falsche Vermarktung sein, denn allein das deutsche Cover der DVD/Blu-ray schreit förmlich nach einem epischen wie düsteren Action-Reißer, derweil es sich doch vielmehr um ein Familien-Drama mit kriminellem Einschlag handelt, was sicherlich so manchen geneigten Zuschauer verprellen wird, wenn man sich stattdessen mit der ländlichen Tristesse konfrontiert sieht. Insbesondere dank Fassbender und Gleeson – und/oder als Fan der beiden – kann man sich Adam Smiths Debütfilm also zwar durchaus ansehen, sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass es sich doch eher um eine vergleichsweise unaufgeregte, kleine Geschichte vor beschaulicher Kulisse handelt, die in ihrem Metier richtig überzeugend hätte werden können, wenn man den einzelnen Figuren und deren Konflikten mehr Aufmerksamkeit gewidmet hätte, denn so ist es einzig das Talent der beiden Protagonisten (von denen einer gleichsam als Antagonist fungiert), die den Karren – oder in dem Fall die knallgelb gestrichene Karre – ein Stück weit aus dem Dreck zu ziehen vermögen.

Fazit & Wertung:

Adam Smith liefert mit Das Gesetz der Familie ein leider nur leidlich überzeugendes Familien-Drama mit ungewöhnlicher Prämisse ab, das noch dazu den (falschen) Eindruck vermittelt, deutlich reißerischer und adrenalingeschwängerter zu sein, als sich das Geschehen letztlich präsentiert. Dank des formidablen Darsteller-Duos Fassbender und Gleeson als Vater und Sohn könnte man zwar durchaus einen Blick riskieren, verpasst aber auch nichts Weltbewegendes, wenn man dieses Regie-Debüt unbeachtet lässt, auch wenn der raue Charme des Gezeigten durchaus zu gefallen weiß.

6 von 10 Auseinandersetzungen mit den Gesetzeshütern

Das Gesetz der Familie

  • Auseinandersetzungen mit den Gesetzeshütern - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Adam Smith liefert mit Das Gesetz der Familie ein leider nur leidlich überzeugendes Familien-Drama mit ungewöhnlicher Prämisse ab, das noch dazu den (falschen) Eindruck vermittelt, deutlich reißerischer und adrenalingeschwängerter zu sein, als sich das Geschehen letztlich präsentiert. Dank des formidablen Darsteller-Duos Fassbender und Gleeson als Vater und Sohn könnte man zwar durchaus einen Blick riskieren, verpasst aber auch nichts Weltbewegendes, wenn man dieses Regie-Debüt unbeachtet lässt, auch wenn der raue Charme des Gezeigten durchaus zu gefallen weiß.

6.0/10
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DVD:

Blu-ray:

vgw

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