Review: Liebe zwischen den Meeren (Film)

Erneut wie angekündigt kommt heute also ein weiterer Fassbender-Film, den ich nun endlich nachgeholt habe und der mir doch immerhin um Längen besser gefallen hat als der zu einer ähnlichen zeit entstandene Film, der Thema meiner gestrigen Film-Kritik gewesen ist. Frei von Schwächen mag auch dieser nicht sein, macht aber einen überzeugenden Gesamteindruck.

Liebe zwischen den Meeren

The Light Between Oceans, UK/NZ/USA 2016, 133 Min.

Liebe zwischen den Meeren | © Constantin
© Constantin

Regisseur:
Derek Cianfrance
Autoren:
Derek Cianfrance (Drehbuch)
M.L. Stedman (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Michael Fassbender (Tom Sherbourne)
Alicia Vikander (Isabel Graysmark)
Rachel Weisz (Hannah Roennfeldt)
in weiteren Rollen:
Bryan Brown (Septimus Potts)
Jack Thompson (Ralph Addicott)

Genre:
Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Liebe zwischen den Meeren | © Constantin
© Constantin

Nachdem Tom Sherbourne den Kriegsdienst 1918 quittiert hat, sucht er an der Küste Westaustraliens nach Ruhe und Abgeschiedenheit, die eine Stelle als Leuchtturmwärter auf der Insel Janus ihm verspricht. Während seiner spärlichen Besuche auf dem Festland lernt Tom alsbald die junge Isabel kennen, deren Lebensfreude sich auf den in sich gekehrten Mann zu übertragen beginnt. Bald heiraten die beiden und ziehen gemeinsam nach Janus, doch nach einer kurzen Zeit des Glücks muss das Paar einen ersten Schlag verkraften, als Isabel eine Fehlgeburt erleidet. Rund zwei Jahre später wiederholt sich dieser Schrecken und in ihrer Verzweiflung drängt Isabel ihren Mann, die Gunst der Stunde zu nutzen, als ein Boot an die Küste von Janus geschwemmt wird, das neben der Leiche eines Mannes einen nur wenige Wochen alten Säugling mit sich bringt, den das Ehepaar nun als ihr eigenes Kind ausgibt. Die Schicksalsschläge der Vergangenheit scheinen vergessen und die junge Familie erlebt pures Glück, bis zu dem Tag zumindest, als sie erfahren, dass die leibliche Mutter des Kindes noch am Leben ist…

Rezension:

Regisseur und Drehbuchautor Derek Cianfrance habe ich ja bereits vor längerer Zeit für den hochemotionalen Blue Valentine ins Herz geschlossen, derweil es unverhältnismäßig lange gedauert hat, bis ich auch dessen direkten Nachfolger The Place Beyond the Pines nachgeholt hatte, der mich dann auch überzeugen, aber nicht durchweg begeistern konnte. In eine ähnliche Kerbe schlägt nun auch der 2016 veröffentlichte Liebe zwischen den Meeren, für den sich Cianfrance erstmalig an einer literarischen Vorlage – in diesem Fall von M. L. Stedman – orientiert hat, was für sich genommen nun erst einmal natürlich weder Gutes noch Schlechtes bedeutet, aber insbesondere in der ersten Hälfte merkt man dem Film seine Herkunft doch oftmals allzu deutlich an, denn hier werden im Zeitraffer Figuren und Settings positioniert, wird über schier einen einzigen Blick die ewige, wahre Liebe postuliert, wird geheiratet, gelebt, gebangt, gehofft und gelitten, bevor das eigentliche Kernthema des Films überhaupt zum Tragen kommt. Dabei ist der Film mitnichten langweilig und weiß mit dem spröden Charme der australischen Küste durchaus zu punkten, doch erinnert das Ganze schon des Öfteren an einen typischen Kitsch-Roman, wenn man einmal davon absieht, dass man den Hauptfiguren doch spürbar mehr Sympathie entgegenbringt und diese dank nuancierter Figurenzeichnung langsam aber stetig an Profil gewinnen.

Szenenbild aus Liebe zwischen den Meeren | © Constantin
© Constantin

In dem Zusammenhang bin ich übrigens (mal wieder) ziemlich unglücklich mit dem deutschen Titel Liebe zwischen den Meeren, denn auch wenn der auf den ersten Blick gar nicht so weit entfernt ist von The Light Between Oceans schlägt das dort enthaltene "Licht" einerseits eine Brücke zu dem Leuchtturm und dessen Wärter, darf andererseits als Synonym für Hoffnung interpretiert werden, sowohl was den Kinderwunsch der beiden Liebenden angeht als auch die Hoffnung der Mutter des vermissten Kindes, dass ihre Tochter womöglich noch leben könnte. "Liebe" hingegen, so präsent sie in dem Streifen auch sein mag, suggeriert eben, es würde sich um einen Liebesfilm handeln, was abgesehen von rund zwanzig Minuten im ersten Filmdrittel definitiv nicht der Fall ist. So kommt der Plot nämlich wie gesagt erst so richtig in die Gänge, nachdem Tom Sherbourne und dessen Frau Isabel vom Schicksal schwer gebeutelt worden sind und besagtes Baby zunächst retten und dann in ihre Obhut nehmen, es schlussendlich als ihr eigenes Kind ausgeben. Ab diesem Punkt wird dann auch allmählich das Erzähltempo langsamer, verdichteter und (noch) emotionaler, spätestens, wenn wir in Gestalt von Rachel Weisz (The Fountain) die eigentliche, trauernde Mutter Hannah Roennfeldt präsentiert bekommen und Tom klar wird, welche Schuld sie eigentlich auf sich geladen haben.

Überhaupt ist die Schuldfrage ein mehr als zentrales Thema in dem Film und hier spielt Cianfrance dann auch wieder seine inszenatorischen wie dramaturgischen Fähigkeiten aus, keine einfachen Antworten zu liefern, denn zu keinem Zeitpunkt läuft er Gefahr, sich für eine der Parteien über Gebühr stark zu machen. Während Alicia Vikander (Codename U.N.C.L.E.) als Isabel durch den Schmerz, der mit dem Verlust ihrer Kinder einhergeht, früh enorm wuchtvolle, an die Substanz gehende Szenen für sich verbuchen kann, kommt hier nun auch der von Michael Fassbender (Frank) verkörperte, zu Beginn so sorgsam aufgebaute Tom in seiner ganzen moralischen Integrität zum Tragen, der sich in einem Dilemma sondergleichen wiederfindet, einerseits das Glück seiner Frau nicht zu zerstören und andererseits, mit dem Schmerz und der Verzweiflung von Hannah konfrontiert zu sein, der sich, obwohl die beiden abgeschieden auf der Leuchtturminsel leben, nur schwerlich dauerhaft ausblenden oder ignorieren lässt.

Szenenbild aus Liebe zwischen den Meeren | © Constantin
© Constantin

In dieser Konstellation hätte aus dem Film schnell ein regelrechtes Rührstück werden können, doch gelingt es Cianfrance tatsächlich, zwar ein emotionales Melodram zu kreieren, dabei aber nicht in verkitschten Pathos abzurutschen, was wohl eine der großen Stärken des Films darstellt, der in seiner zweiten Hälfte gleich mehrfach regelrecht die Kehle zuschnürt. Einzig davon ausgenommen leider die finale Szene nach durchaus stolzen knapp mehr als zwei Stunden Spielzeit, denn die entspricht so sehr dem Hollywood-Klischee einer kathartischen Begegnung, dass es zwar den Filmgenuss in seiner Gänze nicht wirklich schmälert, aber doch beinahe so wirkt, als habe noch mal eben ein anderer Regisseur das Zepter übernommen. Dessen ungeachtet ist und bleibt Liebe zwischen den Meeren ganz großes Schauspieler-Kino, das speziell im Mittelteil ergriffen macht, wenn man sich zuvor auf die doch zuweilen beinahe elegische Inszenierung hat einlassen können. So erfrischend unverbraucht, wie Cianfrances Überraschungs-Hit Blue Valentine kommt der Film allerdings bei weitem nicht daher und wirkt in seiner Erzählform doch reichlich generisch, wobei er pflichtschuldig sämtliche Etappen eines solchen Familiendramas passiert.

Fazit & Wertung:

Derek Cianfrance liefert mit Liebe zwischen den Meeren ein weiteres Mosaikstück seiner durchweg sehenswerten filmischen Vita, umschifft Kitsch und Pathos zwar die meiste Zeit gekonnt, braucht allerdings auch einige Zeit, bis sein Film in Fahrt kommt. Sehenswert wird selbiger aber fernab der spröden Kulisse Westaustraliens vor allem durch Fassbenders und Vikanders eindringliches Schauspiel, dem auch Rachel Weisz als verzweifelte Mutter in nichts nachsteht.

7,5 von 10 abgeschieden verbrachten Lebensjahren

Liebe zwischen den Meeren

  • Abgeschieden verbrachte Lebensjahre - 7.5/10
    7.5/10

Kurzfassung

Derek Cianfrance liefert mit Liebe zwischen den Meeren ein weiteres Mosaikstück seiner durchweg sehenswerten filmischen Vita, umschifft Kitsch und Pathos zwar die meiste Zeit gekonnt, braucht allerdings auch einige Zeit, bis sein Film in Fahrt kommt. Sehenswert wird selbiger aber fernab der spröden Kulisse Westaustraliens vor allem durch Fassbenders und Vikanders eindringliches Schauspiel, dem auch Rachel Weisz als verzweifelte Mutter in nichts nachsteht.

7.5/10
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vgw

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