Review: Lady Bird (Film)

Endlich – und noch dazu passend zum Wochenende – bin ich auch dazu gekommen, mir diesen wunderbaren Film anzusehen und ihn nun auch noch zu besprechen, so dass ich mich nun mit bester Laune ins Wochenende verabschieden kann.

Lady Bird

Lady Bird, USA 2017, 94 Min.

Lady Bird | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseurin:
Greta Gerwig
Autorin:
Greta Gerwig

Main-Cast:

Saoirse Ronan (Lady Bird McPherson)
Laurie Metcalf (Marion McPherson)
Tracy Letts (Larry McPherson)
Lucas Hedges (Danny O’Neill)
Timothée Chalamet (Kyle Scheible)
Beanie Feldstein (Julie Steffans)
Stephen McKinley Henderson (Father Leviatch)
Lois Smith (Sister Sarah Joan)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Lady Bird | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Die kurz vor ihrem Abschluss stehende siebzehnjährige Christine McPherson fühlt sich zunehmend eingeengt und erdrückt von der ländlichen Idylle ihrer Heimat Sacramento und fühlt sich zu einem Leben als Künstlerin oder dergleichen berufen, weshalb sie sich unlängst auch auf den Namen "Lady Bird" getauft hat, um das Konzept ihres freiheitsliebenden Selbstbildes zu unterstreichen, was freilich bei einigen ihrer MitschülerInnen hochgezogene Augenbrauen hervorruft, derweil es weit eher ihre Mutter Marion, die mit den Marotten ihrer Tochter nicht umzugehen weiß, während die ihr eine passiv-aggressive Haltung vorwirft, was zunehmend zu Reibereien zwischen den beiden führt, da sie grundlegend differierende, sich gleichzeitig aber gar nicht so unterschiedliche Ansichten vertreten, die sich nur schwer miteinander vereinbaren lassen. Dessen ungeachtet träumt Lady Bird von einem Leben an der ihrer Meinung nach von zahllosen Künstlern bevölkerten Ostküste und kann nichts sehnlicher erwarten, als ihrer ausnehmend christlich geprägten Schule und dem eigenen Elternhaus den Rücken kehren zu können, Bis dahin aber gilt es, noch einige Stationen des Erwachsenwerdens zu passieren und auch die selbstbewusste Lady Bird ist nicht davor gefeit, auch mal Fehler zu machen…

Rezension:

Lange habe ich es nicht geschafft, mir den vielfach gepriesenen und vielfach ausgezeichneten Lady Bird anzusehen und trotz der zahlreichen Lobeshymnen war ich diesmal überzeugt, dass die Vorschusslorbeeren meine Erwartungshaltung nicht in unverhältnismäßige Höhen schrauben würde, denn mit Coming-of-Age-Filmen im Allgemeinen bekommt man mich ja eigentlich immer und wenn sie dann noch so gelungen daherkommen, wie es dem von Greta Gerwig inszenierten Film attestiert worden ist, kann ja eigentlich kaum noch etwas schief gehen. Und tatsächlich wusste mich "Lady Bird" – die Rede ist nun von der titelgebenden Hauptfigur – bereits in den ersten Minuten vollends für sich einzunehmen, während es Gerwig – die auch das Skript zum Film verfasst hat – hier bereits in der Eröffnungsszene gelingt, die durchaus prekäre Mutter-Tochter-Beziehung zu skizzieren, die eines der Kernthemen des Films darstellen wird, der trotz seiner einen längeren Zeitraum umfassenden Handlung mit gerade einmal knapp über neunzig Minuten auffallend reduziert daherkommt.

Szenenbild aus Lady Bird | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Entsprechend kommt es nicht von ungefähr, dass der Arbeitstitel zwischenzeitlich Mothers and Daughters lautete, denn auch wenn es sich um einen klassischen Coming-of-Age-Film handeln mag, glänzt Lady Bird doch insbesondere bei der schwierigen Beziehung zwischen Christine und ihrer Mutter Marion. Die wiederum wird von Laurie Metcalf verkörpert, die mir vorrangig als Sheldons Mutter Mary Cooper in The Big Bang Theory bekannt war, hier schauspielerisch aber freilich weitaus mehr gefordert wird und eine gar großartige Darstellung abliefert, die nur von Saoirse Ronan übertroffen wird. Die hat sich nicht erst mit Brooklyn einerseits für das Coming-of-Age-Genre, andererseits für differenziert geschriebene und einzigartige Frauenfiguren qualifiziert, weshalb es ganz den Erwartungen entspricht, wenn man neidlos anerkennen muss, dass der gesamte Film von ihr dominiert und getragen wird.

Dabei wirkt das in den Jahren 2002 und 2003 angesiedelte Geschehen tatsächlich wie einer anderen Zeit entsprungen, obwohl noch nicht einmal zwei Dekaden seitdem vergangen sind, doch gibt sich Gerwig unter anderem mit künstlich hinzugefügtem Filmkorn redlich Mühe, das Gezeigte auch optisch entsprechend anzugleichen, während natürlich am mitunter auffälligsten sein dürfte, dass Handys und Smartphones hier noch längst nicht im Alltag angekommen waren. In Kombination mit der ungemein gläubigen Schulgemeinschaft und dem ländlichen Charme von Sacramento ergibt sich dadurch ein halb nostalgisch verklärtes, halb regelrecht aus der Zeit gefallen wirkendes Setting, was in etwa auch dem Blick von Lady Bird auf ihre Umgebung entspricht, die dem kleinbürgerlichen Charme nichts abzugewinnen weiß und von geistreichen wie eloquenten Unterhaltungen in der großen Stadt träumt, in der sie ihr Glück zu machen anstrebt. Den Gesetzmäßigkeiten des Genres folgend, steht im letzten Schuljahr aber freilich zunächst einmal die erste große Liebe und die bewusste Auflehnung gegen die Obrigkeit an, wobei die Protagonistin Letzteres schon perfektioniert zu haben scheint und mit ihrer Art mehr als einmal gehörig aneckt.

Szenenbild aus Lady Bird | © Universal Pictures
© Universal Pictures

In diesen Aspekten holt Gerwig dann zwar kaum Neues aus dieser Sparte Film heraus, inszeniert das gesamte Geschehen aber wie eingangs schon erwähnt so dermaßen verdichtet und komprimiert, dass keine einzige Szene überflüssig oder unnötig wirkt, weshalb das Geschehen in Lady Bird auch trotz oder gerade wegen seiner grundsätzlichen Banalität eine überraschende Sogwirkung entfaltet, derweil es die Drehbuchautorin und Regisseurin eben auch nicht versäumt, fernab von Lady Bird zumindest schlaglichtartig auch die anderen Figuren zu skizzieren wie etwa Christines Vater Larry, der von Tracy Letts (Imperium) verkörpert wird und nicht zuletzt dazu beiträgt, neue Impulse im immerwährenden Konflikt zwischen Lady Bird und ihrer Mutter beizusteuern. Die wechselnden Liebschaften hingegen verlaufen weit eher nach Schema F und dienen weit eher dazu, Christines Charakter zu umreißen, doch überzeugen sowohl Lucas Hedges (Manchester by the Sea) als auch Timothée Chalamet im Korsett ihrer jeweiligen Rolle durchaus. Was bleibt, ist ein vom ersten bis zum letzten Moment faszinierend ergreifendes Coming-of-Age-Drama, das mit einer überraschenden Wahrhaftigkeit und Intimität begeistert und berührt.

Fazit & Wertung:

In dem von Greta Gerwig ersonnenen und inszenierten Lady Bird brilliert Saoirse Ronan als namensgebende Titelfigur in einem grundsätzlich nicht einmal sonderlich überraschenden, dramaturgisch und inszenatorisch dafür umso beeindruckenderen Coming-of-Age-Drama, das noch weit mehr und besser als Mutter-Tochter-Geschichte zu funktionieren versteht und mit entwaffnender Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit besticht.

9 von 10 Stationen des Erwachsenwerdens

Lady Bird

  • Stationen des Erwachsenwerdens - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

In dem von Greta Gerwig ersonnenen und inszenierten Lady Bird brilliert Saoirse Ronan als namensgebende Titelfigur in einem grundsätzlich nicht einmal sonderlich überraschenden, dramaturgisch und inszenatorisch dafür umso beeindruckenderen Coming-of-Age-Drama, das noch weit mehr und besser als Mutter-Tochter-Geschichte zu funktionieren versteht und mit entwaffnender Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit besticht.

9.0/10
Leser-Wertung 8.5/10 (2 Stimmen)
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Lady Bird ist am 23.08.18 auf DVD und Blu-ray bei Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Kommentare (2)

  1. Stepnwolf 10. Februar 2019
  2. mwj 13. Februar 2019

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