Review: Don’t Look Up (Film)

Nun, selbst bei Filmen, die ich mir ohne Aufwand oder zusätzliche Kosten ansehen könnte – im Stream natürlich – fange ich jetzt schon an, Monate ins Hintertreffen zu geraten. Wo soll das noch hinführen, würde ich beinahe fragen, aber aus Angst vor der Antwort behaupte ich einfach schnell, die Frage wäre nur rhetorisch gewesen.

Don’t Look Up

Don’t Look Up, USA 2021, 138 Min.

Don't Look Up | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
Adam McKay
Autor:
Adam McKay

Main-Cast:
Leonardo DiCaprio (Dr. Randall Mindy)
Jennifer Lawrence (Kate Dibiasky)

in weiteren Rollen:

Rob Morgan (Dr. Teddy Oglethorpe)
Jonah Hill (Jason Orlean)
Mark Rylance (Peter Isherwell)
Tyler Perry (Jack Bremmer)
Timothée Chalamet (Yule)
Ron Perlman (Benedict Drask)
Ariana Grande (Riley Bina)
Kid Cudi (DJ Chello)
Himesh Patel (Phillip)
Melanie Lynskey (June Mindy)
Michael Chiklis (Dan Pawketty)
Tomer Sisley (Adul Grelio)
Paul Guilfoyle (General Themes)
Robert Joy (Congressman Tenant)
Cate Blanchett (Brie Evantee)
Meryl Streep (President Orlean)

Genre:
Komödie | Drama | Endzeit

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Don't Look Up | © Netflix
© Netflix

Doktorandin Kate Dibiasky kann ihr Glück kaum fassen, als sie bei der Arbeit im Observatorium einen riesigen Kometen entdeckt und schnell sind Astronomie-Professor Dr. Randall Mindy und Kates Kollegen zur Stelle, um das gebührend zu feiern. Die Euphorie ebbt allerdings schnell ab, als sich heraus zu kristallisieren beginnt, dass der Komet geradewegs auf die Erde zurast. Gerade einmal sechs Monate und vierzehn tage bleiben der Menschheit, denn der Himmelskörper mit mehr als neun Kilometern Durchmesser würde sämtliches Leben auf der Erde vernichten. Schnell wird eine Unterabteilung der NASA, das "Planetary Defense Coordination Office, kontaktiert und Dibiasky und Mindy werden eilends ins Weiße Haus eskortiert. Dort passiert aber erst einmal nicht viel, zumal man nicht wirklich glauben will, dass die Erde in Gefahr sein könne. Die Engstirnigkeit setzt sich fort, als Kate und Randall stattdessen über die Medien versuchen Alarm zu schlagen, denn Wissenschaft ist längst nicht sexy genug, um im Fernsehen zu funktionieren und zumindest Kate gilt ohnehin schnell als hysterische Furie…

Rezension:

Gerade erst habe ich mir mal wieder The Big Short angesehen und bin darüber darauf gestoßen, dass es für mich ja seit vergangenem Heiligabend noch immer Don’t Look Up nachzuholen gilt, den bis dato aktuellsten Film von Adam McKay, der auch zu der Fraktion an Filmen gehört, die im Zuge der Corona-Pandemie zu Netflix gewandert sind. Ohnehin hat aber die Pandemie dazu geführt, dass McKays satirisch gedachter Kommentar von der Realität mehr als eingeholt worden ist, denn eigentlich inspirierte ihn die Klimakrise zu seiner Weltuntergangsgeschichte, doch in Zeiten, in denen anscheinend auch eine Pandemie höchst erfolgreich geleugnet werden kann, scheint das abstruse Verhalten derer im Film, die das nahende Ende nicht wahrhaben wollen, nicht wirklich satirisch überzeichnet oder in irgendeiner Weise weniger glaubwürdig.

Szenenbild aus Don't Look Up | © Netflix
© Netflix

Aber auch sonst scheinen McKays Spitzzüngigkeit, Sarkasmus und sein Satire-Talent mitunter an realen Begebenheiten zu hängen, wie zuletzt auch mit Vice bewiesen, wohingegen die Ereignisse in Don’t Look Up doch eher handzahm und vorhersehbar erscheinen. Natürlich mag es manche Spitze geben und der Film als solches wimmelt vor Karikaturen und Verballhornungen, aber das ist eben nicht immer alles, wie das Treiben hier beweist, das zu allem Überfluss auch deutlich zu lang geraten ist. Keine Frage, manche Story benötigt ihre Zeit und grundsätzlich bin ich auch ein Fan überlanger Werke, aber hier wirkt vieles auch schlichtweg redundant, wenn Professor Mindy ein ums andere Mal bei "the daily rip" zu Gast ist. Auch Nebenschauplätze wie der um Sängerin Riley Bina (Ariana Grande) sind okay, aber mitnichten zwingend vonnöten, zumal auch hier gern deutlich mehr satirische Schärfe hätte hinzugegeben werden dürfen. Wer die letzten zwei Filme von McKay gesehen hat, mag sich zudem fragen, wo sein verspielter, verschachtelter, fordernder Stil geblieben ist, denn auch wenn es hier manche gelungene Schnittmontage geben mag, begnügt er sich ansonsten inszenatorisch mit der anfänglichen Einblendung des Logos des Planetary Defense Coordination Office und verlegt sich ansonsten auf eine sehr gewöhnliche Art des Storytelling.

Woran sich immerhin nichts geändert hat ist die immense Star-Fülle, mit der nun eben auch Don’t Look Up aufzuwarten vermag und daraus keinen Hehl macht, wenn gleich zu Beginn in poppig-bunter Manier mehr als ein dutzend illustrer Namen eingeblendet werden, die auch hier wieder für teils kleinste Rollen unterschrieben haben. In dieser illustren Riege fühlen sich dann auch Leonardo DiCaprio (Once Upon a Time in Hollywood) und Jennifer Lawrence (Mother!) sichtlich wohl, geben vor allem aber ein beinahe unverschämt gutes Leinwand-Duo ab, so dass man sicherlich festhalten kann, dass es einer der Clous des Films ist, diese beiden Stars "zusammengepackt" zu haben. Ansonsten brilliert hier vorrangig die weibliche Belegschaft, allen voran Cate Blanchett (Nightmare Alley) als vom Weltuntergang kaum irritierte TV-Moderatorin Brie Evantee sowie Meryl Streep (Im August in Osage County) als wahlkampfverbissene Präsidentin Orlean, wobei Jonah Hill (Maniac) als deren verzogener Sohn Jason ebenfalls eine gelungene Figur macht. Hier jetzt jeden Gastauftritt und Cameo aufzudröseln würde merklich zu weit führen, doch festzuhalten bleibt, dass hier das Konzept uneingeschränkt aufgeht, zumal es gefühlt jedem überlassen blieb, ob er oder sie nun gänzlich over-the-top oder doch lieber etwas zurückhaltender agieren möchte.

Szenenbild aus Don't Look Up | © Netflix
© Netflix

Ich habe mich also durchaus gut unterhalten gefühlt in den nicht ganz zweieinhalb Stunden, nur fehlte eben oft dieses letzte Quäntchen Faszination oder Begeisterung, der überspringende Funke und das Einzigartige, was man in den letzten Filmen McKays weitaus spielender ausmachen konnte, obwohl es um vergleichsweise ernste Themen ging. Klar, auch – oder gerade! – der drohende Weltuntergang ist eine ernste Sache, wird hier aber nicht als solche vermarktet, zumal es vorrangig darum geht, wie absurd die Menschheit auf ihr nahendes – und anscheinend unabwendbares – Ende reagiert, was dann auch vergleichsweise spät den Filmtitel Don’t Look Up erklärt. Frei nach dem Motto nämlich, dass nicht sein kann, was ich nicht sehe, entspinnt sich eine ganze Bewegung um den abstrusen Ansatz, die Existenz des Kometen an sich zu leugnen. Dazwischen allerdings gibt es einiges an Leerlauf, der dem Film im Mittelteil nicht gut zu Gesicht steht, denn auch wenn es nicht die Art des Regisseurs und Drehbuchautors sein mag, sich kurz zu fassen, wäre hier weniger definitiv mehr gewesen, um die Weltuntergangs-Satire deutlich windschnittiger präsentieren zu können.

Fazit & Wertung:

Adam McKay liefert mit Don’t Look Up eine durchaus sehenswerte, aber weit hinter ihren Möglichkeiten bleibende Satire, der oft der richtige Biss fehlt. Immerhin überzeugen das bestens aufgelegte Ensemble und zahlreiche gelungene Seitenhiebe, doch straffer inszenieren hätte man die Weltuntergangsgeschichte allemal.

7 von 10 Ideen, womöglich die Welt zu retten

Don't Look Up

  • Ideen, womöglich die Welt zu retten - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Adam McKay liefert mit Don’t Look Up eine durchaus sehenswerte, aber weit hinter ihren Möglichkeiten bleibende Satire, der oft der richtige Biss fehlt. Immerhin überzeugen das bestens aufgelegte Ensemble und zahlreiche gelungene Seitenhiebe, doch straffer inszenieren hätte man die Weltuntergangsgeschichte allemal.

7.0/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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Don’t Look Up ist seit dem 24.12.21 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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