Review: Raven – Söhne des Donners | Giles Kristian (Buch)

Heute geht es mal wieder zu den Nordmännern auf hohe See, denn viel zu lange hatte ich schon das jüngste Abenteuer des noch unbedarften Raven hier liegen, der sich im vorangegangenen Teil der Kriegerschar um Jarl Sigurd angeschlossen hat.

Raven
Söhne des Donners
Raven-Saga 2

Raven: Sons of Thunder, UK 2011, 432 Seiten

Raven - Söhne des Donners von Giles Kristian | © Heyne
© Heyne

Autor:
Giles Kristian
Übersetzer:
Wolfgang Thon

Verlag (D):
Heyne
ISBN:
978-3-453-47163-4

Genre:
Historie | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

Bei Einbruch der Dunkelheit kamen wir an Land. Das Reich der Franken. Ich wusste damals nichts über die Franken, aber trotzdem wog allein dieses Wort schwer. Es bedeutete Macht – ein Wort, in dem, zumindest in den Ohren eines Heiden, die Drohung von scharfem Stahl und hasserfüllten Kriegern mitschwang, und der neuen unersättlich gierigen Magie – der Magie des weißen Christus.

An Bord der Fjord-Elch sind Sigurd und seine Männer – unter ihnen auch der junge Osric, unlängst auf den Namen "Raven" getauft – noch immer unterwegs, um den Feigling und Verräter Ealdred dingfest zu machen, der an Bord der Seeschlange von der Küste von Wessex geflüchtet ist. Mit einem gewieften Plan gedenken sie, dem Schiff des Ealdorman aufzulauern, derweil Raven dessen hübscher Tochter Cynethryth langsam näher kommt, die sich nunmehr ebenfalls zu der Mannschaft der Fjord-Elch zählt, auch wenn das nicht jedem der Nordmänner behagt. Doch auch Raven hat sich noch längst nicht das Vertrauen der gesamten Kriegerschar verdient, weshalb es sein Glück ist, dass insbesondere ihr Anführer Jarl Sigurd ihm auch weiterhin gewogen ist, zumal der ihm alsbald eine unrühmliche Aufgabe übertragen wird, die ihn auf ewig bei den heidnischen Kriegern in Misskredit bringen könnte. Und doch scheint sich immer wieder zu bewahrheiten, dass Raven in der Gunst von Odin selbst zu stehen scheint…

Rezension:

Nachdem man hierzulande die Veröffentlichung der Romane von Giles Kristian mit der Sigurd-Saga begonnen hatte, hat deren Erfolg bekanntermaßen dazu geführt, dass auch die eigentlich einige Jahre zuvor entstandenen, wohlgemerkt aber der dreibändigen Saga chronologisch nachgelagerten – Geschichten von Raven eingedeutscht worden sind und nach dem Auftakt namens Raven – Blutauge liegt nun seit November vergangenen Jahres mit Raven – Söhne des Donners auch der zweite Band der ebenfalls dreibändigen Reihe in deutscher Erstauflage vor. Und auch hier wieder muss ich sagen, dass sich der Schreibstil des Autors durchaus entwickelt hat und man entsprechend merkt, dass dieses Buch noch vergleichsweise ungeschliffen daherkommt, während es mich insbesondere überrascht hat, wie simpel und stringent sich im Grunde die gesamte Geschichte präsentiert. Denn trotz kleinerer Schlenker in der Dramaturgie ist es doch recht überschaubar, wie sich Sigurds Wolfsrudel zunächst in Richtung des französischen Kaisers hinwendet, um sich später – legt mir das bitte nicht als Spoiler aus – wieder in die entgegengesetzte Richtung von dannen zu machen.

Er hatte mich auf die Probe gestellt, denn Sigurd glaubte, dass ein Jarl sowohl die Verschlagenheit Óðins als auch die grausame Stärke Thórs besitzen sollte. Er hatte diese beiden Fähigkeiten in gleichem Maß, und das war der Grund, warum ihm seine Männer bis zum Ende des Ozeans folgen würden.

Ansonsten funktioniert der von allen Raven genannte Jungspund in Sigurds Truppe auch hier wieder wunderbar als Erzähler, aus dessen Sicht die Abenteuer der umtriebigen Nordmänner geschildert werden, denen er sich einerseits verbunden fühlt, aber gleichsam unbestreitbar als Neuankömmling einen gewissen außenseiter-Status besitzt. Die Story schließt sich hierbei geradezu minutiös an den Vorgänger an und so sind Sigurd und Konsorten immer noch auf den Fersen von Ealdorman Ealdred, der ihnen kurz zuvor eines ihrer wertvollen Schiffe entwendet hat. In Gestalt von dessen Tochter Cynethryth wird hier zudem der Grundstein für eine zwar zaghafte, aber doch eben spürbar vorhandene Liebesgeschichte zwischen Raven und ihr gelegt, was natürlich die Motivation des jungen Mannes untermauert, ihn andererseits aber in einen gewissen Zwiespalt bringt, denn so sehr Ealdred das Vertrauen seiner Tochter enttäuscht haben mag, wird die es sicherlich nicht begrüßen, dass er von den versammelten Nordmännern hingerichtet werden soll, sollte man seiner habhaft werden.

Derweil dürfte einem die schroffe Kriegerschar natürlich längst ans Herz gewachsen sein – ob man nun zuvor die Sigurd-Saga oder "nur" den Auftaktband gelesen hat – und entsprechend wage ich zu behaupten, dass wer sich für Blutauge erwärmen konnte, auch an Söhne des Donners Gefallen finden sollte, zumal die Geschichte, da als direkte Fortsetzung konzipiert, hier deutlich schneller in die Gänge kommt und ungleich actionreicher wirkt, auch wenn es eine Weile bis zur ersten Konfrontation dauern wird. Darüber hinaus haben aber auch sowohl Sigurd als auch Raven wieder einiges an cleveren Listen in petto, die zwar nicht unbedingt neu wirken, dennoch Loki sicherlich stolz gemacht hätten. Besonders spannend indes ist hier insbesondere das sich ergebende Konfliktpotential, wenn die heidnischen Nordmänner sich alsbald mit den Anhägern christlichen Glaubens konfrontiert sehen, denn die Jagd nach dem verschlagenen Ealdorman ist freilich nur der Auftakt für eine ungleich abenteuerlichere Geschichte, denn da wäre ja immer noch das für die Christenheit enorm wichtige wie wertvolle Buch, das man nun an den Mann zu bringen gedenkt.

»Sigurd hat recht, was dich angeht, denn du hast uns nur Gutes gebracht.« Er nickte und stemmte den Schaft des Speeres in den Sand. »Du bist gezeichnet. Wie sonst könntest du noch atmen? Die Hälfte der Krieger, die mit Sigurd aufgebrochen sind, sind gefallen. Du hast neben Männern im Schildwall gestanden, die viermal besser sind als du, die einige der besten blutgierigen Wölfe waren, die unser Land jemals hervorgebracht hat. Und doch stehst du hier und spuckst große Töne.«

Auch diese abenteuerliche Reise ist natürlich wieder gespickt mit Erwähnungen und Geschichten nordischer Gottheiten, die von den Kriegern bei jeder sich bietenden Gelegenheit beschworen oder alternativ verantwortlich gemacht werden, derweil es ansonsten nicht nur sprachlich hier wieder gewohnt rau und roh zur Sache geht, was sich einerseits in den derben Beleidigungen, die man sich an den Kopf schmeißt, andererseits in den doch sehr expliziten Gewalttaten widerspiegelt, die Kristian hier zum Besten gibt. Zartbesaitet sollte man also auch diesmal nicht sein, wenn man gedenkt, mit den kampferprobten Nordmännern einen Platz an der Ruderbank zu teilen, doch wird das abwechslungsreiche Treiben dadurch nur umso kurzweiliger und wusste mich hier auch wieder mehr zu begeistern als noch bei dem eher gemäßigt inszenierten Vorgänger, der so seine Anlaufschwierigkeiten hatte, während es hier direkt – und vermehrt – in die Vollen geht.

Fazit & Wertung:

Der ursprünglich 2011 veröffentlichte Historien-Roman Raven – Söhne des Donners versteht sich als direkte Fortsetzung des Auftaktbandes der Raven-Saga und setzt genau dort ein, wo man Raven, Sigurd und die anderen Nordmänner zurückgelassen hat, so dass die Geschichte ohne Umschweife in Fahrt kommt und sowohl Spannung als auch Tempo über die gesamte Länge zu halten versteht. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte vergleichsweise überschaubar und wenig überraschend geraten, bietet dafür aber enorme Kurzweil und eine gewohnt mehr als stimmige Atmosphäre.

7,5 von 10 Anbetungen nordischer Gottheiten

Raven – Söhne des Donners

  • Anbetungen nordischer Gottheiten - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Der ursprünglich 2011 veröffentlichte Historien-Roman Raven – Söhne des Donners versteht sich als direkte Fortsetzung des Auftaktbandes der Raven-Saga und setzt genau dort ein, wo man Raven, Sigurd und die anderen Nordmänner zurückgelassen hat, so dass die Geschichte ohne Umschweife in Fahrt kommt und sowohl Spannung als auch Tempo über die gesamte Länge zu halten versteht. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte vergleichsweise überschaubar und wenig überraschend geraten, bietet dafür aber enorme Kurzweil und eine gewohnt mehr als stimmige Atmosphäre.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Heyne. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Raven – Söhne des Donners ist am 12.11.18 bei Heyne als Taschenbuch erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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