Review: Krasse Killer – Der neunte Hap & Leonard-Roman | Joe R. Lansdale (Buch)

Hap & Leonard

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Viel zu lang ist’s her, dass ich mich mit Hap und Leonard herumgetrieben habe und deshalb gibt es heute endlich wieder eine Rezension zum nächsten Vertreter der gleichnamigen Reihe.

Krasse Killer
Der neunte Hap & Leonard-Roman

Honky Tonk Samurai, USA 2015, 384 Seiten

Krasse Killer von Joe R. Lansdale | © Golkonda Verlag
© Golkonda Verlag

Autor:
Joe R. Lansdale
Übersetzer:
Robert Schekulin

Verlag (D):
Golkonda
ISBN:
978-3-946-50306-4

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Es beginnt für Hap und Leonard mal wieder mit dem scheinbar harmlosen Auftrag, einen vermeintlich untreuen Ehemann zu beschatten, doch von da ist es nur ein kurzer Weg bis zu einem neuerlichen Konflikt mit dem Gesetz, das nun auch wieder von Marvin Hanson vertreten wird. Der muss dafür seine Privatdetektei aufgeben und vermacht selbige Brett, so dass Hap alsbald für seine Lebensgefährtin arbeitet, die einen nicht minder profan erscheinenden Vermisstenfall an Land zieht, dessen letzte Spur bereits fünf Jahre zurückliegt. Trotz fehlendem investigativen Talent stolpern die beiden allerdings schnurstracks in ein Wespennest organisierter Kriminalität, in dem sich auch die vermisste Sandy bewegt zu haben scheint und bald schon ist die Kacke gehörig am Dampfen, während Hap sich noch mit einer neuen Herausforderung privater Natur konfrontiert sieht. Einmal mehr ziehen die beiden Freunde ihre Bekannten und früheren Weggefährten zu Rate und eine beinharte Motorradgang aufzumischen ist dabei nur der Beginn einer von langer Hand zu erwartenden Eskalation der Ereignisse…

Rezension:

Ein wenig fühlte es sich ja schon wie Heimkommen an, als ich mit dem nunmehr neunten Band der Hap-&-Leonard-Reihe, wie immer alliterativ als Krasse Killer betitelt, begonnen habe, denn obwohl gerade einmal dreieinhalb Monate seit der letzten Rezension zum Thema vergangen sind, haben mir die beiden ungleichen besten Freunde doch schon gehörig gefehlt und entsprechend graut es mir schon davor, wenn ich zum bislang aktuellsten Band der Reihe aufgeschlossen haben werde und dann wie alle anderen schmachtend auf einen etwaigen Nachfolger werde warten müssen. Nichtsdestotrotz muss ich attestieren, dass Lansdale sich hier auf Altbekanntem auszuruhen droht, obwohl der Band noch immer uneingeschränkt lesens- und lohnenswert ist, doch erneut verhält es sich so, dass er von Jim Bob Luke über Cason Statler aus Camp Rapture bis hin zu Vanilla allerhand nunmehr bekannte Figuren mehr oder minder ausführlich Schaulaufen lässt, um den Plot des Ganzen aufzupeppen.

Wir sind nicht wirklich auf Ärger aus, Leonard und ich. Der Ärger hat‘s auf uns abgesehen. Meist fängt es ganz harmlos an, doch dann löst sich irgendwo etwas, das dann wackelt und klappert wie eine lockere Schraube an einem Karussell. Das scheint erst mal keine große Sache zu sein, bloß eine los, klappernde Schraube, die einem irgendwann aber um die Ohren fliegt, während das Karussell knarrt und quietscht, alles in sich zusammensackt und sich dann zu einem hässlichen Durcheinander aus scharfen Kanten, verbogenem Metall und blutigen Haufen Fleischs verknäult.

Der hat es ohne Frage aber auch ohne Zuhilfenahme dieser Figuren wieder mehr als in sich und beginnt – wie man das mittlerweile gewohnt ist – mit einer zunächst ziemlich trivial scheinenden Verkettung von Ereignissen, die Hap und Leonard alsbald – wieder einmal – unvermittelt in ein regelrechtes Nest aus dubiosen Geschäften, Mord, Erpressung und organisierter Kriminalität stolpern lassen, so dass alsbald sowohl Fäuste als auch Kugeln zu fliegen beginnen. Nichts Neues also im nur vermeintlich ruhigen LaBorde und das ist es auch alleine, was Krasse Killer zuweilen ein wenig abgeschmackt wirken lässt, denn derlei widerfährt den beiden wahrlich nicht zum ersten und sicherlich auch nicht letzten Mal, derweil sie zumindest dahingehend mittlerweile zur Selbstreflexion neigen, dass sie genau wissen, in was für einen Schlamassel sie unweigerlich zu stolpern drohen. Immerhin, im Detail lassen sich auch Änderungen ausmachen und die Geschichte befindet sich im spürbar stetigen Wandel, wenn man einmal vom zunehmenden Alter der Protagonisten anfängt, die nun eben doch anders agieren als dreißig Jahre zuvor oder wenn man berücksichtigt, dass Marvin Hanson mittlerweile wieder den Polizeichef geben darf, nachdem er sich die letzten Jahre mit seiner Privatdetektei herumgeschlagen hat, die er hier kurzerhand an Haps langjährige Partnerin Brett veräußert.

Einen weiteren Part des eher "persönlichen" Spannungsbogens der beiden Hauptcharaktere möchte ich an dieser Stelle gar nicht spoilern, doch ist diese Art Kunstgriff dermaßen abgeschmackt, dass ich nicht erwartet hätte, so etwas bei einem Buch von Lansdale vorzufinden, auch wenn er es erzählerisch wieder ein wenig rausreißt. Ansonsten fällt auf, dass Krasse Killer mit 380 Seiten überraschend lang geraten ist für einen Hap-&-Leonard-Roman, was sich dann eben auch bei der Plotstruktur zuweilen bemerkbar macht, denn für meinen Geschmack drehen sich die beiden stümperhaften Ermittler ein wenig zu sehr und oft im Kreis, wodurch die Verve des Ganzen ein wenig leidet und die nächste Eskalation nicht ganz so schmissig und unvermittelt in den Ring geworfen wird, wie es früher einmal der Fall gewesen ist. Und Eskalation gibt es immerhin auch hier wieder reichlich die von allerhand obszönen Sprüchen und anderen verbalen Entgleisungen bis hin zu waffenstarrenden Auseinandersetzungen mit einer Motorrad-Gang reichen, wo dann auch der Pulp-Charakter des Ganzen wieder spürbar durchscheint.

»Jetzt mal im Ernst«, sagte Marvin. »Vielleicht geht das vor Gericht.«
»Vor Gericht kenn ich mich nicht aus«, sagte Leonard, »aber ich weiß, wie die Sache vor seinem Haus ausgegangen ist. Nicht so gut für ihn.«
»Wir haben uns wie Schlägertypen aufgeführt«, sagte ich.
»Nee«, sagte Marvin, »wie die Furchtlosen Fäuste der Vergeltung.«
»Um ganz genau zu sein«, sagte Leonard, »warst du die Schlagende Vor- und Rückhand der Vergeltung.«
»Und das Knie«, ergänzte ich.
»Genau, und das Knie«, sagte Leonard, »aber das klingt nicht so gut.«

So ist auch Krasse Killer in vielen Momenten und Bereichen wieder mehr Milieu-Studie oder alternativ die Geschichte einer Freundschaft, statt sich als handfester Krimi zu vermarkten, doch dafür lieben die Fans der Reihe eben auch und so kommt es, dass ich trotz aufgeführter Mängel auch kaum in der Wertung nach unten gehe, denn mehr von Altbekanntem ist in diesem Fall noch immer deutlich besser als vieles von dem, was die "Konkurrenz" so zustande bringt, wobei man eben kaum von Konkurrenz sprechen kann, wenn man versucht, die Hap-&-Leonard-Reihe mit anderen Krimis zu vergleichen, denn dafür geht Lansdale zu eigenwillige Wege, was dann aber auch den ungleichen Freunden den benötigten Sympathiebonus einbringt, der die Reihe seit so vielen Jahren am Laufen hält. Vor allem aber dreht der Autor nach leichten Längen im Mittelteil zum Finale hin noch einmal so gehörig auf, dass ich wirklich an mich halten musste, mir nicht direkt auch Bissige Biester zu schnappen und direkt mit der Lektüre fortzufahren, denn das (ungewohnt offene) Ende des Bandes hier kann bei Fans der Reihe schon durchaus zu kleinen Schweißausbrüchen führen.

Fazit & Wertung:

Mit Krasse Killer – immerhin bereits das neunte Abenteuer für Hap und Leonard – knüpft Joe R. Lansdale zwar nicht ganz an die Verve und den Schmiss der vorangegangenen Bände an, doch die Sympathie für die beiden ungleichen Freunde und ihr herrlich lakonisches Mundwerk ist noch immer ungebrochen, was auch über leichte Längen im Mittelteil hinwegzutrösten vermag, denn dafür hat es das Finale des Bandes dann wieder gehörig in sich.

8 von 10 scheinbar ausweglosen Situationen

Krasse Killer – Der neunte Hap & Leonard-Roman

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Krasse Killer – immerhin bereits das neunte Abenteuer für Hap und Leonard – knüpft Joe R. Lansdale zwar nicht ganz an die Verve und den Schmiss der vorangegangenen Bände an, doch die Sympathie für die beiden ungleichen Freunde und ihr herrlich lakonisches Mundwerk ist noch immer ungebrochen, was auch über leichte Längen im Mittelteil hinwegzutrösten vermag, denn dafür hat es das Finale des Bandes dann wieder gehörig in sich.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Golkonda. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Krasse Killer ist am 18.09.17 als Klappenbroschur im Golkonda Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!


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