Review: Rote Rache – Der achte Hap & Leonard-Roman | Joe R. Lansdale (Buch)

Hap & Leonard

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Auch heute gibt es freilich wieder etwas von mir zu lesen, denn ich habe mich wieder einmal nach LaBorde verirrt und es erneut genossen; kein Wunder, wenn man bedenkt, wer dort und im Umkreis so seine nicht ganz alltäglichen Abenteuer erlebt.

Rote Rache
Der achte Hap & Leonard-Roman

Devil Red, USA 2011, 234 Seiten

Rote Rache von Joe R. Lansdale | © Golkonda Verlag
© Golkonda Verlag

Autor:
Joe R. Lansdale
Übersetzerin:
Heide Franck

Verlag (D):
Golkonda
ISBN:
978-3-944-72094-4

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Die ganze Gegend war nicht gerade der ideale Ort zum Rumhängen. Wer trotzdem herkam, musste damit rechnen, am nächsten Morgen mit aufgeschlitzter Kehle im Straßengraben gefunden zu werden, die Taschen geleert und Sperma im Arsch, oder vielleicht einen spitzen Gegenstand. Hier gehörten sogar die Mäuse Gangs an.
Doch da saßen wir, Spielbälle des Schicksals.

Die beiden Hobby-Ermittler und Einmischer vom Dienst sind tatsächlich erstmals in offizieller Mission unterwegs und arbeiten für Marvin Hansons Privatdetektei, die einen bereits Jahre zurückliegenden Doppelmord beleuchten und bestmöglich aufklären soll, denn die noch immer trauernde Mrs. Christopher ist überzeugt, dass es sich mitnichten um einen Raub mit Todesfolge gehandelt hat, wie der Tatort glauben lassen könnte. Hap und Leonard beginnen also aufs Geratewohl, ordentlich auf den Busch zu klopfen und finden tatsächlich bald einen ersten Hinweis, denn die rote Teufelsfratze, die sich ganz in der Nähe das damaligen Tatorts gefunden hat, taucht noch bei einer ganzen Reihe anderer Mordfälle auf, gleichwohl bislang niemand eine Verbindung zwischen ihnen hergestellt hat. Mit der Hilfe des Journalisten Cason Statler dringen die beiden immer tiefer in einen regelrechten Morast aus Morden und Mysterien, nicht ahnend, wen sie damit womöglich aufschrecken…

Rezension:

Prompt geht es weiter mit meiner großen Lansdale- beziehungsweise Hap-&-Leonard-Werkschau und dem nunmehr achten Abenteuer der beiden, das insofern ein Novum darstellt, dass sie diesmal nicht unverhofft ins nächste Abenteuer stolpern, sondern in Rote Rache tatsächlich im Auftrag von Marvin Hansons Privatdetektei unterwegs sind, also fast beinahe hochoffiziell als Ermittler arbeiten. Marvin betrachtet die beiden aber freilich eher als Kerle fürs Grobe und an den "Ermittlungsmethoden" hat sich auch nicht viel geändert, die bekanntermaßen hauptsächlich aus "durch die Gegend stolpern und hoffen, über irgendwas drüberzufallen" bestehen, wie es im Text selbst so trefflich zusammengefasst wird. Genau das aber erwartet man sich freilich auch von dem dynamischen Duo, das zwar älter, aber kein Stück weiser geworden ist und folglich auch hier wieder allerhand Personen gehörig ans Bein pinkelt.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich mir eine Schusswunde eingehandelt, und bei derselben Gelegenheit hatten Leonard und ich einen ganzen Batzen Geld einkassiert. Also keine Ahnung, warum ich überhaupt arbeitete. Es war nicht mein Stil, mich anzustrengen, wenn noch Geld auf dem Konto rumlungerte. Verzweiflung und überfällige Rechnungen waren mir als Arbeitsanreiz lieber.

Dennoch ist der Erzählton ein geringfügig anderer, denn schließlich gilt es ja einen Fall zu lösen und auch wenn die eigentliche Ermittlungsarbeit und die bahnbrechenden Erkenntnisse meist von außerhalb kommen, sind Hap und Leonard freilich auch hier mittendrin statt nur dabei, während sie sich mit vorlauter Schnauze und allerlei Kraftausdrücken so durchwurschteln, dass es eine wahre Freude ist. So ist Rote Rache der nach dem Reihenauftakt Wilder Winter zwar der bislang kürzeste Roman der Serie, doch auch einer der mitunter kurzweiligsten, was nicht heißen soll, dass es bei allem Wortwitz nebst Situationskomik nicht auch wieder ernst, brutal und zuweilen regelrecht tragisch zugehen würde, denn insbesondere Hap hat noch spürbar an den jüngsten Erlebnissen zu knabbern und macht eine regelrechte Sinnkrise durch. Apropos "jüngste Erlebnisse", verhält es sich hier auch erstmalig so, dass man bestmöglich zumindest Das Dixie-Desaster im Vorfeld gelesen haben sollte, denn viele der dort eingeführten Figuren und Handlungsstränge erfahren hier ihre Fortsetzung, was auch zu Teilen erklärt, weshalb der Roman überhaupt so knapp hat ausfallen können, ohne dabei an Tiefe und Faszination einzubüßen.

Und die Faszination für die beiden eigenwilligen Hobby-Ermittler und Freunde ist tatsächlich ungebrochen, erfreut sich bei mir nach diesem Band sogar noch einmal gesteigerter Beliebtheit, denn auch wenn es Joe R. Lansdale bislang hat vermeiden können, auch nur einen Aussetzer zu "produzieren" hat man dem vorangegangenen Abenteuer doch zuweilen angemerkt, dass er sich zuvor ganze acht Jahre nicht diesem ungleichen Gespann gewidmet hat, während man nun vom ersten Moment das Gefühl hat, wieder ganz in der Welt der beiden verhaftet zu sein. Ansonsten ist natürlich vieles wie gehabt und es geht gewohnt lakonisch und derb zur Sache, was wiederum Lansdales Anspruch unterstreicht, Genre-Literatur zu verfassen, denn der breiten Masse braucht man mit diesen ungewöhnlich konzipierten Abenteuern sicherlich nicht kommen, derweil ich sie für meinen Teil bekanntermaßen sehr liebe. Das liegt freilich hauptsächlich an den beiden Hauptfiguren, doch weiß ich auch deren Umfeld sehr zu schätzen und so tragen auch diesmal wieder sowohl Marvin als auch Haps Freundin Brett ihren Teil zu der Geschichte bei, während man sich auf ein nicht ganz so überraschendes Wiedersehen mit einer noch eher jungen Bekanntschaft freuen darf.

Marvin, der vor einem Monat seinen Gehstock losgeworden war, stand auf, humpelte zum Wasserspender, machte einen Pappbecher voll und reichte ihn der Dame.
Dann schaute er zu uns. »Das ist Mrs Christopher, und neben ihr sitzt ein Freund der Familie, Cason Statler. Er arbeitet für die Zeitung von Camp Rapture. Mrs Christopher, das sind Hap Collins und Leonard Pine. Wenn sie was Peinliches von sich geben, bedenken Sie bitte, es sind meine Freunde und ich muss sie die ganze Zeit ertragen.«

Als wäre dem nicht genug, macht Lansdale seinen passionierten Lesern aber noch ein weiteres Geschenk, denn wer irgendwann einmal den Roman Gluthitze gelesen hat, der wird direkt hellhörig werden, wenn in Rote Rache plötzlich die Rede von einem gewissen Cason Statler ist, der in einem Ort namens Camp Rapture als Journalist arbeitet (zumindest ging es mir so). Der darf hier nämlich diesmal einen ausgedehnten Gastauftritt absolvieren und tritt damit in die Fußstapfen von Jim Bob Luke, so dass sich die Hap-&-Leonard-Romane zunehmend als Fixstern im stetig umfangreicher werdenden Lansdale’schen Literaturkosmos etablieren. Das funktioniert natürlich gerade deshalb so gut, weil keinerlei Vorkenntnisse vonnöten sind und der Lesegenuss in keiner Weise geschmälert wird, wenn man mit der Figur und ihrer Geschichte nicht vertraut ist, während es für die Kenner des Romans ein nettes Gimmick darstellt. Ansonsten habe ich auch diesmal wieder den Band kaum aus der Hand legen können und bin einmal mehr begeistert von der Übersetzung seitens Heide Franck, die seit Machos und Macheten das Zepter übernommen hat und für ein einheitliches Flair sorgt, das auch hier meines Erachtens vorzüglich die Atmosphäre der Story transportiert und die Kabbeleien der beiden ins beste Licht rückt, handelt es sich schließlich um eines der nicht zu unterschätzenden Alleinstellungsmerkmale dieser uneingeschränkt empfehlenswerten und noch längst nicht langweilig werdenden Buchreihe.

Fazit & Wertung:

Mehr denn je baut der achte Hap-&-Leonard-Roman Rote Rache auf den Geschehnissen des Vorgängers auf und sollte daher bestmöglich als Teil der Reihe genossen werden, derweil sich Lansdale auch diesmal wieder mit dem vorherrschenden lakonisch-derben Tonfall selbst übertrifft und das Duo in ein weiteres abgründiges Abenteuer stolpern lässt, das bei all seinem Wortwitz auch eine ausgeprägte melancholische Note transportiert.

9 von 10 scheinbar ausweglosen Situationen

Rote Rache – Der achte Hap & Leonard-Roman

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mehr denn je baut der achte Hap-&-Leonard-Roman Rote Rache auf den Geschehnissen des Vorgängers auf und sollte daher bestmöglich als Teil der Reihe genossen werden, derweil sich Lansdale auch diesmal wieder mit dem vorherrschenden lakonisch-derben Tonfall selbst übertrifft und das Duo in ein weiteres abgründiges Abenteuer stolpern lässt, das bei all seinem Wortwitz auch eine ausgeprägte melancholische Note transportiert.

9.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Golkonda. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Rote Rache ist am 15.03.16 als Klappenbroschur im Golkonda Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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