Review: The Expanse | Staffel 3 (Serie)

Die Zugriffszahlen der letzten Wochen flüsterten mir schon, dass allerhand Leute händeringend auf der Suche nach einer Kritik zur dritten Staffel dieser Ausnahmeserie sind und sich zumindest an dieser Stelle bislang mit meinen Texten zu den ersten beiden Staffeln begnügen mussten, aber dem weiß ich nun Abhilfe zu schaffen, denn gestern Abend habe dann auch ich die samt und sonders großartige dritte Staffel beendet und berichte gern und voller Euphorie – aber natürlich auch weitestgehend spoilerfrei – von meinen Eindrücken.

The Expanse
Staffel 3

The Expanse, USA 2015-, ca. 45 Min. je Folge

The Expanse | © Syfy
© Syfy

Serienschöpfer:
Mark Fergus
Hawk Ostby
James Corey (Buch-Vorlage)
Showrunner:
Naren Shankar
Mark Fergus
Hawk Ostby

Main-Cast:
Steven Strait (Jim Holden)
Cas Anvar (Alex Kamal)
Dominique Tipper (Naomi Nagata)
Wes Chatham (Amos Burton)
Frankie Adams (Roberta ‚Bobbie‘ W. Draper)
Shawn Doyle (Sadavir Errinwright)
Shohreh Aghdashloo (Chrisjen Avasarala)
Special Guests:
Thomas Jane (Joe Miller)
Florence Faivre (Julie Mao)

in weiteren Rollen:

David Strathairn (Commander Klaes Ashford)
Nadine Nicole (Melba Koh)
Terry Chen (Praxideke Meng)
Cara Gee (Camina Drummer)
Elizabeth Mitchell (Reverend Doctor Anna Volovodov)
Genelle Williams (Tilly Fagan)
Anna Hopkins (Monica Stuart)
Brandon McGibbon (Cohen)
Nick E. Tarabay (Cotyar)
François Chau (Jules-Pierre Mao)
Byron Mann (Admiral Nguyen)
Ted Atherton (Dr. Strickland)
Jonathan Whittaker (Sec-Gen Gillis)
Chad L. Coleman (Col. Frederick Lucius Johnson)
Andrew Rotilio (Diogo)

Genre:
Drama | Mystery | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Expanse | © Syfy
© Syfy

Zwischen Erde und Mars droht noch immer ein offener Krieg auszubrechen und Sadavir Errinwright setzt alles daran, die Vormachtstellung der Erde in diesem Konflikt auszubauen, nachdem er Chrisjen Avasarala erfolgreich in Verruf gebracht hat. Derweil ersucht UN-Generalsekretär Sorrento-Gills die Hilfe einer alten Bekannten, um sich in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit ins rechte Licht zu rücken. Die Crew der Rocinante ist noch immer gespalten durch Naomis unerwarteten Verrat, doch müssen diese Zwistigkeiten hintenanstehen, denn während sie noch immer versuchen, Praxidikes Tochter zu finden, erreicht sie ein unerwarteter Hilferuf aus den Tiefen des Alls. Doch auch das auf der Venus gestrandete Protomolekül scheint nicht tatenlos zu sein, auch wenn sich weder Erder, noch Marsianer, noch Gürtler bislang erklären können, was dort vor sich gehen mag. Fest steht aber, dass es die Rolle und Bedeutung der Menschheit im Universum für immer verändern könnte, wie auch James Holden erkennen muss, als ihm ein alter, längst totgeglaubter Freund begegnet, der nun Teil des Protomoleküls zu sein scheint…

Rezension:

Wie viele andere auch war ich reichlich schockiert, als es hieß, die Syfy- und SciFi-Serie The Expanse würde mit dem Ende der dritten Staffel eingestellt werden, denn nachdem die Show auch bei mir durchaus eine Weile brauchte, um so richtig zu zünden, war ich doch spätestens mit der zweiten Staffel Feuer und Flamme und dieser Siegeszug setzt sich nun in der dritten Staffel unbeirrt – und vor allem mit ungebrochener Faszination – fort, weshalb ich mir eigentlich nur denken kann, dass die Verantwortlichen sich gedacht haben müssen "man soll aufhören, wenn es am schönsten ist". Und vielleicht lagen hier sogar die Entscheidungen zum Teil begründet, denn wer die Buchvorlage kennt, weiß, dass uns nun als nächstes Cibola brennt als Adaption ins Haus steht und auch wenn ich den Band ebenfalls sehr mochte, geht er doch geschichtlich wie dramaturgisch in eine andere Richtung und es dürfte schwer werden, die Geschichte bei der geringfügig geänderten Ausrichtung des Seriengeschehens ohne Stolpersteine und Irritationen weiterzuführen, aber das werden wir ja schließlich alle noch früh genug erleben, da Amazon sich bekanntermaßen der Übernahme angenommen hat, weshalb ich nun auch die dritte Staffel bei Prime und nicht mehr Netflix genossen habe.

Szenenbild aus The Expanse | © Syfy
© Syfy

Hier nun, in der dritten Staffel, um die es heute gehen soll, wird aber zunächst einmal die Geschichte fortgesponnen, die in der Staffel zuvor ihren Anfang genommen hat und grob die zweite Hälfte des zweiten Bandes Calibans Krieg umfasst. Diese Entscheidung, mit den Staffeln nicht einfach nur jeweils ein Buch abzudecken, kommt nun auch dem dritten Jahr The Expanse sehr zugute, denn man wird freilich wieder unmittelbar ins Geschehen geworfen und beobachtet mit Spannung den wachsenden Konflikt zwischen Erde und Mars, während Mao mit Dr. Strickland sein eigenes Süppchen braut und sich noch immer anschickt, mit Protomolekül infizierte Hybriden zu schaffen, die bekanntermaßen reichlich unkaputtbar und folglich brandgefährlich sind. In all diesen Wirren ist natürlich auch die Rocinante unter James Holdens Kommando erneut in die gesamte Menschheit betreffende Fehden verwickelt, während man auch einen Blick Richtung Erde und Mars wirft und durch das verstreute Figurenkonsortium in die Lage versetzt wird, an unterschiedlichsten Orten im all gekonnte Schlaglichter zu setzen.

Dabei punktet auch die dritte Staffel The Expanse wieder mit einer extrem gelungenen Mischung aus Charakter-Drama, politischen Intrigen und Manövern, das Fürchten lehrende Horror-Einlagen und ab und an mal einer gehörige Portion beinharter – und auch oft brutaler, aber nie selbstzweckhafter – Action. Das alles gilt zwar für beide Staffelhälften, doch vollzieht sich mit Beendigung des Handlungsbogens um die geheime Protomolekül-Einrichtung auch ein erzählerischer Bruch, denn mit Beginn der Episode Delta-V (3.07) bricht nicht nur die Crew der Rocinante zu sprichwörtlich neuen Ufern auf. So markiert diese Folge gleichsam den Beginn der Storyline von Abaddons Tor, dessen Name daher rührt, dass das Protomolekül eine Art Tor – "Ring" genannt – erschaffen hat, das über die Grenzen des uns bekannten Universums hinauszutragen imstande scheint und natürlich entbrennt ein regelrechter Wettlauf zwischen Erdern, Marsianern und Gürtlern, um nur ja als erste an diesem für die Geschichte der Menschheit denkwürdigen Ort einzutreffen.

Szenenbild aus The Expanse | © Syfy
© Syfy

Dieser erzählerische Bruch mag dabei zunächst ein wenig irritieren, wird aber gekonnt dadurch kaschiert, dass man sich schnell in einem faszinierenden, existentialistischen Drama wiederfindet, in dem es um nicht weniger als den Fortbestand der menschlichen Rasse geht, zumal hier auch eine meiner Lieblingsfiguren aus der ersten Staffel erneut in Erscheinung treten darf, was mir aber natürlich freilich schon die Bücher gespoilert haben. Wer nun aber denkt, The Expanse würde zur drohenden – aber mittlerweile abgewendeten – Absetzung hin mit einem Cliffhanger aufwarten, den kann ich dahingehend beruhigen, dass man diesmal die Handlung des dritten Buches – in merklich gestraffter Form – samt und sonders in die letzten sieben Episoden gepackt hat, um auch bei einer etwaigen Absetzung ein zufriedenstellendes Ende liefern zu können. Ein wenig bedauere ich zwar, dass ausgerechnet diese Storyline so derart komprimiert worden ist, doch bei einer Ausweitung bis in die nächste erste Staffelhälfte hinein hätte sich auch zu viel erzählerischer Leerlauf ergeben, zumal die CGI-Effekte für den Ring, das Protomolekül und die Vielzahl Raumschiffe etc. nicht gerade billig und wenig zeitintensiv gewesen sein dürften. Und klar, bei den Effekten muss man auch hier zuweilen wieder leichte Abstriche machen, aber für das, was sie zeigen wollten, haben die Verantwortlichen teils wirklich eindrucksvolle Wege gefunden und scheuen auch nicht vor weitschweifen Aerial-Shots zurück, was dem Gezeigten in seiner Bedeutung, Aufmachung und Darbietung etwas regelrecht Episches angedeihen lässt, was diese Staffel noch ein Stück weit faszinierender macht als ihren Vorgänger.

Fazit & Wertung:

Mit der dritten Staffel The Expanse hält die Show nicht nur ihr bis dato angestrebtes Niveau, sondern punktet noch zusätzlich mit der ungemein diversifizierten und vielschichtigen Handlung, zumal hier gleich zwei Bände der Buchvorlage Verwendung finden, um die Menschheit in dieser Staffel sprichwörtlich zu neuen Ufern aufbrechen zu lassen. Das bringt nicht nur eine regelrecht epische wie existentialistische Storyline hervor, sondern macht auch gehörig neugierig auf die Folgestaffel, die nun dank Amazon doch realisiert werden wird, nachdem sich der Spartensender Syfy zur Einstellung entschlossen hatte.

9 von 10 Differenzen zwischen Erde und Mars

The Expanse | Staffel 3

  • Differenzen zwischen Erde und Mars - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit der dritten Staffel The Expanse hält die Show nicht nur ihr bis dato angestrebtes Niveau, sondern punktet noch zusätzlich mit der ungemein diversifizierten und vielschichtigen Handlung, zumal hier gleich zwei Bände der Buchvorlage Verwendung finden, um die Menschheit in dieser Staffel sprichwörtlich zu neuen Ufern aufbrechen zu lassen. Das bringt nicht nur eine regelrecht epische wie existentialistische Storyline hervor, sondern macht auch gehörig neugierig auf die Folgestaffel, die nun dank Amazon doch realisiert werden wird, nachdem sich der Spartensender Syfy zur Einstellung entschlossen hatte.

9.0/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 3

01. Kampf oder Flucht (8,5/10)
02. IFF (8,5/10)
03. Sichere Zerstörung (9/10)
04. Nachladen (9/10)
05. Tripelpunkt (9/10)
06. Aufopferung (9/10)
07. Delta-V (8,5/10)
08. Es kommt in Reichweite (9/10)
09. Unnachgiebigkeit (8/10)
10. Löwenzahnhimmel (9,5/10)
11. Gefallene Welt (9/10)
12. Gemeinde (9/10)
13. Abaddons Tor (9,5/10)

 
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The Expanse | Staffel 3 sowie die zwei vorangegangenen Staffeln sind seit dem 08.02.19 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

vgw

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