Review: The Expanse | Staffel 4 (Serie)

Auch heute bleibe ich dem Thema Science-Fiction treu, auch wenn es diesmal in eine ganz und gar andere Richtung geht als bei der dieser Tage zu ihrem Abschluss gekommenen Sternensaga. Entgehen lassen sollte man sich die neue Staffel dieser zunehmend großartigen Serie aber auf alle Fälle nicht!

The Expanse
Staffel 4

The Expanse, USA 2015-, ca. 47 Min. je Folge

The Expanse | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Serienschöpfer:
Mark Fergus
Hawk Ostby
James Corey (Buch-Vorlage)
Showrunner:
Naren Shankar
Mark Fergus
Hawk Ostby

Main-Cast:
Steven Strait (James Holden)
Cas Anvar (Alex Kamal)
Dominique Tipper (Naomi Nagata)
Wes Chatham (Amos Burton)
Frankie Adams (Bobbie Draper)
Cara Gee (Camina Drummer)
Shohreh Aghdashloo (Chrisjen Avasarala)
Special Guest:
Thomas Jane (Joe Miller)

in weiteren Rollen:

David Strathairn (Commander Klaes Ashford)
Burn Gorman (Adolphus Murtry)
Paul Schulze (Esai Martin)
Kris Holden-Ried (Coop)
Rosa Gilmore (Dr. Lucia Mazur)
Keon Alexander (Marco Inaros)
Lyndie Greenwood (Dr. Elvi Okoye)
Jess Salgueiro (Chandra Wei)
Lily Gao (Nancy Gao)
Michael Benyaer (Arjun)
Chad L. Coleman (Col. Frederick Lucius Johnson)

Genre:
Drama | Mystery | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Expanse | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Seit die Ringtore geöffnet und passierbar geworden sind, befinden sich die Systeme der menschlichen Zivilisation in einer regelrechten Goldrausch-Stimmung und viele Flüchtlinge, Kolonisten und Abenteurer drängen darauf, in den unbekannten Systemen ihr Glück zu suchen. Unter ihnen auch eine Gruppe von Gürtlern, die sich jüngst auf einem rohstoffreichen Planeten niedergelassen hat, um dessen Erze zu schürfen. Die Erde sieht diese Entwicklung freilich skeptisch und erhebt Anspruch auf die neu entdeckte Welt, die von den Erdbewohnern Neuterra, von den Gürtlern Ilus getauft worden ist. Nicht unbedingt, um in dieser Fehde zu vermitteln, sondern vielmehr um zu erfahren, ob sich Spuren des Protomoleküls auf dem frisch besiedelten Planeten finden, entsendet Avasarala einmal mehr Captain James Holden und die Crew der Rocinante, um sich der Sache anzunehmen. Derweil versucht Bobby sich am Leben als Zivilistin, während Drummer und Ashford gemeinsam versuchen, die Bedeutung der Medina-Station nahe des Rings zu festigen…

Rezension:

Kaum eine andere Serienstaffel habe ich in diesem Jahr so sehnlichst erwartet wie die nunmehr vierte Staffel The Expanse, nachdem deren Absetzung seitens Syfy zeitweise beschlossene Sache war und letztlich Amazon in die Bresche gesprungen ist, um die Space-Opera fortzuführen, die bekanntermaßen auf den Büchern von James Corey fußt, hinter dem sich wiederum die Autoren Daniel Abraham und Ty Franck verbergen, die hier auch als Produzenten und teils Drehbuchautoren mit an Bord sind. Und diese Staffel unterstreicht nun tatsächlich nicht nur mit Nachdruck, dass die Serie einer solchen Rettung mehr als würdig gewesen ist, sondern zeigt deutlich, dass ihr im Grunde gar nichts besseres hätte passieren können, als von den Amazon Studios übernommen zu werden, denn das hier wohl einiges mehr an Budget zur Verfügung gestanden hat merkt man in nahezu jeder einzelnen Einstellung. So ist allein schon die Auftaktepisode Neuterra (4.01) mehr als spektakulär geraten und wartet nicht nur bereits mit visuellen Highlights auf, sondern verspricht auch dramaturgisch einiges, obwohl das zugrundeliegende Buch meinem Kenntnisstand nach nicht unbedingt eines der beliebtesten der Reihe ist.

Szenenbild aus The Expanse | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Dort nämlich, die Rede ist vom vierten Band Cibola brennt, spielt sich die Handlung im Grunde samt und sonders auf und um den frisch besiedelten, hinter dem Ring befindlichen Illus ab, was von der Tonalität und Erzählform schon deutlich anders wirkt als die Bände zuvor, doch kann man sich natürlich bei einer Adaption auch gewisse Freiheiten nehmen und allein in dem Wissen darum, dass es sicherlich nicht gut angekommen wäre, hätte man quasi die gesamte Staffel auf sowohl Bobby Draper (Frankie Adams) als auch Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) verzichten müssen, bedient man sich anderweitig und liefert eine weitaus epischere Storyline ab, deren Hauptaugenmerk sich dennoch auf die Geschehnisse auf der Oberfläche von Illus richtet. So findet sich in der nunmehr zehnteiligen vierten Staffel The Expanse nicht nur die gesamte Odyssee der auf Ilus oder Neuterra gelandeten (oder gestrandeten) Individuen, sondern es werden auch zahlreiche Handlungsstränge aus dem Nachfolgeband Nemesis-Spiele aufgegriffen oder zumindest angerissen, was sich speziell bei den beiden genannten Protagonistinnen bemerkbar macht, auch wenn deren Plots sich im Grunde zwar parallel entwickeln, dabei aber die "Haupthandlung" kaum kreuzen. So macht man nicht nur in Sachen Optik, Ausstattung und Effekte, sondern eben auch inhaltlich weitaus mehr aus der Staffel, als die eigentliche Vorlage im engeren Sinn anzubieten gehabt hätte.

Inszenatorisch ein besonderer Clou ist derweil, dass man sich für die Szenen auf Ilus entschieden hat, vom mittlerweile klassischen 16:9-Format zum – eher bei Kinofilmen anzutreffenden – 2.39:1-Format wechselt, was natürlich das Feeling auf der Planetenoberfläche (und im umgebenden Orbit) deutlich verändert und unterstreichen soll, dass man es nun wörtlich zu nehmen beginnt mit dem Serientitel, denn The Expanse, die Weite oder auch Ausdehnung, nimmt natürlich mit der Öffnung der Ringportale dramatisch zu und es ist ein genialer Kniff, das eben auch anhand des Bildformats deutlich zu machen, derweil die Show in ihrem vierten Jahr ohnehin unbestreitbar wie ein hochbudgetierter Kino-Blockbuster und längst nicht mehr wie eine Genre-Serie wirkt. Bei aller optischen Opulenz lässt man aber keineswegs die dramaturgische Finesse außeracht und die Geschehnisse auf Ilus sind gleichsam exemplarisch für die Konflikte, die Avasarala systemweit befürchtet und zu verhindern versucht, derweil sie sich nunmehr politisch mit ihrer neuen Kontrahentin Nancy Gao (Lily Gao) auseinanderzusetzen hat. Und während Bobby daheim auf dem Mars mit kriminellen Elementen in Kontakt gerät, würde man zunächst meinen, dies wäre nur ein profaner Platzhalter-Plot, bis man mit der Figur wieder Sinnstiftenderes anzufangen wüsste, offenbart sich auch hier recht schnell, dass man damit viel über die marsiansche Kultur und deren Zukunft zu erzählen gedenkt, denn wer sollte sich schließlich noch die Mühe machen, Jahrhunderte währende Terraforming-Projekte auf dem Mars voranzutreiben, wenn hinter dem Ring hunderte Welten mit atembarer Luft ihrer Besiedelung harren.

Szenenbild aus The Expanse | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Damit geht The Expanse erneut und überzeugend den Weg weiter, einerseits action- und emotionsgeladene Space-Opera voller Mysterien und Gefahren zu sein und andererseits auch dem Hard-Science-ansatz treu zu bleiben und durchaus luge Gedanken zur Zukunft der Menschheit zu vermitteln, die sich hier am Rande einer gänzlich neuen Ära sieht. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht aber natürlich weiterhin die vierköpfige Crew der Rocinante und dominiert das Geschehen weiterhin, während sie natürlich auch auf und um Ilus wieder einige mehr oder weniger bedeutsame Bekanntschaften machen. Allen voran wäre da aber natürlich vor allem der von Burn Gorman verkörperte Antagonist Adolphus Murtry, der als jähzorniger und engstirniger Sicherheitschef die Lage auf Ilus schnell zum Eskalieren bringt. Nicht minder gefährlich aber ist der Planet selbst, wie man im Verlauf der Staffel lernen wird und wie es die Kenner der Bücher längst wissen, so dass die Serie in dieser Hinsicht zwar sicherlich anders geartet sein mag und zuweilen mehr an einen Survival-Thriller erinnert, dadurch aber nichts von ihrer Faszination einbüßt, zumal dank der mehrgleisigen Handlung auch die weiteren Geschehnisse vorangetrieben werden. Und einmal mehr darf man sich in diesem Zusammenhang auf einige wenige, aber ausgesucht großartige Gastauftritte seitens Thomas Jane als Joe Miller beziehungsweise "Ermittler" freuen darf, der – allein in Holdens Kopf präsent – die Geschichte um das Protomolekül fortführt, das bekanntermaßen längst nicht mehr die größte Bedrohung darstellt, der sich die Menschheit über kurz oder lang wird stellen müssen. Umso mehr freut es daher, dass Amazon längst eine fünfte Staffel bestätigt und bereits zu produzieren begonnen hat, denn wo mich schon die dritte Staffel schwer begeistert hat, setzt die vierte nun scheinbar mühelos noch einen drauf.

Fazit & Wertung:

Mit dem Erscheinen der vierten Staffel The Expanse ist der Umzug zu Amazon nun offiziell vollzogen und als wäre die Serie nicht in ihren letzten Jahren schon großartig genug gewesen, toppt die zehnteilige Staffel gefühlt mühelos alles, was man bisher in dieser zunehmend epischer werdenden Science-Fiction-Serie erlebt hat, während sich über die Dauer von mehr als sieben Stunden das Gefühl einstellt, einem waschechten Kino-Blockbuster beizuwohnen.

9,5 von 10 Differenzen zwischen Erde und Mars

The Expanse | Staffel 4

  • Differenzen zwischen Erde und Mars - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mit dem Erscheinen der vierten Staffel The Expanse ist der Umzug zu Amazon nun offiziell vollzogen und als wäre die Serie nicht in ihren letzten Jahren schon großartig genug gewesen, toppt die zehnteilige Staffel gefühlt mühelos alles, was man bisher in dieser zunehmend epischer werdenden Science-Fiction-Serie erlebt hat, während sich über die Dauer von mehr als sieben Stunden das Gefühl einstellt, einem waschechten Kino-Blockbuster beizuwohnen.

9.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 4

01. Neuterra (9/10)
02. Strandgut (9/10)
03. Dunkle Vorahnung (9,5/10)
04. Geist der Vergangenheit (9/10)
05. Zwischen den Fronten (9/10)
06. Zuflucht (9,5/10)
07. Gefährliche Mission (9,5/10)
08. Heilungsprozess (9,5/10)
09. Saeculum (10/10)
10. Cibola brennt (9,5/10)

 
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The Expanse | Staffel 4 sowie die drei vorangegangenen Staffeln sind seit dem 13.12.19 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

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Und wenn ihr nicht genug bekommen könnt von der Welt von The Expanse oder die Abenteuer von James Holden, Naomi Nagata, Alex Kamal und Amos Burton schlichtweg in einer anderen Darreichungsform erneut erleben wollt (oder nicht warten könnt, bis die Serie zum aktuellen Stand der Buchreihe aufgeschlossen haben wird), dann kann ich euch nur dringend dazu raten, auch einmal einen Blick auf die der Serie zugrunde liegenden Bücher zu werfen. Diese stammen aus der Feder von James Corey, wobei sich hinter diesem Pseudonym – ein ziemlich offenes Geheimnis – Daniel James Abraham und Ty Corey Franck verbergen. Auch in deutscher Übersetzung erscheinen die Bände seit nunmehr einigen Jahren in steter Regelmäßigkeit beim Heyne Verlag sowohl als Klappenbroschur als auch als Taschenbuch.

Insgesamt ist die Expanse-Serie nach meinem Kenntnisstand auf neun Teile ausgerichtet und umfasst derzeit nachfolgende Bände, deren Titel den Fans der Serie möglicherweise bekannt vorkommen könnten und eine Art Hinweis innerhalb der Adaption darstellen, wo in etwa man sich derzeit geschichtlich befindet. Etwaige Rezension zu den einzelnen Büchern habe ich – wenn vorhanden – natürlich verlinkt.

vgw

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