Review: American Gods | Staffel 2 (Serie)

Schon wird es Zeit für die nächste Serien-Kritik und pünktlich zum Abschluss der Staffel habe ich natürlich nun ein paar Worte zum zweiten Jahr der Götter-Chose nach Gaimans Kultbuch zu sagen, wobei sich die Serie – dies vorausgeschickt – leider hier nun sehr durchwachsen gibt und man dem Endergebnis deutlich anmerkt, dass die Produktion nicht gerade reibungslos vonstattengegangen sein muss.

American Gods
Staffel 2

American Gods, USA 2017-, ca. 54 Min. je Folge

American Gods | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Serienschöpfer:
Bryan Fuller
Michael Green
Neil Gaiman (Buch-Vorlage)
Showrunner:
Jesse Alexander

Main-Cast:
Ricky Whittle (Shadow Moon)
Emily Browning (Laura Moon)
Crispin Glover (Mr. World)
Orlando Jones (Mr. Nancy)
Yetide Badaki (Bilquis)
Bruce Langley (Technical Boy)
Mousa Kraish (The Jinn)
Omid Abtahi (Salim)
Demore Barnes (Mr. Ibis)
Pablo Schreiber (Mad Sweeney)
Ian McShane (Mr. Wednesday)
in weiteren Rollen:
Peter Stormare (Czernobog)
Cloris Leachman (Zorya Vechernyaya)
Sakina Jaffrey (Mama-Ji)
Kahyun Kim (New Media)
Dean Winters (Mr. Town)
Eric Peterson (The Caretaker)
Mouna Traoré (Ruby Goodchild)
Devery Jacobs (Sam Blackcrow)

Genre:
Drama | Horror | Fantasy | Mystery

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus American Gods | © Starz
© Starz

Mr. Wednesday schickt sich an, die alten Götter am "House on the Rock" zu versammeln, um sie auf den bevorstehenden Krieg mit den neuen Göttern einzuschwören, doch nicht jeder ist bereit, dem Ruf von Allvater Odin zu folgen. Davon lässt sich Wednesday allerdings nicht beirren und quartiert sich zunächst in Cairo ein, genauer gesagt dem Bestattungsinstitut von Mr. Ibis, bei dem es sich eigentlich um den ägyptischen Gott Thot handelt. Während Mr. World weiterhin seine Pläne schmiedet, die alten Götter zu besiegen und Technical Boy auf die Suche nach Media schickt, schickt sich Odin an, seinen Speer Gungnir wiederzuerlangen und mit alter Kraft auszustatten, wofür er sich einmal mehr der Dienste von Shadow versichert. Unterdessen versucht dessen verstorbene Frau Laura gemeinsam mit Mad Sweeney ihrem untoten Dasein zu entkommen und ihr Herz wieder zum schlagen zu bringen, doch erweist sich dieses Unterfangen als schwieriger in die Tat umzusetzen als gedacht…

Rezension:

Nachdem vergangene Woche die finale Folge der zweiten Staffel online gegangen ist, eilte ich natürlich regelrecht herbei, um das zweite Jahr von American Gods quasi in einem Rutsch zu verschlingen, nachdem ich voller Euphorie darüber gewesen bin, mich nun endlich der Fortsetzung der Geschichte widmen zu können, die mich in ihrer ersten Staffel und natürlich vor allem anderen als Buch so zu begeistern gewusst hat. Euphorisch auch deshalb, weil ich zwischenzeitlich bei all dem Gezänk hinter den Kulissen, dem Weggang von Showrunner Bryan Fuller und nicht zuletzt der Absage seitens Gillian Anderson zwischenzeitlich wirklich befürchtet hatte, die Show würde sich nicht mehr berappeln können und eine zweite Staffel würde nie produziert werden. Und zumindest die lange Pause zwischen den beiden Staffeln kündet nun also auf ewig von der holprigen Entstehungsgeschichte der zweiten Season, wobei ich nicht hoffen wollte, dass dies auch für die Inszenierung der Staffel an sich gelten sollte. Und tatsächlich gefiel mir House on the Rock (2.01) auch noch durchaus gut, was mitunter daran gelegen haben mag, dass einerseits Mastermind Neil Gaiman hier als Drehbuchautor seine Finger mit im Spiel hatte, ich andererseits sehr gespannt war auf das Setting "House on the Rock" und diesbezüglich nicht enttäuscht wurde.

Szenenbild aus American Gods | © Starz
© Starz

Nach einer durchaus Hoffnung spendenden ersten Episode allerdings geht es leider für American Gods merklich bergab und obwohl ich noch immer jede der Folgen durchaus gern gesehen habe, fehlte dort immer das letzte Quäntchen, der magische Funke, der einfach nicht mehr so recht überspringen wollte. So kränkelt die Staffel tatsächlich merklich am fehlenden Bryan Fuller, der die erste Staffel so zu inszenieren wusste, dass man selbst bei handlungsarmen Folgen stets das Gefühl hatte, er verfolge einen weit größeren und weitreichenderen Plan, während hier die Geschichte zunehmend zerfasert und ins Stocken gerät, so dass einzelne Episoden wie ein simples "Been there, done that" wirken oder sich gar beinahe gänzlich in ausufernden Rückblenden ergehen, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. Und so sehr ich es schätze, mehr über die Figuren und Hintergründe zu erfahren, kann man schlichtweg bei einer gerade mal achtteiligen Staffel nicht rund die Hälfte der Episoden darauf verwenden, den Background einzelner Figuren auszubauen, während man als Zuschauer ohnehin das Gefühl hat, ein Großteil des Ensembles käme deutlich zu kurz.

Das macht sich besonders bei Hauptfigur Shadow Moon (Ricky Whittle) bemerkbar, der hier noch mehr denn je wie ein Statist in seiner eigenen Serie wirkt und kaum etwas Sinnstiftendes zu tun bekommt, sondern lediglich den Kitt verkörpert, der all die Götter und gottgleichen Wesen behelfsmäßig zusammenhält, selbst aber auch quasi keinerlei Entwicklung durchmacht. Weitaus besser sieht das schon bei Ian McShane (John Wick) als Mr. Wednesday und damit nicht ganz so heimlicher Star der Serie aus, denn der verfolgt zumindest einen Plan und schmiedet weiter munter seine Ränke, während er einmal mehr mit sprödem wie jovialem Charme für sich einzunehmen weiß. Orlando Jones als Mr. Nancy – dessen Figur ich seit der Lektüre von Gaimans Anansi Boys hier noch weit mehr schätze – weiß ebenfalls zu gefallen und zeigt durchaus Präsenz, hätte allerdings meinem Gefühl nach durch jede andere Figur ersetzt werden können, ohne dass dadurch die Handlung einen anderen Verlauf genommen hätte. Am mitunter spannendsten mag daher der Road-Trip von Laura Moon (Emily Browning, Kill the King) und Mad Sweeney (Pablo Schreiber, happythankyoumoreplease) sein, die auch als Figuren den wohl umtriebigsten und interessantesten Story-Arc spendiert bekommen haben, zumal Sweeney mit Treasure of the Sun (2.07) auch gleich die mit Abstand überzeugendste Folge der Staffel spendiert bekommen hat, was auch immer man von deren Ende halten mag. Um mich jetzt aber nicht an jeder einzelnen Figur abzuarbeiten, sei zuletzt noch erwähnt, dass Crispin Glover (Mr. Nice) als Antagonist Mr. World hier deutlich mehr Präsenz und Screentime bekommt als noch in der ersten Staffel, derweil ich die Skriptverantwortlichen tatsächlich loben muss, was die zuvor von Anderson verkörperte Media angeht, denn die wird hier in Gestalt der koreanischen Kahyun Kim als "New Media" neu erfunden und tatsächlich passt und überzeugt dieser Kniff im Kontext der Handlung und der zeitgeschichtlichen Verortung durchaus, auch wenn es natürlich dennoch schade ist um Gillian, die gerne in noch weitere Kostüme hätte schlüpfen dürfen.

Szenenbild aus American Gods | © Starz
© Starz

Das hilft aber alles nicht so ganz darüber hinweg, dass sich im Verlauf einer immerhin fast achtstündigen Staffel im Rückblick herzlich wenig ereignet und sich die Geschehnisse in wenigen Sätzen zusammenfassen ließen, während als Basis für die unterschiedlichen Unternehmungen das Bestattungsinstitut in Cairo auserkoren worden ist, was zwar ein ansprechendes Setting darstellt, American Gods hier aber zuweilen so wirken lässt, als fahr mal dieser und mal jener im ländlichen Amerika durch die Gegend, um eine Besorgung zu erledigen und nur ja pünktlich zum Abendessen wieder in Cairo zu sein hat. So wirkt die Staffel auch ungleich weniger episch und bedeutsam als ihr Vorgänger von vor zwei Jahren, derweil eben auch die audiovisuelle Ausgestaltung immer nur versucht, den visionären Stil eines Fuller zu kopieren (der ja auch schon Hannibal zu einem – nicht nur – optischen Festmahl gemacht hat). So gerne ich die Folgen also dennoch gesehen habe, lassen sie doch ungemein unbefriedigt zurück und allein das antiklimatische und doch etwas zu surreal geratene Staffelfinale Moon Shadow (2.08) verstärkt noch den Eindruck, man habe es hier mit einer Lückenfüller-Season zu tun gehabt, bei der man sich noch nicht so recht einig gewesen ist, wohin die Reise gehen soll. In Anbetracht dessen, wie viel – oder in diesem Falle wenig – von der eigentlich zugrundeliegenden Buchhandlung hier verarbeitet worden ist, frage ich mich derweil auch, auf wie viele Staffeln die Serie denn bitteschön ausgelegt werden soll. Wahrscheinlich aber gibt es gar niemanden, der sich darüber schon konkrete Gedanken gemacht hat, denn nachdem sich hier nun Jesse Alexander als Showrunner versuchen durfte, wird der nun von Charles Eglee beerbt werden, der für die dritte – und immerhin seitens Starz bereits bestätigte – Staffel verantwortlich zeichnen wird.

Fazit & Wertung:

Nach einer fulminanten ersten Staffel American Gods häuften sich leider die Berichte zu den Querelen hinter den Kulissen und tatsächlich macht sich (nicht nur) das Fehlen des ursprünglichen Showrunners Bryan Fuller in der zweiten Staffel deutlich bemerkbar, derweil der Plot nicht nur zunehmend zerfasert, sondern auch kaum in die Gänge kommt. Dies war zuweilen zwar auch schon in der Vergangenheit der Fall, doch herrschte dort noch das Gefühl vor, dies diene einem höheren Zweck und verfolge ein langfristigeres Ziel, während es hier wie schlichte Planlosigkeit der Verantwortlichen wirkt, wohin es gehen soll. Immerhin, sowohl Cast als auch der Look des Ganzen wissen noch immer zu überzeugen und trösten ein Stück weit darüber hinweg, dass diese Season bei geradlinigerer Inszenierung weitaus epischer und packender hätte werden können.

7,5 von 10 alten und neuen Göttern

American Gods | Staffel 2

  • Alte und neue Götter - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Nach einer fulminanten ersten Staffel American Gods häuften sich leider die Berichte zu den Querelen hinter den Kulissen und tatsächlich macht sich (nicht nur) das Fehlen des ursprünglichen Showrunners Bryan Fuller in der zweiten Staffel deutlich bemerkbar, derweil der Plot nicht nur zunehmend zerfasert, sondern auch kaum in die Gänge kommt. Dies war zuweilen zwar auch schon in der Vergangenheit der Fall, doch herrschte dort noch das Gefühl vor, dies diene einem höheren Zweck und verfolge ein langfristigeres Ziel, während es hier wie schlichte Planlosigkeit der Verantwortlichen wirkt, wohin es gehen soll. Immerhin, sowohl Cast als auch der Look des Ganzen wissen noch immer zu überzeugen und trösten ein Stück weit darüber hinweg, dass diese Season bei geradlinigerer Inszenierung weitaus epischer und packender hätte werden können.

7.5/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 2

01. House on the Rock (8,5/10)
02. The Beguiling Man (7/10)
03. Muninn (7,5/10)
04. The Greatest Story Ever Told (7/10)
05. The Ways of the Dead (7,5/10)
06. Donar the Great (8/10)
07. Treasure of the Sun (9/10)
08. Moon Shadow (6,5/10)

 
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American Gods | Staffel 2 ist seit dem 11.03.19 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar und erscheint am 25.07.19 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Wortman 13. Mai 2019

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