Review: Star Wars: Meistgesucht – Die Vorgeschichte zu Solo | Rae Carson (Buch)

Das Star Wars Universum

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Zeit wird’s für die nächste Buch-Besprechung und ihr ahnt, worum es heute mal wieder gehen wird, aber wer kann schon nein sagen, wenn die Weiten der Galaxis wieder rufen (wobei sich die Story hier voll und ganz auf, unter und über Corellia abspielt).

Star Wars
Meistgesucht
Die Vorgeschichte zu Solo

Star Wars: Most Wanted, USA 2018, 336 Seiten

Star Wars: Meistgesucht - Die Vorgeschichte zu Solo | © Panini
© Panini

Autorin:
Rae Carson
Übersetzer:
Timothy Stahl

Verlag (D):
Panini Books
ISBN:
978-3-833-23637-2

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Han erstarrte. Sein Verstand drängte ihn zu fliehen, aber sein Instinkt wies ihn an, sich nicht vom Fleck zu rühren; davonzulaufen, das begriff er, war das Schlimmste, was er tun könnte. Und Han verließ sich stets auf seinen Instinkt. Das hatte ihm schon mehr als einmal das Leben gerettet.

Der etwa achtzehnjährige Han lebt – ebenso wie die gleichaltrige Qi’ra als Teil der "Weißen Würmer" im Kanalnetz unter Coronet, ihres Zeichens Hauptstadt von Corellia. Und auch wenn das Leben hart ist unter dem Joch der Grindalidin Lady Proxima, ist es doch besser, Teil einer Bande zu sein, statt sich allein durchschlagen zu müssen, zumal jüngst der Posten des Unterführers vakant geworden ist und mit zusätzlichen Essensrationen lockt. Da kommt es Han eigentlich recht gelegen, als Lady Proxima ihn für einen prekären Auftrag auswählt und ihm im Gegenzug besagten Posten in Aussicht stellt, doch auch Qi’ra wird von ihr auf eine dubiose Geheim-Mission geschickt. Noch ahnen Han und Qi’ra weder, dass ihre Aufträge miteinander verwoben sind, noch, dass sie bald gehörig in die Bredouille geraten werden und fortan nicht nur die "Weißen Würmer", sondern gleich noch das gesammelte Kaldana-Syndikat und die imperialen Truppen Jagd auf sie machen werden. Gut für beide, dass Qi’ra die geborene Taktikerin, Han der geborene Improvisateur ist…

Rezension:

Nachdem ich gefühlt zu der ausgesucht-exklusiven Schar derer gehöre, denen Solo: A Star Wars Story durchaus zu gefallen wusste, musste ich mich ja quasi über kurz oder lang auch Star Wars: Meistgesucht widmen, der den Beinamen Die Vorgeschichte zu Solo trägt, was natürlich mal wieder weit zu hoch gegriffen ist. Wahr ist aber, dass die Geschichte den Geschehnissen im Film nicht allzu lang vorgelagert ist und durchaus Hans Pläne befeuert, den "Weißen Würmern" den Rücken zu kehren und sein Glück in den Weiten der Galaxis zu suchen. Das nun aber kein aktiver oder essentieller Bezug zum Film besteht, bedeutet nicht gleichsam, dass das Buch schlecht wäre, wenn man denn mit einer ähnlichen Erwartungshaltung wie beim Film an die Lektüre geht, nämlich, dass es eben keine epische, die Galaxis umspannende Geschichte ist, die hier zum Besten gegeben wird, sondern ein Abenteuer eines angehenden Schmugglers, der hier zwar noch nicht in dem Metier tätig ist, aber freilich schon über seinen Wagemut, eine ungebrochene Glückssträhne und reichlich Schneid und Bauchgefühl verfügt. Zu meiner großen Freude steht aber nicht nur Han selbst im Mittelpunkt der Story, sondern gleichsam auch Qi’ra, die ich – sicherlich zu großen Teilen dem Charme von Emilia Clarke geschuldet – schon im Film als ungemein interessante Figur empfunden habe.

Lady Proxima blickte auf Qi’ra hinab und spannte ihre Hauptarme. Der knochenweiße Schnabel ihres Gesichts sah aus wie eine Axt, die bereit war, auf das nächstbeste Ziel niederzufahren. Als sie lächelte, schimmerte die feuchte Linie ihres Mundes wie die Schneide eines Sägemessers. Zweifellos sollte dies eine beruhigende Geste sein.

Fernab des eigentlichen Auftrags und Abenteuers erfährt man hier also viel über die Wünsche und Träume von Han und Qi’ra sowie ihr Verhältnis zueinander, was speziell letztgenannter Figur noch einmal deutlich mehr Tiefe verleiht, denn über die Wesenszüge von Han – hier noch ohne Beiname Solo – dürfte man ja ausreichend im Bilde sein. Die Geschichte selbst, die von einer missglückten Transaktion kündet, in die neben den Weißen Würmern auch das Kaldana-Syndikat, die Droiden-Gotra und nicht zuletzt eine mysteriöse Ingenieurin verwickelt sind, haut jetzt zwar nicht bahnbrechend vom Hocker, ist aber durchaus kurzweilig und nett inszeniert, wobei wie gesagt am meisten Spaß an dem Buch haben dürfte, wer auch schon mit dem nachgelagerten Film etwas anzufangen wusste, denn ansonsten dürften die Geschehnisse in Star Wars: Meistgesucht als ziemlich trivial empfunden werden.

Dafür aber bekommt man reißerische Verfolgungsjagden, clevere Finten und reichlich Einfallsreichtum und Improvisationstalent der handelnden Figuren zu spüren, deren Leben unter den Straßen von Coronet hier eben deutlich ausgebaut wird, was auch für die Figur der Lady Proxima gilt, die im Film ja doch auch eher eine Statistenrolle innehatte. So ist es auch bei den Star Wars-Büchern für mich eine schöne Abwechslung gewesen, mal nicht von mächtigen Jedi und Sith zu lesen oder planetenübergreifenden Konflikten beizuwohnen, sondern eben einem Lebenskünstler-Duo beizuwohnen, die sich mit Pfiff und Cleverness aus jeder noch so misslichen Lage herausmanövrieren und alles daran setzen, einfach nur mit heiler Haut aus der Sache zu kommen, in die sie da geraten sind. Nun ist das Buch mit seinen rund 330 Seiten natürlich auch nicht ausnehmend umfangreich geraten (und ist in Amerika bei Disney-Lucasfilm Press erschienen, die für die Young-Adult Novels verantwortlich zeichnen), doch spricht es dennoch für den Band, dass ich ihn in rund anderthalb Tagen ausgelesen hatte, denn dafür muss die Geschichte mich schon zu packen wissen.

Als die Luke sich wieder schloss, lehnte er sich dagegen und atmete tief durch. Er hasste es, sich zu verneigen. Er hasste es, Lady Proxima nach dem Mund zu reden. Er hasste es, so ein Schleimer zu sein. Sicher, es war eine kalkulierte Entscheidung, sie war wichtig für sein Überleben als corellianische Rudelratte. Aber es war falsch. Völlig wider seine Natur.

Im direkten Vergleich ist Star Wars: Meistgesucht gegenüber anderen Veröffentlichungen des Franchise zwar sicherlich zu vernachlässigen und bietet wie gesagt auch keine essentiellen Inhalte, die den Film merklich aufwerten würden – wenn man von dem ausgearbeiteten "Innenleben" der Figuren einmal absieht –, dafür aber reichlich Kurzweil und Abenteuerflair, was manchmal ja schon ausreicht, um für einige Stunden wunderbar unterhalten zu werden. Und wenn dann auch noch ein Duo wie Han und Qi’ra im Mittelpunkt der Erzählung steht, kann eigentlich so viel nicht schief laufen und so habe ich dem von Rae Carson verfassten Roman auch nichts Gravierendes anzukreiden, sondern weise lediglich noch einmal darauf hin, dass eine gewisse Sympathie für den Solo-Film durchaus vorhanden sein sollte, um sich für die Geschichte erwärmen zu können, denn obwohl beide Werke auch für sich genommen funktionieren und keine großartigen Verknüpfungen bieten, schlagen sie doch in der Art ihrer Erzählung in eine ähnliche Kerbe.

Fazit & Wertung:

Mit Star Wars: Meistgesucht liefert Rae Carson einen unterhaltsamen wie kurzweiligen Abenteuerroman ab, der sich dem jungen Han und der gleichaltrigen Qi’ra kurz vor Einsetzen der Filmhandlung von Solo widmet. Mag die Geschichte vergleichsweise kompakt und klein gehalten sein, bietet sie beiden Charakteren ausgiebig Gelegenheit zu glänzen und vermag mit actionreicher Inszenierung durchaus zu punkten, auch wenn man dem Werk zuweilen anmerkt, dass es für ein eher jüngeres Lesepublikum konzipiert worden ist.

7 von 10 Hetzjagden quer durch Coronet

Star Wars: Meistgesucht – Die Vorgeschichte zu Solo

  • Hetzjagden quer durch Coronet - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit Star Wars: Meistgesucht liefert Rae Carson einen unterhaltsamen wie kurzweiligen Abenteuerroman ab, der sich dem jungen Han und der gleichaltrigen Qi'ra kurz vor Einsetzen der Filmhandlung von Solo widmet. Mag die Geschichte vergleichsweise kompakt und klein gehalten sein, bietet sie beiden Charakteren ausgiebig Gelegenheit zu glänzen und vermag mit actionreicher Inszenierung durchaus zu punkten, auch wenn man dem Werk zuweilen anmerkt, dass es für ein eher jüngeres Lesepublikum konzipiert worden ist.

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Star Wars: Meistgesucht – Die Vorgeschichte zu Solo ist am 23.07.18 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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