Review: Solo: A Star Wars Story (Film)

Das Star Wars Universum

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Nachdem ich gestern Abend nach für mich selbst überraschend kurzer Zeit "schon wieder" das örtliche Kino aufgesucht habe, komme ich natürlich nicht umhin – wie gestern ja auch schon angekündigt – prompt meine Eindrücke und Gedanken zu Solo zu verbalisieren.

Solo: A Star Wars Story

Solo: A Star Wars Story, USA 2018, 135 Min.

Solo: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Ron Howard
Autoren:
Jonathan Kasdan
Lawrence Kasdan

Main-Cast:
Alden Ehrenreich (Han Solo)
Woody Harrelson (Beckett)
Emilia Clarke (Qi’ra)
Donald Glover (Lando Calrissian)
Thandie Newton (Val)
Paul Bettany (Dryden Vos)
in weiteren Rollen:
Phoebe Waller-Bridge (L3-37)
Joonas Suotamo (Chewbacca)

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Solo: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Der junge Herumtreiber und Gelegenheitsganove Han startet in seiner Impulsivität einen Versuch, von seinem Heimatplaneten Corellia zu flüchten und Lady Proxima zu entkommen, die ihn und viele weitere unter ihren Fittichen hält. Gemeinsam mit seiner Freundin Qi’ra scheint die Flucht auch zu glücken, doch im letzten Moment werden die beiden getrennt. Mangels Plänen und Alternativen meldet sich Han zum Dienst in der Imperialen Armee und schwört sich, eines Tages zurückzukehren und Qi’ra zu befreien. Drei Jahre später ist Han allerdings noch immer nicht der weltbeste Pilot und wird als Infanterist verheizt, weshalb es ihm nur zupass kommt, als er Tobias Beckett und seinen Gefährten begegnet, denen er sich anzuschließen gedenkt. Beckett allerdings will davon zunächst nichts wissen und nutzt seine Tarnung als Imperialer, um Han als Deserteur zu brandmarken, was prompt die nächsten Probleme mit sich bringt. Schlussendlich gelingt Han natürlich die Flucht und er rauft sich mit Tobias zusammen, der wiederum einen lukrativen Job für den Syndikatschef Dryden Vos zu erledigen hat, bei dem es um eine ganze Wagenladung an raffiniertem Coaxium geht…

Rezension:

Mit Solo: A Star Wars Story ist nun also der zweite Teil der Anthologie-Reihe seitens Disney in den hiesigen Kinos eingetrudelt und nachdem man sich bei Rogue One noch auf ein unbekanntes Figuren-Ensemble gestürzt hat, galt es hier nun, die Vita und damit umtriebige Vergangenheit des berühmtesten Schmugglers der Galaxis anzureichern, was im Vorfeld einiges an Argwohn und Skepsis mit sich brachte, denn Han Solo von jemand anderes als Harrison Ford verkörpern zu lassen, ist zweifelsohne ein ziemliches Wagnis, zumal auch ich persönlich skeptisch war, was Alden Ehrenreich anbelangte, den ich bis dato nur aus Hail, Caesar! kannte und der nicht unbedingt die naheliegendste Wahl für die Rolle gewesen sein dürfte. Hinzu kamen natürlich noch die Querelen um den Abzug von Phil Lord und Chris Miller (The Lego Movie) als Regisseure des Projekts aufgrund "unüberbrückbarer kreativer Differenzen" und den als Nachfolger geworbenen Ron Howard (Rush), der dann auch prompt weite Teile des Films nachdrehen ließ, was nicht unbedingt Gutes für den Film hoffen ließ. Umso überraschender, wie stimmig das Werk sich nun aber schließlich in seiner Gänze präsentiert, auch wenn es ohne Frage nichts Substanzielles oder zwingend Notwendiges zum "Mythos" Han Solo hinzufügt, wobei das ja auch nicht unbedingt Anspruch von Filmen sein muss.

Szenenbild aus Solo: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Stattdessen präsentiert sich Solo: A Star Wars Story bereits nach wenigen Momenten als actiongeladener und temporeicher Actionfilm vor bekannter Kulisse, gleichwohl man den Planeten Corellia bisher noch nicht im Kino gezeigt bekommen hat, worüber ich mich schon wieder sehr gefreut habe, zumal man sich hier erneut um einen dreckig-rauen Ton bemüht und entsprechend atmosphärisch sind die unüberschaubaren, ins ewige Zwielicht getauchten Straßen und Gassen geraten. Und ja, anfänglich, wenn Han das erste Mal zu sprechen beginnt, habe ich doch mit der Figur zunächst ein wenig gefremdelt, aber dieser Eindruck gibt sich zum Glück schnell und Ehrenreich gelingt es tatsächlich, zumindest in Ansätzen den spitzbübischen Charme des Draufgängers zu adaptieren und folglich auch den nach seiner Figur benannten Film zu tragen, auch wenn sich im weiteren Verlauf zahlreiche Szenendiebe anschicken, ihm den vordersten Rang streitig zu machen. So beginnt der Film zugegebenermaßen auch ziemlich generisch, was die Flucht von Corellia und den nachfolgenden Zeitsprung anbelangt, doch nimmt das Geschehen auch mit jeder weiteren Begegnung an Fahrt auf. Hier macht Woody Harrelson (Triple 9) den Anfang und nimmt sich in seiner Rolle des Tobias Beckett angenehm zurück, ohne dass seine schiere Leinwandpräsenz darunter leiden würde, wodurch er eine gute Figur als gaunerhafte Variation eines Mentors macht, die Han Solo in Kontakt mit den dubioseren Gestalten der Galaxis bringt.

Szenenbild aus Solo: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Vor allem aber führt die Kollaboration zwischen Beckett und Solo zu einem der frühen Höhepunkte des Films, nämlich einem großangelegten und optisch spektakulär bebilderten Zugüberfall, der dem Science-fiction-Genre alle Ehre macht und folglich mit ein paar ungewohnten Kniffen aufwartet, die sich wirklich sehen lassen können, derweil mich das Geschehen ein Stück weit an Firefly und die Episode Schmutzige Geschäfte (1.02) erinnert hat, was nicht das Schlechteste ist, wenn man die grundsätzlichen Parallelen der beiden Franchises berücksichtigt. Vor allem aber unterstreicht es den starken Heist-Charakter von Solo: A Star Wars Story, der auch im weiteren Verlauf noch des Öfteren zum Tragen kommt und den man sich bei einem Film über den berühmtesten Schmuggler der Galaxis auch hat erwarten dürfen. Das zählt im Grunde auch als Alleinstellungsmerkmal dieses Spin-offs, denn die Geschichte selbst ist zugegebenermaßen weit weniger episch geraten als man das von den "normalen" Star Wars-Filmen gewohnt sein dürfte, worin ich aber auch eine große Chance speziell für die Anthologie-Vertreter sehe, die hier gewinnbringend genutzt worden ist.

Szenenbild aus Solo: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

So mag Solo nicht der Überfilm geworden sein und sich in vielen Belangen auch reichlich generisch geben, doch die auf den ersten Blick ziemlich simple Geschichte macht schlichtweg Spaß, was nur zum Teil an Ehrenreich selbst liegt, sondern auch den vielen Buddy-Movie-Elementen, die sich alleine daraus ergeben, wenn Chewbacca (zum Glück recht früh) zur Beckett-rew stößt, denn die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Draufgänger und Riesenzottel ist auch hier trefflich eingefangen und punktet in jedem Moment. Noch weitaus begeisterungswürdiger allerdings mag Donald Glover (Community) als schlitzohriger, jüngerer Lando Calrissian sein und spätestens mit seinem Erscheinen war mir klar, dass ich nichts dagegen hätte, mir noch viele weitere Filme mit dieser Besetzung in den nächsten Jahren anzusehen, derweil ja zum Glück schon Pläne in diese Richtung zu bestehen scheinen. So könnte man sich darüber beklagen, dass Glover als Calrissian zu wenig Screentime spendiert bekommen hat, alternativ aber auch einfach darauf hoffen und warten, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende erzählt worden ist, worauf das Ende auch ein paar ziemlich eindeutige Hinweise gibt, die sich extrem stimmig in das Gefüge aus immer neuem Lug und Trug, Verrat und Gaunerei fügen und ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten beinhalten, das die versierten Fans der Reihe möglicherweise schon erahnt haben.

Szenenbild aus Solo: A Star Wars Story | © Walt Disney
© Walt Disney

Für eine Fortsetzung spräche indes auch die von Emilia Clarke (Ein ganzes halbes Jahr) verkörperte Qi’ra, die sich zu Beginn als klassisches Anhängsel und Love-Interest gibt, um erst im Verlauf des Films langsam Profil und Tiefe zu bekommen, derweil klar ist – hoffentlich ohne damit (zu sehr) zu spoilern –, dass ihre Geschichte noch längst nicht zu Ende erzählt ist, sondern im Grunde gerade erst begonnen hat, wobei sie auch hier schon zumindest einige wenige starke Momente spendiert bekommt, die ihre Beteiligung rechtfertigen. Anders sieht es da leider mit dem großartigen Paul Bettany (Manhunt: Unabomber) aus, auf den ich mich im Vorfeld als Bösewicht Dryden Vos sehr gefreut hatte, denn auch wenn der seine Sache als Verkörperung des soziopathischen Fieslings großartig macht, ist er im Kontext des Films eben kaum mehr als eine Dreingabe und bekommt – wie Glover – nicht annähernd die Screentime spendiert, die ihm zugestanden hätte, wodurch seine Figur auch vergleichsweise blass und beliebig – um nicht zu sagen austauschbar – bleibt. Nun handelt es sich bei Solo – auch wenn der Name anderes vermuten lässt – aber nun einmal eher um einen Ensemble-Film, der sich wenn überhaupt auf seine namensgebende Hauptfigur konzentriert und verständlicherweise haben da so einige Figuren das Nachsehen, wenn man sich beispielsweise auch den Rest von Becketts Crew betrachtet, denen kaum so etwas wie Profil oder Hintergrund spendiert wird.

Solo: A Star Wars Story | Zeichnung von Wulf Bengsch

All das verhindert zwar, dass mich Solo: A Star Wars Story in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt, doch als launige Action-Komödie mit Heist- und Buddy-Elementen, einem charismatischen Protagonisten und interessanten Weggefährten macht Ron Howards Film schlichtweg eine Menge Spaß und verkneift sich jegliche Längen, was in Anbetracht der überschaubaren und nicht immer überraschenden Storyline schon einiges über die Qualitäten des Films sagt. Freilich mag es mitnichten ein wichtiger oder nicht zu ignorierender Baustein in der Geschichte von Han Solo sein, der hier verfilmt worden ist, doch mir persönlich hat die Begegnung mit dem jüngeren Ich rundweg gut gefallen. Ein wenig Fan-Service zuletzt war auch vertreten und so freut sich der Star Wars-Kenner über die Erwähnung manch bekannter Figur oder Institution, derweil selbstredend auch Hans spektakulärer Kessel-Flug im Film vorkommt, was von manchen Seiten als Anbiederei verurteilt worden ist. Dem kann ich mich nun wiederum nicht anschließen und vermag mir kaum auszumalen, wie groß der Aufschrei im Gegenzug gewesen wäre, wenn er eben nicht im Film aufgetaucht wäre. Summa summarum, ein kurzweiliger Abenteuer-Film aus "einer weit, weit entfernten Galaxis", den anzusehen ich nur empfehlen kann.

Fazit & Wertung:

Ron Howard liefert mit Solo: A Star Wars Story einen würdige Vertreter der noch jungen Anthologie-Serie ab, der sich fernab der opulenten Raumschlachten hier an einer klassischen Heist-Story mit gehörig Buddy-Movie-Appeal versucht und glänzend unterhält. Mag Alden Ehrenreich als junger Han Solo nicht vom ersten Moment an überzeugen, macht er sich die Rolle dennoch im Verlauf des gut zweistündigen Reigens zu Eigen und punktet mit charmanter Süffisanz. Die oft szenenstehlende weitere Besetzung und ein herrlich dreckiger Look tun hierbei ihr Übriges, um das Abenteuer einerseits frisch und eigenständig, andererseits dem Rest des Franchise zugehörig wirken zu lassen.

8 von 10 mehr als gewagten Flug-Manövern

Solo: A Star Wars Story

  • Mehr als gewagte Flug-Manöver - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Ron Howard liefert mit Solo: A Star Wars Story einen würdige Vertreter der noch jungen Anthologie-Serie ab, der sich fernab der opulenten Raumschlachten hier an einer klassischen Heist-Story mit gehörig Buddy-Movie-Appeal versucht und glänzend unterhält. Mag Alden Ehrenreich als junger Han Solo nicht vom ersten Moment an überzeugen, macht er sich die Rolle dennoch im Verlauf des gut zweistündigen Reigens zu Eigen und punktet mit charmanter Süffisanz. Die oft szenenstehlende weitere Besetzung und ein herrlich dreckiger Look tun hierbei ihr Übriges, um das Abenteuer einerseits frisch und eigenständig, andererseits dem Rest des Franchise zugehörig wirken zu lassen.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (5 Stimmen)
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Solo: A Star Wars Story läuft seit dem 24.05.18 im Kino und erscheint demnächst auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney.
vgw

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