Review: Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles (Graphic Novel)

Heute bediene ich dann ausnahmsweise einmal nicht eines der ausgewiesenen Themen, die hier in punkto Comic allwöchentlich auf dem Trapez erscheinen, sondern widme mich diesem vielversprechenden Auftaktband einer neuen Serie, die allerdings in nicht minder kultige Fußstapfen zu treten gedenkt.

Blade Runner 2019
Band 1: Los Angeles

Blade Runner 2019 Vol. 1, USA 2019, 112 Seiten

Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles | © Panini
© Panini

Autoren:
Michael Green
Mike Johnson
Zeichner:
Andres Guinaldo

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-61720-1

Genre:
Science-Fiction | Thriller

 

Inhalt:

Mittlerweile sind Androiden auf der Erde verboten worden, seit es zunehmend schwieriger wurde, sie von echten Menschen zu unterscheiden. Aahna Ashina als eine der ersten – und eine der besten – Blade Runner ist damit betraut, für das Los Angeles Police Department die sogenannten Replikanten ausfindig und unschädlich zu machen, wobei sich hinter der freundlichen Formulierung "in den Ruhestand schicken" nichts anderes verbirgt als die unumkehrbare Abschaltung und Zerstörung der künstlichen Wesen. Nach ihrem jüngsten Einsatz allerdings wird Ash ein für sie eher ungewöhnlicher Auftrag übertragen, denn der einflussreiche Alexander Selwyn – gut befreundet mit Eldon Tyrell – vermisst seine Frau und seine Tochter und legt wenig Wert darauf, den Fall einem in seinen Augen unfähigen Polizisten zu übertragen. Stattdessen verlässt er sich auf Ashs guten Ruf als Blade Runner und liegt mit dem Vertrauen in ihre Fähigkeiten auch gar nicht mal falsch…

Rezension:

Unmittelbar nach dessen Eintreffen habe ich mich jüngst auf Blade Runner 2019: Los Angeles gestürzt, denn neuer Stoff aus diesem Universum kann so verkehrt nie sein, selbst wenn man meine Meinung nicht teilen sollte, dass Blade Runner 2049 ein in allen Belangen mehr als würdiger Nachfolger zum originalen Blade Runner-Film von Ridley Scott gewesen ist. Mit beiden hat vorliegender Sammelband – der insgesamt vier Einzelhefte in sich vereint – nur mäßig viel zu tun, was aber auch Anspruch der Sache gewesen ist, also, neue Geschichten in diesem Setting zu kredenzen, ohne in direkte Konkurrenz zu Rick Deckard und Konsorten zu treten. Den Part der Protagonistin übernimmt hier Aahna Ashina, schlicht "Ash" genannt, und die ist ihres Zeichens freilich ebenfalls Blade Runner und reichlich effektiv in ihrem Job. Als verantwortlicher Autor tritt hier – neben Mike Johnson – Michael Green in Erscheinung, der auch schon am Skript zu Villeneuves Film von 2017 mitgearbeitet hat und das merkt man im Grunde schon bei der Einleitung, die mit Varianz – und freilich deutlich verknappt – eine ähnliche Einführung für Ash verspricht wie schon für "K" im Film.

Ausschnitt aus Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles | © Panini
© Panini

Im weiteren Verlauf finden sich aber auch gehäuft Parallelen zu Greens Arbeit an dem Drehbuch zu Logan, wobei ich ihm das gar nicht automatisch zum Vorwurf machen möchte, doch ist es eben auf- und augenfällig, inwieweit sich Motive und Ansätze bei ihm zu widerholen scheinen, wodurch in Summe der Plot dieses ersten Bandes Blade Runner 2019 leider nur leidlich überzeugen kann und gerne tiefschürfender und überraschender hätte ausfallen können. So wird eben auch Ash zwar als Blade Runner eingeführt, doch bereits nach wenigen Seiten wird sie stattdessen auf einen Vermisstenfall angesetzt, der ja nun eigentlich nicht unbedingt zum Repertoire eines Replikanten-Jägers gehört. Die Hintergründe werden – auch dank parallel geschichteter Erzählweise – schnell offenbar und zählen ebenso wenig zu den großen Überraschungen des Bandes. Mag es hier auch einmal mehr um die eventuelle Diskrepanz zwischen Mensch und Maschine gehen und darum, welchen Wert ein jedes Individuum besitzt, kratzen Green und Johnson doch nur an der Oberfläche dessen, was man womöglich hätte verhandeln können, was sicherlich zu Teilen damit zusammenhängt, dass die Action hier eine deutlich höhere Gewichtung erfährt als derlei Gedankenspiele und Überlegungen.

Die immerhin ist durchaus gelungen und seitens Andres Guinaldo ansprechend dynamisch in Szene gesetzt, während auch das Los Angeles der "Zukunft" wirklich atmosphärisch gelungen ist. Leider lassen aber viele kleinere Panels die Sorgfalt ein wenig missen, die Guinaldo den großflächigeren Cyberpunk-Gemälden angedeihen ließ, doch im Großen und Ganzen bin ich mit der optischen Aufmachung von Blade Runner 2019 zufrieden. Kleinere Story-Flächen vermag der gelungene Look durchaus zu kaschieren, doch wäre hier dramaturgisch sicher noch mehr drin gewesen, als pflichtschuldig ein paar altbekannte oder bereits anderweitig eingesetzte Versatzstücke zu arrangieren. Für gefällige wie kurzweilige Unterhaltung taugt das allemal, doch wer in der Hoffnung an die Sache herangeht, ein ähnlich bahnbrechendes Werk wie den oder die Filme kredenzt zu bekommen, wird schnell merken, dass es sich dann doch eher um ein Retortenprodukt handelt, um den längst wieder abgeflachten Hype neu zu befeuern.

Ausschnitt aus Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles | © Panini
© Panini

Fernab von Ash aber, zu der man künftig hoffentlich noch mehr erfahren wird, hält der Band durchaus einiges an Qualitäten bereit und endet vor allem mit dem Versprechen, im Nachfolgeband Off World (erscheint im amerikanischen Original im kommenden Juli) neue Welten zu erkunden und Ash dorthin zu führen, wo noch kein Blade Runner gewesen ist. Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch, dass die Geschichte mitnichten in sich abgeschlossen ist und entsprechend mit einem milden Cliffhanger endet. Zum Anfüttern reicht Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles also durchaus, auch wenn man hie und da gerne etwas einfallsreicher und innovativer an die Sache hätte herangehen können. Vielleicht haben sich das Green, Johnson und Guinaldo aber auch schlichtweg noch nicht getraut und haben lieber die sichere Schiene fahren wollen, mit weitestgehend bekanntem Setting und zu erwartenden Themen die Fans nicht zu verprellen, denn natürlich richtet sich die Serie vor allem anderen an all jene, die auch schon von Ridley Scotts visionärer Umsetzung von Philip k. Dicks Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? begeistert gewesen sind.

Fazit & Wertung:

Mit Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles treten die Autoren Green und Johnson nebst Zeichner Guinaldo ein zugegebenermaßen schweres Erbe an und gehen zuweilen zu sehr auf Nummer Sicher, doch bietet der Band durchaus ansprechende Unterhaltung und macht Lust auf mehr, auch wenn man gerne von vornherein ein wenig innovativer hätte agieren dürfen.

7 von 10 flüchtigen Replikanten

Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles

  • Flüchtige Replikanten - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles treten die Autoren Green und Johnson nebst Zeichner Guinaldo ein zugegebenermaßen schweres Erbe an und gehen zuweilen zu sehr auf Nummer Sicher, doch bietet der Band durchaus ansprechende Unterhaltung und macht Lust auf mehr, auch wenn man gerne von vornherein ein wenig innovativer hätte agieren dürfen.

7.0/10
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Blade Runner 2019 Band 1: Los Angeles erscheint am 24.03.2020 im Panini Verlag. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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